Die Ingenieurs-Trilogie
Das Gerüst – Die Fliegenfalle – Der Kiosk
Herausgegeben von Elio Pellin und Rudolf Probst
Schweizer Texte, Neue Folge
2007. 666 Seiten
ISBN 978-3-0340-0867-9
CHF 78.00 / EUR 47.80 
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Als Schriftsteller ist Hans Boesch (1926–2003) zeitlebens ein Geheimtipp geblieben. Dass Boesch ungeachtet seines literarischen Rangs nie ganz im Zentrum des Literaturbetriebs stand, ist nicht zuletzt eine Folge davon, dass er seinen Beruf als Ingenieur, Planer und Siedlungsforscher nie zugunsten des Schreibens aufgeben wollte. Gerade aber dieses Nebeneinander von Ingenieurberuf und Literatur, die Faszination am Geometrischen und Technischen einerseits und sein sinnliches, lebendiges und erotisches Erzählen andererseits machen eine Qualität von Boeschs Werken aus. Besonders deutlich ist dieses Nebeneinander in Boeschs seit langem vergriffenen Romanen, die er selbst als seine Ingenieurs-Trilogie bezeichnet hat. «Das Gerüst» (1960), «Die Fliegenfalle» (1968) und «Der Kiosk» (1978) bestechen nicht nur durch ihre unbestrittene literarische Qualität, sondern auch als Zeitdokumente. Sie schildern lebendig und plastisch die letzte Phase des vorindustriellen Lebens auf dem Land und zeigen die Nähe von Ingenieurkunst und Kriegshandwerk oder die Lebensfeindlichkeit euphorisch-technokratischer Zukunftsentwürfe auf.
Er müsse jemandem ein Denkmal setzen können, hielt Boesch einmal fest. Dann beginne eine Geschichte für ihn zu leben. In den beiden Romanen «Das Gerüst» und die «Fliegenfalle» erinnert er an die oft rau erscheinenden Männer auf den Baustellen, die dem Ingenieur Boesch immer wichtig waren. «Der Kiosk» trägt auch als 400 Seiten starker Roman noch die Züge der Groteske, aus der er entstanden ist. In fulminanten Szenen lässt Boesch Behördenvertreter und Politiker auftreten, deren Vorbilder er seiner damaligen Umgebung als Angestellter in einer Kantonsverwaltung entnahm. «Der Kiosk» ist als utopischer Roman ein grandioser Zeitspiegel der 1970er-Jahre, dem wir aber auch eine der schönsten und erotischsten Liebesszenen der modernen deutschen Literatur verdanken.

Hans Boesch (13. März 1926–21. Juni 2003) 1946 Diplom als Tiefbauingenieur; nach längerer Krankheit von 1948–1955 ingenieurtechnische Arbeiten im Kalibergbau (Elsass) sowie im Geleise-, Strassen- und Wasserbau. 1955 Wechsel als Bauingenieur und Verkehrsplaner nach Aarau. 1970 Übertritt ans Institut für Orts-, Regional- und Landesplanung an der ETH Zürich. Zahlreiche Forschungsarbeiten zum Themenbereich Stadt, Mensch, Mobilität, Verfasste 1986–1988 regelmässig Kolumnen für den Tages-Anzeiger, Zürich.

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Pressestimmen
«Die Neuauflage füllt eine Lücke und ruft den jungen Boesch in Erinnerung, der einst Seite an Seite mit Otto F. Walter als ‹Schrittmacher und Initialzünder› der modernen Schweizer Literatur gefeiert wurde. Die zeitliche Distanz hat aus den eindrücklichen Menschlichkeitspamphleten erzählerische Geschichtsdokumente gemacht.» Matthias Peter, Der Landbote

«Einen sinnlicheren, einen im umfassenden Sinn erotischeren Autor dürfte es in der Schweizer Literatur kaum je gegeben haben.» Beatrice von Matt, GEGENWART