Eingeschlossen

Alltag und Aufbruch in der psychiatrischen Klinik Burghölzli zur Zeit der Brandkatastrophe von 1971

Gebunden
2017. 168 Seiten, 87 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1414-4
CHF 48.00 / EUR 48.00 
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Am 6. März 1971 brach in der psychiatrischen Klinik «Burghölzli» in Zürich ein Brand aus, bei dem 28 Männer der geriatrischen Abteilung den Tod fanden. Wenige Monate zuvor hatte der Pfleger Willi Keller ebendiese Abteilung samt ihren Patienten fotografisch dokumentiert. Zusammen mit Aussagen von Zeitzeugen gewähren die Bilder seltene Einblicke in das Klinikleben zu einer Zeit, als sich die Psychiatrie massiver Kritik ausgesetzt sah und sich stark wandelte.
Der Fotograf Willi Keller stiess 2014 in seinem Archiv auf Fotos, die er um 1970 als Pfleger im Zürcher Burghölzli gemacht hatte. Der Fund erweist sich als Glücksfall, gibt es doch nur wenige fotografische Dokumentationen des Alltags in psychiatrischen Anstalten. Diese Fotografien, die sich heute im Staatsarchiv Zürich befinden, sowie die Bildbeschreibungen von Willi Keller bilden den Hauptteil des Buches. Aufgearbeitet wird aber auch das Brandunglück vom 6. März 1971. Das Ereignis, seine juristische Bewältigung sowie die hohen Wellen, die es in Presse und Politik schlug, werden anhand der zahlreich überlieferten Materialien nachgezeichnet.
Der Brand ereignete sich in einer Zeit, als sich die Gesellschaft im Auf- und Umbruch befand. Die antipsychiatrische Bewegung, in der Klinik durch die aktive, kritisch eingestellte Basisgruppe vertreten, forderte einen neuen Umgang mit psychisch Kranken. Davon sowie vom Alltag und Wandel in der Anstalt um 1970 handelt der dritte Teil des Buchs, der sich auf Gespräche mit ehemaligen Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegepersonen stützt. Text und Bild vereinigen sich zu einem aufschlussreichen Dokument über die Psychiatrie im Umbruch.


geb. 1953, promovierte in Geschichte an der Universität Zürch. Er ist Geschäftsführer der Beratungsstelle für Landesgeschichte.


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Aufsätze im Chronos Verlag


geb. 1976, Historikerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Beratungsstelle für Landesgeschichte und an der Pädagogischen Hochschule ­Luzern, arbeitet an Buch-, ­Forschungs- und Ausstellungs­projekten.

geb. 1944, Schule für Gestaltung in Zürich, 1963-1972 Psychiatriepfleger, arbeitet seit 1972 als freischaffender Künstler und Fotograf. Lebt und arbeitet seit 1982 in Marbach SG. www.willikeller.ch
Pressestimmen

«Ein höchst aufschlussreiches Buch, das die Psychiatriegeschichte mit der Gegenwart verknüpft.»

Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2017, Dorothee Vögeli

«Das Buch enthält umfangreiches Textmaterial zum Wandel des Burghölzlis vor dem Hintergrund der antipsychiatrischen Bewegung und leistet einen spannenden Beitrag zur Schweizer Psychiatriegeschichte.»

NZZ am Sonntag, 22.10.2017, Simone Karpf

«Nicht oft geht ein so unaufgeregtes Buch derart an die Nieren wie ‹Eingeschlossen›, die jüngst im Chronos Verlag erschienene Publikation.»

Tages-Anzeiger, 07.10.2017, Helene Arnet

«Die Aufnahmen, die mit den originalen Kommentaren Kellers versehen sind, geben einen äusserst seltenen Blick frei: hinter die Mauern und Gitter der damals noch grösstenteils geschlossenen Einrichtung.»

VPOD-Magazin, 11/2017, Christoph Schlatter

«In den Kommentaren zu seinen Bildern erzählt Willi Keller anrührende und manchmal erschütternde Geschichten.»

St. Galler Tagblatt / Luzerner Zeitung, 30.11.2017, Rolf App

«Das Buch zeichnet sich durch seine besonderen Zugänge aus, indem es Elemente einer kritischen und künstlerisch ausgezeichneten Fotoreportage mit historisch analytischen Beiträgen verbindet. [...] Mit dem Einblick in den ungewohnten Psychiatriealltag schafft der Band Alterität und weckt so das Interesse an der Vergangenheit. Eindrücklich sind die Aufnahmen der Patienten und die kurzen Geschichten dazu, die Willi Keller als Bildlegenden formuliert. [...] Der Autorengruppe gelingt mit ihrer sorgfältig gefertigten und konzeptionell höchst innovativen Recherche, den Alltag in der Klinik von Patienten wie auch dem Pflegepersonal und der Ärzteschaft zu rekonstruieren und die Psychiatrie in einer Zeit des Umbruchs zu erfassen.»

H-Soz-Kult, 07.02.2018, Markus Furrer

«Willi Kellers ausgezeichneten und oft berührenden Fotos aus der Zeit vor dem ‹Wandel› zeigen den Alltag in der Klinik [...] Besonders eindrücklich kommt zum Ausdruck, dass es sich bei den ­abgebildeten Patienten um Langzeitaufenthalter geht; heute ist das in der Psychiatrie kaum noch vorstellbar. Das Herumsitzen und Herumstehen der Patienten lässt den ­Betrachter die Zeit spüren, die mit Warten verbracht wird. Auf vielen Bildern sieht man das Nebeneinander, auf vielen aber auch das Mitein­ander der Patienten, und es entsteht der Eindruck, dass diese Leute vielleicht auch ausserhalb der Mauern und der verschlos­senen Räume leben könnten. [...] Die Wiedergabe der Interviews mit dama­ligen Mitarbeitern ist gut gelungen; [...] Das Buch ist als schönes und wertvolles ­Dokument zur Geschichte der Psychiatrie zu empfehlen.»

Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapie, 2018, 169(03), Thomas von Salis