Ein «Bruderkrieg» macht Geschichte
Neue Zugänge zum Alten Zürichkrieg
Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Band 73
Broschur
2006. 208 Seiten, 49 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-0755-9
CHF 58.00 / EUR 38.80 
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Manchmal als Toggenburger Erbschaftskrieg, als Schwyzer, Eidgenössischer, Österreichischer oder gar Armagnakenkrieg bezeichnet, spielt die seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert hauptsächlich «Alter Zürichkrieg» genannte Auseinandersetzung der Jahre zwischen 1436 und 1450 im kollektiven Gedächtnis gerade von Zürich eine grosse Rolle. Die als «Mord» von Greifensee gebrandmarkte Hinrichtung der zürcherischen Besatzung von Greifensee durch ein eidgenössisches Kriegsgericht, die Gegenspieler Ital Reding und Rudolf Stüssi und die Schlachten bei St. Jakob an der Sihl und an der Birs nehmen aber nicht nur im Zürcher, sondern auch im Schweizer Geschichtsbild einen wichtigen Platz ein. Die unterschiedlichen Bezeichnungen weisen gleichzeitig darauf hin, dass der mehrjährige Konflikt keineswegs einfach ein «Bürger-» oder «Bruderkrieg» zwischen Schwyz und Zürich sowie ihren Verbündeten war. Der Streit griff vielmehr weit in die benachbarten, auch süddeutschen Gebiete aus, und gekämpft wurde nicht nur mit militärischen, sondern auch mit propagandistischen und diplomatischen Mitteln. Im Vordergrund des Buches stehen aber nicht die politischen Hintergründe und militärischen Ereignisse, die mittlerweile gut bekannt sind, sondern Gesichtspunkte, die den Alten Zürichkrieg stärker von «unten» und von «aussen» erforschen. Aus der Optik einer Alltags-, Kultur- und Regionalgeschichte heraus sollen etwa die Auswirkungen auf die Bevölkerung, die Perspektive einzelner Akteure und Persönlichkeiten sowie die Rolle von vermeintlichen Nebenschauplätzen untersucht werden. Diese bisher weit-gehend vernachlässigten Themen machen deutlich, dass der Alte Zürichkrieg ein Konflikt vieler Dimensionen ist, dass Kriege nicht nur auf den Schlachtfeldern Spuren hinterlassen und dass auch «Verlierer» eine Geschichte haben und verdienen.

Peter Niederhäuser, lic. phil., Historiker. Nach dem Studium der Geschichte in Zürich, Lausanne und Leipzig Bearbeiter der Urkundenregesten im Staatsarchiv Zürich; heute freischaffender Historiker und breite Tätigkeit in der "Geschichtsvermittlung" (Museum, Journalismus sowie Führungen und Reiseleitungen). Er forscht und publiziert zur spätmittelalterlichen Ostschweiz mit Schwergewicht auf Adel und Habsburg, zu Stadt- und Ortsgeschichten sowie zur Industrie- und Architekturgeschichte.


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Christian Sieber, lic. phil., Historiker. Nach dem Studium der Geschichte an der Universität Zürich Mitarbeit an verschiedenen Editionsprojekten (Schweizerchronik von Aegidius Tschudi; Urkundenregesten des Staatsarchivs Zürich; Acta Murensia) sowie Publikationen zur Zürcher Landesgeschichte und eidgenössischen Historiographie, aktuell Abteilungsleiter Editionsprojekte am Staatsarchiv Zürich und Projektleiter Elektronische Rechtsquellen-Edition Zürich.


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Inhalt
Peter Niederhäuser, Christian Sieber: Kriegsgeschichte(n) - ein Vorwort
Christian Sieber: Zur Einführung

POLITIK UND GESCHICHTE
Bernhard Stettler: Die Historiographie des Alten Zürichkriegs (15.-19. Jahrhundert)
Michael Jucker: Verstetigung und Verrechtlichung der Diplomatie. Krieg als Innovationsfaktor für die Politik (1415-1460)
Oliver Landolt: Das Alte Land Schwyz während des Alten Zürichkriegs


KRIEG UND ALLTAG
Christian Sieber: Der Vater tot, das Haus verbrannt. Der Alte Zürichkrieg aus der Sicht der Opfer in Stadt und Landschaft Zürich
Christian Sieber: Exkurs: Der reuige Eremit - Nikolaus von Flüe im Alten Zürichkrieg
Stefan Frey: Rudolf Stüssi - ein tragischer Held?
Werner Bosshard: Krieg und Todesvorbereitung. Zürcher letztwillige Verfügungen 1428-1445

DER BLICK VON «AUSSEN»
Fritz Rigendinger: «Ir hertz und sinn stuond fast gen Zürich». Der Alte Zürichkrieg aus der regionalen Perspektive des Sarganserlands
Pascale Sutter: Rapperswil - mehr als nur ein Bollwerk am See? Der Alte Zürichkrieg und seine Folgen für die Rosenstadt
Peter Niederhäuser: «Guot Sorg hat man zuo Winterthur» - Winterthur und der Alte Zürichkrieg
Andreas Bihrer: «Ein fürst des fridens». Vermittlungsbemühungen und Selbstinszenierung des Konstanzer Bischofs Heinrich von Hewen (1436-1462)
Dieter Speck: Albrecht VI. von Österreich und die «untreuen Schweizer»
Peter Niederhäuser: Der Fürst in der Ostschweiz. Eine Teiledition des Rechnungsbuchs von Herzog Albrecht VI. von Österreich



Besprechungen
Neue Aspekte des Alten Zürichkriegs Antiquarische Gesellschaft rib. Der sogenannte Alte Zürichkrieg gehört zu den Kapiteln der Zürcher Geschichte, die Schüler vor einem Examen ins Schwitzen bringen können. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden eidgenössischen Orten Zürich und Schwyz und der Herrschaft Österreich sind verschlungen. Der Streit um die Nachfolge des letzten, kinderlos verstorbenen Grafen von Toggenburg löste 1436 eine Reihe diplomatischer Konflikte und Kriegshandlungen aus, die erst 1450 ein Ende fanden. Die Auseinandersetzungen spielen im Selbstverständnis Zürichs und im Geschichtsbild der Schweiz auch heute noch eine wichtige Rolle. Und sie betrafen nicht nur die unmittelbaren Rivalen Zürich und Schwyz, sondern griffen weit in benachbarte Gebiete bis nach Süddeutschland aus. Das diesjährige Neujahrsblatt der Antiquarischen Gesellschaft will neue Aspekte des Alten Zürichkriegs in den Blick nehmen. Die zwölf in dem Band versammelten Beiträge unternehmen den Versuch, die Auswirkungen des Kriegs auf die Bevölkerung fassbar zu machen, die Rolle einzelner Akteure herauszuarbeiten (etwa des bei Sankt Jakob an der Sihl getöteten Zürcher Bürgermeisters Rudolf Stüssi) und die Folgen des jahrelangen blutigen Tauziehens für die Nachbarn der Konfliktparteien aufzuzeigen. Im Blick auf die Alltags-, Regional- und Kulturgeschichte entsteht so ein neues Bild dieses spätmittelalterlichen Krieges - abseits von Schlachtfeldern und abseits von militärischen und politischen Haupt- und Staatsaktionen. Peter Niederhäuser / Christian Sieber: Ein «Bruderkrieg» macht Geschichte. Neue Zugänge zum Alten Zürichkrieg (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 73). Chronos-Verlag, 2006. 208 S., zahlreiche Abb. Bezug am 2. Januar Fr. 50.-, danach Fr. 58.-. Neue Zürcher Zeitung ZÜRCHER KULTUR Samstag, 31.12.2005 Nr.306 52 Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der NZZ (c) 1993-2006 Neue Zürcher Zeitung AG

Am Berchtoldstag eines jeden Jahres stellt die Antiquarische Gesellschaft in Zürich ihr Neujahrsblatt vor. Der Band behandelt jeweils ein Thema der Zürcher oder Schweizer Geschichte. Dabei wird häufig jungen Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftlern die Möglichkeit gegeben, mit ihren Forschungsergebnissen an eine breitere Öffentlichkeit zu treten.