Lobbying

Die Vorräume der Macht – Les antichambres du pouvoir

Schweizerisches Jahrbuch für Wirtschafts- und Sozialgeschichte / Annuaire suisse d’histoire économique et sociale. ISSN 1664-6460, Band 31
Broschur
2016. 268 Seiten, 4 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1335-2
CHF 38.00 / EUR 34.00 
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«Lobbying» verweist auf das Vorhandensein von Gruppen, die Partikularinteressen gegenüber Obrigkeit und Behörden vertreten. Die schweizerischen politischen Verhältnisse, die sich durch eine Tradition der privaten Selbstorganisation sowie einen schwachen Zentralstaat auszeichnen, begünstigten die Entwicklung finanz- und mitgliederstarker Interessengruppen, die in wirtschaftlichen, politischen und sozialen Bereichen zu zentralen Akteuren der schweizerischen Gesellschaft wurden. Dazu gehören der Vorort (heute Economiesuisse) genauso wie die wirtschaftlichen Dach- und Branchenverbände. Doch auch neue soziale Bewegungen und benachteiligte Gruppierungen ringen um Einfluss.
Diese Akteure, die in den «Vorräumen der Macht» für ihre Interessen kämpfen, bilden das Thema der vorliegenden Publikation. Die Beiträge untersuchen die bislang wenig bearbeitete Geschichte des Lobbyings in der Schweiz zwischen dem Spätmittelalter – mit seinen spezifischen Formen des Antichambrierens – und dem beginnenden 21. Jahrhundert, wobei sowohl geschichts- als auch politikwissenschaftliche Perspektiven berücksichtigt werden.

Le concept de lobbying renvoie à la présence de groupes, qui représentent certains intérêts de la société auprès des autorités politiques. Le contexte suisse, caractérisé par une forte tradition d’autorégulation privée (subsidiarité) ainsi qu’un Etat central faible, a favorisé l’essor de groupes d’intérêt puissants (en termes financiers ou de membres), qui se sont affirmés comme des acteurs centraux de la société helvétique, aussi bien dans les domaines économiques, politiques que sociaux. Parmi ceux-ci, on peut mentionner le Vorort (ancêtre d’Economiesuisse) ainsi que différentes associations faîtières et de branche, mais également divers mouvements sociaux ou groupes défavorisés qui se sont organisés et mobilisés sur le plan politique.
Ces acteurs, actifs dans les «antichambres du pouvoir» ont fait l’objet de la journée d’étude 2014 de la SSHES. Les contributions abordent l’histoire, actuellement encore peu développée, du lobbying en Suisse depuis la fin du Moyen Age – avec ses formes spécifiques de mobilisation – jusqu’au début du 21e siècle, en adoptant aussi bien des perspectives historiques que de science politique.


est professeure assistante à l’Université de Lausanne. Thèmes de recherche et d’enseignement: histoire des relations internationales post-1945, politique extérieure des Etats-Unis, histoire économique.

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Gisela Hürlimann arbeitet an der Professur für Technikgeschichte der ETH Zürich (Oberassistentin) und lehrt an verschiedenen Universitäten. Ihre Forschungsinteressen reichen von der Wirtschafts-, Verkehrs- und Innovationsgeschichte über Sozialstaat, Psychiatrie und Migration bis zu Soziologie und Geschichte der öffentlichen Finanzen. Sie präsidiert derzeit die Antiquarische Gesellschaft in Zürich.

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Anja Rathmann-Lutz ist Historikerin und Kunsthistorikerin. Seit 2005 arbeitet sie als Assistentin am Historischen Seminar der Universität Basel. 2010 ist ihre Dissertation «Images» Ludwigs des Heiligen im Kontext dynastischer Konflikte des 14. und 15. Jahrhunderts erschienen. Sie forscht an einem Habilitationsprojekt zur «Wahrnehmung von Veränderung im Hochmittelalter».

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Artikel
  • Lobbying en Suisse. Spécificités et diversités – Lobbying in der Schweiz. Eigenheiten und Vielfalt
  • Lobbying and Business Power in Corporate Governance Politics
  • Teil 1 / Partie 1: Lobbying in der Vormoderne / Lobbying avant la lettre
  • Solvente Kriegsherren, vernetzte Wirte, empfängliche Politiker. Interessenpolitik auf den eidgenössischen Gewaltmärkten um 1500
  • Familien-Lobbying in Bern zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges
  • Familie, Fürsprache, Frieden? Überlegungen zur Interessenvertretung in der spätmittelalterlichen Herrschaft der Basler Bischöfe
  • Teil 2 / Partie 2: Wirtschafts- und Branchenverbände / Les associations économiques
  • Streitpunkt Konjunktur. Die Verhandlung der Stabilisierungspolitik zwischen Bund und Wirtschaftsverbänden (1946–1957)
  • Verhandelte Referendumsdemokratie. Der Kampf zwischen Pharmaindustrie und Krankenkassen um die Patentgesetzrevision von 1954
  • Verbandssekretäre und die Bewilligungsgesetze der schweizerischen Schuhwirtschaft. Ein Beitrag zu den kommunikativen Vorräumen der Macht
  • Wie der Vorort zum Agrarlobbyisten wurde. Die Abstimmungskampagne für das «Schoggigesetz» im Herbst 1975
  • Teil 3 / Partie 3: Der Einfluss weiterer Interessengruppen auf den Gesetzgebungsprozess / Autres groupes et impacts sur le processus législatif
  • Mit Lobby-Arbeit zum Erfolg? Chancen und Grenzen einer Handlungsstrategie für die «Soziale Käuferliga der Schweiz»
  • La révision du droit pénal suisse et les débuts d’un lobbyisme homosexuel (1974)
  • Parlement de milice et groupes d’intérêt (1970–2010). Professionnalisation et diversification des liens d’intérêt?
  • Teil 4 / Partie 4: Erfahrungen auf kantonaler Ebene / Expériences cantonales
  • Die Zürcher Frauenzentrale. Ein Beispiel für die Interessenvertretung der bürgerlichen Frauenbewegung
  • L’impact du lobby routier sur le démantèlement des tramways bâlois et genevois dans les années 1950
  • Orte der Aushandlung und Instrumente der Einflussnahme. Eine akteurzentrierte Annäherung an migrantisches Lobbying in bildungspolitischen Prozessen des Kanton Basel-Stadt (1970er-Jahre)
  • «D’autant plus déterminée qu’elle défend les plus vulnérables de tous.» Les débuts de l’Association genevoise des parents d’enfants infirmes moteurs cérébraux (années 1950–1970)

Pressestimmen

«Aus diesen kurzen Andeutungen mag deutlich werden, dass der Band seine Ziele, Lobbying zum einen wieder stärker in den Fokus der Geschichtswissenschaft zu rücken, indem er – zum anderen – neue Denkanstöße gibt, durchaus erreicht. Ein Forschungsprogramm ist damit freilich noch nicht vorgezeichnet. Dafür sind die Beiträge insgesamt zu disparat und für eine stärker theoretische Betrachtung aus dezidiert historischer Perspektive fehlt es schlicht noch an Empirie. Insofern war es klug von den Herausgeber/inne/n, sich der Versuchung gar nicht erst hinzugeben, ein neues Forschungsparadigma formulieren zu wollen.»

Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 4/2017, Boris Gehlen, Bonn