Antiziganismus in der Schweiz und in Europa
Geschichte, Kontinuitäten und Reflexionen
Broschur
2014. 176 Seiten, 13 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1220-1
CHF 38.00 / EUR 34.00 
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Der Sprachgebrauch hat sich gewandelt, die Diskriminierung geht weiter. Diesen Eindruck erhält, wer die Politik und Presseberichterstattung in europäischen Ländern gegenüber «Roma» verfolgt, jenen Minderheiten, die lange als ­«Zigeuner» stigmatisiert wurden. Die unheilvolle Kombination von struktureller Diskriminierung und kultureller Stigmatisierung ist eine Variante des Rassismus. In der Forschung hat sich hierfür der Begriff des Antiziganismus etabliert.
Wann entstand und wie entwickelte sich der europäische Antiziganismus – und weshalb hält er sich so hartnäckig in der Gegenwart? Der Sammelband präsentiert neueste Forschungsergebnisse. Deren zentrale Einsichten lauten: Die kulturgeschichtlichen Wurzeln des modernen Antiziganismus lassen sich bis in die Frühe Neuzeit zurückverfolgen. Forschungen in russischen Archiven aus der Zeit der nationalsozialistischen Besetzung zeigen, dass Roma ähnlich wie die Juden Opfer eines systematisch vollzogenen und rassistisch motivierten Völkermords wurden. Die in der Schweiz dominierende Auffassung, das Land werde von organisierten Roma-Bettelbanden überschwemmt, erweist sich empirisch betrachtet als haltlos. Antiziganistische Denkweisen beschränken sich nicht auf die radikalisierte Wochenpresse, sondern sind Teil der Alltagskultur. Es wäre jedoch falsch, Roma, Sinti und Jenische nur als hilflose Opfer zu sehen, wie einige ihrer Vertreter im Sammelband selber erläutern.

Prof. Dr., ehem. Leitung Politische Bildung und Geschichtsdidaktik der PH FHNW am Zentrum für Demokratie Aarau ZDA.
Schwerpunkte: Migrations-, Geschlechtergeschichte, Eugenik und Sozialpolitik, Politische Bildung, Geschichtskultur.


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Aufsätze im Chronos Verlag

Artikel
  • Upre Roma! Einleitung
  • Geschichte
  • Tsiganologie und Antiziganismusforschung zwischen Wissenschaftsdiskurs und Paternalismusverdacht
  • Exklusion von «Zigeunern». Erscheinungsformen, Kontinuitäten und Brüche
  • Zum Völkermord an sowjetischen Roma unter nationalsozialistischer Herrschaft
  • Assimilation, Ausgrenzung, Anerkennung. Schweizerische Zigeunerpolitik im europäischen Kontext
  • Zur Geschichte der Anerkennung von Roma, Sinti und Jenischen als Opfergruppen des Holocaust sowie als Volksgruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Kontinuitäten
  • Zur Lage der Roma. Eine andere Sicht einer Tagung
  • Antiziganismus in den Medien am Beispiel der Berichterstattung über «Roma» im Occupy-Camp in Frankfurt im Jahr 2012
  • «Sozialschwache», «blutrünstige Meute», «Zigeuner-Phänomen». Zur rassistischen Darstellung von Roma in tschechischen Medien, analysiert an zwei aktuellen Fällen
  • «Bettelnde Roma»? Forschungsergebnisse aus Lausanne
  • Reflexionen
  • «Roma sind überall, ohne anwesend zu sein». Eine journalistische Perspektive
  • «Nicht mehr und nicht weniger!» Zur Selbstrepräsentation junger Roma-Studentinnen und -Akademikerinnen
  • Unterstützung für junge Roma, Aschkhali und Ägypter im Kosovo. Strategien und Dilemmas einer spendenabhängigen NGO
  • Roma, Sinti und Jenische als exemplarisches Thema zum Schlüsselproblem «Umgang mit Minderheiten»