Fluchtgut – Raubgut
Der Transfer von Kulturgütern in und über die Schweiz 1933–1945 und die Frage der Restitution
Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg – Commission Indépendante d'Experts Suisse – Seconde Guerre Mondiale, Band 1
Broschur
2001. 2., unveränderte Auflage 2016.
595 Seiten
ISBN 978-3-0340-0601-9
CHF 68.00 / EUR 62.00 
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In den Diskussionen über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg nimmt die Frage nach der Bedeutung des neutralen Landes als Kunsthandelsplatz und Drehscheibe für Kulturgüter eine zentrale Stellung ein. Die vorliegende Studie analysiert dies anhand der Kategorien «Raubgut» und «Fluchtgut». Im Gegensatz zu «Raubgut» bezeichnet «Fluchtgut» die von den Eigentümern selbst in die Schweiz verbrachten kulturellen Vermögenswerte. Im Zentrum des Interesses stehen sowohl die Eigentümer der Vermögenswerte als auch deren Verwerter, das heisst die Händler, Museen und Sammler. Weiter werden die Folgeereignisse untersucht und es wird gezeigt, wie die schweizerischen Behörden die Vorgänge der Jahre 1933 bis 1945 in der unmittelbaren Nachkriegszeit aufarbeiteten.

Georg Kreis, Jahrgang 1943, ist Ordinarius für Geschichte an der Universität Basel und Präsident der Eidg. Kommission gegen Rassismus. Nach drei Arbeitsjahren zur Finanzierung des Studiums 1967 Beginn, 1972 Abschluss des Geschichtsstudiums, parallel dazu aktive Studentenpolitik, Publizistik und eine wissenschaftliche Assistenz. Anschliessend eine in normaler Art, mühsame und mit belastenden Existenzsorgen ausgestattete «Laufbahn» als akademischer Lehrer: 1981 Privatdozent, 1986 Extraordinarius, 1995 Ordinarius an der Universität Basel. Daneben, offenbar als biografische Besonderheit, zahlreiche historische Klärungsaufträge: 1989 im Fall der Villiger-Sendung von Radio DRS, 1991–1993 im Fall der Fichenaffäre, seit 1996 als Mitglied der UEK «Schweiz–Zweiter Weltkrieg», 1997 im Fall des Filmes von TSR «L'honneur perdu de la Suisse», 1998–2000 im Falle der Kontroverse um den Hamburger Mäzen Alfred Toepfer, seit 2000 als Präsident des Forschungsprogramms «Schweiz – Südafrika»; daneben seit 1992 Redaktor der zu traverse komplementären Zeitschrift SZG, RSH, RSS.
Europainstitut, CH-4020 Basel; georg.kreis@unibas.ch


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Lic. phil. I Esther Tisa Francini, geb. 1972, ist Historikerin, sie lebt in Egg / Zürich.


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Dr. Anja Heuß, geb. 1964 in Baden-Baden, publizierte 1997/1998 mehrere Artikel in der Serie «Raubkunst – Unvergangene Vergangenheit» in der NZZ und legte im Jahr 2000 ihre Dissertation zum Thema «Kunst- und Kulturgutraub in Frankreich und der Sowjetunion» vor. Seit 2008 ist sie Provenienzforscherin der Staatsgalerie Stuttgart.

Zusammenfassung
Die vorliegende Studie beschäftigt sich zum einen mit der Rolle der Schweiz als Kunsthandelsplatz und Drehscheibe für Kulturgüter zur Zeit des Nationalsozialismus. Zum anderen untersucht sie die Folgeereignisse und insbesondere die juristische Aufarbeitung der Vorgänge zwischen 1933 und 1945 durch die schweizerischen Behörden in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Im Zentrum des Interesses stehen sowohl die Eigentümer der Vermögenswerte als auch deren Verwerter, die Händler, Museen und die Sammler. Die Untersuchung konzentriert sich stark auf Kunstwerke; andere Kulturgüterkategorien werden zwar an zahlreichen Stellen thematisiert, konnten aber nicht vertieft behandelt werden.
Die Schweiz war Umschlagplatz für Raubgut und Fluchtgut aus NS-Deutschland und den besetzten Gebieten. Unter «Raubgut» werden die von den NS-Institutionen geraubten, beschlagnahmten und anderweitig ihren rechtmässigen Besitzern entzogenen Kulturgüter verstanden. Die in dieser Arbeit neu eingeführte Kategorie «Fluchtgut» bezeichnet diejenigen Kulturgüter, die von ihren rechtmässigen Eigentümern im Bestreben, sie vor dem Zugriff der NS-Behörden in Sicherheit zu bringen, in die Schweiz transferiert wurden. Die ebenfalls untersuchte Gruppe der «entarteten», vom NS-Regime verfemten, Kunst, umfasst Werke, die sowohl als Raub- als auch als Fluchtgut in die Schweiz gelangen konnten.
Erstmals wurde die Emigration von Kunsthistorikern, -händlern und -sammlern aus NS-Deutschland in die Schweiz untersucht. Mit diesen Akteuren gelangten auch einige Sammlungen, oder zumindest Teile davon, in die Schweiz. Als bedeutend erwiesen sich für die Untersuchung die rund ein Dutzend aus Deutschland emigrierten Händler, die sich in der Schweiz aufhielten. Mit der Flucht und der Emigration dieser Fachpersonen gelangte ein hohes Mass an fachlicher Kompetenz in die Schweiz. Zudem erwuchsen mit der Anwesenheit dieser Händler auf dem schweizerischen Kunstmarkt enge Beziehungen zu Deutschland. In einigen Fällen konnte aufgezeigt werden, dass diese Kunsthändler, darunter auch Juden, eine beträchtliche Bedeutung im damaligen Kunsthandel erlangten, da sie gleichsam als Bindeglied zwischen den noch im NS-Machtbereich verbliebenen beziehungsweise bereits entzogenen Sammlungen und dem schweizerischen Kunsthandel auftraten (Kapitel 2 und 3.2.2.3). Waren für die Entziehung von Kunst- und Kulturgütern im «Dritten Reich» vor allem die Oberfinanzpräsidien, die Museen und die Reichskulturkammer verantwortlich, so vollzog sich der Transfer der entzogenen Güter indes nicht über offizielle NS-Dienststellen oder Beamte, sondern fast ausschliesslich über den Kunsthandel. Dieser war in der Schweiz rechtlich kaum reguliert, bis 1935, 1938 und 1944 restriktivere Kontrollen eingeführt wurden, die jedoch mehr dem Schutz der einheimischen Kunstschaffenden dienten, als dass sie eine sorgfältige Überprüfung der Provenienz der ein- und ausgeführten Werke zur Folge gehabt hätten. Eine gewisse Einschränkung hatte auch der 1934 eingeführte Verrechnungsverkehr mit Deutschland bewirkt, doch spielte der An- und Verkauf über den Clearing im Vergleich zu den Tauschgeschäften, die zwar ebenfalls genehmigt werden mussten, eine eher unbedeutende Rolle. Neben diesen Einfuhrmöglichkeiten wurde Kulturgut auch via Zollfreilager, Diplomatengepäck, Umzugsgut und Schmuggel in die Schweiz gebracht (Kapitel 3.1.2).
In bezug auf das Verhalten der zentralen Akteure auf dem schweizerischen Kulturgütermarkt, der Museen, Sammler und Händler, lässt sich folgendes festhalten: Beim Kauf von Objekten zweifelhafter Herkunft verfolgten die Museen insgesamt eine zurückhaltende Politik. Sie waren jedoch als Verwerter im Sinne von Lagerung und anschliessender Verwendung in Ausstellungen bedeutsam. Trotzdem gelangten durch Stiftungen und Schenkungen Werke fragwürdiger Herkunft in ihre Bestände (Kapitel 3.2.2.1). Im Vergleich zu den Museen waren private Sammler um einiges kaufkräftiger und unkritischer, was anhand des Sammlers Emil G. Bührle aufgezeigt werden konnte (Kapitel 3.2.2.2). Die Händler wurden auf ihre Handlungsspielräume und vor allem im Falle des jüdischen Emigranten Fritz Nathan auf ihre Zwangslagen untersucht (Kapitel 3.2.2.3). So half dieser nicht nur Verfolgten der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik, die ihre Sammlungen in Sicherheit bringen wollten, sondern er beriet und unterstützte auch deutsche und schweizerische Museen bei ihren Ankäufen und Tauschgeschäften.
Besondere Aufmerksamkeit wird der mehrheitlich im Besitz der Schweizerischen Kreditanstalt befindlichen Treuhandvereinigung Fides, deren Rolle auf dem Kulturgütermarkt bisher nicht berücksichtigt worden war, sowie der Luzerner Galerie Fischer geschenkt. Die Fides trat infolge der Devisenbewirtschaftung und der dadurch entstandenen Sperrmarkkonten als Akteurin auf dem deutschen Kunstmarkt auf und konnte durch Kunstankäufe, im Auftrag von vor allem ausserhalb des NS-Machtbereichs befindlichen Personen, einen Teil von gesperrten Guthaben in Form von Kunstwerken aus Deutschland exportieren und damit in einem zweiten Schritt in Devisen umwandeln (Kapitel 3.2.3). Die Galerie Fischer, das damals grösste Auktionshaus der Schweiz, erzielte über Tauschgeschäfte mit französischen Impressionisten, «Emigrantenauktionen» und der Vermittlung von Werken an die Sammlung Hermann Görings und das «Führermuseum Linz», alles spezifische Aspekte des Kunsthandels der NS-Zeit, einen hohen Umsatz (Kapitel 3.2.4). Bezüglich des Handels mit «entarteter Kunst» zeigt die Studie deutlich, dass die viel beachtete Auktion der Galerie Fischer 1939 in Luzern zu einer engeren Verflechtung des schweizerischen Kunstmarktes mit NS-Deutschland beitrug. Insgesamt muss festgehalten werden, dass Fischers Rolle für den Kunsthandelsplatz Schweiz noch zentraler war, als bisher angenommen wurde. Die Studie zeigt allerdings auf, dass die Bedeutung des Handels mit «entarteter Kunst» in der Schweiz relativiert werden muss. Neben der Auktion in Luzern im Jahr 1939, die dem Reich eine halbe Million Schweizer Franken an Devisen zuführte, fand in der Schweiz - aus Gründen der Marktsättigung - nur noch am Rande ein Handel mit «entarteter Kunst» statt (Kapitel 4.3). Erstmals wurde für diese Arbeit der Bestand im Bundesarchiv Koblenz auf die Frage hin durchgesehen, wie viele Objekte aus dem Schweizer Kunsthandel in die zwei grössten NS-Sammlungen, nämlich diejenige Hitlers und Görings, Einzug gehalten haben (Kapitel 4.4 und 4.5). Am Beispiel der Verbindungen zwischen schweizerischen Kunsthändlern und dem Kunstmarkt Paris konnte wiederum der Weg von einzelnen «arisierten» Objekten in die Schweiz aufgezeigt werden (Kapitel 5.2).
Abschliessend geht die Studie auf die Restitutionspolitik der Schweiz bezüglich der ins Land gelangten Kunst- und Kulturgüter ein (Kapitel 6). Es wird aufgezeigt, dass die Schweizer Restitutionsgesetzgebung - stark vom britischen Modell beeinflusst - die Verfolgten in zwei Klassen teilte: in solche, die während den Kriegshandlungen in den besetzten Gebieten beraubt wurden, und in diejenigen, die bereits vor 1939 und während der ganzen Zeitspanne im «Altreich» den verschiedenen Massnahmen der NS-Beraubungspolitik unterlagen. Der grösste Teil des von den Alliierten in der Schweiz aufgefundenen Bestands an Raubkunst, es handelte sich mit zwei Ausnahmen um Bilder und Zeichnungen, wurde allerdings nach dem Krieg restituiert. Die Untersuchungsbehörden unterliessen es jedoch, intensiv nach weiteren geraubten Objekten zu suchen. Die Schweizer Besitzer der Raubgutbilder wurden aufgrund der ebenfalls vor der Raubgutkammer durchgeführten Regressprozesse vom Staat allesamt für die Bilderrückgabe entschädigt, da ihnen Gutgläubigkeit attestiert wurde; die Eidgenossenschaft wiederum liess sich die ihr entstandenen Kosten vollumfänglich durch die Bundesrepublik Deutschland zurückerstatten.
Zum Schluss soll festgehalten werden, dass quantitative Angaben aufgrund der Quellenlage nur in einzelnen Teilbereichen der Thematik möglich sind. Festgestellt werden kann jedoch, dass insgesamt mehr Fluchtgut als Raubgut in die Schweiz gelangte. Es konnte zudem nachgewiesen werden, dass Fluchtgut sowohl von Museen als auch von Privaten erworben wurde, Raubgut hingegen eher von letzteren. Als Drehscheibe ins Drittausland fungierte die Schweiz in einem grösseren Anteil für Fluchtgut, während Raubgut in der Schweiz oftmals seinen endgültigen Absatz fand.

Résumé
La présente étude traite, d'une part, du rôle joué par la Suisse en tant que marché d'objets d'art et de plaque tournante pour les biens culturels au temps du national-socialisme et, d'autre part, de ce qui s'est passé après, spécialement de l'examen juridique auquel les autorités suisses ont soumis les événements survenus entre 1933 et 1945 juste après la guerre. Les recherches ont été axées tant sur les propriétaires des biens que sur ceux qui les exploitent, soit les marchands, les musées et les collectionneurs. L'étude se concentre surtout sur les ¦uvres d'art; s'il est aussi question d'autres catégories de biens culturels à de nombreux endroits, celles-ci n'ont pas pu y être traitées à fond.
La Suisse a servi de plaque tournante pour les biens spoliés et les biens en fuite provenant de l'Allemagne nazie et des territoires occupés. Par «biens spoliés», on entend les biens culturels volés, confisqués ou enlevés d'une autre manière par les institutions du régime national-socialiste à leurs propriétaires légitimes. La catégorie des «biens en fuite», qui apparaît pour la première fois dans cette étude, désigne les biens culturels qui ont été transférés en Suisse par leurs propriétaires légitimes afin d'empêcher que les autorités national-socialistes ne s'en emparent. La catégorie également étudiée de «l'art dégénéré», proscrit par le régime nazi, comprend des ¦uvres qui sont arrivées en Suisse soit comme biens spoliés, soit comme biens en fuite.
C'est la première fois que l'émigration des historiens d'art, des marchands et des collectionneurs de l'Allemagne nazie vers la Suisse a été étudiée. Quelques collections, ou pour le moins des parties d'entre elles, sont parvenues en Suisse grâce à ces personnes. Une catégorie importante dans le cadre de cette étude a été la douzaine de marchands qui ont quitté l'Allemagne pour venir s'installer en Suisse. La fuite et l'émigration de ces experts ont apporté à la Suisse une grande connaissance professionnelle. La présence de ces marchands sur le marché suisse des arts a permis le développement de contacts étroits avec l'Allemagne. Il a été démontré dans certains cas que ces marchands d'art, dont certains étaient juifs, avaient obtenu une remarquable notoriété dans le commerce des objets d'art de l'époque, car ils représentaient en quelque sorte un lien entre les collections restées dans les régions sous domination nazie et le commerce suisse des objets d'art (chap. 2 et 3.2.2.3). Si la confiscation d'objets d'art et de biens culturels sous le «IIIème Reich» était du ressort des autorités financières supérieures (Oberfinanzpräsidien), des musées et de la chambre culturelle du Reich (Reichskulturkammer), le transfert des biens saisis ne passait pas par les services officiels du régime ou par des fonctionnaires, mais presque exclusivement par le canal du commerce des ¦uvres d'art. Ce dernier n'était quasiment pas réglementé en Suisse jusqu'à ce que des contrôles plus restrictifs soient introduits en 1935, 1938 et 1944. Ces contrôles ont cependant plus servi à la protection des artistes indigènes qu'à l'examen minutieux de la provenance des ¦uvres importées et exportées. Les opérations de compensation introduites en 1934 avec l'Allemagne ont représenté un facteur restrictif. Toutefois, l'achat et la vente par le biais du clearing étaient insignifiants en comparaison avec les échanges, pourtant également soumis à autorisation. En plus de ces possibilités d'importation, les biens parvenaient en Suisse via les ports francs, la valise diplomatique, les déménagements et la contrebande (chap. 3.1.2).
Le comportement des principaux acteurs sur le marché suisse des biens culturels peut être décrit de la manière suivante: les musées ont généralement adopté une politique prudente lors de l'achat d'objets de provenance douteuse. Ils ont cependant joué un rôle important pour le stockage et l'utilisation ultérieure lors d'expositions et se sont malgré tout retrouvés en possession d'¦uvres d'origine douteuse par le biais de fondations et de donations (chap. 3.2.2.1). Les collectionneurs privés disposaient de moyens financiers plus importants que les musées et ont fait preuve d'un sens critique moins développé, ce qui a pu être démontré à l'exemple du collectionneur Emil G. Bührle (chap. 3.2.2.2). Les marges de man¦uvre des marchands ont été examinées et, l'état de nécessité l'a spécialement été pour le marchand émigré d'origine juive Fritz Nathan (chap. 3.2.2.3). Ainsi, celui-ci n'a pas seulement aidé les personnes persécutées par le régime nazi qui voulaient mettre leurs collections en lieu sûr, mais il a également conseillé et soutenu les musées allemands et suisses dans leurs achats et leurs échanges.
Une attention toute particulière est portée à la fiduciaire Fides, appartenant majoritairement au Crédit Suisse, dont le rôle sur le marché de l'art n'avait jusqu'à présent pas été examiné, ainsi qu'à la galerie lucernoise Fischer. Fides est intervenue sur le marché allemand des objets d'art suite à la réglementation des devises et du blocage des comptes en reichsmarks qui s'en est suivi. En achetant des ¦uvres d'art, principalement sur ordre de personnes se trouvant en dehors de la sphère d'influence nazie, la fiduciaire est parvenue à exporter d'Allemagne une partie des avoirs bloqués qui ont été ensuite transformés en devises (chap. 3.2.3). La galerie Fischer, la plus grande maison suisse de vente aux enchères de l'époque, réalisait des chiffres d'affaires élevés grâce à des échanges portant sur des impressionnistes français, à des «ventes aux enchères d'émigrés» et à la fonction d'intermédiaire qu'elle remplissait en se procurant des ¦uvres destinées à la collection d'Hermann Göring et au «Führermuseum Linz». Toutes ces transactions étaient caractéristiques du commerce des ¦uvres d'art à l'époque du national-socialisme (chap. 3.2.4). Pour ce qui est du commerce de «l'art dégénéré», l'étude démontre clairement que la vente aux enchères très remarquée que la galerie Fischer avait organisée en 1939 avait contribué à resserrer encore les liens qui existaient déjà entre le marché suisse de l'art et l'Allemagne nazie. On relèvera d'une manière générale que le rôle joué par Fischer dans le commerce de l'art suisse était encore plus important qu'on le pensait. Il ressort cependant aussi de l'étude que l'importance de «l'art dégénéré» en Suisse doit être relativisée. A part la vente aux enchères ayant eu lieu en 1939 à Lucerne, vente qui a rapporté au Reich un demi million de francs suisses en devises, ce commerce n'a plus eu - en raison de la saturation du marché - qu'une importance secondaire (chap. 4.3). Dans le cadre de ce travail, l'ensemble des archives fédérales à Coblence a, pour la première fois, été examiné afin de déterminer combien d'objets provenant du marché suisse de l'art sont venus compléter les deux plus grandes collections nazies, à savoir celles de Hitler et de Göring (chap. 4.4 et 4.5). A l'exemple des liens existant entre les marchands suisses d'¦uvres d'art et le marché parisien des ¦uvres d'art, il a été possible de montrer le chemin emprunté par divers objets «aryanisés» pour arriver en Suisse (chap. 5.2).
L'étude traite enfin de la politique de restitution adoptée par la Suisse concernant les biens artistiques et culturels arrivés dans le pays (chap. 6). On y démontre que la législation suisse en matière de restitution - fortement influencée par le modèle britannique - a établi deux catégories de persécutés: celle qui comprend les personnes spoliées pendant la guerre dans les territoires occupés et celle qui englobe les personnes victimes des diverses mesures de la politique nationale-socialiste de spoliation sur le territoire de « l'Ancien Reich » pendant ou avant la guerre. La plus grande partie des biens spoliés retrouvée en Suisse par les Alliés - il s'agissait à deux exceptions près de tableaux et de dessins - a été restituée après la guerre. Les autorités chargées de l'enquête n'ont toutefois pas recherché de manière intensive d'autres objets volés. Les propriétaires suisses des tableaux spoliés ont tous été dédommagés par l'Etat pour la restitution des tableaux car leur bonne foi a été reconnue. Le dédommagement a pu avoir lieu grâce aux procès en restitution intentés devant la «Chambre des biens spoliés». La Confédération suisse a elle-même été entièrement remboursée de ses frais par la République fédérale d'Allemagne.
Il convient finalement de retenir que des indications quantitatives, sur la base des sources disponibles, ne peuvent être relevées que pour certains domaines du sujet traité. Il peut cependant être établi qu'au total plus de biens en fuite que de bien spoliés sont arrivés en Suisse. Il a d'autre part pu être prouvé que les biens en fuite ont été acquis tant par des musées que par des particuliers, mais que les biens spoliés ont majoritairement été achetés par des privés. La Suisse a surtout servi de plaque tournante vers des pays tiers pour les biens en fuite, alors que les biens spoliés, eux, sont souvent restés en Suisse.

Riassunto
Il presente studio esamina da un lato il ruolo svolto dalla Svizzera quale polo di scambi e transazioni commerciali di opere d'arte in epoca nazista, dall'altro gli eventi successivi e in particolare il modo in cui le autorità svizzere, nell'immediato dopoguerra, elaborarono, sul piano giuridico, quanto avvenuto fra il 1933 e il 1945. Al centro dell'interesse sono sia i proprietari dei patrimoni sia le altri parti in causa (commercianti, musei e collezionisti). L'indagine si concentra soprattutto sulle opere d'arte; molti suoi punti affrontano sì altre categorie di beni culturali, senza però poterne dare una trattazione approfondita.
La Svizzera fu piazza di trasbordo per beni depredati e beni in fuga dalla Germania nazista o dai territori sotto occupazione tedesca. Per «depredati» si intendono i beni culturali rapinati, confiscati o sottratti in altro modo dalle istituzioni naziste ai loro legittimi possessori. La nuova categoria dei «beni in fuga», introdotta appunto per questa ricerca, indica i beni culturali trasferiti in Svizzera dai legittimi proprietari nel tentativo di metterli al sicuro dagli interventi delle autorità naziste. Un altro gruppo esaminato - quello dell'arte bandita dal regime nazista perché «degenerata» - comprende opere che potevano giungere in Svizzera sia come beni depredati sia come beni in fuga.
Per la prima volta è stata studiata l'immigrazione in Svizzera di studiosi, commercianti e collezionisti d'arte provenienti dal Terzo Reich; con costoro finirono in territorio elvetico anche alcune collezioni, o almeno parti di esse. Rilevanti ai fini di questo studio sono una dozzina di commercianti tedeschi emigrati che, rifugiatosi e stanziatosi in Svizzera, vi portarono le proprie competenze e la propria professionalità. Dalla loro presenza sul mercato d'arte svizzero, inoltre, derivarono stretti rapporti con la Germania; in qualche caso è stato possibile mostrare che questi commercianti, fra cui anche alcuni ebrei, raggiunsero un'importanza considerevole nel loro settore, fungendo in un certo qual modo da anello di congiunzione fra le collezioni già sottratte - o rimaste ancora nei territori sotto controllo nazista - e il mercato d'arte svizzero (capitoli 2 e 3.2.2.3). Se responsabili della sottrazione di beni artistici e culturali nella Germania di allora furono soprattutto gli uffici centrali delle finanze (Oberfinanzpräsidien), i musei e la «Camera della cultura» (Reichskulturkammer), tuttavia il trasferimento dei beni sottratti non avvenne per il tramite di organi ufficiali o di funzionari del Reich, ma quasi esclusivamente a traverso il commercio d'arte. In Svizzera quest'ultimo restò pressoché privo di regolamentazioni legali fino a quando negli anni 1935, al 1938 e al 1944, i controlli varati allora, benché più restrittivi, servirono più a tutelare gli artisti autoctoni che a fare scattare indagini scrupolose sulla provenienza delle opere importate o esportate. Un certo effetto limitante ebbero anche le manovre di compensazione fra Svizzera e Germania, introdotte nel 1934, ma acquisti e vendite a mezzo clearing svolsero un ruolo piuttosto trascurabile rispetto alle permute, soggette anch'esse ad autorizzazione. A canto a questi canali di importazione ne esistevano altri: alcuni beni culturali entrarono in Svizzera anche grazie a punti franchi, a valigie diplomatiche, a operazioni di trasloco e al contrabbando (capitolo 3.1.2).
Quanto al comportamento dei maggiori operatori attivi sul mercato d'arte svizzero (musei, collezionisti e commercianti), si costata quanto segue: complessivamente i musei seguirono una linea di riserbo nell'acquisto di oggetti di dubbia provenienza, pur svolgendo un ruolo significativo in fasi successive (custodia e poi utilizzo in occasione di mostre). Tramite fondazioni e donazioni, tuttavia, opere di provenienza discutibile entrarono a far parte di fondi museali (capitolo 3.2.2.1). A differenza dei musei, certi collezionisti privati acquistarono beni in maggiore quantità e senza scrupuli, come è stato possibile mostrare nel caso di Emil G. Bührle (capitolo 3.2.2.2). Dei commercianti sono stati studiati i margini di manovra e, soprattutto nel caso dell'emigrato ebreo Fritz Nathan, le coercizioni a cui furono sottoposti (capitolo 3.2.2.3): Nathan, per esempio, non solo aiutò individui perseguitati dal regime nazista che volevano mettere in salvo le loro collezioni, ma consigliò e assisté anche musei tedeschi e svizzeri nelle loro operazioni di acquisto e di permuta.
Particolare attenzione è stata attribuita sia a una fiduciaria - la Fides, appartenente in maggioranza al Credito Svizzero - il cui ruolo sul mercato dei beni culturali finora non era stato preso in esame, sia a una galleria di Lucerna, la Fischer. A causa dei controlli sulle divise e al conseguente blocco dei conti in marchi, la Fides entrò attivamente nel mercato d'arte tedesco e riuscì, acquistando opere soprattutto per committenti che si trovavano in territori non soggetti al Reich, a esportare in tale forma dalla Germania una parte dei patrimoni bloccati, per poi trasformarla in divise (capitolo 3.2.3). La Fischer, casa d'aste che allora era la più grande della Svizzera, raggiunse un fatturato notevole scambiando lavori di impressionisti francesi, organizzando «aste di emigrati» e fungendo da mediatrice per opere destinate alla collezione di Hermann Göring e al «Führermuseum» di Linz, tutti aspetti specifici del mercato d'arte in epoca nazista (capitolo 3.2.4). Per quanto riguarda il commercio dell'arte «degenerata», lo studio mostra chiaramente che la notissima asta organizzata a Lucerna nel 1939 da questa galleria contribuì a creare intrecci più stretti fra il mercato d'arte elvetico e il Terzo Reich. Nel complesso va costatato che sulla piazza commerciale svizzera la Fischer ebbe un ruolo ancora più centrale di quanto ipotizzato finora, ma dallo studio risulta che l'importanza del commercio di arte «degenerata» in terra elvetica è da relativizzare: a parte l'asta lucernese del 1939, che apportò al Reich mezzo milione di franchi svizzeri in divise, in Svizzera tale commercio restò - per motivi di saturazione del mercato - soltanto marginale (capitolo 4.3). Per il presente lavoro i fondi dell'archivio federale di Coblenza sono stati vagliati alla luce di questo quesito: quanti oggetti d'arte provenienti dal mercato elvetico entrarono nelle due maggiori collezioni naziste, quelle di Hitler e di Göring (capitoli 4.4 e 4.5). L'esempio dei legami esistenti fra commercianti svizzeri e mercato d'arte parigino ha consentito, a sua volta, di mostrare l'iter che portò su suolo elvetico singoli oggetti «arianizzati» (capitolo 5.2). Lo studio affronta, infine, la politica della Svizzera in materia di restituzione dei beni artistici e culturali giunti nel paese (capitolo 6), mostrando che la legislazione elvetica, fortemente influenzata dal modello britannico, divideva i perseguitati in due classi: da un lato quelle che vennero derubate nelle zone sotto occupazione tedesca durante gli eventi bellici, dall'altro quelle che subirono i vari provvedimenti della politica di rapina nazista già prima del 1939 e durante l'intero periodo del «vecchio Reich». La massima parte degli oggetti d'arte depredati che gli Alleati scoprirono in Svizzera - quadri e disegni, salvo due eccezioni - venne restituita nel dopoguerra, ma le autorità inquirenti omisero di compiere indagini accurate su altri beni della stessa origine. Tutti i possessori svizzeri di quadri derubati furono riconosciuti - dopo i relativi processi, celebrati presso un apposito tribunale (Raubgutkammer) - in buona fede, e quindi risarciti dallo Stato per la loro restituzione. La Confederazione, a sua volta, si fece risarcire interamente dalla Repubblica federale tedesca le spese sostenute.
Va osservato, in chiusura, che le fonti disponibili consentono di ricavare dati quantitativi solo per filoni parziali della materia in esame. Si può però costatare che in Svizzera entrarono, nel complesso, non tanto beni depredati quanto beni in fuga; è stato possibile dimostrare, inoltre, che i secondi vennero acquistati sia da musei sia da privati, mentre i primi soprattutto da privati. Nel caso dei beni in fuga la Svizzera funzionò in misura maggiore da piattaforma di scambio verso paesi terzi, invece in quello dei beni depredati fu spesso la piazza di vendita definitiva.

Summary
This study deals with the role of Switzerland as an art dealing centre and conduit for cultural assets in the National Socialist period for one thing. For another it examines the events of the immediate post-war period and in particular the legal reappraisal made by the Swiss authorities in respect of the occurrences between 1933 and 1945. Attention focusses both on the owners of the assets as well as on those who exploited them, the dealers, museums and collectors. The study concentrates primarily on works of art; other categories of cultural assets are addressed in numerous places but could not be dealt with in detail.
Switzerland was a trade centre for looted assets and flight assets from Nazi Germany and the occupied territories. «Looted assets» are to be understood as cultural assets stolen, confiscated, or otherwise removed from their lawful owners by Nazi institutions. The new category, introduced in this treatise as «flight assets», refers to those cultural assets which were transferred to Switzerland by their lawful owners in an attempt to prevent them from being seized by the Nazi authorities. Also examined in this study is the group of «degenerate» art, art which was banned by the Nazi regime. This group comprises works that found their way into Switzerland either as looted assets or as flight assets.
The emigration of art historians, dealers and collectors from Nazi Germany to Switzerland is dealt with here for the first time. With these people, several collections - or at least parts of collections - found their way to Switzerland. This study puts some emphasis on the importance of about a dozen dealers who emigrated from Germany and then stayed in Switzerland. The flight and emigration of these specialists meant that a considerable amount of expertise entered Switzerland. Furthermore, the presence of these dealers on the Swiss art market resulted in close links being forged with Germany. In some cases it was ascertained that these art dealers, some of whom were Jews, played a very important role in the art trade of the time, as they simultaneously functioned as a link between the collections still remaining with or having already been taken from the owners in areas under Nazi occupation and the Swiss art trade (Chapters 2 and 3.2.2.3). Whereas it was mainly the Higher Regional Tax Authorities (Oberfinanzpräsidien), the museums and the Reich Chamber of Culture (Reichskulturkammer) that were responsible for the withdrawal of art and cultural assets in the Third Reich, removed goods were transferred not via official Nazi channels or civil servants, but almost exclusively through the art trade. There were hardly any legal provisions governing the art trade in Switzerland at the time, up until 1935, 1938 and 1944 when more restrictive controls were introduced. The latter, however, served more to protect Swiss artists rather than to provoke a thorough examination of the provenance of imported and exported works of art. The clearing transactions with Germany introduced in 1934 also brought about a certain degree of restriction, but the purchase and sale via the clearing system played a rather insignificant role compared with exchange transactions which, however, also had to be approved. In addition to these possibilities, cultural assets were also brought into Switzerland via bonded warehouses, diplomatic bags, the relocation of household goods and by smuggling (Chapter 3.1.2).
The following can be ascertained with regard to the conduct of the key players on the Swiss cultural assets market, i.e. the museums, collectors and dealers: when purchasing objects of dubious provenance, the museums generally adopted a cautious stance. However, they were significant as exploiters in terms of storage and subsequent utilization in exhibitions. Nevertheless, works of dubious origin found their way into their holdings via foundations and donations (Chapter 3.2.2.1). Compared with the museums, private collectors were considerably more eager to buy - and less critical - as can be seen in the case of the collector Emil G. Bührle (Chapter 3.2.2.2). The dealers are examined with regard to their scope for manoeuvre and, especially in the case of the Jewish immigrant Fritz Nathan, with regard to their predicament (Chapter 3.2.2.3). He not only helped victims of National Socialist persecution who wanted to remove their collections to a safe location, but also advised and gave support to German and Swiss museums in their purchasing and exchange activities.
Particular attention has been paid to the Fides fiduciary association, whose majority owner was Credit Suisse (Schweizerische Kreditanstalt) and whose role on the cultural assets market has so far not been examined, and to the Lucerne-based Galerie Fischer. Following the introduction of currency controls and the resulting frozen accounts, Fides became a player on the German art market and was able to export some of the frozen assets from Germany in the form of works of art and subsequently convert them into foreign currency, in particular on behalf of persons outside the Nazi-controlled territories (Chapter 3.2.3). Galerie Fischer, the largest auction house in Switzerland at the time, generated substantial turnover by barter deals in French impressionists, organising «emigrant auctions» and mediating the transfer of works to the Hermann Göring collection and the «Führermuseum» in Linz, Austria, all of which were features of the art trade specific to the Nazi period (Chapter 3.2.4). As regards the trade in «degenerate art», the study clearly shows that the well-respected auction held in Lucerne by Galerie Fischer in 1939 helped establish closer links between the Swiss art market and Nazi Germany. Overall, it should be pointed out that Fischer's role was of greater importance to Switzerland as an art-trading centre than has been assumed to date. However, the study also reveals that the importance of trade in «degenerate art» in Switzerland must be seen in context. Apart from the auction in Lucerne in 1939, which brought the Reich half a million Swiss francs in foreign currency, trade in «degenerate art» was only a peripheral activity in Switzerland, for reasons of market saturation (Chapter 4.3). This study has for the first time examined the holdings of the Federal Archive in Koblenz, Germany, to determine how many objects from the Swiss art trade found their way into the two biggest Nazi collections, those of Hitler and Göring (Chapter 4.4 and 4.5). The example of the links between Swiss art dealers and the Paris art market shows the route taken by individual «aryanized» objects into Switzerland (Chapter 5.2).
Finally, the study deals with Swiss policy on the restitution of works of art and cultural assets that had found their way into Switzerland (Chapter 6). It shows that the Swiss restitution legislation - heavily influenced by the British model - divided the persecuted into two classes: those who were robbed during the war in the occupied territories and those subjected to the various measures of the Nazi despoliation policy prior to 1939 and during the entire Nazi period in the «Old Reich». The major part of the looted works of art found in Switzerland by the Allies - all paintings and drawings but for two exceptions - were restituted after the war. However, the investigating authorities did not proceed to search intensively for additional looted objects. All the Swiss owners of looted paintings were compensated by the government as part of the legal proceedings conducted before the Chamber of Looted Goods (Raubgutkammer), as they were deemed to have acted in good faith; the Confederation, on the other hand, had itself reimbursed by the Federal Republic of Germany for all the costs incurred.
In conclusion, it should be pointed out that, owing to the limited sources available, it was possible to provide quantitative information only in certain areas. What can be ascertained, however, is that more flight assets than looted assets found their way into Switzerland. The study also determined that flight assets were acquired by both museums and individuals, but that looted assets were rather acquired by individuals. Switzerland functioned to a greater extent as a conduit for flight assets on their way to third countries, while looted assets often remained in Switzerland.