Populäre Enzyklopädien
Von der Auswahl, Ordnung und Vermittlung des Wissens
Gebunden
2002. 306 Seiten, 30 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-0550-0
CHF 48.00 / EUR 32.90 
  • Kurztext
  • Autor/in
  • Einblick
  • In den Medien
Populäre Enzyklopädien speichern das für nötig erachtete Wissen einer Zeit und vermitteln es an ein breiteres Publikum. Ebenso wie nicht alle enzyklopädischen Werke das Wort «Enzyklopädie» im Titel führen, ist auch der Aufbau von Enzyklopädien sehr unterschiedlich, denn im Laufe der Zeit gibt es verschiedene Ordnungen des Wissens. Der Umfang einer Enzyklopädie variiert vom kleinen Heftchen bis zum grossformatigen vielbändigen Werk. Bei aller Unterschiedlichkeit haben enzyklopädische Werke jedoch eines gemeinsam ­ einen gewissen Anspruch auf Vollständigkeit. Sei es bei der Absicht, das Wissen auf einem bestimmten Gebiet darzustellen, oder bei dem Versuch, das gesamte Wissen der Welt zu präsentieren.
Eine Enzyklopädie kann dazu dienen, zum Lob Gottes die Schönheit der Schöpfung sichtbar zu machen, oder aber den hohen Stand des erreichten menschlichen Wissens und Könnens zu dokumentieren. Ihr Ziel kann es auch sein, moralisch zu belehren, nützliche praktische Kenntnisse zu vermitteln oder bestimmte Anschauungen zu verbreiten. So spielen Enzyklopädien eine Rolle bei der Vermittlung von Gottes-, Welt- und Menschenbildern. Im Zusammenhang mit Umbrüchen und Paradigmenwechseln haben sie daher eine bestimmte Funktion. Mehrfach gebrochen spiegeln sie schliesslich den Wandel von Einstellungen und Mentalitäten.

Professorin für Populäre Literaturen und Medien mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendmedien am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft (ISEK) der Universität Zürich. Zahlreiche Veröffentlichungen, Herausgeberin der Reihe Populäre Literaturen und Medien, Mitherausgeberin des Jahrbuchs der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung sowie von kids+media. Zeitschrift für Kinder- und Jugendmedienforschung.


Bücher im Chronos Verlag


Aufsätze im Chronos Verlag


Herausgeberin der Reihe

Inhalt
Paul Michel: Ordnungen des Wissens. Darbietungsweisen des Materials in Enzyklopädien
Ulrich Marzolph: Mirabilia, Weltwunder und Gottes Kreatur. Zur Weltsicht populärer Enzyklopädien des arabisch-islamischen Mittelalters
Rudolf Schenda: Hand-Wissen. Zur Vorgeschichte der grossen Enzyklopädien
Christoph Daxelmüller: Zwischen Polyhistorismus und Enzyklopädie, Naturharmonie und Technikangst. Der Universalgelehrte Athanasius Kircher im Wissenschaftsdiskurs
Reinhart Siegert: Enzyklopädisches in Erbauungsschriften
Hans-Georg Hofmann: «Von dem Einfluss der Musik auf die Bildung der Gemüther». Volksbildung und Musik im Spiegel der deutschsprachigen Enzyklopädien des 18. Jahrhunderts
Holger Böning: Von der landwirtschaftlichen Belehrung zur enzyklopädischen Welterkenntnis. Tendenzen in deutscher Publizistik und Volksaufklärung des 18. Jahrhunderts
Verena Rutschmann: «Der Schweizerische Robinson» ­ eine erzählte Enzyklopädie
Uwe Puschner: Von der Gegenwart des Mittelalters. Geschichtsbilder im Lexikon zwischen Aufklärung und Restauration
Ina Ulrike Paul: «Wache auf und lies Š». Zur Tradierung von Nationalstereotypen in europäischen Enzyklopädien des 18. Jahrhunderts
Alfred Messerli: Das Schweizerische Landesmuseum als visuelle «Enzyklopädie» der vaterländischen Geschichte
Jakob Tanner: Der Körper als Sensation. Populäres Wissen über den menschlichen Leib vom 18. bis 20. Jahrhundert
Bernd Stickfort: Das Internet als enzyklopädische Utopie

Artikel
  • Ordnungen des Wissens. Darbietungsweisen des Materials in Enzyklopädien
  • Mirabilia, Weltwunder und Gottes Kreatur. Zur Weltsicht populärer Enzyklopädien des arabisch-islamischen Mittelalters
  • Hand-Wissen. Zur Vorgeschichte der grossen Enzyklopädien
  • Zwischen Polyhistorismus und Enzyklopädie, Naturharmonie und Technikangst. Der Universalgelehrte Athanasius Kircher im Wissenschaftsdiskurs
  • «Von dem Einfluss der Musik auf die Bildung der Gemüther». Volksbildung und Musik im Spiegel der deutschsprachigen Enzyklopädien des 18. Jahrhunderts
  • Von der landwirtschaftlichen Belehrung zur enzyklopädischen Welterkenntnis. Tendenzen in deutscher Publizistik und Volksaufklärung des 18. Jahrhunderts
  • «Der Schweizerische Robinson» – eine erzählte Enzyklopädie
  • Von der Gegenwart des Mittelalters. Geschichtsbilder im Lexikon zwischen Aufklärung und Restauration
  • «Wache auf und lies S». Zur Tradierung von Nationalstereotypen in europäischen Enzyklopädien des 18. Jahrhunderts
  • Das Schweizerische Landesmuseum als visuelle «Enzyklopädie» der vaterländischen Geschichte
  • Der Körper als Sensation. Populäres Wissen über den menschlichen Leib vom 18. bis 20. Jahrhundert
  • Das Internet als enzyklopädische Utopie

Besprechungen
Hand-Wissen upj. Über die Vorgeschichte der grossen Enzyklopädien hatte sich Rudolf Schenda, der ehemalige Zürcher Ordinarius für europäische Volksliteratur, anlässlich eines Symposiums geäussert, das zu Ehren seines 70. Geburtstages in Zürich veranstaltet wurde. Für einmal fiel das Auge weder auf den Bayle'schen «Dictionnaire» noch auf das Zedler'sche «Universal-Lexicon» noch auf die Diderot'sche «Encyclopédie», sondern auf kleinere Weltbetrachtungen, die lange vor den universalistischen Folianten dem gewöhnlichen Menschen zu nützlichem Hand-Wissen verhelfen wollten. Auch die kleinen Handbücher haben, so zeigte Schenda, durchaus den Anspruch, ihren Lesern und Benutzern Totalentwürfe der Welt zu vermitteln. Die Klein-Enzyklopädien, einzelne stammen gar aus dem Spätmittelalter, dienten etwa zur religiös-moralischen Orientierung, sie enthielten ein geistliches Wissen, das sich mit einfachen Katechismus-Fragen in der Benutzer Kopf einprägte. Später dann kommt auch weltliches Wissen hinzu; kleine Bändchen, die vermitteln, «was die Philosophen gesagt haben». - Der Tagungsband enthält weitere zwölf Beiträge und ist Rudolf Schenda gewidmet, der im Oktober 2001 verstarb, kurz nach seinem Vortrag über die Vorgeschichte der grossen Enzyklopädien. Populäre Enzyklopädien. Von der Auswahl, Ordnung und Vermittlung des Wissens. Herausgegeben von Ingrid Tomkowiak. Chronos-Verlag, Zürich 2002. 306 S., Fr. 48.-. Abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der NZZ Neue Zürcher Zeitung FEUILLETON Samstag, 10.08.2002 Nr.183 52 (c) 1993-2000 Neue Zürcher Zeitung AG Blatt 1