Dietikon – Stadtluft und Dorfgeist
Gebunden
2003. 300 Seiten
ISBN 978-3-0340-0662-0
CHF 48.00 / EUR 32.00 
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Vor zweihundert Jahren, im Jahr 1803, wechselte die Gemeinde Dietikon vom Aargau zum Kanton Zürich. Der Kantonswechsel kam im historisch richtigen Moment. Bis zum Ende des Ancien Régimes bot die Gemeine Herrschaft Aargau eine vergleichsweise hohe Autonomie, nachher garantierte der zukunftsträchtige Kanton Zürich ein nachhaltiges Wachstum in unmittelbarer Nähe zum grössten schweizerischen Wirtschaftsstandort. Dieses Buch erzählt die Geschichte Dietikons von der frühen Siedlungsgeschichte bis in die Gegenwart. Es beleuchtet einerseits die epochalen Veränderungen, von der Industrialisierung bis zum religionsgeschichtlichen Wandel. Untersucht wird auch die lokale «Mikrogeschichte»: der Wandel des Naturbildes, wie er sich in der Nutzung von Limmat und Reppisch spiegelt, oder der dörfliche Alltag in der Festung Dietikon während des Zweiten Weltkriegs. Das Buch umfasst ausserdem eine Serie fiktiver historischer Lebensgeschichten sowie einen umfangreichen Bild- und Datenanhang auf der beigelegten CD-ROM.

Martin Lengwiler (Universität Basel) ist Professor für Neuere Allgemeine Geschichte am Departement Geschichte der Universität Basel. Seine Schwerpunkte liegen in der Geschichte des Sozialstaates, der modernen Wissenschaftsgeschichte sowie in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

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geb. 1967, naturwissenschaftliches Studium an der ETH Zürich und Studium der Kunstgeschichte an der Universität Zürich. MAS in Archiv-, Bibliotheks- und Informationswissenschaften. Geschäftsführer der Firma fokus AG in Zürich.

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Verena Rothenbühler ist freiberufliche Historikerin und Redaktorin und publiziert zu Themen der schweizerischen Sozial- und Gesellschaftsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert.

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Besprechungen
Das dörfliche Leben der Stadt Dietikon Reichhaltige Ortsgeschichte mit fiktiven Textteilen vö. Wie Uster, Wetzikon oder Schlieren gehört Dietikon zu jenen typisch ländlichen Industrieorten der Schweiz, die im 20. Jahrhundert städtische Ausmasse annahmen, im Alltagsleben aber ihre dörfliche Kultur bewahrt haben. Diesen zwiespältigen Charakter haben die Autoren der kürzlich erschienenen Dietiker Ortsgeschichte als Leitmotiv gewählt und das 300 Seiten umfassende Werk mit dem Titel «Dietikon. Stadtluft und Dorfgeist» überschrieben. Die Publikation ist im Hinblick auf das 200-Jahr-Jubiläum des Beitritts von Dietikon zum Kanton Zürich verfasst worden, der 1803 erfolgte und als offizielles Gründungsdatum des modernen Dietikon gilt. Das von der Historikerin Verena Rothenbühler und dem Historiker Martin Lengwiler vom Büro Fokus in 18 Monaten umgesetzte Buchprojekt wurde von einer städtischen Kommission begleitet. Die Kosten von 400 000 Franken hat die bürgerliche Abteilung des Stadtrates übernommen. Unkonventionelle Elemente Das mit viel Fotomaterial bebilderte und grafisch modern gestaltete Sachbuch unterscheidet sich in zwei Punkten von anderen Ortsgeschichten. Obwohl der Einsatz fiktiver Elemente unter Fachleuten umstritten ist, wird auch quellenmässig schlecht Erschlossenes thematisiert. Dieses scheint in den vom Historiker Markus Stromer verfassten Geschichten aus fünf verschiedenen Epochen auf, deren Hauptfigur - ein kleiner Knabe - frei erfunden ist. Um den fiktionalen Charakter dieser Einschübe klar erkennbar zu machen, wurden sie mit Bildern von Karin Seiler und Sandra Niemann illustriert. Eine weitere Besonderheit der Dietiker Ortsgeschichte ist die beigelegte CD-ROM, auf der historisches Material, Interviews mit Zeitzeugen und mehrere hundert Bilder gespeichert sind. In neun chronologisch gegliederten Hauptkapiteln wird der weite Bogen von den Zeiten der Römer bis in die Gegenwart gespannt, wobei die letzten 200 Jahre Priorität haben. Gleichzeitig markieren die Hauptkapitel inhaltliche Schwerpunkte zu Themen wie Religion, Industrialisierung oder Kultur. In den Unterkapiteln erzählen die Autoren zahlreiche konkrete Geschichten aus dem einstigen Alltag, betten sie in grössere historische Zusammenhänge ein und schlagen auch immer wieder die Brücke zur Gegenwart. Hartes Ringen um eine Identität «Stadtluft und Dorfgeist» ist also nicht nur eine fundierte, mit viel Detailkenntnissen angereicherte Ortsgeschichte für Nostalgiker. Sie zeigt am Beispiel Dietikon zugleich die überkommunalen wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlichen Realitäten und Tendenzen auf. Dazu gehören etwa die Schilderung des erbitterten Kampfs der Dietiker Gemeindebehörden gegen die «fahrenden Läden» der Migros oder das Porträt der Salamifabrik Cattaneo. Exemplarisch ist auch die Entwicklung von Dietikon zum modernen Industrieort und zur anonymen Agglomerationsgemeinde. Den Abschluss der reichhaltigen Publikation bildet denn auch das nach wie vor ungelöste Problem der Orts- und Zentrumsplanung, in dem das jahrelange Ringen der Dietiker Behörden um eine städtische Identität besonders stark zum Ausdruck kommt. Dietikon. Stadtluft und Dorfgeist. Herausgeber: Stadt Dietikon, Bürgerliche Abteilung, Kommission Ortsgeschichte. Redaktion: Fokus AG für Wissen und Organisation. Grafik: Atelier für visuelle Gestaltung, Thea Sautter, Zürich. Chronos-Verlag, Zürich 2003. 300 S., 48 Fr. Abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der NZZ. Neue Zürcher Zeitung ZÜRICH UND REGION Samstag, 25.10.2003 Nr.248 55 (c) 1993-2003 Neue Zürcher Zeitung AG Blatt 2