Kommunale Selbstinszenierung
Städtische Konstellationen zwischen Mittelalter und Neuzeit
Medienwandel – Medienwechsel – Medienwissen (ISSN 2504-1045), Band 40
Broschur
Erscheint im August 2018. ca. 600 Seiten, ca. 69 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1435-9
ca. CHF 68.00 / EUR 68.00 
  • Kurztext
  • Autor/in
  • Einblick
  • Buchreihe
Seit einiger Zeit sind Formen der Kommunikation in der Stadt und mit ihnen Objekte und Praktiken ins Blickfeld historischer Forschung gelangt, die gesellschaftlichen Verhältnissen Ausdruck verleihen und diese zugleich formen. Vermehrt sind dabei komplexe Situationen der Lancierung von Ordnungs- und Wertvorstellungen untersucht und Vorgänge der Vermittlung systematischer in die Auseinandersetzung mit historischen Verhältnissen einbezogen worden.
Der vorliegende Band steht im Kontext dieser Entwicklung. Er befasst sich in zeitlich langer und geografisch breiter Perspektive mit kommunalen Selbstinszenierungen, also mit Momenten, in denen die Stadtgemeinde in bestimmter Weise und für unterschiedliche Öffentlichkeiten sichtbar gemacht wird. Vorgestellt werden Konstellationen der Zurschaustellung des bürgerlichen Gemeinwesens, die sich auf je eigene Art und Weise der Schriftlichkeit, Bildlichkeit sowie Performativität bedienen und dabei ältere Muster der Vermittlung variieren. Öffentlichkeitswirksam oder als Tradition konzipiert, ephemer oder auf Dauer angelegt und mehr oder weniger effizient, zielen sie vor allem auf die Vergegenwärtigung sozialer Werte (zum Beispiel Harmonie, Solidarität, Identität, Stabilität, Wissen), deren Geltung insbesondere mit Historizität begründet wird. Unterschiedliche politische Bedeutungshorizonte gemeindlicher Selbstinszenierungen werden deutlich, die nicht nur die Etablierung oder Verfestigung gesellschaftlicher Vorstellungen innerhalb der Stadt, sondern auch nach aussen zum Ziel haben können. Gleichzeitig zeigt sich, dass Zurschaustellungen des Gemeinwesens in der Regel von den Gruppen ausgehen, die Deutungshoheit besitzen und über Kommunikationsmittel verfügen.

Prof. Dr. Martina Stercken ist Professorin für Mittelalterliche Geschichte und Vergleichende Landesgeschichte am Historischen Seminar und Deputy-Director des NCCR «Mediality. Historical Perspectives» an der Universität Zürich

Bücher im Chronos Verlag


Aufsätze im Chronos Verlag


Herausgeberin der Reihe


Prof. Dr. Christian Hesse ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Bern.

Aufsätze im Chronos Verlag

Artikel
  • Vorwort
  • Modelle
  • Modelle des bürgerlichen Gemeinwesens. Konstellationen kommunaler Selbstinszenierung zwischen Mittelalter und Neuzeit
  • Die Selbstdarstellung der Stadtgemeinden in Preussen (13.−16. Jahrhundert)
  • Katastrophendarstellungen als Inszenierung kommunalen Zusammenhalts. Der grosse Stadtbrand von Bern 1405 in der Chronistik
  • Städtefreundschaft im Mittelalter? Zur heraldischen Präsenz anderer Kommunen im öffentlichen Raum der Stadt
  • Inszenierung durch gelehrtes Wissen. Die Bedeutung der Doktorpromotion Thüring Frickers (1473) für das Selbstverständnis der Stadt Bern
  • Representing Diversity or Diversity of Representations? Lviv displayed in Written Sources between the 16th and 17th Centuries
  • Rituale
  • Krisenrituale. Vom Nutzen und Nachteil kommunaler Selbstinszenierung angesichts drohender Gefahren
  • La fête de la Saint-Jean à Fribourg (XIVe–XVe s.). Dynamique rituelle et mise en scène de la «force de ville»
  • Zwischen Stadtherr und Stadtgemeinde. Der Tag Johannes’ des Täufers (24. Juni) in Payerne. Eine Quelle von 1420
  • Ausrufen und einflüstern. Klang, Ritual und Politik in Zürich 1719
  • Rituals, Pageants and the Use of the Past in British Cities, c. 1790–1900
  • Staging the Urban Community in Late Nineteenth Century Cape Town
  • Räume
  • Materialising the City. Mapping in the Imaging and Imagining of Medieval Urban Space
  • Torturm und Zinnenkranz. Die Stadtbefestigung als Mittel der kommunalen Selbstinszenierung im Mittelalter und in der frühen Neuzeit
  • Kommunale Selbstinszenierung im vorstädtischen Raum. Ein neuer Blick auf Leprosorien des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit
  • Inszenierte Stadtwirtschaftspolitik im Spätmittelalter. Marktplatz, Kaufhaus und Strasse
  • Säulentausch im Stadtzentrum. Vom Pranger als Inszenierung bürgerlicher Gerichtsbarkeit zur Dreifaltigkeitssäule als Ausdruck katholischer Frömmigkeit
  • Civilité et société. Der Fall Paris
  • «Das Symbolum des grossen Gemeinwesens». Gustav Gulls Stadtkernentwurf für Zürich

Diese Buchreihe vereinigt Studien des gleichnamigen Nationalen Forschungsschwerpunkts sowie mediengeschichtliche Arbeiten. Sie rückt die Zeit vor der Ausbreitung der Massenmedien und insbesondere die medialen Verhältnisse der Vormoderne ins Zentrum. Damit ermöglicht sie Einblicke in die Andersartigkeit älterer Kommunikationsformen und erlaubt es gleichzeitig, Voraussetzungen für die mediale Formierung der Neuzeit zu ergründen.