Ordnung, Moral und Zwang / Ordre, morale et contrainte

Administrative Versorgungen und Behördenpraxis / Internements administratifs et pratique des autorités

Texte deutsch, französisch

Veröffentlichungen der Unabhängigen Expertenkommission Administrative Versorgungen, Band 7
Gebunden
Erscheint im Juni 2019.
ISBN 978-3-0340-1517-2
ca. CHF 58.00 / EUR 58.00 
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Soziale Risiken waren in der Schweiz lange Zeit nicht ausreichend versichert. Ein Teil der Bevölkerung blieb im Bedarfsfall vom Ermessen der Fürsorge- und Vormundschaftsbehörden abhängig. Besonders arbeitslose, kranke oder verarmte Personen wurden in geschlossene Anstalten eingewiesen statt finanziell unterstützt. Die gesetzlichen Grundlagen ermöglichten es, solche administrativen Versorgungen mit «Arbeitsscheu», «Liederlichkeit» und «Trunksucht» zu begründen. Mit diesen moralisierenden Kategorien wiesen die Behörden die Schuld für die Versorgungen den Betroffenen zu. In den untersuchten Kantonen Freiburg, Schwyz, Waadt und Zürich gaben sie ausdrücklich an, mit den getroffenen Massnahmen Personen zu disziplinieren und zu bestrafen. Nicht selten vom nahen Umfeld angeregt, stabilisierten Versorgungen eine hierarchisch-patriarchale Gesellschaftsordnung, die Männern in der Ehe die Rolle des Ernährers zuwies und Frauen die der Hausfrau und Mutter. Dass diese Verfahren keinen Erfolg garantierten, die Gewaltenteilung bei ihrer Anordnung mitunter missachtet und teilweise nicht einmal ein Rekurs gegen die Entscheide vorgesehen war, wurde von einzelnen Verantwortlichen zwar kritisiert, doch selbst das Bundesgericht stellte die administrativen Versorgungen im Grundsatz nicht infrage. Die Kantone beharrten auf dieser Möglichkeit, ins Leben ihrer Bürger einzugreifen, statt deren Persönlichkeitsrechte zu schützen. Erst die Ratifikation der Europäischen Menschenrechtskonvention, die ab 1974 auch in der Schweiz angewendet wurde, führte zu einem Umdenken.


ist Historikerin. Nach der Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin der UEK Administrative Versorgungen arbeitet sie seit 2019 an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Geschichte fürsorgerischer Zwangsmassnahmen in der Schweiz.


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ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Integration und Partizipation der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten und forscht zur Geschichte der Sozialen Arbeit, der Psychiatrie und des Kindes- und Erwachsenenschutzes. Sie war Forschungsleiterin der UEK Administrative Versorgungen.


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war von 2011 bis 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Departement Geschichte der Universität Basel und von 2016 bis 2018 der UEK Administrative Versorgungen. Sie schreibt an einer Dissertation zur Migrationsgeschichte des Kantons Basel-Stadt nach 1960.


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a étudié l’histoire contemporaine à Neuchâtel et à Montréal. Son travail de mémoire portait sur l’internement administratif dans le Canton de Neuchâtel. Il était collaborateur scientifique de la CIE internements administratifs.


studierte Soziologie und Philosophie (M. A.) an den Universitäten Basel, Freiburg im Breisgau, Paris und Zürich und war wissenschaftlicher Mitarbeiter der UEK Administrative Versorgungen.


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studierte Geschichte, Germanistik und Gender-Studies in Bern. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter der UEK Administrative Versorgungen.


ist Dozentin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Departement Soziale Arbeit, Institut für Kindheit, Jugend und Familie. Sie forscht zur Geschichte des Sozialstaats, der Sozialen Arbeit und des Kindes- und Erwachsenenschutzes. Sie war Forschungsleiterin der UEK Administrative Versorgungen.


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Der Bundesrat beauftragte Ende 2014 eine unabhängige Expertenkommission (UEK) mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der administrativen Versorgungen in der Schweiz vor 1981. Dazu gehörten insbesondere die Auseinandersetzung mit der Perspektive von Betroffenen und Opfern sowie die Analyse staatlicher Interventionen und behördlichen Handelns. Die UEK sollte dabei auch die Bezüge zu allen anderen fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen berücksichtigen. Die Kom­mission veröffentlicht ihre Forschungserkenntnisse in neun Monografien sowie einem Synthesebericht zuhanden des Bundesrates.

Die UEK Administrative Versorgungen wurde interdisziplinär zusammen­gesetzt: Sie besteht aus neun Mitgliedern, hauptsächlich Historikerinnen und Historiker, aber auch aus Vertreterinnen und Vertretern der Sozialwissen­schaften, der Psychiatriegeschichte/Psychiatrie und der Rechtswissenschaften.