Armee, Staat und Geschlecht
Die Schweiz im internationalen Vergleich 1918–1945
Broschur
2003. 240 Seiten
ISBN 978-3-0340-0573-9
CHF 38.00 / EUR 24.90 
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Dieser Band untersucht die Bedeutung der Kategorie Geschlecht für Politik, Gesellschaft und Armee zwischen 1918 und 1945. Erstmals für die Schweizer Geschichte dieser Zeit werden Ansätze der Geschlechter- und der Militärgeschichte systematisch miteinander verknüpft.
Forscherinnen und Forscher aus dem In- und Ausland geben Antworten auf folgende Fragen: Inwiefern existierten Wechselwirkungen zwischen ziviler und militärischer Sphäre und welche Rolle spielten dabei geschlechtliche Zuschreibungen? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Sympathien für autoritäre politische Systeme und Männlichkeitsideologie? War die Tatsache, dass die Schweiz während des Zweiten Weltkrieges weitgehend von Kampfhandlungen verschont blieb, der Grund dafür, dass die Schweizer Frauen erst 1971 das Stimm- und Wahlrecht erhielten? Inwiefern stellte der Rückzug der Schweizer Armee ins Alpenreduit und die Aufnahme von polnischen Soldaten ab 1940 die herrschenden Geschlechterverhältnisse in Frage? Wodurch unterschieden sich die schweizerischen Armee- und Geschlechterdiskurse von denjenigen des Auslandes, und wo gab es Parallelen?
Die systematische Verwendung der Kategorie Geschlecht eröffnet neue Perspektiven auf eine umstrittene und gerade in den letzten Jahren wieder breit diskutierte Epoche der Schweizer Geschichte.


Regula Stämpfli, Lic. phil. hist., Politologin, Journalistin BR, Dozentin am Medienausbildungszentrum (MAZ) Luzern, Forschungsschwerpunkte: Geschlechterforschung im 20. Jahrhundert, Frauen und Politik (CH und EU), die Institutionen der Europäischen Union und ihre Auswirkungen auf die schweizerische Demokratie. 312, chaussée St. Pierre, B-1040 Brüssel; staempfli.reed@skynet.be

Aufsätze im Chronos Verlag

Inhalt
Einleitung

Christof Dejung und Regula Stämpfli: Sonderfall Schweiz? Armee, Staat und Geschlecht 1918-1945

1. Teil: Kriegserfahrungen und Geschlechterordnung

Regina Wecker: Es war nicht Krieg! Die Situation der Schweiz 1939 - 1945 und die Kategorie Geschlecht
Joanna Bourke: Experience, Language and Body. Great Britain During the First and Second World War

2. Teil: Das Militär als männlich konnotierte Institution

Ruth Seifert: Weibliche Soldaten: Die Grenzen des Geschlechts und die Grenzen der Nation
Rudolf Jaun: Militär, Krieg und Geschlecht. Europäische Entwicklungslinien und schweizerische Besonderheiten


3. Teil: Das Bild des Fremden in Kriegszeiten: Bruch mit der Vorkriegs-«Normalität» oder Kontinuität?

Eve Rosenhaft: Krieg im Frieden im Krieg. Reading the Romany Holocaust in terms of race, gender and colonialism
Ka Schuppisser: Kriterien der Wiedereinbürgerung ehemaliger Schweizerinnen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs
May B. Broda: Polenhuren? Militär, Geschlecht und Rassismus in der Schweiz 1939-1945

4. Teil: Militärische Ordnung und zivile Gesellschaft

Ronny Kaufmann: «Die alten verkehrten Auffassungen». Richtungsstreit und Geschlechterbilder in schweizerischen Militärzeitungen zwischen 1930 und 1939
Christof Dejung: Die höchste Potenz von Männlichkeit. Militär und Geschlechterordnung in der Schweiz, 1933-45
Wilfried Meichtry: Die Schwester und ihr Fliegerheld. Das Walliser Geschwisterpaar Emma und Franz von Werra
Urs Germann: «Krasser Vertrauensmissbrauch» - Militärische Ordnungsvorstellungen im Visier der Justiz. Überlegungen zu einer historischen Analyse der Militärjustizpraxis in der Schweiz


5. Teil: Wehrpflicht, Bürgerrecht und militärische Propaganda

Regula Stämpfli: Triumph der Geschlechtertrennung während des Zweiten Weltkrieges

Elisabeth Joris: Krieg, Propaganda und Geschlecht



Artikel
  • Sonderfall Schweiz? Armee, Staat und Geschlecht 1918–1945
  • Es war nicht Krieg! Die Situation der Schweiz 1939–1945 und die Kategorie Geschlecht
  • Experience, Language, and Body. Great Britain during the First and Second World War
  • Weibliche Soldaten. Die Grenzen des Geschlechts und die Grenzen der Nation
  • Militär, Krieg und Geschlecht. Europäische Entwicklungslinien und schweizerische Besonderheiten
  • Krieg im Frieden im Krieg. Reading the Romani Holocaust in Terms of Race, Gender and Colonialism
  • Wohnsitz und Assimilierung. Kriterien der Wiedereinbürgerung ehemaliger Schweizerinnen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs
  • «Polenhuren»? Militär, Geschlecht und Rassismus in der Schweiz 1939–1945
  • «Die alten verkehrten Auffassungen». Richtungsstreit und Geschlechterbilder in schweizerischen Militärzeitungen zwischen 1930 und 1939
  • Die höchste Potenz von Männlichkeit. Militär, Gesellschaft und Geschlechterordnung in der Schweiz, 1933–1945
  • Die Schwester und ihr Fliegerheld. Das Walliser Geschwisterpaar Emma und Franz von Werra
  • «Krasser Vertrauensmissbrauch». Überlegungen zu einer historischen Analyse der Militärjustizpraxis in der Schweiz
  • Triumph der Geschlechtertrennung während des Zweiten Weltkriegs
  • Krieg, Propaganda und Geschlecht

Besprechungen
Militär, Geschlecht, Gesellschaft uha. Die Schweizer Militärgeschichte älterer Provenienz, es ist bekannt, beschäftigte sich gern und vornehmlich mit Schlachtordnungen, Generalstabsoffizieren, Einsatzplänen u. a. m. Davon distanziert sich die neue Militärgeschichte, wie der von Christof Dejung und Regula Stämpfli herausgegebene Sammelband belegt, der aus einer im Jahre 2001 in Zürich durchgeführten Tagung hervorgegangen ist. Wie die etwas aufgeregt um die Identifikation und Integration verschiedener «Ansätze» bemühte Einleitung versichert, wird die Armee nun als eng mit Gesellschaft und Nation verschränkte Institution mit geschlechtergeschichtlichen Fragestellungen untersucht. Die Schweiz, so der Tenor vieler der qualitativ unterschiedlichen, oftmals explorativen Beiträge, ist deshalb als Sonderfall zu bezeichnen, weil sie in den letzten 150 Jahren in keinen Krieg mehr verwickelt wurde. Trotzdem konnten sich hier auf den Zweiten Weltkrieg bezogene Begriffe wie «Aktivdienstgeneration» und «Ernstfall» durchsetzen. Diese Zeit brachte für die Frauen keineswegs, wie oft behauptet wird, einen Emanzipationsschub. Gerade damals wurden die Geschlechterstereotype, denen gemäss die Menschen in tapfere, intelligente und im Öffentlichen agierende Männer auf der einen Seite und ängstliche, im Geiste arme und das Private behütende Wesen auf der anderen zu scheiden sind, wirkungsvoll verankert. Die Aufrechterhaltung der bürgerlichen Geschlechterordnung, so ein Fazit Regina Weckers, sei während des Zweiten Weltkriegs gar wichtiger gewesen als die Ausschöpfung des wirtschaftlichen Potenzials und die Verstärkung der Abwehr. Abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung. Neue Zürcher Zeitung FEUILLETON Samstag, 17.05.2003 Nr.113 64 (c) 1993-2003 Neue Zürcher Zeitung AG Blatt 1