Entzogene Freiheit. Freiheitsstrafe und Freiheitsentzug
Liberté retirée. Peine privative de liberté et privation de liberté
Traverse 2014/1
Traverse. Zeitschrift für Geschichte – Revue d’histoire. ISSN 1420-4355, Band 2014
Broschur
2014. 223 Seiten, 15 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-905315-61-5
CHF 28.00 / EUR 24.00 
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Bis heute gilt das Entziehen der persönlichen Freiheit als Grundmuster der staatlichen Strafe. Obwohl Vorläuferinstitutionen bis in die frühe Neuzeit zurückreichen, setzte sich der Typus der modernen Haftanstalt – das Gefängnis – erst im 19. Jahrhundert durch. Freiheitsentziehende Massnahmen beschränkten sich allerdings keineswegs auf das Strafrecht. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein galt das Weg- und Einsperren von Männern und Frauen, welche die öffentliche Ordnung störten, in Zwangsarbeits-, Erziehungs- oder Irrenanstalten als probates Mittel zur Erzeugung sozialer Konformität. Schon früh gerieten das Gefängnis und andere Haftanstalten aber auch in Kritik. Um 1900 entstanden erste Alternativen zur Freiheitsstrafe. Im 20. Jahrhundert verstärkten zahlreiche Reform- und Protestbewegungen die Kritik am Freiheitsentzug zusätzlich. Heute werden nur noch zehn Prozent aller verurteilten Erwachsenen mit einer Freiheitsstrafe sanktioniert.

Jusqu’à aujourd’hui, on considère la privation de la liberté personnelle comme le modèle de la peine infligée par l’Etat. Bien que des institutions précurseures remontent à l’époque moderne, le type de l’institution carcérale moderne – la prison – s’est imposé seulement au 19e siècle. De nombreux établissements pénitentiaires ont alors vu le jour, également en Suisse: ils visaient la correction des détenus et la protection de la société. Les mesures privatives de liberté ne se limitaient cependant aucunement au droit pénal. Jusqu’avant dans le 20e siècle, l’enfermement d’hommes et de femmes qui perturbaient l’ordre public dans des institutions de travail forcé ou de redressement ou des asiles était perçu comme un moyen éprouvé afin de générer la conformité sociale. Mais la prison et d’autres établissement pénitentiaires ont aussi fait l’objet de critiques précoces. Vers 1900, les premières alternatives à la peine privative de liberté ont vu le jour. Au 20e siècle, de nombreux mouvements de réforme et de protestation ont renforcé les critiques à l’encontre de la privation de liberté. Aujourd’hui seul dix pour cent des condamnations conduisent un adulte en prison.

Regula Ludi ist Historikerin und unterrichtet an den Universitäten Fribourg und Zürich. Forschungsschwerpunkte in der Zeitgeschichte, Vergangenheits- und Geschichtspolitik, Geschichte der Menschenrechte, Kriminalitätsgeschichte und Geschlechtergeschichte.

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Urs Germann ist Historiker und hat verschiedene Beiträge zur Geschichte der Psychiatrie, der Strafrechtspflege und des Sozialstaats veröffentlicht. Er hat als Archivar und Forschungskoordinator gearbeitet und ist gegenwärtig als Leiter der Fachstelle Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen der Stadt Bern, als Leiter des Rorschach-Archivs sowie als freier Mitarbeiter am Institut für Medizingeschichte der Universität Bern tätig.

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Artikel
  • Porträt / Portrait
  • Le moment «traverse»
  • «traverse» im Kontext
  • Schwerpunkt / Dossier thématique
  • Entzogene Freiheit. Freiheitsstrafe und Freiheitsentzug
  • Le retrait de la liberté. Peine privative de liberté et privation de liberté
  • Räumliche Verbannungen als Vorform der modernen Freiheitsstrafe? Überlegungen anhand von Beispielen aus dem Gebiet der Schweiz im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Résumé
  • L’introduction du système carcéral dans le département du Léman, 1798–1813. Entre utopie pénale des Lumières, logique économique et impératifs sécuritaires. Zusammenfassung
  • Habermus und Hausarbeit. Geschlechterspezifische Unterschiede im Straf- und Massnahmenvollzug des 19. Jahrhunderts am Beispiel der Strafanstalt St. Jakob in St. Gallen. Résumé
  • 150 Jahre Strafanstalt Lenzburg. Elemente eines Darstellungsmodells – ein Werkstattbericht. Résumé
  • Zwischen Strafvollzug und Fürsorge. Die sankt-gallische Schutzaufsicht im 19. Jahrhundert. Résumé
  • Präventiver Freiheitsentzug. Sicherungsverwahrung in Deutschland im 20. Jahrhundert. Résumé
  • Frischer Wind im Schweizer Strafvollzug. Zeichen eines Wandels im Resozialisierungskonzept des Straf- und Massnahmenvollzuges der 1960er- und 70er-Jahre. Résumé
  • Strafreform und Gesellschaftskritik aus dem Geist der Tiefenpsychologie. Die Tätigkeit der Arbeitsgruppe für Strafreform an der Hochschule St. Gallen, 1969–1980. Résumé
  • Gefängnisse der Schweiz. Ein Bildbeitrag
  • Zum Gedenken / In Memoriam
  • Professor Dr. Albert Hauser-Rebsamen, 1914–2013
  • Debatte / Débat
  • «Les Suisses» ou les relations ambiguës entre histoire et télévision
  • Auf der Suche nach der verlorenen Erzählung. Das Thema «Schweiz – Zweiter Weltkrieg» in Schule und Öffentlichkeit. Ergänzungen zu Regula Ludi
  • Dokument / Document
  • Rinderschädel, mit besten Grüssen von Charles Darwin. Geschichte eines Objekts im Naturhistorischen Museum Basel

Pressestimmen
«Die neue Traverse biete anregende Momentaufnahmen aus der Geschichte des Freiheitsentzugs.» Urs Hafner, Neue Zürcher Zeitung

Einzelheft CHF 28 / EUR 24
Jahresabonnement CHF 75 / EUR 60
Abo für Studierende CHF 54 (nur in der Schweiz)

Die zweisprachige Zeitschrift versteht sich als Forum der Geschichtsforschenden in der Schweiz mit einem Horizont, der über Landes- und Fachgrenzen hinausreicht. «Traverse» ist sowohl eine historische Fachzeitschrift als auch ein Organ, das einem interessierten Publikum Einblick in aktuelle historische Forschung gib und deren Beitrag zu gesellschaftlich relevanten Fragen diskutiert. Zudem versteht sich die Zeitschrift auch als Publikationsorgan für jüngere Forschende.

Cette revue bilingue se définit comme un forum pour les historiennes et historiens suisses et s’efforce de dépasser les frontières nationales et entre les disciplines. «Traverse» est non seulement une revue d’histoire mais aussi un organe qui offre à tout public intéressé une entrée dans la recherche historique récente et apporte sa contribution à des débats de société. La revue favorise en particulier la publication de jeunes chercheuses et chercheurs.