Die Schweiz und ihr Europa – Nation, Region, Identität
La Suisse et son Europe – Nation, région, identité
Traverse 1994/3
Traverse. Zeitschrift für Geschichte – Revue d’histoire. ISSN 1420-4355, Band 1994
Broschur
1994. 298 Seiten
ISBN 978-3-905315-03-5
CHF 25.00 / EUR 17.40 
  • Kurztext
  • Autor/in
  • Einblick
  • Buchreihe
Essay / Essai
Das Kirchlein von Wassen oder: Es gibt nichts Phantastischeres als die Wirklichkeit. Die Schriftstellerin Eveline Hasler im Gespräch mit Martin Leuenberger, Albert Schnyder

Schwerpunkt / Dossier Thématique
Die Schweiz und ihr Europa ­ Nation, Region, Identität:
La Suisse et son Europe ­ nation, région, identité
Simone Chiquet, Albert Schnyder

Pour une histoire européenne de la Suisse
Hans Ulrich Jost
Zusammenfassung

Die Unterschiede in der Perzeption der Europäischen Integration zwischen der Deutschschweiz und der Romandie
Martin Zbinden
Résumé

Gedanken zum Demokratiedefizit der Europäischen Union
Alexander Kreher, Philippe Weber-Panariello
Résumé

«Dreyeckland» oder «Zukunftsraum Regio»
Zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Region Basel
Ruedi Epple-Gass
Résumé

Grenzen kommen und gehen
Peter Püntener

Supranationalität, Nationalismus und regionale Autonomie: Erfahrungen des schweizerischen Bundesstaates ­ Perspektiven der Europäischen Gemeinschaft
Hansjörg Siegenthaler
Résumé

Kleine Heimat, grosser Raum. Überlegungen zu politischer Integration und lokalem Widerstand aus historischer Sicht
Sandro Guzzi
Résumé

Ehrenbürger oder «Fremde Hünd»?
Zu einigen Aspekten des Fremdseins im 19. Jahrhundert
Martin Leuenberger
Résumé

Die Eidgenossenschaft 1479 und Europa am Ende des 20. Jahrhunderts
Zur Erfindung und Repräsentation von Ländern
Claudius Sieber
Résumé

Europa in der Antike: Mythos und Toponym
Renate Müller
Résumé

Debatte / Débat
Die Krisenhaftigkeit modernen wirtschaftlichen Wachstums
Debatte um ein Buch von Hansjörg Siegenthaler

Modernes Wirtschaftswachstum ­ und kein Ende? Ein Wechselgespräch über Methodologie und Moral der Wirtschaftsgeschichte
Jakob Tanner

Vom «Regelvertrauen», von der «Prosperität» und von «Krisen»: eine Besprechung
Ruedi Epple-Gass

Dokument / Document
Die Schwyzer Regierung und die «Auto-Protzen»
Zu einem Dokument aus der Frühphase des Automobilismus
Christoph Maria Merki

Besprechungen / Comptes rendus
Literatur zum Thema / Comptes rendus thématiques
Allgemeine Besprechungen / Comptes rendus généraux

Autorinnen und Autoren

Simone Chiquet, Lic. phil. Historikerin, Chefin des «Dienstes Auswertung» im Schweizerischen Bundesarchiv. Forschungsschwerpunkt: schweizerische Zeitgeschichte. Pfirsichstrasse 17, CH-8006 Zürich; simone.chiquet@bar.admin.ch

Bücher im Chronos Verlag


Aufsätze im Chronos Verlag

Zusammenfassung
Kaum eine andere politische Zielvorstellung weckte nach dem Zweiten Weltkrieg so viele Hoffnungen und Erwartungen wie die von einem vereinigten Europa. Die Idee, supranational stabile Sicherheitsstrukturen sowie ausbaufähige wirtschaftliche und politische Rahmenbedingen zu entwickeln, liess bereits in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre zahlreiche Vereinigungen ­ unter ihnen die Union européenne des Fédéralistes und der Mouvement socialiste pour les Etats unis de l¹Europe ­ die Bildung eines «Koordinationsausschusses der Bewegungen für die Einheit Europas» in Angriff nehmen. Dieser verabschiedete im Mai 1948 in Den Haag eine Resolution, in der für die Staaten Europas die Notwendigkeit betont wurde, «einen Teil ihrer Souveränitätsrechte zu übertragen und zu verschmelzen, um gemeinsames politisches und wirtschaftliches Handeln zur Ergänzung und geeigneten Entwicklung ihrer gemeinsamen Hilfsquellen sicherzustellen» (Europa-Archiv 1948, 1443f). Diese Einmütigkeit konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass man sich nicht darauf einigte, wie dies konkret zu bewerkstelligen sei. Die Debatte zwischen den Befürwortern einer europäischen Bundesregierung und den Verfechtern einer dauerhaften und engen Zusammenarbeit ohne eigenständige europäische Autorität führte lediglich zur Kompromissformel «Schaffung einer Föderation oder Union».
Diese schon zu Beginn des europäischen Einigungsprozesses sich abzeichnenden Differenzen prägten die Europakonzeptionen und Diskussionen bis heute. In jeder Phase standen den Bemühungen, die Integration auf der Grundlage einer möglichst intensiven zwischenstaatlichen Zusammenarbeit in allen gesellschaftlichen Teilbereichen voranzutreiben (Funktionalismus), Bestrebungen gegenüber, den Einigungsprozess durch die Schaffung überstaatlicher Einrichtungen ­ vor allem im politischen und militärischen Bereich ­ zu beschleunigen (Konstitutionalismus).
In der Schweiz wertete man diese Auseinandersetzungen nur in den wenigsten Fällen als Beleg dafür, dass gerade auch die permanente Wechselwirkung zwischen funktionalistisch und konstitutionalistisch orientierten Zielvorstellungen den Einigungsprozess entscheidend vorangetrieben hatten. Vielmehr sah man in ihnen ein Indiz für die Unfähigkeit supranationaler Gemeinschaften, nationalstaatliche Interessen angemessen zu berücksichtigen. Gleichzeitig nahm man diese Einschätzung zum (willkommenen) Anlass, sich einmal mehr als Sonderfall zu definieren. Die Auseinandersetzungen erlaubten es nicht nur, die Qualitäten «schweizerischer» Konsensfindung zu betonen, sondern auch deren «Einzigartigkeit»: «Die EG wird von Bürokraten regiert, die Schweiz vom Volk; dort haben die Grössten das Sagen, hierzulande alle; Brüssel ist ein Moloch, die Schweiz eine Demokratie, und zwar die älteste und beste!»
Diese Art, Selbstbewusstsein zu bilden, erweist sich in doppelter Hinsicht als attraktiv: Zum einen lässt sie in einer Zeit, in der auch «schweizerische», bislang bewährte Konfliktlösungsstrategien zunehmend versagen, die mangelnde Übereinstimmung auf nationalstaatlicher Ebene in den Hintergrund treten. Zum andern verspricht sie neue (trügerische) Möglichkeiten der Konsensbildung. «Wir sind so, wie die andern nicht sind» ­ mit einer solchen Einschätzung wird Selbstbestimmung ausschliesslich zum Ergebnis einer Negativdefinition, Identität zum Produkt von Ablehnung und Abgrenzung.
Das Beschwören «eigener» Qualitäten vor dem Hintergrund der Defizite «anderer» ist gleichermassen bemerkenswert wie ­ zumindest längerfristig ­ wenig erfolgversprechend: bemerkenswert, weil Gemeinsamkeiten zwischen den Auseinandersetzungen auf supranationaler und nationaler Ebene ausser acht gelassen werden; wenig erfolgversprechend, weil verhindert wird, «schweizerische» Entwicklungen als Teil «europäischer» Entwicklungen zu begreifen und «nationale» Identität in einem wechselseitigen Prozess zu definieren.
Es waren solche Überlegungen, die uns veranlasst haben, einen Schwerpunkt «Die Schweiz und ihr Europa ­ Nation, Region, Identität» zu wählen. Ausgehend von der Überzeugung, dass man in den aktuellen Diskussionen Fragen aufgreift, die auch in andern historischen Zusammenhängen von Bedeutung waren, sollen die einzelnen Aspekte aus unterschiedlicher Perspektive beleuchtet werden:
In seinem Übersichtsartikel thematisiert der Historiker Hans Ulrich Jost (Lausanne) in welchem Masse die europäische Dimension den entscheidenden Kontext der schweizerischen Geschichte gebildet hat und bildet. Er geht davon aus, dass nationale Geschichte den Einzelfall und das Besondere in unzulässiger Weise auf Kosten übergreifender Räume und Strukturen bevorzugt und plädiert «Pour une histoire européenne de la Suisse».
Der Politologe Martin Zbinden (Lausanne) stellt die «Unterschiede in der Perzeption der europäischen Integration zwischen der Deutschschweiz und der Romandie» in den Mittelpunkt und geht der Frage nach, welche europapolitischen Erfahrungen und kulturellen Bezüge für die Erklärung der verschiedenen Einstellungen herangezogen werden können. Der Politologe Alexander Kreher und der Völkerrechtler Philippe Weber-Panariello (beide Zürich) skizzieren in ihrem Artikel «Gedanken zum Demokratiedefizit der Europäischen Union» die Problembereiche der europäischen Demokratiediskussion aus schweizerischer Sicht und analysieren die darin zum Ausdruck kommenden Modellvorstellungen. Beide Beiträge widmen sich also Fragen, die in den letzten Jahren ausgesprochen kontrovers diskutiert worden sind. Der Politologe Ruedi Epple-Gass (Liestal) thematisiert in seinem Beitrag «ÐDreyecklandð oder ÐZukunftsraum Regioð: Zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Region Basel» die wirtschaftliche und politische Verflechtung in der Region Basel und stellt vier Beispiele grenzüberschreitender Zusammenarbeit der neuen sozialen Bewegungen dar. Er greift damit die Kritik am Modell vom grossräumigen «Supranationalismus» auf und stellt diesem ein Modell des kleinräumigen «Supraregionalismus» entgegen.
Der Historiker Hansjörg Siegenthaler (Zürich) geht in seinem Artikel «Supranationalität, Nationalismus und regionale Autonomie: Erfahrungen des schweizerischen Bundesstaates ­ Perspektiven der Europäischen Gemeinschaft» der Frage nach, inwiefern der schweizerische Bundesstaat im Prozess seiner Entstehung die historisch gewachsenen Gliedstaaten als kleine «Nationen» supranational überdacht oder auf neuer Ebene zur schweizerischen «Nation» verschmolzen hat. Gleichzeitig thematisiert er, auf welche Weise schweizerischer «Nationalismus» zur Konstitution und Kohärenz des Gesamtstaates beigetragen sowie den Charakter regionaler Autonomie beeinflusst hat. Seine Ausführungen machen deutlich, dass die «nationalen» Problemstellungen des 19. Jahrhunderts und die «supranationalen» des 20. Jahrhunderts in verschiedener Hinsicht ähnlich sind. Der Historiker Sandro Guzzi (Bern) stellt Integrationsprozesse aus der Geschichte des Südalpenraumes im 18. Jahrhundert in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Unter dem Titel «Kleine Heimat, grosser Raum ­ Überlegungen zu politischer Integration und lokalem Widerstand aus historischer Sicht» schält er strukturelle Ähnlichkeiten zwischen den Entwicklungen von damals und heute heraus und macht darauf aufmerksam, dass die Einbindung in einen grösseren Raum bereits zur Zeit der Helvetik auf Widerstand stiess.
Der Historiker Martin Leuenberger (Basel) fragt in seinen Ausführungen «Ehrenbürger oder ÐFremde Hündð?», wie Fremde im Kanton Basel-Landschaft während des 19. Jahrhunderts wahrgenommen und beurteilt wurden. Anhand zweier ungleicher Personengruppen ­ der 1848er Emigranten und der französischen Juden ­ zeigt er, dass «Fremdsein» und «Fremdheit» letztlich soziokulturelle Konstrukte sind. Der Historiker Claudius Sieber-Lehmann (Basel) greift in seinem Vergleich «Die Eidgenossenschaft 1479 und Europa am Ende des 20. Jahrhunderts» zwei höchst unterschiedliche Europabilder auf und geht dabei der Frage nach, an welchen visuellen Repräsentationen und geometrischen Formen sich Vorstellungen von Ländern und Erdteilen orientieren. Beide Beiträge illustrieren, dass Abgrenzung nicht nur ein Produkt des 20. Jahrhunderts ist.
Den Abschluss bilden die Ausführungen der Philologin Renate Müller (Basel). Sie thematisiert in ihrem Beitrag «Europa in der Antike: Mythos und Toponym» anhand frühester Belege aus der griechischen und römischen Antike, woher der Begriff «Europa» stammt bzw. welche möglichen Bedeutungen dieser damals hatte.

Simone Chiquet, Albert Schnyder

Résumé
Au lendemain de la deuxième guerre mondiale, peu de projets politiques ont éveillé autant d¹espoirs et d¹attentes que celui d¹une Europe unie. L¹idée d¹établir un cadre de sécurité supranational stable ainsi que des structures économiques et politiques susceptibles de se renforcer encouragea, dès la deuxième moitié des années 1940, de nombreuses confédérations ­ dont l¹Union Européenne des Fédéralistes et le Mouvement socialiste pour les Etats-Unis d¹Europe ­ à créer un «Comité International de coordination des Mouvements pour l¹Unité européenne». Ce dernier adopta, en mai 1948, à La Haye, une résolution qui soulignait la nécessité pour les Etats européens «de transférer certains de leurs droits souverains pour les exercer désormais en commun, en vue de coordonner et de développer leurs ressources» (Le Document Fédéraliste, Juin 1948). Cette unanimité ne fut que partielle dans la mesure où aucun accord ne put se faire sur la manière de réaliser concrètement un tel projet. Les débats entre les partisans d¹un gouvernement fédéral européen et les défenseurs d¹une collaboration étroite et durable, mais privée d¹une autorité européenne autonome, aboutit au compromis qui se résume par la formule «Création d¹une Fédération ou d¹une Union».
Ces divergences qui se manifestèrent dès le début du processus de l¹unité européenne ont imprégné les conceptions et les discussions sur l¹Europe jusqu¹à nos jours. A chaque phase, on s¹efforça d¹activer l¹intégration en favorisant une collaboration aussi intense que possible entre les Etats-nations dans tous les domaines de la société (fonctionnalisme), ou inversement d¹accélérer le processus d¹unification en créant des organisations supranationales ­ dans le domaine politique et militaire en particulier (constitutionnalisme).
En Suisse, rares furent ceux qui virent dans ces débats animés par une interaction permanente entre des objectifs fonctionnalistes et constitutionnalistes, un phénomène permettant d¹accélérer de manière décisive le processus d¹unification. Au contraire, on y décela un indice de l¹incapacité des communautés supranationales de prendre convenablement en considération les intérêts nationaux des Etats. En même temps, ce jugement fut l¹occasion (bienvenue) de renforcer la définition du «Sonderfall» (cas particulier). Le débat européen permit à la fois de relever les qualités du consensus «suisse» et de mettre en évidence le «particularisme» de ce dernier: «la CE est gouvernée par des bureaucrates, la Suisse par le peuple; là-bas seuls les grands ont le droit de parole, ici chaque Suisse; Bruxelles est un Moloch, la Suisse une démocratie, de surcroît la plus ancienne et la meilleure!».
Cette façon de construire l¹identité d¹un pays se révèle à double égard attractive: d¹une part, elle permet de reléguer au second plan les discordances qui se manifestent au niveau national à une époque où les stratégies «suisses» éprouvées jusqu¹alors pour résoudre des conflits sont désormais vouées à l¹échec. D¹autre part, elle met en évidence de nouvelles possibilités (illusoires) de consensus. «Nous sommes ce que les autres ne sont pas»: une telle appréciation de la détermination d¹un pays par lui-même implique exclusivement une définition négative de soi; l¹identité devient un produit de rejet et de délimitation.
L¹exaltation de ses «propres» qualités qui se réfère aux déficits de celles des «autres» est un procédé à la fois remarquable et ­ du moins à long terme ­ voué à un certain échec: remarquable dans la mesure où les similitudes des débats au niveau supranational et national sont négligées; voué à un certain échec car il empêche de saisir les développements «suisses» comme partie des développements «européens» et de définir l¹identité «nationale» dans un processus d¹interdépendance.
De telles réflexions sont à l¹origine de ce dossier thématique «La Suisse et son Europe ­ nation, région, identité». Convaincus que les discussions actuelles soulèvent des problématiques également importantes dans d¹autres contextes historiques, nous souhaiterions présenter un éclairage différencié sur ces multiples aspects.
Dans son article de synthèse, l¹historien Hans Ulrich Jost (Lausanne) analyse dans quelle mesure la dimension européenne a formé et constitue encore les conditions déterminantes de l¹histoire suisse. Il part de l¹idée que l¹histoire nationale privilégie de manière contestable l¹exception et le particulier aux dépens d¹espaces et de structures interdépendants. En ce sens, il plaide «Pour une histoire européenne de la Suisse».
Le politologue Martin Zbinden (Lausanne) se focalise sur les «Différences de perception de l¹intégration européenne entre la Suisse romande et la Suisse allemande». Il essaie de cerner quelles expériences politiques, européennes en particulier, et quelles spécificités culturelles peuvent être avancées pour expliquer ces différentes positions. Dans leurs «Réflexions sur le déficit démocratique de l¹Union européenne»», le politologue Alexandre Kreher et le spécialiste de droit international Philippe Weber-Panariello (tous deux de Zurich) analysent les problèmes-clés de la discussion européenne sur la démocratie d¹un point de vue suisse; ils font ainsi apparaître les différents modèles en présence. Ces deux contributions traitent de problèmes qui ont été sujets à controverses ces dernières années. Le politologue Ruedi Epple-Gass (Liestal) thématise dans son article «Pays triangulaire» ou «espace régional d¹avenir»: à propos de la collaboration transfrontalière dans la région de Bâle» l¹interdépendance politique et économique dans la région bâloise: il présente notamment quatre exemples de coopération transfrontalière issus des nouveaux mouvements sociaux. Il critique du même coup le modèle supranational en lui opposant un modèle suprarégional.
L¹historien Hansjörg Siegenthaler (Zurich) a intitulé son article «Supranationalité, nationalisme et autonomie régionale: pratiques de l¹Etat fédéral suisse ­ perspectives de la Communauté européenne». L¹auteur se demande dans quelle mesure le jeune Etat fédéral s¹est constitué comme une addition de différents Etats membres en tant que petites nations ou comme leur fusion, sous une nouvelle forme, en une Nation suisse. En même temps, il expose comment le «Nationalisme» helvétique a influencé non seulement la constitution et la cohérence de l¹ensemble de l¹Etat, mais aussi la définition de l¹autonomie régionale. Ses analyses montrent clairement que la problématique «nationale» du 19e siècle est comparable par bien des aspects au débat contemporain sur un espace supranational. L¹historien Sandro Guzzi (Berne) considère pour sa part ces différents processus d¹intégration en prenant l¹exemple de l¹histoire de l¹espace du Sud des Alpes au 18e siècle. Sous le titre «Petit pays, grand espace: intégration politique et résistance locale d¹un point de vue historique», il met en évidence des analogies structurelles entre les développements passés et actuels: la question de l¹appartenance à un espace plus large s¹est déjà heurtée à une forte opposition sous l¹Helvétique.
L¹historien Martin Leuenberger (Bâle) décrit dans son exposé intitulé «Citoyens d¹honneur ou Ðchiens d¹étrangersð»? comment les étrangers sont perçus et jugés dans le canton de Bâle-campagne tout au long du 19e siècle. En se référant à deux groupes distincts ­ les émigrants de 1848 et les Juifs français ­ il montre que le fait d¹«être étranger» et le «caractère étranger» résultent de constructions socioculturelles. Dans son article «La Confédération en 1479 et l¹Europe à la fin du 20e siècle. Réflexions sur l¹invention et la représentation de pays», l¹historien Claudius Sieber-Lehmann (Bâle) analyse de manière comparative deux images de l¹Europe complètement différentes. Celles-ci lui permettent de montrer comment des représentations de pays ou de continents se réfèrent à certaines représentations imagées et/ou géométriques. Ces deux articles montrent que le phénomène de «Abgrenzung» (délimitation) n¹est pas seulement un produit du 20e siècle.
La philologue Renate Müller conclut ce dossier. Dans sa contribution «L¹Europe dans l¹Antiquité: mythe et toponyme», elle s¹interroge, à l¹appui des plus anciens documents de l¹Antiquité grecque et romaine, sur l¹origine de la notion d¹Europe et sur les différentes significations qu¹elle recouvrait à l¹époque.

Simone Chiquet, Albert Schnyder
(Traduction: Chantal Lafontant)

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