Testfall Münsterlingen

Klinische Versuche in der Psychiatrie, 1940–1980

Gebunden
2019. 336 Seiten, 11 Abbildungen s/w., 19 Farbabbildungen
ISBN 978-3-0340-1545-5
CHF 38.00 / EUR 38.00 
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In der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen wurden über Jahrzehnte hinweg Psychopharmaka getestet. Dreh- und Angelpunkt dieser Versuche war der Psychiater Roland Kuhn, der mit diversen Pharmafirmen zusammenarbeitete. «Testfall Münsterlingen» untersucht, wie Industrie und Klinik, Patienten, Ärzte, Pflegepersonal und Behörden in der klinischen Forschung zusammenspielten. Die Stoffprüfungen werden historisiert und in die sich ebenfalls wandelnden Rahmenbedingungen eingeordnet.

Welche Personen und Institutionen waren beteiligt, wer wusste was? Wie wurden Stoffe geprüft, welche Patientinnen und Patienten waren betroffen? Nach welchen Mustern wurden die Prüfsubstanzen verabreicht? Wann galten welche Werte, Richt linien und Normen? Welche Rollespielten sie in der Praxis? Ausgehend von diesen Fragen rekonstruiert «Testfall Münsterlingen» die Geschichte klinischer Versuche von 1940 bis 1980 und verortet die Thurgauer ‹Versuchsstation› in der zeitgenössischen Prüfungslandschaft.



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(1947–2019)
Studium der Allgemeinen Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Zürich. War seit 1986 freischaffender Mitarbeiter diverser Forschungsprojekte (u.a. Schweiz – Zweiter Weltkrieg), Ausstellungen und Publikationen (so Zürcher Kantonsgeschichte). Ab 1994 Redaktionsmitglied der historischen Zeitschrift «Traverse». Ende 2016 eine Geschichte der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Basel.


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Pressestimmen

«Sein Name steht für die zahlreichen Medikamententests in Münsterlingen im Laufe des letzten Jahrhunderts: Roland Kuhn. Er war von 1939 bis 1980 als Arzt und Direktor in der psychiatrischen Klinik in Münsterlingen tätig. Um die Wirkung von neuen Medikamenten nachzuweisen, testete er diese in Zusammenarbeit mit Schweizer Pharmafirmen an den Patienten – häufig ohne deren Wissen. Der Kanton Thurgau liess diese Medikamententests nun historisch aufarbeiten. Die Aufarbeitung unter Leitung der Historikerin Marietta Meier zeigt in einem fast 300-seitigen Buch die Ausmasse dieser klinischen Versuche.»

Vollständiger Beitrag (2.18 Minuten)

SRF, Tagesschau vom 23. September 2019, Philipp Inauen und Reto Hanimann

«Medikamentenversuche in Münsterlingen. In der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen wurden jahrelang nicht zugelassenen Medikamente an Patienten getestet. Dreh- und Angelpunkt war der damalige Psychiater und Klinikdirektor Roland Kuhn.»

Vollständiger Beitrag (6.16 Minuten)

Schweiz aktuell, 23. September 2019, 19:00 Uhr, Reto Hanimann, Philipp Inauen

An der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen wurde an mindestens 3000 Personen illegal Medikamente getestet. Das zeigt ein umfassender Bericht. Untersuchungsleiterin Marietta Meier überraschte vor allem das Aussmass der Tests.

Top online, 23. September 2019, Nicki Stettler (3.06 Minuten)

Unter den «Versuchskaninchen» waren auch Kinder, mehr dazu im Beitrag von RADIO TOP:

Top online, 23. September 2019, Nicki Stettler (1.56 Minuten)

TELE TOP hat mit Marietta Meier, einer Historikerin der Universität Zürich und Jakob Stark, dem Regierungspräsidenten des Kanton Thurgau gesprochen:

Tele Top, 23. September 2019, Sergio Lüthi (2.47 Minuten)


«In der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen erhielten PatientInnen jahrzehntelang Pillen und Ampullen verabreicht, die für eine medizinische Behandlung nicht zugelassen waren. [...] Die ForscherInnen [stiessen - SG] in den Krankenakten der Psychiatrischen Klinik auf über 1100 Patientinnen und Patienten, an denen ungeprüfte Medikamente getestet wurden. Die AutorInnen des am Montag veröffentlichten Berichts gehen davon aus, dass es eine Vielzahl weiterer Betroffener gibt. Drei Millionen Einzeldosen Prüfsubstanzen schickten vor allem in Basel ansässige Pharmafirmen zwischen 1946 und 1980 nach Münsterlingen. Empfänger war Roland Kuhn, Oberarzt und später Leiter der Psychiatrischen Klinik. Kuhn bevorzugte für seine Versuche ‹schwere, chronische Fälle›, also PatientInnen, die er gut kannte und denen er kaum Aussicht auf Heilung attestierte. Ihnen verabreichte er Präparate, um deren Substanzen zu Beginn von möglichen längeren Testreihen ‹etwas kennenzulernen›. Dabei stand nicht nur die Wirkung im Fokus, sondern mitunter auch die Toxizität, also die Schwelle zur Vergiftung.»

WOZ, 26. September 2019, Tim Rüdiger

«Medikamententests in Münsterlingen: Wie Oberarzt «Daddy Long Leg» seine Patienten als Versuchskaninchen benutzte. Drei Jahrzehnte lang testeten Basler Pharmafirmen nichtzugelassene Medikamente an Tausenden Menschen in der Schweiz. Besonders «hilfreich» war die Klinik im thurgauischen Münsterlingen. Der Oberarzt Roland Kuhn steigerte sich in ein wahres Versuchsfieber. [...] Die 67 Prüfsubstanzen, die nachweislich in Münsterlingen getestet wurden – vermutlich waren es Dutzende mehr –, stammten von den Firmen Geigy, Ciba, Ciba-Geigy (nach dem Zusammenschluss), Sandoz, Hoffmann-La Roche, Wander und in einem Fall von der US-Firma Wyeth.»

Vollständiger Beitrag

NZZ, 23. September 2019, Jörg Krummenacher

«In Münsterlingen prüfte der renommierte Psychiater Roland Kuhn jahrzehntelang nicht zugelassene Medikamente an Patienten. Diese waren ahnungslos – nicht aber die Pharmaindustrie. [...] Das Ausmass der Versuche ist schier unglaublich. Im untersuchten Zeitraum – 1940 bis 1980 – gelangten mindestens 3 Millionen Einzeldosen an den Bodensee. [...] Ob Dragées, Tabletten, Ampullen oder Zäpfchen, ob in der Farbe Weiss, Rosa, Rot, Gelb oder Schwarz: Die grösste Menge an Präparaten wurde der Psychiatrischen Klinik zwischen 1957 und 1965 geliefert. Damals gab es in Münsterlingen durchschnittlich 700 stationäre Patienten und knapp 1400 ambulante Patienten pro Jahr. Die grösste dokumentierte Lieferung enthielt 300000 Dragées Ketimipramin … kurz Keto genannt. [...] Neben keto testete Kuhn etwa in grossen Mengen das für gefährliche Zwischenfälle sorgende Neuroleptikum FR 33. Patientinnen und Patienten kollabierten zum Teil nach nur einer Tablette schwer, manche verstarben – auf den Markt gelangte die Substanz nie.»

Vollständige Rezension

Tages-Anzeiger, 24.9.2019, Simone Rau

Weitere Medienbeiträge:

Ein neuer Bericht zeigt: In der Psychiatrie-Klinik Münsterlingen wurden Medikamente getestet – an mindestens 3000 Patienten.

Nau.ch

Psychiatrische Klinik Münsterlingen: Medikamentenversuche an bis zu 3000 Patienten +++ Kanton errichtet Zeichen der Erinnerung auf altem Spitalfriedhof. +++ Roland Kuhn testete in Münsterlingen eine enorme Menge nicht zugelassener Medikamente direkt an seinen ahnungslosen Patienten. Ein nun erschienenes Buch zeigt die Dimension der Tests auf.

Tagblatt Ostschweiz, 23. September 2019, Silvan Meile, Larissa Flammer

Millionen für Tests an Menschen. In Münsterlingen experimentierte Psychiater Roland Kuhn über 40 Jahre lang mit Medikamenten. In einem riesigen Ausmass und ohne Zustimmung der Patienten, wie jetzt eine historische Aufarbeitung belegt.

Beobachter, 23. September 2019, Otto Hostettler

Dutzende Todesfälle nach Tests mit Medikamenten in Münsterlingen

Bluewin.ch, 23. September 2019, SDA/uri