Alter Adel – neuer Adel?
Zürcher Adel zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit
Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Band 70
Broschur
2003. 232 Seiten, 47 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-0576-0
CHF 58.00 / EUR 38.80 
  • Kurztext
  • Autor/in
  • Einblick
  • Buchreihe
Der Begriff «Adel» ruft in der Schweiz gemischte Gefühle hervor, verbindet sich doch das Schreckbild der bösen Vögte und Raubritter mit Burgenromantik und Glamourszenen der Regenbogenpresse. Das Schicksal des Adels jenseits dieser Klischees hingegen ist wenig bekannt. Mit der Verdrängung Habsburgs und der Festigung der Stadtzürcher Herrschaft ab 1400 schien auch die alte Führungsgruppe aus der Zürcher Landschaft zu verschwinden oder zur Bedeutungslosigkeit hinabzusinken; die Zeit der verarmten und gewalttätigen «Ritter» war, so das populäre Geschichtsbild, endgültig vorbei.
Neue Forschungen ermöglichen jetzt zumindest punktuell eine differenziertere Sicht auf das Schicksal des Zürcher Adels in nachhabsburgischer Zeit und machen auf eine Blüte adliger Werte und Symbole im Spätmittelalter aufmerksam, die sich beim alteingesessenen Landadel wie bei der neuen städtischen Elite widerspiegelt. Welche Stellung nimmt aber der Adel im Übergang zur Neuzeit überhaupt ein? Welche Rolle spielt adlige Kultur für die Zürcher Vergangenheit? Diese Fragen nach dem Fortleben einer Adelswelt innerhalb des Zürcher Territoriums zwischen 1400 und 1600 stehen im Zentrum des Sammelbandes, der einen Überblick über die aktuelle regionale Forschung leisten und einzelne Bausteine zu einer im Vergleich mit dem Ausland erstaunlich schlecht untersuchten Geschichte versammeln will.

Peter Niederhäuser, lic. phil., Historiker. Nach dem Studium der Geschichte in Zürich, Lausanne und Leipzig Bearbeiter der Urkundenregesten im Staatsarchiv Zürich; heute freischaffender Historiker und breite Tätigkeit in der "Geschichtsvermittlung" (Museum, Journalismus sowie Führungen und Reiseleitungen). Er forscht und publiziert zur spätmittelalterlichen Ostschweiz mit Schwergewicht auf Adel und Habsburg, zu Stadt- und Ortsgeschichten sowie zur Industrie- und Architekturgeschichte.


Bücher im Chronos Verlag


Aufsätze im Chronos Verlag

Artikel
  • Adlige, Junker und Gerichtsherren in Zürich. Zur Einleitung
  • Adel zwischen Habsburg, Zürich und dem Reich
  • Alles halb so wild. Adel, Sold und Krieg im Spätmittelalter
  • Die Johanniter und die Zürcher Reformation
  • Zürcher Gerichtsherren und Gerichtsherrschaften im Übergang zur Frühen Neuzeit
  • Die Gerichtsherrschaft Breitenlandenberg-Turbenthal unter Hans Rudolf II. von Breitenlandenberg
  • Die Herren von Bonstetten. Adlige Selbstbehauptung und Anpassung im Bannkreis von Habsburg und Zürich
  • Zwischen Autonomie und Einbindung. Adlige Witwen im Spätmittelalter
  • «Mit erbs und smalz, als gewonlich ist». Adlige Inszenierung um 1360 in Stein am Rhein
  • Der Adel in den Zürcher Chroniken
  • Von der Burg zum Landsitz. Zürcherischer Herrschaftsbau zwischen Spätmittelalter und Neuzeit
  • Patrizische Wohnkultur in der Stadt Zürich 1350–1600
  • Städtebau und patrizische Wohnkultur vor der Stadt Zürich zwischen 1580 und 1700
  • Alter und neuer Adel in der Zürcher Constaffel
  • Neuer Stadtadel im 15. Jahrhundert?
  • Königliche Macht und bürgerlicher Stolz. Wappen- und Adelsbriefe in Zürich
  • Politische Eliten im frühneuzeitlichen Zürich

Am Berchtoldstag eines jeden Jahres stellt die Antiquarische Gesellschaft in Zürich ihr Neujahrsblatt vor. Der Band behandelt jeweils ein Thema der Zürcher oder Schweizer Geschichte. Dabei wird häufig jungen Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftlern die Möglichkeit gegeben, mit ihren Forschungsergebnissen an eine breitere Öffentlichkeit zu treten.