«Frieden» – Nachkriegszeit in der Schweiz

Sommer 1945, der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die Dimensionen der europäischen Katastrophe werden fassbar. Gleichzeitig zeichnen sich die Konturen einer neuen weltpolitischen Ordnung ab. Die Schweiz beteiligt sich am Wiederaufbau, will aber ihre Unabhängigkeit bewahren und sich nicht dem Hilfswerk der Siegermächte (UNRRA) anschliessen. In dieser Situation bietet das vom Bundesrat initiierte Hilfswerk Schweizer Spende den Alliierten an, für ein halbes Jahr 2000 Kinder aus Konzentrationslagern zur Erholung aufzunehmen. Es wurden nicht 2000 Kinder, sondern 370 junge Erwachsene aus dem Konzentrationslager Buchenwald aufgenommen. Die beteiligten Institutionen verfolgten unterschiedliche Ziele, was zu Konflikten, aber auch zu überraschenden Koalitionen führte. Nach einem Jahr stellte die Schweizer Spende ihr Engagement ein, obwohl sich die grosse Mehrheit der aufgenommenen Holocaustüberlebenden immer noch im Land befand.

In der schweizerischen Politik diente das Neutralitätsprinzip als taktische Rhetorik bei den Wirtschaftsverhandlungen sowie der Legitimation der Regierung, in den ersten Nachkriegsjahren vor allem der Verneinung jeglicher Verantwortung in Bezug auf den Krieg. Nicht der menschlichen und moralischen Tragik des Kriegs galt die Hauptsorge der offiziellen Schweiz, sondern der optimalen Erhaltung einer auf Privatbesitz beruhenden, hochentwickelten Volkswirtschaft.

  • Madeleine Lerf
    «Buchenwaldkinder» – eine Schweizer Hilfsaktion

    Humanitäres Engagement, politisches Kalkül und individuelle Erfahrung

    2010. Gebunden
    ISBN 978-3-0340-0987-4
    CHF 68.00 / EUR 68.00 
  • Hans Ulrich Jost
    Politik und Wirtschaft im Krieg

    Die Schweiz 1938–1948

    1998. 2., durchgesehene Auflage 2016.
    Broschur
    ISBN 978-3-905312-82-9
    CHF 34.00 / EUR 31.00 
  • Charlotte Weber
    Gegen den Strom der Finsternis

    Als Betreuerin in Schweizer Flüchtlingsheimen 1942–1945

    1997. 2. Auflage.
    Broschur
    ISBN 978-3-905311-31-0
    CHF 38.00 / EUR 38.00 
  • Max Perkal
    Schön war draussen …

    Aufzeichnungen eines 19jährigen Juden aus dem Jahre 1945

    1995. Broschur
    ISBN 978-3-905311-75-4
    CHF 32.00 / EUR 32.00 
  • Mario König, Christiane Uhlig, Petra Barthelmess, Peter Pfaffenroth, Bettina Zeugin
    Tarnung, Transfer, Transit

    Die Schweiz als Drehscheibe verdeckter deutscher Operationen (1939–1952)

    2001. Broschur
    ISBN 978-3-0340-0609-5
    CHF 58.00 / EUR 52.00 

Interniert

Mitte Juni 1940 gewährte die Schweiz 12 500 polnischen Soldaten Schutz als Internierte und nahm während des Krieges auch polnische Zwangsarbeiter oder Flüchtlinge aus Nazideutschland auf. Trotz eines entsprechenden Verbots entstanden viele polnisch-­schweizerische Beziehungen und Ehen. Manche scheiterten, viele glückten. Schweizerinnen verloren bei der Heirat mit einem Ausländer ihr Bürgerrecht. Vor den Paaren lag eine un­gewisse Zukunft. Sie mussten ausreisen, suchten ihr Glück in Frankreich, England oder Übersee, manche in Polen. Einige kehrten in die Schweiz zurück. Andere konnten oder wollten nicht heiraten. So kam es zu un­ehelichen Kindern, den «Polenkindern». Die Geschichten dieser Familien sind traurig und glücklich, aufregend oder normal. Sie zeigen die mannigfaltigen Ursprünge polnisch-schweizerischer Verbindungen und die Spuren, die Krieg, Flucht und Internierung im Leben hinter­lassen.

Radiobeitrag SRF: «Die Suche nach dem verschollenen Vater», Radio SRF 4 News, Zeitblende, 14.11.2020, Christoph Kellenberger

  • Marie-Isabelle Bill
    Interniert

    Polnisch-schweizerische Familiengeschichten

    Herausgegeben von der Interessengemeinschaft der Nachkommen internierter Polen in der Schweiz

    2020. Gebunden
    ISBN 978-3-0340-1589-9
    CHF 32.00 / EUR 32.00 
  • Silke Margherita Redolfi
    Die verlorenen Töchter

    Der Verlust des Schweizer Bürgerrechts bei der Heirat eines Ausländers. Rechtliche Situation und Lebensalltag ausgebürgerter Schweizerinnen bis 1952

    2019. Gebunden
    ISBN 978-3-0340-1504-2
    CHF 48.00 / EUR 48.00 

Kartierungen der Welt: Von mittelalterlichen Karthographen zu google maps

Wie wichtig die Karthographie im Mittelalter als Herrschaftsinstrument war, zeigen die beiden Studien «Herrschaftswissen» und «Kartographie und Konflikt im Mittelalter».

Die Neuerscheinung «Wissensmedien des Raums» fragt nach alten und neuen Daten räumlichen Wissens. Wie es entsteht, wie es visualisiert und mit welchen Effekten auf Raumvorstellungen und Machtbeziehungen es vermittelt wird.

Räumliches Wissen sichert auch heute noch Herrschaft: Hinter der vermeintlich philanthropisch motivierten Online-Vermessung der Welt durch google stehen handfeste wirtschaftliche und politische Interessen. Die Länder der «ersten Welt» sind beispielsweise detailreich erfasst, viele afrikanische Städte indes bis heute nur grob kartiert. Und gerade dort werden genaue Karten zu einer Frage des Überlebens: Eine Organisation in Tansania erstellt mit Handy-Daten Freiwilliger Kartierungen von Dar-es-salam und nutzt dieses Wissen zur Bekämpfung von Überschwemmungen, von Mangelernährung und des Corona-Virus’.

  • Ralph A. Ruch
    Kartographie und Konflikt im Spätmittelalter

    Manuskriptkarten aus dem oberrheinischen und schweizerischen Raum

    2015. Broschur
    ISBN 978-3-0340-1269-0
    CHF 38.00 / EUR 34.00 
  • Stefan Fuchs
    Herrschaftswissen und Raumerfassung im 16. Jahrhundert

    Kartengebrauch im Dienste des Nürnberger Stadtstaates

    2018. Broschur
    ISBN 978-3-0340-1346-8
    CHF 48.00 / EUR 48.00 
  • Jean-Louis Georget, Christine Hämmerling, Richard Kuba, Bernhard Tschofen (Hg.)
    Wissensmedien des Raums

    Interdisziplinäre Perspektiven

    2020. Broschur
    ISBN 978-3-0340-1480-9
    CHF 48.00 / EUR 48.00