Beraten – bewegen – bewirken

Zürcher Frauenzentrale, 1914–2014

Herausgegeben von der Zürcher Frauenzentrale

Broschur
2014. 256 Seiten, 152 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1232-4
CHF 38.00 / EUR 38.00 
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Als der Erste Weltkrieg ausbrach, machte nicht nur die Armee ­mobil, auch die grossen Frauenverbände mobilisierten. Sie riefen die Frauenorganisationen auf, sich lokal zusammenzuschliessen und sich aktiv an der Bewältigung der Kriegsfolgen zu beteiligen. In der Stadt Zürich gelang es, wichtige Akteurinnen zum Mitmachen zu motivieren. Aus dem kriegsbedingten Zusammenschluss entstand ein paar Monate später die Zürcher Frauenzentrale.
Zunächst als Zusammenschluss bestehender Frauenorganisationen geschaffen, um Nothilfe zu leisten, konstituierte sich die Frauenzentrale 1916 als einen auf Dauer angelegten Verein. Dieser sollte ein Dach bilden für Frauenorganisationen und interessierte Einzelmitglieder «zur Förderung gemeinsamer Interessen». Bis in die 1940er Jahre rekrutierte die Frauenzentrale ihre Mitglieder vor allem in der Stadt Zürich. Danach entwickelte sie sich mehr und mehr zu einem kantonalen Dachverband. Wie es für die bürgerliche Frauenbewegung typisch war, engagierten sich die Frauen im sozialen Bereich: Sie organisierten Krisenhilfe, gründeten Institutionen und entwickelten neue Beratungsangebote. Ihre politischen Ziele reichten von der Einführung des obligatorischen Hauswirtschaftsunterrichts bis zum Kampf um das Frauenstimmrecht.
Die Geschichte der Zürcher Frauenzentrale gibt Einblick in die Mikro­strukturen der bürgerlichen Frauenbewegung. Im Zentrum stehen Projekte, Themen und Positionen, mit denen sich die Frauen­zentrale befasste, teils in Zusammenarbeit mit anderen Frauen­organisationen oder mit Behörden, teils in Abgrenzung von ihnen. Sie bleibt dabei immer auch als Akteurin im jeweiligen historischen Kontext, insbesondere in der Zürcher sowie der schweizerischen Frauenbewegung, verortet.


studierte Geschichte und Ethnologie an der Universität Zürich. Sie ist in verschiedenen Feldern von Public Health, insbesondere in der Gesundheitsförderung und Prävention, seit 2009 als frei-schaffende Public-Health-Expertin und Historikerin tätig.


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studierte Geschichte und Kunstgeschichte an den Universitäten Bern und Zürich. Ihre Schwerpunkte als freischaffende Sozialwissenschafterin sind Bildung, Gleichstellung und Soziales.


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Inhalt

|1_ Mobilmachung der Frauen
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs | Ein Aufruf an die Schweizer Frauen | Falsche Einschätzungen | Eine Vorstandssitzung im September 1914 |
Erfahrene Vorstandsmitglieder | Die Zürcher Frauenorganisationen
um 1914 | Enge Verbindungen zum Bund Schweizerischer Frauenvereine |
Die Mobilisierung gelingt |

| 2_ Mützen- und andere Kommissionen
Im Dienste der Armee | Heimarbeit ist lebensnotwendig | Männer planen, Frauen führen aus | Kochrezepte, Kochkisten und Kakao | Gemüsebaukurse |­ Armenpflege | Der Elan lässt nach |

| 3_ Ein Neuanfang und ein neuer Name
Pläne für eine Frauenzentrale | Die Gründungsversammlung | Die Vereinsorgane | Das Herzstück der Frauenzentrale | Die ersten Projekte | Wechselnde Standorte | Statutarische und organisatorische Veränderungen | Pionierinnen |

| 4_ Die Mitglieder der Frauenzentrale
Die Kollektivmitglieder der ersten Jahre | Die Landvereine | Konfessionelle und parteipolitische Vereine | Die Kollektivmitglieder heute | Einzelmitglieder | Die Ehemänner | Herkunft und Heirat bestimmen die gesellschaftliche Stellung | Neue (un)genutzte Möglichkeiten | Motive für den Beitritt | Ein Blick auf die Gegenwart | Wandel bei den Mitgliederbeständen |

| 5_ Klassenverständigung statt Klassenkampf
Der Landesstreik von 1918 | Klassengegensätze überwinden | Dank an die Behörden | Geschlechterkampf oder Klassenkampf? | Die Arbeiterinnenvereine lösen sich auf | Wachsende Not und Marktrevolten | Frauendemonstration vor dem Zürcher Kantonsrat | Anhörung der Demonstrantinnen | Frauenversammlung im Glockenhof | Unvereinbare Gegensätze | Frauengruppen zur sozialen Verständigung | Konfrontation mit der Klassenfrage |

| 6_ Soziale Werke
Personelle Verflechtung zwischen Sozialer Frauenschule und Frauenzentrale | Die Soziale Frage | Erste Fürsorgekurse | Pionierinnen gesucht | Krisenhilfe im Ersten Weltkrieg | Das Notspital Münchhalden | Vermittlung von freiwilligen Hilfskräften | Wärme- und Nähstuben | Selbsthilfe und Verdienst für arbeitslose Frauen | Eine Stube für ältere Frauen | Abtreibungsfrage und Beratung von schwangeren Frauen | Widerstand gegen den Film «Frauennot – Frauenglück» | Gründung des Vereins Mütterhilfe | Mütterschule auf Erfolgskurs | Die Frauenzentrale und ihre sozialen Werke |

| 7_ Beruf Hausfrau
Die obligatorische hauswirtschaftliche Fortbildung | Die Bedeutung der Hauswirtschaft im Ersten Weltkrieg | Frauen in der Pflicht | Beruf Hausfrau | Das Obligatorium wird begraben | Das duale Geschlechtermodell | Die Dienstbotenfrage | Vermittlung von Dienstlehrstellen | Ein Normalarbeitsvertrag für Dienstmädchen | Hauswirtschaftliche Bildung als Arbeitslosenfürsorge | Mütter der Nation | Dienst an der Heimat | Bedeutung der Hauswirtschaft |

| 8_ Einsatz für den Frieden
Geistige Landesverteidigung | Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit | Die Haltung zum Völkerbund | Rund um die Genfer Abrüstungskonferenz | Eine «réunion toute privée» mit Folgen | Aufruf zum 1. August 1933 | Frontenherbst in Zürich | Programm der Schweizer Frauen | Schwierige Nachfolge | Wie viel Politik darf sein? | Luftschutz und Wehranleihe | Flüchtlingshilfe | Im Zweiten Weltkrieg | Die Frauenzentrale als politische Akteurin |

| 9_ Erwerbsarbeit der Frauen
Frauenerwerbsarbeit im 20. Jahrhundert | Pionierarbeit| Doppelverdienerinnen | Politische Vorstösse | Das Ernährer-Hausfrau-Modell  | Die SAFFA und das Dreiphasenmodell | Die Frau in zwei Welten | Sichtbarer Wandel | «KickOff» Laufbahnberatung | Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit | Noch sind nicht alle Forderungen erfüllt |

| 10_ Der lange Weg zum Frauenstimmrecht
Der Marsch nach Bern | Der Bundesrat schubladisiert Vorstösse | Erste kantonale Vorlagen in Zürich | Niederlagen in der Zwischenkriegszeit | Verfassungsänderung oder Neuinterpretation der Verfassung? | Unterstützung von falscher Seite | Mitten im Kalten Krieg | Die erste eidgenössische Vorlage | Fordern statt bitten | Endlich am Ziel |

| 11_ Die neue Frauenbewegung
Eine neue Generation tritt auf | Die FBB organisiert sich | Das Private ist politisch | Am Aufbau des Staatswesens mithelfen | Kongress und Antikongress | Der Schwangerschaftsabbruch wird Thema | Gegenvorschlag und neue Volksinitiative | Das Problem ist nicht gelöst | Eine Lösung wird gefunden | Gewalt gegen Frauen | «Wer schlaat, gaat!» | Langsam sich verändernde Fronten |

| 12_ Rechtliche Gleichstellung
Die Krise der bürgerlichen Frauenbewegung nach 1971 | Partnerschaft als Losung | Der Frauenkongress von 1975 | Die Initiative «Gleiche Rechte für Mann und Frau» | Erfolgreicher Abstimmungskampf | Das neue Eherecht | Die mündige Frau | Die Rechtsberatung ist ein Erfolg | Formelle und tatsächliche Gleichstellung |

| 13_ Die aktive Staatsbürgerin
Die Frauenvereine verlieren Funktionen und Mitglieder | Die Bülacherinnen lancieren eine neue Idee | Frauenpodien sind ein Erfolg | Das Kurswesen wird ausgebaut | Mentoring-Programm für den politischen Nachwuchs | Wählen und gewählt werden | Wahlempfehlungen sind ein heikles Geschäft | Frauenquoten: ein heisses Eisen | Ein Drittel ist nicht genug | Netzwerke pflegen | Politische Frauenförderung |


Pressestimmen

«Das äusserst sorgfältig gestaltete Buch erweist sich gleichermassen als kritische Analyse, wertvolle Dokumentation sowie angemessene Würdigung von 100 Jahren Beraten, Bewegen und Bewirken.»

Neue Zürcher Zeitung, 21. Oktober 2014, Elisabeth Joris

«Zum Jubiläum haben die Frauen eine grossartige Dokumentation herausgegeben: ‹Beraten Bewegen Bewirken›. 250 Seiten reich bebilderte Geschichte des Kampfes gegen Entrechtung und für Menschenwürde.»

EMMA, 5. Juni 2014

«Sie vollbringen mit ihrer reichhaltig mit Quellen bebilderten Untersuchung nicht nur eine historische Würdigung der Zürcher Frauenzentrale, sondern leisten darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegungen seit dem frühen 20. Jahrhundert. [...] Die Publikation liefert aber nicht nur eine Perspektive auf die Geschichte der Frauenzentrale im Besonderen, sondern auch auf das – karitative – frauenpolitische Engagement im Allgemeinen. [...] Die Publikation liefert einen differenzierten Einblick in die spezifische Entwicklung des frauenrechtlerischen und feministischen Engagements in der Schweiz und steht gleichzeitig exemplarisch für die Entwicklung der Frauengeschichte in der Schweiz. [...] Die Stärke der Arbeit liegt zweifellos in der mikrohistorischen Rekonstruktion frauenpolitischen Engagements im Kontext gesellschaftspolitischer Debatten über einen Zeitraum von 100 Jahren.»

Traverse, Zeitschrift für Geschichte, 2/2015, Leena Schmitter