Der Held im Schützengraben
Führer, Massen und Medientechnik im Ersten Weltkrieg
Medienwandel – Medienwechsel – Medienwissen. ISSN 2504-1045, Band 28
Broschur
2014. 341 Seiten, 7 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1028-3
CHF 48.00 / EUR 43.00 
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Die Geburt des «grossen Mannes» geschieht in der Armee und im Krieg – so jedenfalls hat es Edmund Burke 1790 in seinen Reflections on the Revolution in France beschrieben. Der «grosse Mann» macht dann im 19. Jahrhundert in und mit Hilfe von Medien rasant Karriere, gleichzeitig aber gerät er in seinem Herkunftsgebiet zunehmend in eine Krise.
Von den Napoleonischen Kriegen bis zum Ersten Weltkrieg wird die Verehrung der Kriegshelden konterkariert durch Darstellungen und Analysen eines dramatischen Abbaus individueller Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten in der Wirklichkeit der Schlacht und der mit ihr verbundenen Medientechnologien. Dieser Machtverlust wird in der Literatur und den verschiedenen Kriegsdiskursen des 19. Jahrhunderts unabweisbar, und im Ersten Weltkrieg manifestiert sich diese Tendenz in zwei gegenläufigen Momenten: zum einen in der hypertrophen diskursiven Mobilisierung herausragender Individuen, zum andern in einem allgemeinen Bankrott des Helden und der Heldenverehrung, der wiederum produktiv wird für die Etablierung neuer Figuren, Phänomene und Debatten.

geb. 1967, Professor für Deutsche Literatur an der Leibniz Universität Hannover. Forschungsschwerpunkte: Kulturgeschichte des Wissens; Literatur und Wissenschaft; Verflechtungsgeschichte von Wissen und Ästhetik; gesellschaftliches Imaginäres und Kollektivphänomene; Massenkultur/Unterhaltung/Popularität.

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seit 2003 Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Zürich. Forschungsschwerpunkte: Literatur(theorie) des 19. und
20. Jahrhunderts, Kulturtransfer und interdisziplinäre Fragestellungen, Literaturkritik.


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lic. phil., ist Projektmitarbeiter im Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) «Medienwandel, Medienwechsel, Medienwissen. Historische Perspektiven». Forschungsschwerpunkte: Literatur des 19. Jahrhunderts, Charisma und Mediengeschichte.

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Artikel
  • Einleitung
  • Aufstieg und Fall des «grossen Mannes»
  • Der «grosse Mann» im Krieg
  • Erlösung von der Medialität? «Held» und «neuer Mensch» in der Kriegsrhetorik von Simmel und Sombart
  • Wirtschaftsgeneral und Gesellschaftstechniker. Imaginäre Anführer der Kriegswirtschaft und der Weg zu einer neuen Gesellschaftsordnung
  • Ohne Hilfskonstruktionen. Freuds Abgesang auf den Kulturmenschen nach 1914
  • Helvetische Heroik
  • Helvetische Heroik im Huber-Verlag: Robert Faesi, Paul Ilg, Robert Walser
  • Füsilier und Schriftsteller. Zu Robert Walsers literarischer Militärsoziologie
  • Zwei Schweizer Autoren zum Ersten Weltkrieg: Kriegserfahrung und Schreiben bei Blaise Cendrars und Meinrad Inglin
  • In dieser grossen Zeit
  • Die Verzauberung der Zeit in die Zeitung. Karl Kraus’ großer Mann im Weltkrieg
  • Intensitäten des Kriegs. Zu Robert Musil und Ernst Jünger
  • Kriegsbiologien. Zwischen Natur (von 1859) und Idee (von 1914)
  • Orientierung der Geister im Bergsturz Europas. Hofmannsthals Hermeneutik des Kriegs
  • Abgesänge, Neucodierungen
  • Vom Gefreiten zum Diktator. Hysterie, Medialität und Hypnose in Ernst Weiß’ Der Augenzeuge
  • Genie und physikalisches Gesetz. Literarische Versachlichung von Ruhm nach 1900 (Max Brod, Ernst Weiß)
  • Alte Helden gegen die ›Neue Frau‹. Erich Kästners Fabian. Die Geschichte eines Moralisten
  • Das multiple Ich. Arnolt Bronnens Autobiografie als später ›Spiegel-Text‹ zu seinem Freikorps-Heldenroman O. S.
  • Medialer Widerschein
  • Lytton Stracheys Abbau des ›großen Mannes‹ durch Biographik
  • Totenornamente. Siegfried Kracauer und der Kriegsgefallenenkult in der Weimarer Republik
  • Hollywood und der Erste Weltkrieg: Eine Frage der imaginären Annäherung

Diese Buchreihe vereinigt Studien des gleichnamigen Nationalen Forschungsschwerpunkts sowie mediengeschichtliche Arbeiten. Sie rückt die Zeit vor der Ausbreitung der Massenmedien und insbesondere die medialen Verhältnisse der Vormoderne ins Zentrum. Damit ermöglicht sie Einblicke in die Andersartigkeit älterer Kommunikationsformen und erlaubt es gleichzeitig, Voraussetzungen für die mediale Formierung der Neuzeit zu ergründen.