Afrika im Blick
Afrikabilder im deutschsprachigen Europa, 1870–1970
Gebunden
2012. 336 Seiten, 65 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1137-2
CHF 48.00 / EUR 43.00 
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Afrika ist ein riesiger Kontinent, der durch geographische und kulturelle Vielfalt bestimmt ist. Doch nicht die Einzigartigkeit unterschiedlicher Kulturen, sondern Pauschalisierungen prägen die europäische Sichtweise bis heute. Neben romantisierenden Safari-Reportagen schaffen es hauptsächlich Kriege, Naturkatastrophen und gescheiterte Staaten ins mediale Rampenlicht des Nordens. Hinter dieser eindimensionalen Sicht verbergen sich oft stereotype Wahrnehmungen, die auf die Kolonialzeit zurückgehen. Einer dieser Topoi ist der des «primitiven und bildungsunfähigen Afrika», das den Aufstieg zur Zivilisation ohne westliche Hilfe nicht schafft.
Der Sammelband begibt sich auf Spurensuche nach kolonia­len Afrikabildern im deutschsprachigen Raum. Die Beiträge zeigen, dass Repräsentationen des «schwarzen Kontinents» und koloniales Denken nicht vor den Landesgrenzen halt machten. Problemlos konnten sie innerhalb Europas und insbesondere desselben Sprachraums auch in Länder ohne eigene Kolonien wie die Schweiz oder Österreich transportiert werden. Durch die verschiedenen kulturhistorischen Annäherungsweisen an koloniale Afrikakonstruktionen entsteht ein facettenreiches Bild, das nichts über Afrika, aber umso mehr über die deutschsprachigen Europäerinnen und Europäer verrät.
Manuel Menrath ist Historiker und arbeitet als wissenschaftlicher Assistent für Geschichte der Neuesten Zeit an der Universität Luzern. Er ist Autor des Films «Fremde Freunde» (Condor/SF DRS, 2009) und des Buches «Exotische Soldaten und ehrbare Töchter» (2010), in welchem er die Internierung afrikanischer Soldaten in der Schweiz thematisiert.

Aufsätze im Chronos Verlag

Artikel
  • Einleitung
  • «Du schwarz, ich weiss.» Afrika-Vorstellungen von Missionarinnen und Missionaren
  • Afrika in Schweizer Kinderbüchern. Hybride Helden in kolonialen Konstellationen
  • Koloniale Fantasien made in Austria. Koloniale Afrikarepräsentationen im österreichischen Nationalrat am Wendepunkt zum Postkolonialismus, 1955–1965
  • Von «wilden Bes­tien» und fremden Freunden. Die Wahrnehmung farbiger Kolonialsoldaten in der deutschsprachigen Schweiz im Vergleich mit Deutschland, 1871–1940
  • Vom Massaker zur Kameradschaft? Die Behandlung der schwarzen französischen Kriegs­gefangenen durch die deutsche Wehrmacht, 1940–1945
  • Andenken, Abenteuer, Anklage. Gedanken zu einem Foto­album aus dem Kongo, 1904/05
  • Der Kolonialoffizier Max Knecht (1874–1954). Vom «Alleinherrscher am Kiwu» zum Vorkämpfer der kolonialrevisionistischen Bewegung in Freiburg i. B.
  • «Das Wunder des Baums» (1941/42). Zu Annemarie Schwarzenbachs Afrikaroman
  • Kolonialismus im frühen Kino. Bewegung, Mobilität und Heimat
  • Heimat, Fremde, Heimat. Zur Funktion von filmischen Afrika-Repräsentationen im Österreich der 1950er Jahre
  • Hilfsbedürftiges Afrika? Zum Gebrauch von Dokumentarfilmen in der Entwicklungszusammenarbeit
  • «Afrikadörfer» in Wien. Zur Ökonomie und Politik von Menschenschauen um 1900

Pressestimmen
«Ein lesenswerter Band.» Frankfurter Allgemeine Zeitung

«Trotz der Themenvielfalt […] wird die Publikation zu einem kohärenten und lesenswerten Mosaik von Afrikabildern im deutschsprachigen Raum. Das Buch ist ein gelungener Beitrag, die Konstruktion Europas durch den Blick auf ein imaginiertes Afrika zu entschlüsseln.» afrika-bulletin

«Das Buch ist ein gelungener Beitrag, die Konstruktion Europas durch den Blick auf ein imaginiertes Afrika zu entschlüsseln. Gleichzeitig kann es auch als Versuch gelesen werden, die Frage nach den erkenntnistheoretischen Möglichkeiten im Schreiben über Zusammenhänge zwischen Afrika und Europa tiefer zu ergründen.» Julia Büchele, Zeitschrift für Germanistik

«Lobenswert ist die in höchstem Maße quellenkritische Arbeit, die nicht zuletzt in nachvollziehbare Analyseschritte und in einleuchtende Ergebnisse mündet. Illustrationen aus verschiedenen Archiven sowie nützliche Literaturverweise werden in die Untersuchungen einbezogen und ergänzen die Beiträge sinnvoll. Zwischen den Aufsätzen lassen sich keine sprachlichen Diskrepanzen erkennen, was den Eindruck eines umfassenden Sammelbandes bestärkt, der sehr reflektiert mit der kolonialen Vergangenheit umgeht. […] Für die theoretische Fundierung von Konzepten für den Unterricht ist dieser Sammelband sehr zu empfehlen.» Sascha Ulrich, www.literaturkritik.de