Aura und Auratisierung
Mediologische Perspektiven im Anschluss an Walter Benjamin
Medienwandel – Medienwechsel – Medienwissen (ISSN 2504-1045), Band 27
Broschur
2014. 455 Seiten, 31 Farbabbildungen
ISBN 978-3-0340-1027-6
CHF 58.00 / EUR 52.00 
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Stimmung, Atmosphäre, Ereignis oder Authentizität – Begriffe wie diese, die noch im ausgehenden 20. Jahrhundert als kaum mehr theorietauglich angesehen wurden, erfreuen sich neuerdings wieder zunehmender Beliebtheit im geistes- und kulturwissenschaftlichen Diskurs. Wenig profitiert hat von dieser Konjunktur der Begriff der Aura. Obwohl man ihn im Hintergrund dieser Konzepte vermuten kann, obwohl ihn Walter Benjamin in seinem für die neuere Ästhetikdiskussion grundlegenden Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit aus den späten 1930er Jahren an prominenter Stelle eingeführt hat, spielt er in der gegenwärtigen Medientheorie keine nennenswerte Rolle.
Die Beiträge des vorliegenden Bandes – aus Literatur-, Geschichts-, Kunst-, Musik- und Filmwissenschaft – schlagen einen anderen Weg ein. Sie versuchen auf der Basis einer kritischen Relektüre des Textes von Walter Benjamin, das diskursive Potenzial des Begriffs Aura auszuloten, ihn für interdisziplinäre Perspektiven einer historischen Mediologie neu zu erschließen und insbesondere Möglichkeiten einer medialen Auratisierung zu erörtern. Das Sprechen über Aura, so die These, rückt einerseits grundlegende epistemologische und phänomenologische Fragen in den Blick, die den Zusammenhang von Genese und Kommunikation von Sinn betreffen. Andererseits kann der Begriff für die Konzeptionierung einer Geschichtlichkeit des Medialen ebenso fruchtbar gemacht werden wie für eine Beschreibung der Medialität von Geschichte. Der Begriff der Aura lässt sich so an einer Schnittstelle verschiedener Felder der aktuellen medientheoretischen Diskussion situieren.

Marcus Sandl Dr. phil. habil., Assistenzprofessor für Medialität der Vormoderne an der Universität Zürich.

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Artikel
  • Benjamins Aura-Konzept und die historische Mediologie. Ansätze, Kontexte, Perspektiven
  • I
  • Auratisierung – mittelalterlich. Zur Vor- und Frühgeschichte eines wissenschaftlichen Begriffs mit Anmerkungen zu Hildegard von Bingen und Gertrud von Helfta
  • Aura aurea. Zur Vorstellung des Unikalen in der mittelalterlichen Poesie
  • ›Der Erzähler ist uns keineswegs durchaus gegenwärtig‹. Zu Benjamins Aura-Konzept in narratologischer Perspektive und zur Auratisierung legendarischen Erzählens im Väterbuch
  • Heiligkeit und Aura in Konrads von Würzburg Silvester
  • Brigitte Kurmann-Schwarz: Reliquie und Skulptur im Glasfenster. Intermediale Auratisierung am Beispiel von Notre-Dame de la Belle-Verrière
  • II
  • Luthers Aura. Bekenntnis und Geschichte in der Reformation
  • Auratisierung des Nordens. Die Pygmäen und die Carta Marina (1539) des Olaus Magnus
  • Das Prinzip Schrein. Aspekte medialer Auratisierung beim Triptychon
  • Macht, Zwang, Vertrauen. Intermediale Auratisierung staatlicher Schuld – ein Finanzprojekt aus dem Siebenjährigen Krieg
  • III
  • Philologische Aura der Schrift um 1900. Das Beispiel Ludwig Traubes
  • Aura und Anerkennung in Hebbels Michel Angelo
  • »Europa hat die Pace verloren«. Zur Auratisierung des Affektiven in Robert Müllers Tropen
  • Bluff und Autosuggestion. Wege zum Erfolg in der Weimarer Republik (Walter Benjamin, Johannes Baader, Emile Coué, Walter Serner)
  • IV
  • Die »bestimmte Unbestimmbarkeit«. Aura, Schein und Musik in der Ästhetischen Theorie Adornos
  • Vom Zauber des Lichts. Intermediale Lichtinszenierungen um 1900 und die ›auratische‹ Wirkung des Kinos
  • Luigi Pirandellos Quaderni di Serafino Gubbio operatore oder der vermeintliche Verfall der Aura am Anfang der Filmgeschichte
  • Mediale Auren. Walter Benjamin und Fotografien von Thomas Struth, Gregory Crewdson und Carlos Goldgrub

Diese Buchreihe vereinigt Studien des gleichnamigen Nationalen Forschungsschwerpunkts sowie mediengeschichtliche Arbeiten. Sie rückt die Zeit vor der Ausbreitung der Massenmedien und insbesondere die medialen Verhältnisse der Vormoderne ins Zentrum. Damit ermöglicht sie Einblicke in die Andersartigkeit älterer Kommunikationsformen und erlaubt es gleichzeitig, Voraussetzungen für die mediale Formierung der Neuzeit zu ergründen.