Umweltgeschichte – L'histoire de l'environnement

Eine Geschichte neben dem Menschen? – Une histoire indépendante de l'homme?

Traverse. Zeitschrift für Geschichte – Revue d’histoire (ISSN 1420-4355), Band 1997/2
Broschur
1997. 178 Seiten
ISBN 978-3-905315-11-0
CHF 25.00 / EUR 17.40 
  • Kurztext
  • Autor/in
  • Einblick
  • Buchreihe

INHALT / TABLE DES MATIÈRES

SCHWERPUNKT / DOSSIER THÉMATIQUE
Umweltgeschichte. Eine Geschichte neben dem Menschen?
L'histoire de l'environnement. Une histoire indépendante
de l'homme?
Thomas Hildbrand, Jacqueline Milliet, Albert Schnyder 7

Umweltgeschichte - Revisited
Monika Kalt, Jan Hodel 13
Résumé 29

Entre connaissance et émotion. Un épisode de l'histoire
du «sentiment de la nature» des Lumières au romantisme
Francesco Panese 31
Zusammenfassung 47

Landschaftsveränderung und Identitätsverlust. Akzentverschie-
bungen in der Modernisierungskritik von der Jahrhundertwende
bis um 1970
Chritian Pfister 49
Résumé 67

Rekonstruktionen historischer Landschaftsfotografien. Der Beitrag
einer neuen Methode zum umweltgeschichtlichen Diskurs
Ueli Haefeli 69
Résumé 82

Les déchets dans la ville. Un parcours historique
Rémi Barbier 83
Zusammenfassung 98

Hanf und Flachs. Ein traditioneller Rohstoff in der Wirtschaft
des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit
Margrit Irniger, Marlu Kühn 100
Résumé 114
DOKUMENT / DOCUMENT
«Les besoins impérieux des temps présents. Rapport sur les besoins
des disciplines économiques à l'Université de Lausanne
par MM. H[enri] Borle et F[irmin] Oulès»
Pierre-Antoine Schorderet 116

BESPRECHUNGEN / COMPTES RENDUS
Literatur zum Thema / Comptes rendus thématiques 124
Allgemeine Besprechungen / Comptes rendus généraux 147

AGENDA
Projekte / Projets 165

Aktuell / À noter 168

Autorinnen und Autoren / Les AuteurEs 174

Heftschwerpunkte / Thèmes 177

Bereits erschienen / Déjà parus 178



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Zusammenfassung

Weniger als drei Jahre vor der Jahrhundertwende ist weder der Wald gestorben noch ist die Geschichte tot. Einige 100 Pflanzen- und Tierarten sind zwar für immer verloren, doch daraus auf den bevorstehenden Untergang der Welt zu schliessen, ist nicht mehr im Trend. Heute steht der wirtschaftliche Umbruch im Zentrum.
Dennoch und trotzdem meinen wir, dass wir uns mit der «natürlichen» Umwelt nicht nur als Erholungsuchende, sondern dass wir uns auch geistig mit ihr auseinandersetzen müssen. Denn die Geschichtlichkeit der Umwelt ist durchaus ein gesellschaftliches, ein kulturelles und politisches Thema.
Die Mitte der 90er Jahre scheint hierfür nicht der ideale Zeitraum zu sein, und auch innerhalb der traverse-Redaktion sind das Thema und seine Bedeutung umstritten. Was heisst denn «Umweltgeschichte»? Eignet ihr ein spezieller Zugang zu Geschichte, zu gesellschaftlichen Prozessen? Verlangt sie nach einer eigenen Methodik, bringt sie interdisziplinäre Fragestellungen und Zusammenarbeit voran? Fördert sie eine eigene Sicht auf die Vergangenheit? Vermag sie die Beziehungen zwischen Geschichte, Gegenwart und Zukunftsgestaltung intensiver herauszuarbeiten?
Kontrastiert am französischen Begriff «l'histoire de l'environnement» wird das Unternehmen Umweltgeschichte noch schillernder. Begriffsgeschichtliche Betrachtungen betonen immer wieder den anthropozentrischen Charakter von «Umwelt» und stellen die feinen, aber für die Ausrichtung der Forschungsthemen bedeutsamen Unterschiede zum französischen «environnement» heraus. Liegt in der Umweltgeschichte und in unserem Umgang mit ihr also auch ein Spezifikum franko- bzw. germanophoner Kultur?
Seit rund zwei Jahrzehnten verlangen umweltgeschichtliche Fragestellungen dringender danach, in den Themenkanon der Geschichtswissenschaft aufgenommen zu werden. In umweltgeschichtlichen Studien wurde der menschliche Raubbau an der «Natur» belegt, Ökokatastrophen wurden in die letztlich unerschütterliche Erdgeschichte eingereiht, die vernachlässigten «Natur»-Nebenkosten der Industrialisierung wurden aufgerechnet, der Blickwechsel zwischen Mensch und Natur, zwischen Natur und Kultur wurde geprobt und sowohl für die Sozial- und Geistes- als auch für die Wissenschaften als ganzes wurden grundlegende Neuorientierungen vorgeschlagen und eingefordert. Doch die Argumente vermochten bisher kaum zu überzeugen, denn nach wie vor ist es schwierig, den Platz der Umweltgeschichte in den Wissenschaften zu bestimmen. Von solchen Schwierigkeiten handelt der erste Beitrag unseres Heftschwerpunkts: Das Gespräch zwischen Monika Kalt und Jan Hodel versucht den Stand bzw. den Fluss der Umweltgeschichte einzufangen.
Mit dem Hinweis auf den Fluss der Dinge ist auch das Hauptthema des Schwerpunkts der vorliegenden traverse charakterisiert: Die hier versammelten Beiträge fokussieren die Veränderungen der soziokulturellen Repräsentationen von Natur, Landschaft und Umwelt, eine Blickrichtung, die sich aus unseren Diskussionen mit den einzelnen Autor/innen ergab. Bei der Formulierung unseres Konzepts meinten wir bei der Umweltgeschichte vor allem Fehlendes feststellen zu können. Wir meinten beobachten zu können, dass die aktuelle Umweltgeschichtsschreibung vorwiegend auf traditionelle methodische Repertoires und inhaltliche Fragestellungen ausgerichtet ist und dass sie insbesondere die Paradigmen weder der kulturwissenschaftlichen noch der linguistischen Wende wahrgenommen hat. Auf diese Vorstellung gingen unsere Autor/innen in ihren Projektskizzen jedoch kaum ein, oder sie wiesen sie deutlich als unzweckmässige Polarisierung zurück.
Dagegen fanden sich zwischen den einzelnen Projektskizzen viele und starke thematische Verbindungen, als hätten sich die Autor/innen untereinander - und gegen uns, die Planer/innen des Schwerpunkts - abgesprochen. In der Rückschau lässt sich die thematische Verwandtschaft der Beiträge jedoch relativ leicht erklären. Sie liegt darin, dass Umwelt das ist, was die Gesellschaft als ihre Umwelt definiert(e). Will daher Umweltgeschichte die veränderten Paradigmen der gegenwärtigen Geschichtswissenschaften ernst nehmen, so muss sie dem nachfragen, was der Gesellschaft als Umwelt gilt, so kann sie ansprechen, wie der gesellschaftliche Umgang mit Umwelt, wie die gesellschaftliche Repräsentationen von Umwelt aussehen. Und sie kann dies gerade auch auf der Basis des dank traditionelleren Forschungsbeiträgen Bekannten.
Die in dieser traverse gebotene Orientierung der gegenwärtigen Umweltgeschichte in fünf Beiträgen stellt sich in - mindestens - zweischichtiger Art und Weise vor. Die Veränderung der Umwelt, ihre Wahrnehmung und Deutung in der Gesellschaft lässt sich an verschiedenen Stellen fassen: Am Verhältnis des Individuums zur Landschaft (Christian Pfister), am Gefühl gegenüber der Natur bzw. an ihrer Erfassung durch ökologische Systemik (Francesco Panese), an Bildausschnitten von historischen Fotografien (Ueli Haefeli), an der sozioökonomischen Bedeutung von Hanf und Flachs (Margrit Irniger, Marlu Kühn) oder am Verhältnis der Gesellschaft zu ihren «Abfällen» (Rémi Barbier).
Die umweltgeschichtliche Arbeitsweise kommt aber zweitens auch im Zusammenspiel der Geschichtswissenschaft(en) mit anderen Disziplinen zum Ausdruck; am deutlichsten in jener ungewohnten Kooperation zwischen Bildbetrachtung und historischer Kontextualisierung (Ueli Haefeli), in jener subtilen Kontaktnahme zwischen Archäobotanik und Sozial- bzw. Wirtschaftsgeschichte (Margrit Irniger, Marlu Kühn) oder auch in jener spannungsreichen Interdependenz zwischen Theoriereflexion und historischer Verortung (Francesco Panese).
Thomas Hildbrand, Jacqueline Milliet, Albert Schnyder


Résumé

Moins de trois ans avant la fin de ce siècle, ni la forêt, ni l'histoire de l'environnement ne se sont éteintes. Quelques centaines de variétés de plantes et d'animaux ont certes pour toujours disparu, mais il n'est plus d'usage d'en déduire le déclin de la planète. Aujourd'hui, le changement profond de l'économie est au centre de tout.
Pourtant, nous estimons qu'il est nécessaire d'appréhender l'environnement «naturel» en tant qu'objet intellectuel et non simplement comme activité apaisante. L'historicité de l'environnement est bien un thème social, culturel et politique.
Le milieu des années 1990 n'apparaît pas comme une période idéale pour une telle réflexion et jusqu'au sein de la rédaction de traverse, la pertinence du sujet fait l'objet de débats. Que signifie l'«histoire de l'environnement»? Se prête-t-elle à une approche particulière de l'histoire et des processus sociaux? Exige-t-elle une méthode spécifique? Encourage-t-elle la collaboration et les problématiques interdisciplinaires? Nécessite-t-elle une approche spécifique du passé? Permet-elle de mieux faire ressortir les rapports entre passé, présent et avenir?
À la lumière de la notion française d'«histoire de l'environnement», l'entreprise «Umweltgeschichte» apparaît aussi sous des formes changeantes. Les réflexions historiques soulignent toujours le caractère anthropocentrique de la notion d'«environnement» et mettent en évidence les distinctions subtiles, mais primordiales pour l'orientation des thèmes de la recherche, qui existent avec la notion française d'«environnement». L'histoire de l'environnement et son traitement dévoilent-ils une spécificité des cultures française et germanique?
Depuis près de deux décennies, l'histoire de l'environnement requiert d'une façon pressante d'accéder au Panthéon des objets de la science historique. Des études sur l'histoire de l'environnement ont démontré l'exploitation abusive de la «nature» par l'homme; les catastrophes écologiques ont été intégrées dans l'histoire de la terre - que rien finalement ne semble pouvoir perturber - les coûts accessoires de l'industrialisation, généralement négligés, ont été relevés, le changement de perspective entre homme et nature, entre nature et culture, a été expérimenté tant par les sciences sociales que par les sciences humaines et la science d'une manière générale; de nouvelles orientations ont été proposées, puis exigées. Pourtant ces arguments ont à peine réussi à nous convaincre: hier comme aujourd'hui, il est difficile de situer l'histoire de l'environnement dans les sciences. La première contribution de notre dossier thématique traite de ces difficultés: le dialogue entre Monika Kalt et Jan Hodel tente de saisir l'état ou plutôt le flux de l'histoire de l'environnement.
Cette réflexion sur le flux des choses nous renvoie au thème central du dossier de traverse: les contributions sont en effet centrées sur les changements des représentations socioculturelles de la nature, du paysage et de l'environnement; cette orientation résulte de l'échange de vues que nous avons eu avec les auteurs. Au départ, lorsque nous avons établi notre plan, il s'agissait surtout de pouvoir mettre en évidence les lacunes de l'histoire de l'environnement. Aussi, nous pensions pouvoir observer que l'histoire de l'environnement d'aujourd'hui utilise un répertoire de méthodes et de problématiques traditionnelles et qu'elle n'a pas saisi le changement de paradigme des sciences culturelles et linguistiques. Dans leurs premiers projets d'article, les auteurs n'ont presque pas souscrit à cette vision des choses ou bien ils l'ont franchement rejetée, la jugeant comme une polarisation peu opportune.
En revanche, les projets d'articles présentaient de nombreux et solides liens thématiques, comme si les auteurs s'étaient entretenus de ce problème et s'opposaient ainsi aux responsables de la planification du dossier. Après coup, il est relativement aisé d'expliquer les liens thématiques existant entre ces articles. Cette parenté réside dans le fait que l'environnement, c'est ce que la société définit comme son environnement. Si l'histoire de l'environnement entend vraiment saisir le changement de paradigme de la science historique, elle doit alors poser la question: qu'est-ce que la société considère comme environnement? Elle peut alors se pencher sur la manière dont la société appréhende l'environnement, sur la représentation sociale de l'environnement. Elle peut le faire en se fondant sur ce qui est connu grâce aux recherches traditionnelles.
L'orientation donnée à l'histoire de l'environnement, telle qu'elle est pratiquée aujourd'hui, dans les cinq contributions de ce numéro de traverse se présente - au moins - sous deux visages. La mutation de l'environnement, sa perception et sa signification dans la société se vérifient à plusieurs endroits: dans les rapports de l'individu au paysage (Christian Pfister), dans les sentiments que l'on a à l'égard de la nature ou dans sa perception à travers la systémique (Francesco Panese), mais aussi sur des séquences d'images de photographies historiques (Ueli Haefeli), au regard de l'importance socio-économique du lin et du chanvre (Margrit Irniger) ou encore en examinant les rapports qu'entretient la société avec ses déchets (Rémi Barbier).
La méthode de travail de l'histoire de l'environnement apparaît aussi dans le dialogue des sciences historiques avec d'autres disciplines; on en trouve des exemples dans la coopération insolite entre analyse d'images et contexte historique (Ueli Haefeli), dans les liens subtils entre archéobotanique, d'une part, et histoire sociale et économique, d'autre part (Margrit Irniger, Marlu Kühn), mais aussi dans l'interdépendance très stimulante entre réflexion théorique et ancrage historique (Francesco Panese).

Thomas Hildbrand, Jacqueline Milliet, Albert Schnyder
(Traduction: Chantal Lafontant)


Einzelheft CHF 28 / EUR 24
Jahresabonnement CHF 75 / EUR 60
Abo für Studierende CHF 54 (nur in der Schweiz)

Die zweisprachige Zeitschrift versteht sich als Forum der Geschichtsforschenden in der Schweiz mit einem Horizont, der über Landes- und Fachgrenzen hinausreicht. «Traverse» ist sowohl eine historische Fachzeitschrift als auch ein Organ, das einem interessierten Publikum Einblick in aktuelle historische Forschung gibt und deren Beitrag zu gesellschaftlich relevanten Fragen diskutiert. Zudem versteht sich die Zeitschrift als Publikationsorgan für jüngere Forschende.

Cette revue bilingue se définit comme un forum pour les historiennes et historiens suisses et s’efforce de dépasser les frontières nationales et entre les disciplines. «Traverse» est non seulement une revue d’histoire mais aussi un organe qui offre à tout public intéressé une entrée dans la recherche historique récente et apporte sa contribution à des débats de société. La revue favorise en particulier la publication de jeunes chercheuses et chercheurs.