Cortison
Geschichte eines Hormons, 1900–1955
Interferenzen – Studien zur Kulturgeschichte der Technik, Band 18
Broschur
2012. 2. Auflage 2014.
280 Seiten, 11 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1115-0
CHF 38.00 / EUR 34.00 
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Wie kam es dazu, dass ein Hormon zur Therapie einer Reihe chronischer Krankheiten eingesetzt wird? Dieses Buch zeichnet die Konstellationen und Problemlagen nach, die das Entstehen von Cortison ermöglicht haben: das Aufkommen der Hormontheorie um 1900, die Ersatztherapie der Zwischenkriegszeit, die Vision optimierter Körper im Zweiten Weltkrieg und die These der Adaptationskrankheiten in der Nachkriegszeit. Während eines halben Jahrhunderts Hormonforschung, die vom chemischen Labor zur Luftwaffe und von der Klinik zu Expeditionen im afrikanischen Urwald führte, haben sich nicht nur die Substanzen verändert, sondern auch die Vorstellungen von Krankheit, Gesundheit und Therapie.

hat in Zürich und Hamburg Sozial- und Wirtschafts­geschichte, Volkskunde und deutsche Sprachwissenschaft studiert und ist seit 2007 Assistentin an der Professur für Technikgeschichte der ETH.


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Inhalt
Einleitung

Ein widerspenstiger Gegenstand
Wissen und Latenz
Totaler Wandel
Historische Perspektiven
Quellen und Aufbau


1. Fördern und hemmen: Visionen hormoneller Steuerung

Organische Extrakte
Vom nervösen Reiz zur chemischen Regulierung
Naturstoffe und eine Neukonfiguration der scientific medicine
Die Chemie des Lebendigen
Krankheit als Systemfehler und ein erstes Hormon
Morbus Addison und das Problem der Nebennieren
Divergenzen
Individualismus und Solidarität
Zusammenfassung und Ausblick


2. Mangel und Ersatz: Vom Extrakt zum synthetischen Molekül

Ein Organ, mehrere Funktionen
Archibald Muirhead: ein therapeutisches Exempel
Kooperationen
Cortin zwischen Schlachthaus, Hochschule und Industrie
Auftrennen im Winter
Standardisierte Ratten und Hunde
Klassifizierung und Konflikte
Substanzen in der vertraglichen Grauzone
Percorten: ein erstes synthetisches Hormon
Zusammenfassung und Ausblick


3. Stress und Resistenz: Optimierung des exponierten Körpers

Die unbedeutenden Hormone rücken ins Rampenlicht
Adaptation und Homöostase: Körper im Gleichgewicht
Schock und Voodoo: Körper im Ausnahmezustand
Hormone zwischen physiologischer Theorie und Pharmapolitik
Kriegsforschung
Stress im Cockpit
Biologisches Engineering und relative Nebenniereninsuffizienz
Zusammenfassung und Ausblick


4. Normalisierung und Kontrollverlust: Cortison als ambivalente Droge

Überforderte Körper und chronische Krankheiten
Cortison und Knappheit
Von Rindergalle zu Pfeilgift aus Afrika
Unterwegs in botanischer Mission
Yams aus Mexiko und Sisal aus Ostafrika
Baufragen in Zeiten prognostischer Unsicherheit
Das Normale und das Pathologische
Zusammenfassung


Schlussbemerkungen

Pressestimmen
«Spätestens dann, wenn man liest, dass Harry S. Truman die Hand über eine Afrikaexpedition zur Beschaffung von Rohstoffen für die Cortisonsynthese hielt und dass dessen Herstellung von höchster Stelle die Bedeutung des Atombombenprojekts beigemessen wurde, wird deutlich, wie viel dem Leser gut recherchierte Wissenschaftsgeschichte zu bieten hat. In diesem Fall ist es die von Lea Haller vorgelegte Studie über die Geschichte des Cortisons.» Martina Lenzen-Schulte, Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Lea Haller’s book, based on her PhD dissertation, is a concise study of a highly demanding, complex topic. To take up this challenge required intellectual curiosity and considerable courage. The author needed the ability to work with new approaches in the history of knowledge, science and medicine in an analytical and critical manner. Haller has met these challenges impressively, and it is probably no exaggeration to call this study ‘path breaking’, certainly an unusual praise for a book based on a dissertation." Hans-Joachim Braun, ICON

«This is a convincing book, illustrating the challenges of writing the history of a medical discovery.» Carsten Timmermann, Gesnerus

«L'ouvrage de Lea Haller ouvre la voie pour interroger d'autres récits fondateurs et leur apparente cohérence. On ne peut qu'espérer qu'il soit bientôt traduit en d'autres langues.» Nils Kessel, Traverse

«Haller erzählt die Geschichte eines Medikaments, das ‹niemand geplant, ersehnt oder erfunden hat›, und das macht sie auf knappen 270 Seiten vorbildlich. ‹Cortison› […] gehört zu den erfrischendsten Highlights der deutschsprachigen Wissenschaftsgeschichte der letzten Jahre: tiefgründig und zugleich spannend geschrieben.» Alexander von Schwerin, H-Soz-u-Kult

Die in dieser Reihe erscheinenden Studien untersuchen technische und wissenschaftliche Entwicklungen in der Neuzeit. Sie fragen nach dem historischen Entstehungskontext und gehen der Frage nach, inwiefern verschiedene soziale Gruppen diese technischen Entwicklungen als Möglichkeit sozialen Wandels wahrgenommen, ausgehandelt und bisweilen genutzt oder vergessen haben. Der Ansatz erlaubt es, Innovationen als technisch und gesellschaftlich voraussetzungsreiche Prozesse zu verstehen und zu erklären.