Interhandel
Die schweizerische Holding der IG Farben und ihre Metamorphosen – eine Affäre um Eigentum und Interessen (1910–1999)
Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg – Commission Indépendante d'Experts Suisse – Seconde Guerre Mondiale, Band 2
Broschur
2001. 412 Seiten
ISBN 978-3-0340-0602-6
CHF 58.00 / EUR 52.00 
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Als «Interhandel» wurde die ehemalige Holding des deutschen IG-Farben-Konzerns (IG Chemie) nach dem Zweiten Weltkrieg zum Gegenstand eines legendären Rechtsstreits. 1928/29 in Basel gegründet, war die Gesellschaft in den späten dreissiger Jahren «verschweizert» worden. Ob dies tatsächlich geschah, blieb aber immer umstritten. Während die beteiligten Schweizer Anspruch auf die grossen, einst IG Farben gehörenden industriellen Komplexe in den USA erhoben, beschlagnahmte die US-Regierung diese 1942 als Feindeigentum.
Ungewöhnliche Pressekampagnen und die amtliche Geheimhaltung zentraler schweizerischer Dokumente verliehen dem Rechtskonflikt anrüchige und sensationelle Züge. Für die vorliegende Studie konnten erstmals die bislang gesperrten Akten ausgewertet werden. Die Analyse der verschlungenen Affäre führt durch ein komplexes Beziehungsnetz zwischen Deutschland, der Schweiz und den USA.

(1947–2019)
Studium der Allgemeinen Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Zürich. War seit 1986 freischaffender Mitarbeiter diverser Forschungsprojekte (u.a. Schweiz – Zweiter Weltkrieg), Ausstellungen und Publikationen (so Zürcher Kantonsgeschichte). Ab 1994 Redaktionsmitglied der historischen Zeitschrift «Traverse». Ende 2016 eine Geschichte der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Basel.


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Inhalt
Zusammenfassung

1928/29 gründete der deutsche IG Farben-Konzern in Basel die Finanzholding IG Chemie, in welche er zentrale Teile seiner internationalen Tochtergesellschaften einbrachte, darunter insbesondere einen bedeutenden Komplex chemischer Fabriken in den USA, die ab 1939 in der GAF (General Aniline & Film Corporation) zusammengefasst waren. 1940 wurde die bis dahin bestehende Verbindung zwischen IG Farben und der Basler IG Chemie gelöst. Die beteiligten Schweizer erhoben seither den Anspruch auf uneingeschränktes Eigentum an den US-amerikanischen Fabriken, was die Behörden der Vereinigten Staaten nicht anerkennen wollten. Sie bezeichneten die Basler Gesellschaft als Tarnung deutscher Interessen und beschlagnahmten 1942 die Fabriken. Daraus entwickelte sich eine der langwierigsten Finanzaffären des 20. Jahrhunderts, begleitet von diplomatischen, rechtlichen und publizistischen Auseinandersetzungen, die erst in den 1960er Jahre einen Abschluss fanden, mit ihren Nachwirkungen jedoch bis in die Gegenwart reichen.
Die vorliegende Untersuchung behandelt die Gründung, Finanzierung und Entwicklung der IG Chemie (Internationale Gesellschaft für chemische Unternehmungen AG), die Ende 1945 ihren Namen änderte und fortan Interhandel (Internationale Gesellschaft für Handels- und Industriebeteiligungen AG) hiess; ferner untersucht sie die mit dieser Holdinggesellschaft verbundene Bank, ursprünglich Eduard Greutert & Cie., ab 1940 Sturzenegger & Co. Der von der UEK erteilte Auftrag beinhaltete auch, die Art der Bindungen zwischen IG Farben und den schweizerischen Gesellschaften zu klären, die damit einher gehenden Vermögenstransaktionen zu erhellen, den beteiligten Personenkreis zu identifizieren und zum Vorwurf der Tarnung Stellung zu nehmen.
Die IG Chemie entstand 1928 auf Initiative des IG Farbenvorstands, insbesondere von dessen Finanzchef Hermann Schmitz, ab 1935 Vorstandspräsident des Konzerns. Es handelte sich nicht um eine Tarnorganisation, sondern um eine Beteiligungsgesellschaft, die Schmitz mit Hilfe des Bankhauses Ed. Greutert & Cie. schuf, das 1920 auf Initiative und mit Geld der Frankfurter Metallgesellschaft gegründet worden war, jedoch ab 1925 mehrheitlich im Dienst von IG Farben internationale Transaktionen tätigte. Die Gründung erregte Aufsehen, da die IG Chemie mit einem Kapital von 290 Mio. Fr. die bei weitem kapitalstärkste Gesellschaft der Schweiz darstellte. Die finanziellen Abläufe rund um die Gründung können heute nicht mehr restlos geklärt werden. Fest steht, dass IG Farben nach einer Übergangsphase schon zu Beginn der dreissiger Jahre keinen direkten Kapitalbesitz an der IG Chemie besass. Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln kaufte diese IG Farben die US-Töchter sowie eine Minderheitsbeteiligung am norwegischen Konzern Norsk Hydro ab. Diese waren ihrerseits in einer Kreuzverflechtung minderheitlich an der IG Chemie beteiligt. Die Bindung des Komplexes an den deutschen Konzern war kein Geheimnis. Deren Benennung stellte vielmehr eine Voraussetzung für den Erfolg der Gründung dar, welche wesentlich darauf abzielte, für IG Farben zusätzliches Kapital zu mobilisieren: Der Konzern verkaufte seine ausländischen Beteiligungen und behielt sie dennoch unter Kontrolle. Diese sicherte er sich durch einen Options- und Dividendengarantievertrag, welcher einerseits den Aktionären der IG Chemie eine der IG Farben äquivalente Dividende garantierte und anderseits IG Farben berechtigte, die Beteiligungen der IG Chemie jederzeit zum Buchwert zurückzukaufen.
Kontrolliert wurde die IG Chemie zudem durch die Ausgabe von Vorzugsaktien, welche nur geringes Kapital, jedoch erhebliche Stimmkraft repräsentierten. Die Vorzugsaktien waren in einer Reihe kompliziert verschachtelter Briefkastenfirmen deponiert, welche von einer Handvoll Vertrauensleute von IG Farben und des schweizerischen Mitgründers, Eduard Greutert, beherrscht wurden. Es sind insgesamt drei Ebenen der Bindung zwischen IG Farben und der schweizerischen Holding zu erkennen: der Bindungsvertrag von 1929, die engen persönlichen Vertrauensbeziehungen zwischen den zentral beteiligten Personen mitsamt der daran hängenden Kontrolle der Vorzugsaktien und die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen. Die Kontakte zwischen den zentralen Personen reichten meist weit vor 1933, teilweise sogar vor den Ersten Weltkrieg zurück.
Seit den späten 1930er Jahren suchten IG Chemie und Bankhaus Greutert sich von den engen Bindungen an IG Farben zu lösen, da die Bedingungen der deutschen Devisenbewirtschaftung die ursprünglichen vertraglichen Abmachungen zunehmend obsolet machten. Angesichts der deutschen Devisenknappheit hätte IG Farben die Dividendengarantie kaum mehr gewährleisten können; noch weniger realisierbar wäre die Wahrnehmung der Rückkaufoption gewesen. Mit der Verschlechterung der internationalen Beziehungen ab 1937/38 infolge der aggressiven Politik des NS-Regimes wurde die geschäftlich vielversprechende Bindung an IG Farben zur Belastung, vor allem im Verhältnis zu den USA. Die deutsche Konzernleitung zögerte jedoch, den Wünschen nach Aufhebung des Bindungsvertrags entgegenzukommen, da dieser das Herzstück der eigenen Kontrolle war. Erst infolge langwieriger Verhandlungen in der Frühphase des Kriegs kam es im Mai 1940 zur bedingungslosen Aufhebung des Bindungsvertrags. Der Entscheid fiel knapp vor dem deutschen militärischen Triumph in Westeuropa. Der Zeitpunkt war nicht von der militärischen Lage, sondern vom Druck amerikanischer Behörden auf die US-Besitzungen der IG Chemie bestimmt, ihre Eigentümer und allfällige Interessenbindungen anzugeben. Im Vordergrund stand die Besorgnis um eine mögliche Beschlagnahmung der Fabriken. Es gibt keine Belege, dass diese Lösung mit einem geheimen mündlichen oder schriftlichen Vorbehalt belastet gewesen wäre. Alles deutet vielmehr darauf hin, dass die Aufhebung vorbehaltlos sein musste, um gegenüber den Amerikanern glaubhaft zu wirken. Bei IG Farben hoffte man, nach dem Krieg die engen Beziehungen wieder erneuern zu können. Die langjährigen Kontakte mit den Schweizer Vertrauensleuten und deren Interesse, die US-Fabriken weiterhin mit dem nötigen wissenschaftlich-technischen Know how versorgt zu sehen, machten eine solche Erwartung nicht unrealistisch. Als «Tarnung» sind jedoch diese Gegebenheiten nicht angemessen zu bezeichnen. Es handelte sich um eine offene Option auf die Zukunft, über welche IG Farben infolge des Kriegsverlaufs schon vor 1945 jede Kontrolle verlor.
Dieses Resultat wird nicht in Frage gestellt durch eine Reihe anhaltender Dienste, welche die beteiligten Schweizer IG Farben auch während des Kriegs weiterhin leisteten in der Unterstützung echter Tarnungen der internationalen Interessen des Konzerns. Diese Dienste verdeutlichen die Stärke alter Verbindungen und das Ausmass des Vertrauens, das IG Farben in die Schweizer setzte. Sie sind Aspekte der wirtschaftlichen Kollaboration. Was das rechtlich sistierte Verhältnis zwischen den deutschen IG Farben und der schweizerischen IG Chemie betrifft, so hätte ein anderer Kriegsausgang auch für die Zukunft der letzteren und ihrer Beteiligungen Konsequenzen gehabt. Über deren Aussehen kann nur spekuliert werden.
Die amerikanischen Fabriken der GAF wurden 1942 beschlagnahmt. Die schweizerische Diplomatie war nur sehr begrenzt bereit, die Interessen der IG Chemie in den USA zu verteidigen, da die Behörden im Grunde den Verdacht der Amerikaner teilten, dass bei der Vertragsaufhebung von 1940 Vorbehalte im Spiel waren. Die finanzielle Undurchsichtigkeit der Holding und die geringe Auskunftsbereitschaft von deren Leitern erhöhte das Misstrauen, das sich aus dem Wissen um zahlreich existierende deutsche Wirtschaftstarnungen in der Schweiz nährte. Erst 1945/46 erfolgte jene Weichenstellung, welche den Konflikt mit den USA unausweichlich machte. In zwei aufwendigen Revisionen fand die Schweizerische Verrechnungsstelle 1945/46 zahlreiche Belege für die Enge der Beziehungen zwischen IG Farben, IG Chemie und der Bank Greutert/Sturzenegger, jedoch trat keine verdeckte Abmachung oder eine über 1940 hinaus reichende Steuerung der Basler Holding durch den deutschen Konzern zutage. Damit eröffnete sich die Möglichkeit, diese sehr erheblichen Kapitalien für schweizerische Interessenten zu sichern. Dass die Kriegsanstrengung der Alliierten einen entscheidenden Beitrag geleistet hatte, die rechtlich korrekte Ablösung von 1940 irreversibel zu machen, wurde von schweizerischer Seite zu keinem Zeitpunkt berücksichtigt. Statt dessen erhob man seit 1948 den Anspruch, dass die GAF schweizerisches Eigentum darstelle. Die amerikanische Seite blieb ihrerseits der Suggestionskraft der eigenen Propaganda verhaftet, welche in der IG Chemie nur eine gewöhnliche Tarnung sehen wollte, so dass der Rechtskonflikt angesichts der beiderseitigen Neigung zur moralischen Überhöhung der eigenen Ansprüche unausweichlich wurde. Der von den USA immerhin mehrfach angebotene Weg einer aussergerichtlichen Kompromisslösung war hingegen verbaut, solange die Schweizer Kontrolleure der Interhandel glaubten, den ganzen Komplex an sich ziehen zu können. Sie setzten ihre Hoffnungen auf die konservativsten Kräfte der US-Politik, die mit dem Kalten Krieg Auftrieb erhielten.
Ab 1950 wurde die Interhandel-Affäre auch als öffentlich-publizistische Schlacht in der Schweiz ausgetragen. Viele phantastische Geschichten, die sich heute um die Interhandel ranken, entstanden im Gefolge dieses medialen Konflikts. Auf der geschäftlichen Ebene hatten die Leiter der Holding nach dem Krieg durch Verkauf eines Teils ihrer Aktien einen schweizerischen Aktionärskreis aufgebaut, um mit Hilfe dieser Lobby glaubwürdiger als echt «schweizerische» Gesellschaft auftreten zu können. Diese Aktionäre dienten anderen Interessenten als Stosstrupp, um die Gesellschaft, welche potentiell enorme Kapitalwerte repräsentierte, unter eigene Kontrolle zu bringen. Daraus entbrannte ein heftiger Machtkampf, der im Herbst 1957 endete, als der Bankier Hans Sturzenegger seinen Zugriff auf die Vorzugsaktien aufgab. Erst zu diesem Zeitpunkt schalteten sich die schweizerischen Grossbanken ein, indem sie den Verwaltungsrat der Holding übernahmen. Zugleich begann die Schweizerische Bankgesellschaft, teils auf eigene Rechnung, mehrheitlich aber für ein internationales Konsortium von Grosskunden, Interhandel-Aktien anzukaufen. Die schweizerischen Ansprüche, mindestens zwei Drittel der GAF zu erhalten, verhinderten jedoch weiterhin einen Kompromiss mit den US-Behörden. Angesichts ungewisser Aussichten zogen sich die Schweizerische Kreditanstalt und der Schweizerische Bankverein 1961 zurück, so dass die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) die Holding fortan allein kontrollierte. Nach dem Regierungswechsel von 1961 in den USA rangen die Unterhändler der SBG sich durch, eine 50 : 50-Lösung zu akzeptieren. Nach Abzug diverser Steuerleistungen fielen 40 Prozent des Erlöses der 1965 versteigerten GAF an die Eigentümer der Interhandel, 60 Prozent an den amerikanischen Staat. Infolge der günstigen Konjunkturentwicklung der Nachkriegszeit war dies ein erheblicher Betrag von 122 Mio. Dollar, nach damaligem Wechselkurz beinahe 500 Mio. Fr. 1967 fusionierte die SBG mit der Interhandel, so dass der Bank diese Mittel zuflossen.
Im Nachhinein hatte die SBG ab 1983 einen langwierigen Prozess mit der IG Farben in Liquidation zu bestehen, welche bis heute die Hinterlassenschaft des aufgelösten deutschen Konzerns verwaltet. Die IG Farben in Liquidation hatte seit den 1950er Jahre wiederholt unberechtigte Ansprüche gegen Interhandel erhoben und verlangte nun eine Beteiligung am GAF-Erlös, da die IG Chemie/Interhandel auch über die Vertragsaufhebung von 1940 hinaus treuhänderisch an IG Farben gebunden gewesen sei. Der Nachweis einer solchen Bindung gelang nicht, wobei es keine ausschlaggebende Rolle spielte, dass die Bankgesellschaft durch erheblichen Druck auf schweizerische Behörden diese dazu veranlassen konnte, sämtliche relevanten Akten des Schweizerischen Bundesarchivs, darunter insbesondere den umfangreichen Revisionsbericht von 1946 (den sogenannten Rees-Bericht), unter Verschluss zu nehmen. Für die Sperrung ausschlaggebend waren nicht irgendwelche im Bericht enthaltenen «Beweise»; ausschlaggebend war, dass die Vertreter der Eidgenossenschaft in der Auseinandersetzung mit den Amerikanern sich stets darauf berufen hatten, der Bericht zeige eindeutig, dass es keine Bindungen der IG Chemie an IG Farben mehr gegeben habe. Diese Darstellung war nicht zutreffend. Wie die vorliegende Studie zeigt, blieb der Revisionsbericht letztlich unentschieden im Urteil, sammelte jedoch substantielles Material, welches die Enge der Beziehungen zwischen IG Farben und der Schweizer Holding bis 1940 und vereinzelt noch darüber hinaus belegt. Zudem ist er, der Zeitstimmung des Jahrs 1945 folgend, von erheblichem Misstrauen gegen die Beteuerungen der Firmenvertreter getragen. Die Revisoren hatten sich angestrengt, alle belastenden Momente zusammenzutragen. Dieses Schlüsseldokument, dessen bis in die Gegenwart anhaltende Sperrung zu Spekulationen Anlass gegeben hat, hätte in den Prozessauseinandersetzungen der 1980er Jahre allerdings keine entscheidenden Beweise für eine über 1940 hinausgehende rechtliche Kontrolle der IG Chemie durch die IG Farben beitragen können, jedoch wäre die Prozessführung im Falle seines Vorliegens für die SBG unzweifelhaft aufwendiger gewesen. . Mit der Publikation der vorliegenden Studie, die alle zentralen Aussagen des Rees-Berichts zusammenfasst, entfallen die Gründe für seine Geheimhaltung.

Zusammenfassung
1928/29 gründete der deutsche IG Farben-Konzern in Basel die Finanzholding IG Chemie, in welche er zentrale Teile seiner internationalen Tochtergesellschaften einbrachte, darunter insbesondere einen bedeutenden Komplex chemischer Fabriken in den USA, die ab 1939 in der GAF (General Aniline & Film Corporation) zusammengefasst waren. 1940 wurde die bis dahin bestehende Verbindung zwischen IG Farben und der Basler IG Chemie gelöst. Die beteiligten Schweizer erhoben seither den Anspruch auf uneingeschränktes Eigentum an den US-amerikanischen Fabriken, was die Behörden der Vereinigten Staaten nicht anerkennen wollten. Sie bezeichneten die Basler Gesellschaft als Tarnung deutscher Interessen und beschlagnahmten 1942 die Fabriken. Daraus entwickelte sich eine der langwierigsten Finanzaffären des 20. Jahrhunderts, begleitet von diplomatischen, rechtlichen und publizistischen Auseinandersetzungen, die erst in den 1960er Jahre einen Abschluss fanden, mit ihren Nachwirkungen jedoch bis in die Gegenwart reichen.
Die vorliegende Untersuchung behandelt die Gründung, Finanzierung und Entwicklung der IG Chemie (Internationale Gesellschaft für chemische Unternehmungen AG), die Ende 1945 ihren Namen änderte und fortan Interhandel (Internationale Gesellschaft für Handels- und Industriebeteiligungen AG) hiess; ferner untersucht sie die mit dieser Holdinggesellschaft verbundene Bank, ursprünglich Eduard Greutert & Cie., ab 1940 Sturzenegger & Co. Der von der UEK erteilte Auftrag beinhaltete auch, die Art der Bindungen zwischen IG Farben und den schweizerischen Gesellschaften zu klären, die damit einher gehenden Vermögenstransaktionen zu erhellen, den beteiligten Personenkreis zu identifizieren und zum Vorwurf der Tarnung Stellung zu nehmen.
Die IG Chemie entstand 1928 auf Initiative des IG Farbenvorstands, insbesondere von dessen Finanzchef Hermann Schmitz, ab 1935 Vorstandspräsident des Konzerns. Es handelte sich nicht um eine Tarnorganisation, sondern um eine Beteiligungsgesellschaft, die Schmitz mit Hilfe des Bankhauses Ed. Greutert & Cie. schuf, das 1920 auf Initiative und mit Geld der Frankfurter Metallgesellschaft gegründet worden war, jedoch ab 1925 mehrheitlich im Dienst von IG Farben internationale Transaktionen tätigte. Die Gründung erregte Aufsehen, da die IG Chemie mit einem Kapital von 290 Mio. Fr. die bei weitem kapitalstärkste Gesellschaft der Schweiz darstellte. Die finanziellen Abläufe rund um die Gründung können heute nicht mehr restlos geklärt werden. Fest steht, dass IG Farben nach einer Übergangsphase schon zu Beginn der dreissiger Jahre keinen direkten Kapitalbesitz an der IG Chemie besass. Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln kaufte diese IG Farben die US-Töchter sowie eine Minderheitsbeteiligung am norwegischen Konzern Norsk Hydro ab. Diese waren ihrerseits in einer Kreuzverflechtung minderheitlich an der IG Chemie beteiligt. Die Bindung des Komplexes an den deutschen Konzern war kein Geheimnis. Deren Benennung stellte vielmehr eine Voraussetzung für den Erfolg der Gründung dar, welche wesentlich darauf abzielte, für IG Farben zusätzliches Kapital zu mobilisieren: Der Konzern verkaufte seine ausländischen Beteiligungen und behielt sie dennoch unter Kontrolle. Diese sicherte er sich durch einen Options- und Dividendengarantievertrag, welcher einerseits den Aktionären der IG Chemie eine der IG Farben äquivalente Dividende garantierte und anderseits IG Farben berechtigte, die Beteiligungen der IG Chemie jederzeit zum Buchwert zurückzukaufen.
Kontrolliert wurde die IG Chemie zudem durch die Ausgabe von Vorzugsaktien, welche nur geringes Kapital, jedoch erhebliche Stimmkraft repräsentierten. Die Vorzugsaktien waren in einer Reihe kompliziert verschachtelter Briefkastenfirmen deponiert, welche von einer Handvoll Vertrauensleute von IG Farben und des schweizerischen Mitgründers, Eduard Greutert, beherrscht wurden. Es sind insgesamt drei Ebenen der Bindung zwischen IG Farben und der schweizerischen Holding zu erkennen: der Bindungsvertrag von 1929, die engen persönlichen Vertrauensbeziehungen zwischen den zentral beteiligten Personen mitsamt der daran hängenden Kontrolle der Vorzugsaktien und die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen. Die Kontakte zwischen den zentralen Personen reichten meist weit vor 1933, teilweise sogar vor den Ersten Weltkrieg zurück.
Seit den späten 1930er Jahren suchten IG Chemie und Bankhaus Greutert sich von den engen Bindungen an IG Farben zu lösen, da die Bedingungen der deutschen Devisenbewirtschaftung die ursprünglichen vertraglichen Abmachungen zunehmend obsolet machten. Angesichts der deutschen Devisenknappheit hätte IG Farben die Dividendengarantie kaum mehr gewährleisten können; noch weniger realisierbar wäre die Wahrnehmung der Rückkaufoption gewesen. Mit der Verschlechterung der internationalen Beziehungen ab 1937/38 infolge der aggressiven Politik des NS-Regimes wurde die geschäftlich vielversprechende Bindung an IG Farben zur Belastung, vor allem im Verhältnis zu den USA. Die deutsche Konzernleitung zögerte jedoch, den Wünschen nach Aufhebung des Bindungsvertrags entgegenzukommen, da dieser das Herzstück der eigenen Kontrolle war. Erst infolge langwieriger Verhandlungen in der Frühphase des Kriegs kam es im Mai 1940 zur bedingungslosen Aufhebung des Bindungsvertrags. Der Entscheid fiel knapp vor dem deutschen militärischen Triumph in Westeuropa. Der Zeitpunkt war nicht von der militärischen Lage, sondern vom Druck amerikanischer Behörden auf die US-Besitzungen der IG Chemie bestimmt, ihre Eigentümer und allfällige Interessenbindungen anzugeben. Im Vordergrund stand die Besorgnis um eine mögliche Beschlagnahmung der Fabriken. Es gibt keine Belege, dass diese Lösung mit einem geheimen mündlichen oder schriftlichen Vorbehalt belastet gewesen wäre. Alles deutet vielmehr darauf hin, dass die Aufhebung vorbehaltlos sein musste, um gegenüber den Amerikanern glaubhaft zu wirken. Bei IG Farben hoffte man, nach dem Krieg die engen Beziehungen wieder erneuern zu können. Die langjährigen Kontakte mit den Schweizer Vertrauensleuten und deren Interesse, die US-Fabriken weiterhin mit dem nötigen wissenschaftlich-technischen Know how versorgt zu sehen, machten eine solche Erwartung nicht unrealistisch. Als «Tarnung» sind jedoch diese Gegebenheiten nicht angemessen zu bezeichnen. Es handelte sich um eine offene Option auf die Zukunft, über welche IG Farben infolge des Kriegsverlaufs schon vor 1945 jede Kontrolle verlor.
Dieses Resultat wird nicht in Frage gestellt durch eine Reihe anhaltender Dienste, welche die beteiligten Schweizer IG Farben auch während des Kriegs weiterhin leisteten in der Unterstützung echter Tarnungen der internationalen Interessen des Konzerns. Diese Dienste verdeutlichen die Stärke alter Verbindungen und das Ausmass des Vertrauens, das IG Farben in die Schweizer setzte. Sie sind Aspekte der wirtschaftlichen Kollaboration. Was das rechtlich sistierte Verhältnis zwischen den deutschen IG Farben und der schweizerischen IG Chemie betrifft, so hätte ein anderer Kriegsausgang auch für die Zukunft der letzteren und ihrer Beteiligungen Konsequenzen gehabt. Über deren Aussehen kann nur spekuliert werden.
Die amerikanischen Fabriken der GAF wurden 1942 beschlagnahmt. Die schweizerische Diplomatie war nur sehr begrenzt bereit, die Interessen der IG Chemie in den USA zu verteidigen, da die Behörden im Grunde den Verdacht der Amerikaner teilten, dass bei der Vertragsaufhebung von 1940 Vorbehalte im Spiel waren. Die finanzielle Undurchsichtigkeit der Holding und die geringe Auskunftsbereitschaft von deren Leitern erhöhte das Misstrauen, das sich aus dem Wissen um zahlreich existierende deutsche Wirtschaftstarnungen in der Schweiz nährte. Erst 1945/46 erfolgte jene Weichenstellung, welche den Konflikt mit den USA unausweichlich machte. In zwei aufwendigen Revisionen fand die Schweizerische Verrechnungsstelle 1945/46 zahlreiche Belege für die Enge der Beziehungen zwischen IG Farben, IG Chemie und der Bank Greutert/Sturzenegger, jedoch trat keine verdeckte Abmachung oder eine über 1940 hinaus reichende Steuerung der Basler Holding durch den deutschen Konzern zutage. Damit eröffnete sich die Möglichkeit, diese sehr erheblichen Kapitalien für schweizerische Interessenten zu sichern. Dass die Kriegsanstrengung der Alliierten einen entscheidenden Beitrag geleistet hatte, die rechtlich korrekte Ablösung von 1940 irreversibel zu machen, wurde von schweizerischer Seite zu keinem Zeitpunkt berücksichtigt. Statt dessen erhob man seit 1948 den Anspruch, dass die GAF schweizerisches Eigentum darstelle. Die amerikanische Seite blieb ihrerseits der Suggestionskraft der eigenen Propaganda verhaftet, welche in der IG Chemie nur eine gewöhnliche Tarnung sehen wollte, so dass der Rechtskonflikt angesichts der beiderseitigen Neigung zur moralischen Überhöhung der eigenen Ansprüche unausweichlich wurde. Der von den USA immerhin mehrfach angebotene Weg einer aussergerichtlichen Kompromisslösung war hingegen verbaut, solange die Schweizer Kontrolleure der Interhandel glaubten, den ganzen Komplex an sich ziehen zu können. Sie setzten ihre Hoffnungen auf die konservativsten Kräfte der US-Politik, die mit dem Kalten Krieg Auftrieb erhielten.
Ab 1950 wurde die Interhandel-Affäre auch als öffentlich-publizistische Schlacht in der Schweiz ausgetragen. Viele phantastische Geschichten, die sich heute um die Interhandel ranken, entstanden im Gefolge dieses medialen Konflikts. Auf der geschäftlichen Ebene hatten die Leiter der Holding nach dem Krieg durch Verkauf eines Teils ihrer Aktien einen schweizerischen Aktionärskreis aufgebaut, um mit Hilfe dieser Lobby glaubwürdiger als echt «schweizerische» Gesellschaft auftreten zu können. Diese Aktionäre dienten anderen Interessenten als Stosstrupp, um die Gesellschaft, welche potentiell enorme Kapitalwerte repräsentierte, unter eigene Kontrolle zu bringen. Daraus entbrannte ein heftiger Machtkampf, der im Herbst 1957 endete, als der Bankier Hans Sturzenegger seinen Zugriff auf die Vorzugsaktien aufgab. Erst zu diesem Zeitpunkt schalteten sich die schweizerischen Grossbanken ein, indem sie den Verwaltungsrat der Holding übernahmen. Zugleich begann die Schweizerische Bankgesellschaft, teils auf eigene Rechnung, mehrheitlich aber für ein internationales Konsortium von Grosskunden, Interhandel-Aktien anzukaufen. Die schweizerischen Ansprüche, mindestens zwei Drittel der GAF zu erhalten, verhinderten jedoch weiterhin einen Kompromiss mit den US-Behörden. Angesichts ungewisser Aussichten zogen sich die Schweizerische Kreditanstalt und der Schweizerische Bankverein 1961 zurück, so dass die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) die Holding fortan allein kontrollierte. Nach dem Regierungswechsel von 1961 in den USA rangen die Unterhändler der SBG sich durch, eine 50 : 50-Lösung zu akzeptieren. Nach Abzug diverser Steuerleistungen fielen 40 Prozent des Erlöses der 1965 versteigerten GAF an die Eigentümer der Interhandel, 60 Prozent an den amerikanischen Staat. Infolge der günstigen Konjunkturentwicklung der Nachkriegszeit war dies ein erheblicher Betrag von 122 Mio. Dollar, nach damaligem Wechselkurz beinahe 500 Mio. Fr. 1967 fusionierte die SBG mit der Interhandel, so dass der Bank diese Mittel zuflossen.
Im Nachhinein hatte die SBG ab 1983 einen langwierigen Prozess mit der IG Farben in Liquidation zu bestehen, welche bis heute die Hinterlassenschaft des aufgelösten deutschen Konzerns verwaltet. Die IG Farben in Liquidation hatte seit den 1950er Jahre wiederholt unberechtigte Ansprüche gegen Interhandel erhoben und verlangte nun eine Beteiligung am GAF-Erlös, da die IG Chemie/Interhandel auch über die Vertragsaufhebung von 1940 hinaus treuhänderisch an IG Farben gebunden gewesen sei. Der Nachweis einer solchen Bindung gelang nicht, wobei es keine ausschlaggebende Rolle spielte, dass die Bankgesellschaft durch erheblichen Druck auf schweizerische Behörden diese dazu veranlassen konnte, sämtliche relevanten Akten des Schweizerischen Bundesarchivs, darunter insbesondere den umfangreichen Revisionsbericht von 1946 (den sogenannten Rees-Bericht), unter Verschluss zu nehmen. Für die Sperrung ausschlaggebend waren nicht irgendwelche im Bericht enthaltenen «Beweise»; ausschlaggebend war, dass die Vertreter der Eidgenossenschaft in der Auseinandersetzung mit den Amerikanern sich stets darauf berufen hatten, der Bericht zeige eindeutig, dass es keine Bindungen der IG Chemie an IG Farben mehr gegeben habe. Diese Darstellung war nicht zutreffend. Wie die vorliegende Studie zeigt, blieb der Revisionsbericht letztlich unentschieden im Urteil, sammelte jedoch substantielles Material, welches die Enge der Beziehungen zwischen IG Farben und der Schweizer Holding bis 1940 und vereinzelt noch darüber hinaus belegt. Zudem ist er, der Zeitstimmung des Jahrs 1945 folgend, von erheblichem Misstrauen gegen die Beteuerungen der Firmenvertreter getragen. Die Revisoren hatten sich angestrengt, alle belastenden Momente zusammenzutragen. Dieses Schlüsseldokument, dessen bis in die Gegenwart anhaltende Sperrung zu Spekulationen Anlass gegeben hat, hätte in den Prozessauseinandersetzungen der 1980er Jahre allerdings keine entscheidenden Beweise für eine über 1940 hinausgehende rechtliche Kontrolle der IG Chemie durch die IG Farben beitragen können, jedoch wäre die Prozessführung im Falle seines Vorliegens für die SBG unzweifelhaft aufwendiger gewesen. . Mit der Publikation der vorliegenden Studie, die alle zentralen Aussagen des Rees-Berichts zusammenfasst, entfallen die Gründe für seine Geheimhaltung.

Résumé
En 1928/29, le groupe allemand IG Farben fonda à Bâle le holding IG Chemie, à travers lequel il gérait des parts centrales de ses filiales internationales, à commencer par un complexe important de fabriques chimiques aux Etats-Unis, réunies à partir de 1939 au sein de la General Aniline & Film Corporation (GAF). Les liens entre IG Farben et IG Chemie à Bâle furent dénoués en 1940. Les Suisses qui détenaient des parts de l'entreprise revendiquèrent dès lors un droit de propriété inconditionnel sur les fabriques américaines. Les autorités des Etats-Unis refusèrent de reconnaître ces prétentions, considérant que l'entreprise bâloise dissimulait des intérêts allemands, et mirent les fabriques américaines sous séquestre en 1942. Il en résulta une des plus longues affaires financières du XXe siècle, doublée de litiges diplomatiques, juridiques et journalistiques, qui ne prirent fin que dans les années 1960 et dont les répercussions se font sentir aujourd'hui encore.
La présente enquête porte sur la fondation, le financement et l'évolution d'IG Chemie (Société internationale pour entreprises chimiques S.A.), qui changea de raison sociale à la fin de 1945 pour s'appeler Interhandel (Société internationale pour participations industrielles et commerciales S.A.). L'analyse s'étend aussi à la banque rattachée au holding, qui portait à l'origine le nom d'Eduard Greutert & Cie, puis, à partir de 1940, celui de Sturzenegger & Co. Le mandat attribué par la Commission Indépendante d'Experts devait aussi permettre de déterminer le type de liens qui unissait IG Farben et les sociétés helvétiques, d'éclaircir les transactions de fortune qui ont eu lieu dans ce contexte, d'identifier le cercle de personnes intéressées et d'examiner le bien-fondé du reproche de dissimulation.
IG Chemie fut fondée en 1928 à l'initiative du conseil d'administration d'IG Farben, notamment du directeur des finances Hermann Schmitz, président du conseil d'administration à partir de 1935. Il ne s'agissait pas d'une société écran, mais d'une société de participation créée par Schmitz avec l'aide de la banque Ed. Greutert & Cie. Fondé en 1920 à l'initiative et avec les fonds de la Frankfurter Metallgesellschaft (Société métallurgique de Francfort), l'établissement s'était mis, à partir de 1925, à travailler essentiellement pour le compte d'IG Farben, dont il assurait les transactions internationales. La fondation d'IG Chemie ne passa pas inaperçue, car cette société était dotée d'un capital de 290 millions de francs, soit le plus important, et de loin, détenu par une société helvétique. Il est difficile aujourd'hui de retracer toutes les transactions financières ayant eu lieu au moment de la fondation d'IG Chemie. Il est toutefois certain qu'après une phase transitoire, IG Farben ne détenait plus, dès le début des années 1930, de participation directe au capital d'IG Chemie. Avec les moyens à sa disposition, IG Chemie acheta les filiales américaines d'IG Farben ainsi qu'une participation minoritaire dans le groupe norvégien Norsk Hydro. Par un système de participations croisées, ces sociétés étaient quant à elles actionnaires minoritaires d'IG Chemie. Les liens entre ce complexe et le groupe allemand n'étaient un secret pour personne. Au contraire, ils constituaient même une garantie de succès, la fondation d'IG Chemie ayant eu pour but essentiel de mobiliser du capital supplémentaire pour IG Farben: le groupe vendit ses participations à l'étranger tout en en conservant le contrôle. Il assura ses arrières par un contrat de garantie de distribution de dividende et d'option, qui d'une part assurait aux actionnaires d'IG Chemie un dividende équivalent à celui d'IG Farben et d'autre part donnait droit à IG Farben de racheter en tout temps les participations d'IG Chemie à leur valeur comptable.
Le contrôle sur IG Chemie fut renforcé par l'émission d'actions privilégiées qui, malgré leur valeur nominale peu importante, donnaient à leurs titulaires des droits de vote multiples. Ces actions furent déposées dans toute une série d'entreprises fictives à participations réciproques, contrôlées par une poignée d'hommes de confiance d'IG Farben et par le cofondateur suisse Eduard Greutert. Les liens entre IG Farben et le holding helvétique s'établissaient à trois niveaux: l'engagement contractuel de 1929, les relations de confiance personnelles et étroites entre les principaux acteurs, permettant aussi le contrôle des actions privilégiées, et les intérêts économiques communs. Les contacts entre les diverses personnes impliquées dataient pour la plupart de bien avant 1933, et remontaient même, dans certains cas, aux années ayant précédé la Première Guerre mondiale.
A partir de la fin des années 1930, IG Chemie et la Banque Greutert cherchèrent à se libérer des liens étroits qui les unissaient à IG Farben. Le contrôle des changes instauré, puis resserré par les autorités allemandes avait en effet rendus caducs les accords d'origine. La pénurie de devises qui régnait en Allemagne empêchait pratiquement IG Farben d'assurer la garantie de distribution de dividende et, plus encore, de profiter de son option de rachat. La politique agressive du régime national-socialiste et la détérioration des relations internationales qui s'ensuivit à partir de 1937/38 transformèrent les liens si prometteurs avec IG Farben en un fardeau, qui pesait particulièrement lourd dans les relations avec les Etats-Unis. La direction allemande du groupe hésitait toutefois à accéder à la demande d'IG Chemie et à renoncer à son engagement contractuel puisque celui-ci était la pièce maîtresse du contrôle qu'elle exerçait. Il fallut de longues négociations pendant la première partie de la guerre pour aboutir, en mai 1940, à la dissolution inconditionnelle des liens contractuels. Cette décision précéda de peu le triomphe militaire allemand en Europe occidentale. Toutefois, le moment de la rupture des liens n'avait pas été déterminé par la situation militaire, mais par la pression des autorités américaines, qui voulaient connaître les propriétaires des filiales d'IG Chemie aux Etats-Unis ainsi que les intérêts qu'ils représentaient. L'élément-clé qui a motivé la rupture des liens était la préoccupation de voir les autorités américaines mettre les fabriques sous séquestre. Il n'existe aucune preuve que la résiliation de l'engagement contractuel ait été assortie d'une réserve secrète, écrite ou orale. Tout tend à indiquer au contraire que la dissolution devait être inconditionnelle pour paraître crédible aux yeux des Américains. IG Farben espérait pouvoir renouer des liens étroits après la guerre. Cet espoir n'était d'ailleurs pas irréaliste au vu des contacts que le groupe entretenait depuis des années avec ses hommes de confiance helvétiques et l'intérêt de ceux-ci à voir se poursuivre l'alimentation des usines américaines en savoir-faire technique et scientifique. Il ne semble pas pour autant adapté de parler de dissimulation. Il s'agissait plutôt d'une option d'avenir sur laquelle IG Farben perdit tout contrôle dès avant 1945 suite au déroulement de la guerre.
Cette conclusion n'est pas remise en question par les services que les Suisses intéressés avaient continué de fournir à IG Farben pendant la guerre en contribuant à dissimuler - car il s'agissait bien là de véritables opérations de dissimulation - certains intérêts internationaux du groupe. Ces services, en tant qu'aspect de la collaboration économique, mettent en évidence la force des anciens liens et la confiance qu'IG Farben plaçait dans les Suisses. En ce qui concerne les rapports entre le groupe allemand IG Farben et la société suisse IG Chemie, suspendus au plan juridique, force est de constater qu'une issue différente de la guerre aurait eu aussi des conséquences sur l'avenir d'IG Chemie et de ses participations. Tout ce que l'on pourrait dire à ce sujet ne serait toutefois que pure spéculation.
Les fabriques américaines du groupe furent mises sous séquestre en 1942. La diplomatie suisse ne manifesta qu'une disponibilité très réduite pour défendre les intérêts d'IG Chemie aux Etats-Unis, car les autorités helvétiques partageaient dans le fond le soupçon des Américains quant aux éventuelles réserves en jeu lors de l'annulation du contrat en 1940. Le manque de transparence du holding au niveau financier et le manque de volonté de ses dirigeants à fournir des informations ne firent qu'accroître la méfiance alimentée par les nombreux intérêts économiques allemands dissimulés en Suisse. Ce n'est que vers 1945/46 que le conflit avec les Etats-Unis devint inévitable: deux vérifications comptables de grande envergure réalisées en 1945/46 permirent à l'office suisse de compensation d'accumuler de nombreuses preuves des relations étroites entre IG Farben, IG Chemie et la banque Greutert/Sturzenegger. Les enquêteurs n'avaient en revanche trouvé aucune trace d'un accord secret ou d'un contrôle du holding bâlois par le groupe allemand après 1940. Pour la Suisse, ces preuves représentaient un moyen de s'assurer ces capitaux très importants. La Suisse n'a jamais pris en considération le fait que les efforts de guerre des alliés avaient contribué de manière décisive à rendre irréversible la séparation juridiquement correcte de 1940. Dès 1948, ils prétendirent que la GAF était propriété helvétique. De leur côté, les Américains étaient prisonniers de leur propre propagande et ne voyaient dans IG Chemie qu'un simple instrument de dissimulation. Au vu de la fâcheuse tendance des deux parties à trouver une justification morale à leurs prétentions matérielles, le conflit juridique devint inévitable. La voie du compromis extrajudiciaire proposée à maintes reprises par les Etats-Unis était condamnée tant que les contrôleurs helvétiques d'Interhandel croyaient pouvoir mettre la main sur l'ensemble du complexe. Ils avaient placé leurs espoirs dans les forces politiques américaines les plus conservatrices, qui avaient le vent en poupe en cette période de Guerre froide.
A partir de 1950, l'affaire Interhandel devint en Suisse l'objet d'une bataille journalistique publique. De nombreuses histoires abracadabrantes apparurent dans le contexte de ce conflit médiatique. Au plan commercial, les responsables du holding avaient vendu une partie de leurs actions pour constituer après la guerre un cercle d'actionnaires helvétiques. Ils espéraient que ce groupe de pression allait leur donner suffisamment de crédibilité pour leur permettre de s'imposer en tant que société suisse à cent pour cent. Ces actionnaires servaient de fers de lance aux personnes désireuses de prendre le contrôle de la société, qui représentait potentiellement d'énormes valeurs en capital. Il s'ensuivit une lutte féroce qui se termina en 1957 par l'abandon du banquier Hans Sturzenegger, qui renonça aux droits que lui conféraient les actions privilégiées. Ce n'est qu'à ce moment-là que les grandes banques suisses entrèrent en jeu en reprenant l'administration du holding. En même temps, l'Union de Banques Suisses commença à acheter des actions Interhandel, en partie pour son propre compte, mais surtout pour un consortium international de clients importants. Les revendications helvétiques - on n'entendait pas se contenter de moins de deux tiers de GAF, continuaient toutefois à empêcher la conclusion d'un compromis avec les autorités américaines. Les perspectives incertaines de cette affaire entraînèrent le retrait du Crédit Suisse et de la Société de Banque Suisse en 1961, de sorte que l'Union de Banques Suisses (UBS) continua seule à contrôler le holding. Après le changement de gouvernement aux Etats-Unis en 1961, les négociateurs de l'UBS acceptèrent finalement une solution à 50 : 50. Après déduction des impôts et taxes, 40% du produit de la vente de GAF en 1965 alla aux propriétaires d'Interhandel et 60% à l'Etat américain. Au vu de l'évolution favorable de la conjoncture durant les années d'après-guerre, cette part représentait la coquette somme de 122 millions de dollars, soit à peu près 500 millions de francs au cours de l'époque. Ces fonds revinrent à l'UBS suite à sa fusion avec Interhandel en 1967.
Par la suite, à partir de 1983, l'UBS a été impliquée dans un long procès avec IG Farben en liquidation, qui aujourd'hui encore gère la succession du groupe allemand démantelé. Depuis les années 1950, IG Farben en liquidation avait à plusieurs reprises fait valoir des exigences injustifiées par rapport à Interhandel. Elle demandint en effet une participation au produit de la vente de GAF sous prétexte qu'IG Chemie et Interhandel avaient continué à être liées au plan fiduciaire à IG Farben après la dissolution de l'engagement contractuel en 1940. La preuve d'un tel lien ne put pas être apportée. Le fait que l'UBS exerça une pression considérable sur les autorités suisses, les incitant à mettre sous clef tous les documents importants des archives fédérales, en particulier le volumineux rapport de révision de 1946 (dit rapport Rees) ne joua pas un rôle déterminant dans ce contexte. La mise sous clef du rapport ne fut pas motivée par les éventuelles «preuves» qu'il aurait contenues, mais par l'insistance avec laquelle les représentants de la Confédération avaient affirmé, dans le conflit avec les Américains, que ce rapport démontrait l'absence de lien entre IG Chemie et IG Farben. Or, tel n'était pas le cas. Comme le montre la présente étude, le rapport de révision n'a pas apporté de réponse claire à cette question. Il contenait en revanche des informations substantielles sur l'étroitesse des liens entre IG Farben et le holding suisse jusqu'en 1940 et même après. Par ailleurs, conformément à l'état d'esprit qui régnait en 1945, il était teinté de méfiance vis-à-vis des affirmations des représentants de l'entreprise. Les réviseurs s'étaient en effet efforcés de rassembler tous les éléments à charge. L'interdiction de consulter ce document-clé jusqu'à récemment avait donné lieu à de nombreuses spéculations. Le fait est que, dans le cadre du litige tranché dans les années 1980, il n'aurait pas apporté de preuves décisives d'un contrôle juridique d'IG Chemie par IG Farben après 1940. Nul doute en revanche que sa présentation aurait renchéri la procédure pour l'UBS. La publication de la présente étude, qui résume toutes les informations-clés contenues dans le rapport Rees, rend caduques les raisons du secret dans lequel celui-ci est tenu.

Riassunto
Nel 1928/29, il gruppo IG Farben fondò a Basilea la holding finanziaria IG Chemie, dotandola di elementi centrali delle proprie filiali internazionali, fra cui un importante complesso di stabilimenti chimici negli USA, riuniti nel 1939 nella GAF (General Aniline & Film Corporation). L'unione tra la IG Farben e la basilese IG Chemie durò fino al 1940. La parte svizzera dell'azionariato rivendicò in seguito la totale proprietà delle fabbriche statunitensi, cosa che le autorità di quel paese non volevano riconoscere. Esse consideravano la società basilese un occultamento di interessi tedeschi e nel 1942 posero sotto sequestro i detti stabilimenti. Da qui nacque una delle più lunghe vertenze finanziarie del XX secolo, accompagnata da contese diplomatiche, giuridiche e pubblicistiche che, pur trovando formale epilogo negli anni Sessanta, lasciarono strascichi fino ai nostri giorni.
La presente ricerca ha per tema la fondazione, il finanziamento e l'evoluzione della IG Chemie (Internationale Gesellschaft für chemische Unternehmungen AG), che nel 1945 mutò il proprio nome in Interhandel (Internationale Gesellschaft für Handels- und Industriebeteiligungen AG); essa analizza inoltre la banca legata alla holding: inizialmente Eduard Greutert & Cie., dal 1940 Sturzenegger & Co. Il mandato della CIE chiedeva pure di elucidare il genere di legami che univa IG Farben e le società svizzere, di fare chiarezza sulle transazioni patrimoniali da ciò decorrenti, identificare la cerchia di persone implicate e dare un giudizio in merito all'accusa di occultamento.
La IG Chemie era nata nel 1928 su iniziativa della presidenza della IG Farben, segnatamente del direttore finanziario Hermann Schmitz, dal 1935 presidente del consiglio d'amministrazione del gruppo. Non si trattava di un'organizzazione di occultamento, ma di una società di partecipazione creata da Schmitz con l'aiuto della banca Greutert & Cie., a sua volta sorta nel 1920 per iniziativa e con capitale della Frankfurter Metallgesellschaft, ma che dal 1925 eseguiva principalmente transazioni internazionali per conto della IG Farben. Questa fondazione fece scalpore, poiché il capitale sociale di 290 mio. di franchi faceva della IG Chemie nettamente la prima società svizzera per forza finanziaria. Oggi, le operazioni finanziarie che accompagnarono la fondazione non sono più ricostruibili interamente. Appare però certo che, dopo una fase transitoria, già all'inizio degli anni Trenta la IG Farben non partecipava più direttamente al capitale della IG Chemie. Con i fondi a disposizione, questa acquistò dalla IG Farben le filiali statunitensi e una partecipazione di minoranza nel gruppo norvegese Norsk Hydro, le quali detenevano a loro volta una partecipazione minoritaria nella IG Chemie, attraverso una rete di relazioni intrecciate. I legami tra il complesso e il gruppo tedesco non erano un segreto. La loro notorietà fu anzi una premessa del successo della fondazione, che mirava soprattutto a raccogliere ulteriori capitali per la IG Farben: questa vendeva le proprie partecipazioni estere riuscendo tuttavia a conservarne il controllo, per mezzo di un accordo sul diritto d'opzione e sulla garanzia dei dividendi. Tale accordo assicurava da un lato alla IG Chemie un dividendo equivalente a quello della IG Farben e permetteva d'altro canto alla IG Farben di riacquistare in ogni momento le partecipazioni della IG Chemie al valore contabile.
Il controllo della IG Chemie avveniva inoltre tramite l'emissione di azioni privilegiate, che richiedevano poco capitale ma implicavano un notevole peso decisionale. Le azioni privilegiate erano piazzate in una complessa rete di società di comodo interdipendenti, controllata da poche persone di fiducia della IG Farben e del cofondatore svizzero della IG Chemie Eduard Greutert. Si possono evidenziare tre livelli di relazione tra la IG Farben e la holding svizzera: l'accordo d'unione del 1929, le strette relazioni di fiducia tra le principali persone coinvolte e il relativo controllo delle azioni privilegiate, il comune interesse economico. I contatti tra le persone più importanti risalivano per lo più a molto prima del 1933, a volte addirittura al primo anteguerra.
A partire dalla fine degli anni Trenta, la IG Chemie e la banca Greutert tentarono di liberarsi dai vincoli contrattuali che le legavano strettamente alla IG Farben, poiché le condizioni venutesi a creare in Germania con il controllo delle divise rendevano tali legami sempre più obsoleti. Data la carenza di divise, ben difficilmente la IG Farben avrebbe potuto onorare la garanzia riguardante i dividendi; ancora più irrealizzabile sarebbe stato l'esercizio dell'opzione sul riacquisto. Con l'aggravarsi dei rapporti internazionali, a partire dal 1937/38 in seguito all'aggressiva politica del terzo Reich, l'unione con la IG Farben, in sé promettente sul piano economico, stava rivelandosi un ostacolo, soprattutto nelle relazioni con gli USA. La direzione tedesca del gruppo esitava però ad accettare la richiesta di scissione del contratto d'unione, essendo questo il perno del proprio controllo. Allo scioglimento senza riserva alcuna si arrivò infine nel maggio del 1940, dopo laboriose trattative nella fase iniziale del conflitto. La decisione cadde poco prima del trionfo militare tedesco nell'Europa occidentale, ma la scelta del momento non dipese dalla situazione militare, bensì dalle pressioni esercitate negli USA sulle partecipazioni della IG Chemie, affinché queste svelassero i rapporti di proprietà ed eventuali unioni d'interessi. A preoccupare maggiormente era l'eventualità della confisca delle fabbriche. Non esiste nessuna prova dell'esistenza di riserve segrete, scritte o orali, gravanti sullo scioglimento in questione. Tutto tende piuttosto a dimostrare il carattere incondizionato dello stresso, al fine di rendersi credibili agli occhi degli USA. La IG Farben sperava ovviamente di potere restaurare stretti rapporti dopo la guerra. Questa aspettativa non sembrava irrealistica, dati i pluriennali contatti con le persone di fiducia in Svizzera e il loro interesse di garantire agli stabilimenti statunitensi l'acquisizione del necessario know how tecnico-scientifico. Definire questo stato di cose come «occultamento» appare tuttavia deduzione inappropriata. Si trattava di un'opzione aperta a scadenza indeterminata, il cui controllo da parte della IG Farben fu vanificato dall'andamento degli eventi bellici già prima del 1945.
Questo risultato non viene inficiato da una serie di servizi, che gli interlocutori svizzeri continuarono a rendere alla IG Farben durante la guerra, segnatamente nel sostegno all'autentico occultamento dei suoi interessi internazionali. Tali servizi evidenziano la forza delle vecchie relazioni e il grado di fiducia che la IG Farben nutriva verso la Svizzera. Essi sono aspetti della collaborazione economica. Per quanto concerne i legami - giurdicamente interrotti - tra la tedesca IG Farben e la svizzera IG Chemie, va detto che un diverso esito del conflitto avrebbe avuto conseguenze anche per il futuro della seconda e delle sue partecipazioni. Sulla loro forma e misura, oggi si possono solo fare congetture.
Gli stabilimenti della GAF negli USA furono confiscati nel 1942. La diplomazia svizzera si mostrò solo parzialmente disposta a difendere gli interessi della IG Chemie, poiché le autorità condividevano in fondo i sospetti statunitensi riguardo alle riserve che dovevano aver accompagnato, nel 1940, lo scioglimento del contratto d'unione. La non trasparenza finanziaria della holding e la reticenza della direzione a informare aumentavano la diffidenza, alimentata dalla certezza che di occultamenti economici tedeschi in Svizzera ne esistevano parecchi. La svolta che doveva rendere inevitabile il conflitto con gli USA intervenne solo nel 1945/46. Due complessi lavori di revisione esequiti in quegli anni dall'Ufficio svizzero di compensazione portarono alla luce numerose prove della stretta relazione tra la IG Farben, la IG Chemie e la banca Greutert/Sturzenegger, ma nessuna comprovante l'esistenza di accordi occulti o la prosecuzione oltre il 1940 del controllo della holding basilese da parte del gruppo tedesco. Ciò apriva la possibilità, agli interessati svizzeri, di accedere a questi ingenti capitali. Al fatto che l'impegno militare degli Alleati avesse avuto un peso decisivo nel rendere irreversibile lo scioglimento contrattuale del 1940 - in sé legalmente ineccepibile - la parte svizzera non attribuì mai importanza; anzi, dal 1948 in poi si prese a sostenere che la GAF fosse proprietà svizzera. La parte statunitense si fece d'altro canto suggestionare dalla propria propaganda, che vedeva nella IG Chemie un normale caso di occultamento. Di fronte a questa duplice sopravvalutazione a sfondo morale delle proprie rivendicazioni, il conflitto giuridico divenne inevitabile. Occorre però dire che le ripetute aperture statunitensi verso un compromesso extragiudiziale rimanevano bloccate fin tanto che i controllori svizzeri della Interhandel ritenevano di poter mettere le mani sull'intero complesso. Essi avevano posto le loro speranze nelle forze politiche più conservatrici degli USA, rinvigorite dalla guerra fredda.
A partire dal 1950, l'affare Interhandel sfociò in Svizzera in una battaglia pubblica e mediatica. Molte affabulazioni attuali che hanno per tema Interhandel sono nate sulla scia di questa battaglia. Dal punto di vista economico, le cose stavano invece in questi termini: dopo la fine della guerra, la direzione della holding aveva venduto parte delle proprie azioni ad una cerchia di azionisti svizzeri, nell'intento di utilizzare questa lobby per presentare in modo più credibile la propria società come genuinamente «svizzera». Questi azionisti servirono ad altri interessati quale truppa d'assalto per raggiungere il controllo di una società che rappresentava potenzialmente un enorme capitale. Ciò generò un'aspra prova di forza, terminata nell'autunno del 1957 con la rinuncia del banchiere Hans Sturzenegger ad accaparrarsi le azioni privilegiate. Solo a questo punto ci fu l'inserimento delle grandi banche svizzere, che assunsero il controllo del consiglio d'amministrazione della holding. Nello stesso tempo, l'Unione di Banche Svizzere (UBS) iniziò a comprare azioni Interhandel, in parte autonomamente, ma soprattutto per conto di un consorzio internazionale di grossi clienti. Le pretese svizzere di ottenere almeno due terzi della GAF continuavano però a impedire il compromesso con le autorità statunitensi. L'incertezza delle prospettive portò, nel 1961, al ritiro del Credito Svizzero e della Società di Banca Svizzera, il che spianò la strada al controllo totale della holding da parte dell'UBS. Nel 1961 gli USA ebbero un nuovo governo ed i rappresentanti dell'UBS finirono per accettare la soluzione paritaria: metà ciascuno. La GAF fu messa all'asta nel 1965. Dedotte varie imposte, ai proprietari della Interhandel andò il 40% del ricavo, agli USA il 60%. Data la positiva evoluzione congiunturale del dopoguerra, si trattava di un notevole importo di 122 mio. di dollari, corrispondenti a quasi 500 mio. al corso di allora. Nel 1967, con la fusione di UBS e Interhandel, questi fondi confluirono nella banca.
Più tardi, a partire dal 1983, l'UBS dovette affrontare un lungo processo con la IG Farben in Liquidation, che amministra ancora oggi la successione del gruppo tedesco sciolto. Sin dagli anni Cinquanta, quest'amministratrice era andata avanzando pretese ingiustificate nei confronti di Interhandel ed ora richiedeva una parte del ricavo della vendita della GAF, sostenendo che la IG Chemie/Interhandel avesse mantenuto un legame fiduciario con la IG Farben anche dopo l'accordo di scioglimento del 1940. Essa non riuscì comunque a provare l'esistenza di un simile legame e in ciò non ebbe grande rilevanza il fatto che l'UBS fosse riuscita, esercitando forti pressioni sulle autorità federali, a far porre sotto sigillo tutti gli atti rilevanti, incluso in modo particolare il voluminoso rapporto di revisione del 1946 (il cosiddetto Rapporto-Rees). Il motivo principale per decretare il blocco non risiedeva in presunte «prove» contenute nel rapporto, ma nella reiterata affermazione delle autorità svizzere, nel contenzioso con gli USA, che dal rapporto emergesse senz'ombra di dubbio l'assenza di legami posteriori al 1940 tra la IG Chemie e la IG Farben. Quest'interpretazione non è corretta. Come dimostra il presente studio, nel suo giudizio il rapporto di revisione non pendé, tutto sommato, né da una parte né dall'altra, raccolse però una sostanziosa documentazione a comprova degli stretti rapporti che correvano tra la IG Farben e la holding svizzera fino al 1940 e, sporadicamente, anche oltre quella data. In sintonia con lo spirito del 1945, il rapporto è inoltre pervaso di grande diffidenza verso le affermazioni dei rappresentanti della ditta. I revisori s'erano dati da fare nel raccogliere tutti gli elementi a carico. Nelle procedure giudiziarie degli anni Ottanta, questo documento chiave, la cui inaccessibilità pubblica ha alimentato le speculazioni fino ai nostri giorni, non avrebbe tuttavia apportato nessuna prova decisiva in merito al controllo giuridico della IG Farben sulla IG Chemie posteriore al 1940; la sua disponibilità avrebbe però indubbiamente reso più oneroso per l'UBS l'iter processuale. La pubblicazione della presente ricerca, che riassume tutti i punti essenziali del Rapporto-Rees, rende caduchi i motivi della sua segretezza.

Summary
In 1928/29, the German firm IG Farben founded IG Chemie in Basel, the financial holding company which included IG Farben's major international subsidiaries, in particular an important group of chemical factories in the United States, which were amalgamated in 1939 into GAF, the General Aniline & Film Corporation. In 1940, the ties which had existed between IG Farben and IG Chemie were terminated. The Swiss interests then made a claim for outright ownership of the American factories, a claim which the American authorities refused to recognize. The Americans described the Basel company as a front for German interests and seized the factories in 1942. As a result, one of the longest financial disputes of the 20th century began with the affair being debated on the diplomatic, legal, and journalistic levels. It was not resolved until the 1960s and even so, its aftermath is still felt today.
This study deals with the founding, financing and development of IG Chemie, the International Corporation of Chemical Companies AG which changed its name at the end of 1945 to Interhandel, the International Corporation for Trade and Industrial Interests AG. The study also investigates the bank affiliated with this holding company, originally Eduard Greutert & Cie., but known as Sturzenegger & Co. from 1940. The task of the Independent Commission of Experts also included clarifying the nature of the association between IG Farben and the Swiss firms, shedding light on the related financial transactions, identifying the various people involved and taking a position on the accusation that the Basel operation was simply a front.
IG Chemie was founded in 1928 at the initiative of the IG Farben board, particularly that of its financial director Hermann Schmitz, who became president of the board in 1935. It was not a front organization but rather a financial-interest partnership which Schmitz created with the help of the Ed. Greutert & Cie. Banking House. This bank was founded in 1920 at the initiative and with the money of the Frankfurt Metal Company. However from 1925, the bank was largely active in the international transactions of IG Farben. The establishment of IG Chemie made a sensation because, with capital of SFr. 290 million, it was by far the financially strongest company in Switzerland. Today, the financial arrangements surrounding the founding of the company cannot be completely explained. But what is clear is that by the beginning of the 30s, IG Farben, after a transitional phase, no longer had direct capital holdings in IG Chemie. With the resources available to it, IG Chemie bought the US subsidiaries of IG Farben and its minority share in the Norwegian concern Norsk Hydro. In turn, these were represented in a minority capacity in IG Chemie. The association of the group with the German concern was in no way kept secret. Naming the connection was most important for the success of the Swiss holding company which aimed primarily at mobilizing additional capital for IG Farben. The concern sold its foreign participations but still kept them under its control. It did this by means of an option and dividend guarantee contract which, on the one hand, guaranteed IG Chemie shareholders a dividend equivalent to that given by IG Farben; on the other hand, it entitled IG Farben to buy back the holdings of IG Chemie at book value at any time.
IG Chemie was also controlled through the issue of preferred shares, which represented only small amounts of capital but considerable voting power. The preferred shares were deposited in a complicated web of letter-box companies controlled by a handful of trusted people from IG Farben and the Swiss co-founder Eduard Greutert. Altogether there are three levels of association between IG Farben and the Swiss holding company: the association contract of 1929, the close personal trust between the main participants together with the related control through the preferred shares, and the common business interests. For the most part, contacts between the principals went back to long before 1933 and in some cases to before the First World War.
As of the late 1930s, IG Chemie and the Greutert Banking House tried to terminate these close ties to IG Farben because German foreign exchange controls made the original contractual agreements increasingly obsolete. In view of the shortage of foreign exchange in Germany, IG Farben would have hardly been able to guarantee a dividend any longer, and exercising the buyback option would have been even less of a possibility. With the worsening of international relations from 1937/38 as a result of the aggressive policies of the National Socialist government, the promising business ties to IG Farben became a hindrance, mostly with respect to the United States. But the management in Germany hesitated to comply with requests to cancel the association contract because therein lay the crux of its control. Only after long, drawn-out negotiations in the early phase of the war the association contract was terminated unconditionally in May 1940. The decision came just before the German military successes in Western Europe. However the timing of the decision was determined not by the military situation but by pressure from the American authorities on the US-based properties of IG Chemie, to name their owners, and possible related interests. The main concern was a possible seizure of the factories. There is no proof that this solution was subject to a secret verbal or written proviso. Instead, everything points to the fact that the cancellation was unconditional so as to appear more credible in the eyes of the Americans. IG Farben hoped to be able to renew close relations after the war. The long-standing contacts with the Swiss trustees and their interest in seeing to it that the US factories continued to be supplied with the necessary scientific and technical know-how, nourished such an expectation. To describe this situation as a «front» is unwarranted. It was an open option to the future, over which IG Farben as a result of the course of the war, lost all control even before 1945.
This conclusion cannot be questioned even though a number of on-going services for IG Farben were provided by Swiss interests during the war as genuine fronts for the international interests of the concern. These services illustrate the strength of the long-standing ties and the extent of the confidence that IG Farben placed in the Swiss. They are part and parcel of the business collaboration. As far as the legally terminated relations between the German IG Farben and the Swiss IG Chemie are concerned, a different outcome of the war would also have had consequences for the future of the latter and its interests. But on that matter, one can only speculate.
The American factories of the GAF Corporation were seized in 1942. Swiss diplomatic efforts to defend the interests of IG Chemie in the US were half-hearted at best as the Swiss authorities basically shared the suspicions of the Americans that the cancellation of the contract in 1940 was not unconditional. The lack of financial transparency in IG Chemie and the reluctance of its directors to provide information only served to increase suspicions against the company, suspicions based on the knowledge of numerous existing German business cloaking activities in Switzerland. But it wasn't until 1945/46 that events occurred which made a conflict with the United States unavoidable. Two extensive audits by the Swiss Compensation Office in 1945/46 found copious evidence of the close connections between IG Farben, IG Chemie and the Greutert/Sturzenegger bank. But there was no proof of a covert agreement or control of IG Chemie by the German concern beyond 1940. That made the recovery of considerable capital a distinct possibility for Swiss interests. At no time did the Swiss take into consideration that the Allied war effort had been decisive in making the legally correct separation of 1940 irreversible. Instead, in 1948 the Swiss claimed that GAF was Swiss property. The Americans for their part were still mired in their own propaganda which saw IG Chemie simply as a front operation. In view of the inclination by both sides to overdo moral indignation in their claims, a legal conflict was unavoidable. Even so, the Americans offered several possibilities for an out-of-court compromise settlement but these were stymied as long as the Swiss supervisors at Interhandel believed that they could recover the whole GAF group. They placed their hopes in the most conservative elements in American politics who were riding the wave of the Cold War.
From 1950, the Interhandel affair also became an issue of heated public and media debate in Switzerland. Many incredible stories about Interhandel, then told and even told today, originate from this media coverage. At the business level, the directors of the holding company sold a part of their shares after the war and in this way built up a circle of Swiss shareholders. With the help of this lobby they were able to appear more credible as a genuinely «Swiss» company. These shareholders served as shock troops for other interests who wanted to bring the company, which represented enormous potential capital value, under their control. An intense power struggle flared up which ended in autumn 1957 when the banker Hans Sturzenegger gave up his hold on the preferred shares. At this point, the major Swiss banks stepped in and took over the board of Interhandel. At the same time, the Swiss Bank Corporation, partly on its own account but mostly for an international consortium of major clients, began to buy Interhandel shares. Swiss claims that they held at least two-thirds of GAF, however, continued to block a compromise with the US authorities. In view of the uncertain prospects, the Swiss Credit Bank and the Union Bank of Switzerland dropped out in 1961 leaving the Swiss Bank Corporation (SBC) in sole control of the holding company. After the change in the American administration in 1961, SBC negotiators finally agreed to accept a 50 : 50 settlement. After various tax deductions, 40% of the proceeds of the 1965 auction of GAF went to the owners of Interhandel and 60% to the US. Because of the favorable post-war business climate, the 40% share that went to the Swiss represented the considerable sum of US $ 122 million which, with exchange rates at the time, came to nearly SFr. 500 million. In 1967, the SBC merged with Interhandel and these resources went to the bank.
In 1983, the SBC became involved in long, drawn-out legal proceedings with IG Farben in liquidation, to this day, administrator of the dissolved German concern's assets. IG Farben in liquidation had been repeatedly making unjustified claims against Interhandel since the 1950s, and was now demanding a share of the GAF proceeds because, as it claimed, IG Chemie/Interhandel was, in spite of the contract termination of 1940, still linked to IG Farben in a trusteeship relation. Such a link could not be proven, but this was not due to the SBC's exertion of considerable pressure on the Swiss authorities to block all relevant files in the Swiss Federal Archive, including in particular the extensive 1946 auditing report, the so-called Rees Report. What was behind the blocking order was not any alleged «proof» contained in the report. The really decisive factor was that the representatives of the Swiss Confederation, in their dispute with the Americans, had always insisted that the report clearly showed that there was no longer an association between IG Chemie and IG Farben. This version of the facts was simply not correct. As the present study shows, the auditing report ultimately reserved judgment even though it had collected substantial material proving the close ties between IG Farben and the Swiss holding company until 1940 and occasionally thereafter. Furthermore, because of the public atmosphere of the year 1945, the report expresses considerable doubt about the statements of the company representatives. The auditors had made considerable effort to compile every bit of incriminating evidence. This crucial document, which is still classified today, has given rise to much speculation. But it would have been able to contribute no conclusive evidence to the debate in the 1980s over the legal control of IG Chemie by IG Farben after 1940. However, had the report been submitted, the handling of the case would doubtlessly have been more expensive for the SBC. With the publication of the present study which summarizes all the main statements of the Rees Report, the reasons for its continuing embargo can no longer be justified.