Jazz in der Schweiz
Geschichte und Geschichten
Gebunden
2005. 464 Seiten, 136 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-0739-9
CHF 29.80 / EUR 26.00 
  • Kurztext
  • Autor/in
  • Einblick
  • In den Medien
In unseren Nachbarländern ist die Geschichte des einheimischen Jazz weitgehend aufgearbeitet. In der Schweiz bestehen zwar einige wertvolle Materialsammlungen, ein zusammenfassendes Werk zum Thema fehlte bisher. Wichtige Vorarbeiten wurden geleistet durch die Jazzausstellungen von 1976 und 1993 sowie durch einige Publikationen über Einzelaspekte und einzelne Zeiträume. Seit 1973 ist keine Diskografie des Schweizer Jazz mehr nachgeführt worden, und die Forschung über die frühen Formen des Schweizer Jazz beschränkt sich auf eine Broschüre.
Jazz entsteht nicht im luftleeren Raum. Wie jede andere künstlerische Tätigkeit ist er eingebettet in die Mentalitätsgeschichte seiner Zeit. Zudem wurde der Begriff «Jazz» im Laufe der Zeit immer wieder anders interpretiert. Dies ist zu berücksichtigen, wenn man über die Entwicklung in einem Land schreibt, das in der Jazzgeschichte eine periphere Rolle einnimmt, aber dennoch einige Persönlichkeiten hervorgebracht hat, die international Bedeutung gewonnen haben.
Entstanden ist ein Buch, das die Geschichte des Schweizer Jazz von 1920 bis heute beschreibt. Es ist leicht zu lesen, manchmal amüsant, und es versucht, anhand von persönlichen Erinnerungen den «Groove» des Jazz zu vermitteln, aber auch das geistige Umfeld zu berücksichtigen.
Dem Buch beigefügt ist eine CD-ROM, die einerseits eine von Arild Widerøe
erarbeitete Diskografie des Schweizer Jazz seit seinen Anfängen, andererseits Biografien von mehreren hundert Jazzmusikern und Jazzmusikerinnen der Geschichte und Gegenwart in der Schweiz enthält. Auf der CD-ROM finden sich zudem ausführliche Rechercheresultate aus dem Projekt.
Die Arbeit ist das Resultat eines Forschungsauftrags der Abteilung Jazz und des Institutes Forschung und Entwicklung der Musikhochschule Luzern, der von Mitte 2002 bis Mitte 2005 lief.





Bruno Spoerri (geb. 1935) Studium der Psychologie, dann Wechsel zur Berufsmusik: viele Filmmusiken, Spezialisierung in elektronischer Musik und Computermusik. Als Saxofonist bekannt seit 1954, Zusammenarbeit u. a. mit George Gruntz, Hans Kennel, Albert Mangelsdorff, Reto Weber, Christy Doran. Zeitweise als Journalist tätig für NZZ, Die Woche, diverse Fachzeitschriften. Unterrichtete bis 2004 in Luzern Jazzgeschichte.

Bücher im Chronos Verlag


Aufsätze im Chronos Verlag

Inhalt
THEMA: SCHWEIZER JAZZ IM LÄNGSSCHNITT - DIE GESCHICHTE
Frühe Kontakte - von der «Tschetzpend» zum Jazz
Swing in Switzerland - die Jazztanzorchester
Hey! Ba-Ba-Re-Bop kontra Tiger Rag - neue Töne nach dem Zweiten Weltkrieg
Jazz als Musik der Jugend - die Glanzzeit der Schweizer Amateure
Free Jazz - vom Abwerfen harmonischer und rhythmischer Fesseln
Jazzrock - der Umbruch der sechziger Jahre
Electric Jazz - von der Hammondorgel zum Laptop
Jazz in der Schweiz heute - Gang durch die Institutionen und ein Stück Akzeptanzgewinn

VARIATIONEN: EINIGE JAZZSZENEN - DIE LOKALGESCHICHTEN
Zürich als Jazzbühne - die goldenen fünfziger Jahre des Amateurjazz
Java, Atlantis und Fasnacht - Jazz in Basel
Jazz in Bern - zwischen Tradition und Aufbruch
Vom Jazzkeller zur Bohemia - die Pionierphase des Jazz in Glarus Ende der fünfziger Jahre
Jazz im Kanton Tessin - fast ein Familienalbum
Von Aubert bis Zufferey - sechzig Jahre Jazz in Genf, Neuenburg und Lausanne
Notizen zum neueren Jazz und zur Kulturpolitik in der Westschweiz

REPRISE: SCHWEIZER JAZZ IM QUERSCHNITT
Jazz, die Ahnung einer globalen Heimat
«Authentischer» und «Pseudojazz»
Vom Beromünster-Mix zum DRS-2-Format
Vom Autodidakten zum Professor an der Fakultät Jazz
Von den Swiss Ladies zu Lily Horn - Frauen im Schweizer Jazz
Zunehmende Konzentration - ein Querschnitt durch die Festivallandschaft
Vom Zitat zur Legierung - das langsame Zusammenwachsen von Jazz und Kunstmusik
Der Gang um die Welt oder die lange Heimkehr - kleiner Versuch über Jazz und Volksmusik
Zwölf Meinungen zu Jazz und Volksmusik

Pressestimmen
«überfällig, verdienstvoll und insgesamt sehr gelungen. […] gut und farbig geschrieben und detailreich. Erhellendes und Amüsantes, Vertiefendes und Beiläufiges zu einer Musik, die die kulturelle Schweiz des zwanzigsten Jahrhunderts mitprägte.» Aargauer Zeitung

«Nicht nur der Inhalt überzeugt, amüsiert und regt Nostalgie und Nachdenken an, auch die Form ist übersichtlich, verständlich und logisch. Eine solche Publikation hat der Musikszene sowie allen Jazz-Interessierten gefehlt. […] Fazit: Besser hätte man dieses Buch nicht machen können.» Jazz’n’more

«Dieses Buch war schon lange fällig!» NZZ

«Jazz in der Schweiz» vermittelt wichtige Einblicke in eine weitgehend unbekannte Szene, die inzwischen aber in ganz Europa für Beachtung gesorgt hat. Ein lesenswertes, kompetent verfasstes Lesebuch, das auch als Nachschlagewerk taugt.» Jazz Zeitung

«Spoerris Buch schliesst endlich eine viel zu lange bestehende musikjournalistische Lücke.» Basler Zeitung
Besprechungen
Korrekt und nützlich Eine Jazzgeschichte der Schweiz Dieses Buch war schon lange fällig: Wer durch die Bibliographie des neuen, über 450 Seiten dicken Buches «Jazz in der Schweiz» blättert, findet zwischen Biografien, regionalen Jazzgeschichten und Jubiläumsschriften kaum eine Gesamtschau. Und man muss schon tief in die siebziger Jahre zurückgehen, um auf jene nationalen Jazzgeschichten zu stossen, die von der Pro Helvetia herausgegeben wurden. Damals befand sich der Schweizer Jazz im Umbruch: Die Jazzschulen hatten ihren Lehrbetrieb aufgenommen, und aus einer lebhaften Amateurszene hatte sich eine breite Gilde von Berufsmusikern herausgebildet, deren bekannteste Namen seither weltweit ein Begriff sind. «Jazz in der Schweiz», vom Musiker und langjährigen Jazz-Dozenten Bruno Spoerri als Resultat eines Forschungsauftrags der Luzerner Musikhochschule herausgegeben, beschreibt diese neueren Entwicklungen im Schweizer Jazz sozusagen von innen heraus: Nicht nur der Herausgeber, auch die meisten Autorinnen und Autoren des Buches haben die Jazzszene in den letzten Jahrzehnten als Musikerinnen und Journalisten begleitet. Eine Tatsache, der «Jazz in der Schweiz» mit dem Untertitel «Geschichte und Geschichten» offenbar Rechnung tragen will: Nicht nur soll das Buch mit einem ausführlichen historischen Teil den Anspruch eines Standardwerkes erfüllen; auch versucht es immer wieder, eine Art Oral History der Altvorderen zwischen seinen Deckeln einzufangen. Eine CD-ROM dient zudem als biografisches und diskographisches Lexikon, weist allerdings, wie Bruno Spoerri im Vorwort zugibt, auch Lücken auf. «Gelegentlich schien es», schreibt er, «als sei schon das Geburtsdatum oder der Geburtsort ein persönliches Geheimnis.» Der Chic des Nonkonformismus scheint offenbar auch in den kanonisierten Jazzkreisen bestens erhalten. Die Geschichte des Jazz in diesem Land erzählt «Jazz in der Schweiz» zunächst in acht jeweils einer Ära, sodann in sieben je einer Region gewidmeten Kapiteln. Diese Texte sind wenn gelegentlich im Stil auch etwas spröd, so doch kompetent und umfassend, und sie ermöglichen lesenswerte Einblicke auch in Ecken des Schweizer Jazz, in die nur selten Licht fällt: So schreibt Andreas Knecht über helvetische Pioniere der elektronischen Musik, Werner Fischer-Tian führt die Glarner Jazzrebellen der fünfziger Jahre vor, und Bruno Spoerri erzählt, wie der Jazz vor dem Zweiten Weltkrieg in den noblen Hotels von St. Moritz oder Montreux Fuss fasste - den englischen und amerikanischen Touristen zum Dank. Im dritten Teil, der im Mantel einer Forschungsarbeit den Jazz etwas freier und süffiger angehen wollte, schwächelt das Buch. Die Themenwahl dieser Essays wirkt nicht sehr inspiriert, und so eintönig wie die Textform ist auch die Manier, die ausufernden Themen («Frauen im Jazz», «Jazz im Radio») in einer auf Vollständigkeit bedachten Vogelschau zu behandeln. Lieber hätte man sich an dieser Stelle des Buches einen feissen Happen erzählter Geschichte gewünscht - fokussiert auf abwegige Schauplätze oder unerhörte Biografien, auf vergessene Schallplatten oder unvergessliche Soli. - So ist «Jazz in der Schweiz» zwar korrekt und nützlich. Aber nicht gerade free. Christoph Fellmann Bruno Spoerri (Hrsg.): Jazz in der Schweiz. Geschichte und Geschichten. Chronos-Verlag, Zürich 2005. 459 S., Fr. 58.-. Neue Zürcher Zeitung FEUILLETON Donnerstag, 08.12.2005 Nr.287 42 Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der NZZ (c) 1993-2006 Neue Zürcher Zeitung AG