Fremd in Zürich – fremdes Zürich?
Migration, Kultur und Identität im 19. und 20. Jahrhundert
Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Band 72
Broschur
2005. 248 Seiten, 60 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-0713-9
CHF 58.00 / EUR 38.80 
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Das multikulturelle Zürich ist heute in aller Munde. Dabei geht jedoch rasch vergessen, dass Zürich bereits vor hundert Jahren der «Schmelztiegel» der Schweiz war. Die «Fremden» kamen allerdings weniger aus der Ferne als aus benachbarten Gebieten, wirkten aber als Innerschweizer Katholiken, süddeutsche Dienstboten, italienische Maurer oder osteuropäische Juden gelegentlich nicht minder exotisch auf die Zürcher Bevölkerung als heutige Einwanderungsgruppen. Die Migration führte und führt zu einem mehr oder weniger heftigen Aufeinanderstossen unterschiedlicher Kulturen, doch Umstände und Folgen gerade für die Identität der Betroffenen sind weit vielfältiger, als ein oberflächlicher Blick glauben lässt.
Im Mittelpunkt des Buches stehen Themen, die das «Fremdsein» in Zürich nicht nur am Beispiel von Ausländerinnen und Ausländern, sondern auch von Wanderungsbewegungen innerhalb der Schweiz, von Sprachen, Religionen oder Weltüberzeugungen untersuchen. «Fremd» ist immer eine Frage der Wahrnehmung und kann einem raschen Bedeutungswandel unterliegen. Was gestern «fremd» war, scheint heute oft selbstverständlich. Abgesehen davon sind Fremde nicht unbedingt Ausländer - und Ausländer nicht immer Fremde. Solche Aspekte greifen die verschiedenen Beiträge auf, die um fremde Heimat, unterschiedliche Welten oder Politik und Migration kreisen.



Peter Niederhäuser, lic. phil., Historiker. Nach dem Studium der Geschichte in Zürich, Lausanne und Leipzig Bearbeiter der Urkundenregesten im Staatsarchiv Zürich; heute freischaffender Historiker und breite Tätigkeit in der "Geschichtsvermittlung" (Museum, Journalismus sowie Führungen und Reiseleitungen). Er forscht und publiziert zur spätmittelalterlichen Ostschweiz mit Schwergewicht auf Adel und Habsburg, zu Stadt- und Ortsgeschichten sowie zur Industrie- und Architekturgeschichte.


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Inhalt
Peter Niederhäuser: Fremde, Gastarbeiterinnen, Flüchtlinge, Ausländerinnen, Asylanten - eine Einleitung
Uri Robert Kaufmann: Zur Akkulturation der Juden in Zürich 1850-1900
Karin Huser: Fremd sein in Zürich. Ostjüdisches Leben an der Sihl
Jürg Ulrich: «Wie Fremdlinge im eignen Land». Versuch eines Schweizer Intellektuellen, in der Nachkriegszeit revolutionärer Sozialist zu sein - ein persönlicher Rückblick
Adrian Collenberg und Marc Dosch: «Steifresser & Schluchtaschisser» - Bündner in Zürich Andrée Lappé: Das französischsprachige Zürich
Peter Niederhäuser und Samuel Studer:
Den «Glauben vor aller Öffentlichkeit bekennen». Das Winterthurer Fronleichnamsfest als Manifestation des Diasporakatholizismus Elisabeth Joris: «Gli Italiani della Feller». Rekrutierung und Integration von italienischen Arbeitskräften in den 1950er und 1960er Jahren
Sarah Bolleter: Fremde Heimat. Italienerinnen in Winterthur 1960-1970
Dana Landau: Zwischen der Tschechoslowakei und der Schweiz
Beno Baumberger: Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Bildung der serbischen Community in den 1990er Jahren
Eva Maeder und Daniel Glenck: Die «Nachfolger» Lenins: Weisse, Rote und andere Russen in Zürich
Markus Bürgi: Zürich: Stützpunkt der deutschen Sozialdemokratie während des Sozialistengesetzes
Regula Argast: Bürger machen? Das Scheitern der erleichterten Einbürgerung von Ausländern in der Stadt Zürich 1897-1905
Thomas Buomberger und Patrick Kury: Behördliche Überfremdungsbekämpfung und Überfremdungsbewegung. Zürcher Spuren eines wirkungsmächtigen Diskurses



Artikel
  • Fremde, Gastarbeiterinnen, Flüchtlinge, Ausländerinnen, Asylanten
  • Fremde Heimat
  • Zur Akkulturation der Juden in Zürich 1850–1900
  • Fremd sein in Zürich – Ostjüdisches Leben an der Sihl
  • «Wie Fremdlinge im eignen Land». Versuch eines Schweizer Intellektuellen, in der Nachkriegszeit revolutionärer Sozialist zu sein – ein persönlicher Rückblick
  • «Steifresser & Schluchtaschisser» – Bündner in Zürich
  • Das französischsprachige Zürich
  • Den «Glauben vor aller Öffentlichkeit bekennen». Das Winterthurer Fronleichnamsfest als Manifestation des Diasporakatholizismus
  • Zwischen verschiedenen Welten
  • «Gli Italiani della Feller». Rekrutierung und Integration von italienischen Arbeitskräften in den 1950er und 1960er Jahren
  • Fremde Heimat. Italienerinnen in Winterthur 1960–1970
  • Zwischen der Tschechoslowakei und der Schweiz
  • Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Bildung der serbischen Community in den 1990er Jahren
  • Die «Nachfolger» Lenins: Weisse, Rote und andere Russen in Zürich
  • Politik und Migration
  • Zürich: Stützpunkt der deutschen Sozialdemokratie während des Sozialistengesetzes
  • Bürger machen? Das Scheitern der erleichterten Einbürgerung von Ausländern in der Stadt Zürich 1897–1905
  • Behördliche Überfremdungsbekämpfung und Überfremdungsbewegung. Zürcher Spuren eines wirkungsmächtigen Diskurses

Am Berchtoldstag eines jeden Jahres stellt die Antiquarische Gesellschaft in Zürich ihr Neujahrsblatt vor. Der Band behandelt jeweils ein Thema der Zürcher oder Schweizer Geschichte. Dabei wird häufig jungen Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftlern die Möglichkeit gegeben, mit ihren Forschungsergebnissen an eine breitere Öffentlichkeit zu treten.