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Diplomatische Dokumente der Schweiz – Documents Diplomatiques Suisses – Documenti Diplomatici Svizzeri
1. VI. 1947–30. VI. 1949
Diplomatische Dokumente der Schweiz – Documents diplomatiques suisses – Documenti diplomatici svizzeri, Band 17
Gebunden
1999. 493 Seiten
ISBN 978-3-905312-84-3
CHF 60.00 / EUR 34.50 
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Band 17 der Diplomatischen Dokumente der Schweiz deckt die Zeitspanne zwischen Juni 1947 und Juni 1949 ab. Diese zwei Jahre sind geprägt durch die Verschlechterung der internationalen Beziehungen, hervorgerufen durch die Rivalität zwischen den demokratischen und den kommunistischen Staaten (Berlin-Blockade). Diese Verschlechterung führt schliesslich zur Teilung Europas und Deutschlands. Die Schweizer Diplomatie nimmt indessen am Wiederaufbau Europas (Marshall-Plan) sowie an Konferenzen zur internationalen Zusammenarbeit in den verschiedensten Gebieten teil. Gleichzeitig bemüht sie sich jedoch, ihre Beziehungen mit den neuen kommunistischen Staaten Europas aufrechtzuerhalten und mit diesen - wie mit anderen Staaten auch - zahlreiche Probleme zu lösen, die sich aus der Verstaatlichung schweizerischen Eigentums ergeben. Daneben ist die Schweiz bestrebt, mit den unabhängig werdenden asiatischen Staaten vielversprechende Beziehungen anzubahnen. Die schwierigste Herausforderung für die Schweiz in diesen zwei Jahren stellte die Weiterführung ihrer Neutralitätspolitik gegenüber den beiden Machtblöcken dar.

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Besprechungen
Lotse Petitpierre in unbekannten Gewässern Dokumente zur Schweiz im angehenden kalten Krieg tmn. Die Diplomatischen Dokumente der Schweiz (DDS) sind handlicher geworden, seitdem über das Internet die Datenbank DoDiS benützt werden kann, auf der sich Informationen zu insgesamt rund 20 000 Personen, Organisationen und Orten befinden. Anhand dieser Kriterien (leider aber nicht nach Stichworten) können 1000 von über 2000 aufgenommenen Archivalien als elektronische Bilder angesteuert und gleichsam im Original konsultiert werden (www.admin.ch/ bar/dds/d-dds1.htm). Damit sind die 134 Dokumente, die in Band 17 der DDS gedruckt vorliegen, nur die Spitze eines elektronischen Eisbergs, dessen Erforschung sie allerdings mit Verweisen in den Fussnoten erleichtern. Überlebte Neutralität? Dokumentiert wird die Zeit vom Juni 1947 bis zum Juni 1949: Der kalte Krieg mit griechischem Bürgerkrieg, Prager Coup und Blockade Berlins bildet den hierzulande scharf und beunruhigt verfolgten Hintergrund für die Bemühungen, über bilaterale Kontakte die neutrale Schweiz neu in einer bipolaren Welt zu positionieren, nachdem mit dem zerstörten europäischen Mächtegleichgewicht auch die herkömmliche Rolle des Landes hinfällig geworden ist. Wirtschaftliche Fragen dominieren, wobei Verhandlungen selbst mit einem vom Krieg verschonten, demokratischen Land wie Schweden erfolglos abgebrochen werden müssen. Um so schwieriger gestaltet sich der Dialog mit den verschiedenen osteuropäischen Ländern, in denen Schweizer enteignet worden sind. Es sind aber die USA, denen Aussenminister Max Petitpierre am 20. August 1948 zu seinem Bedauern mitteilen muss, sie seien das Land, mit dem die Schweiz gegenwärtig «le plus de difficultés» habe - das Misstrauen der Westmächte wird durch die zähe Umsetzung des Washingtoner Abkommens nicht gemildert. Nicht nur der englische Aussenminister Ernest Bevin gibt skeptisch zu verstehen, die Schweizer machten sich wohl Illusionen über ihre Neutralität. Mit dem gleichen Wort charakterisiert Petitpierre den bis in den Bundesrat hinein verbreiteten Glauben, das Land sei wegen der Neutralität von den Weltkriegen verschont worden; den Ausschlag gegeben hätten vielmehr militärische und ökonomische Gründe («industries et transports»). Der Krieg habe gelehrt, dass integrale Neutralität eine «Fiktion» sei; die in der Schweiz übliche, allzu umfassende Definition des Konzepts könne sich als Passivität und Abstinenz lähmend, ja tödlich auswirken. Gleichwohl bleibe die - politische - Neutralität zwischen den Blöcken sinnvoll, doch müsse man gleichzeitig solidarisch an einem westeuropäischen Wirtschaftssystem teilhaben, dem man auch gesinnungsmässig als antikommunistische Demokratie unbestreitbar angehöre. Der Prüfstein auf dieser Gratwanderung zwischen «Politischem» und «Wirtschaftlichem» ist der Marshallplan, den Minister Stucki als «Trojanisches Pferd» bezeichnet: Sollen die Schweizer als «Gesunde in ein Krankenhaus» eintreten, in dem die USA dirigieren? Gegen solche Einwände befürwortet Petitpierre die Teilnahme am wirtschaftlichen Aufbau Europas und in der dazu gegründeten OEEC gerade als Ausdruck - formal unpolitischer - Solidarität. Man solle den Mut haben, sich einzugestehen, dass angesichts des Totalitarismus die USA «la dernière chance de l'Europe» seien. Ihr Engagement sei wohl politisch, aber ebenfalls ökonomisch und bis zu einem gewissen Grad auch idealistisch. - Als Aspekte von Petitpierres Solidaritätskonzept dokumentieren die DDS die humanitäre Politik unter Einschluss des IKRK und die Mitwirkung in den Uno-Spezialorganisationen, vor allem in (und wegen) Genf. Neben solchen «grossen» Themen kommt auch die Tagespolitik zu ihrem Recht, etwa die 42 Schweizer, die in Frankreich als Kollaborateure in Haft sind, die Weigerung, einen NS-belasteten österreichischen Skispringer zu den Olympischen Spielen in St. Moritz einreisen zu lassen, oder das äusserst vertrauliche französische Angebot an die Schweiz, eine Kolonie wie Madagaskar oder Kamerun gleichsam in Pacht zu übernehmen. «Fanatische Kommunisten» aus Osteuropa verdanken ihre offenbar eher schikanöse denn diskrete Überwachung mit der Erklärung, die Schweizer Behörden seien «alles Faschisten». Meldepflicht für nachrichtenlose Konten? Langfristige Aktualität behält eine Aussprache des Politischen Departements (EPD) mit der Bankiervereinigung vom 21. August 1947: Deren Vertreter fordern von den Alliierten Namenslisten von Opfern des Nationalsozialismus, falls eine Untersuchung der nachrichtenlosen Guthaben erfolgen soll, wie dies das Washingtoner Abkommen vorsieht. Ganz entschieden verwahren sie sich gegen so «dumme» Massnahmen wie einen behördlichen Meldebeschluss. Da viele Kunden gerade in Osteuropa absichtlich keinen Kontakt zu ihren Banken unterhielten, könnten allenfalls freiwillige, bankinterne Abklärungen erfolgen. Gleichwohl wird im unterdessen berüchtigten Abkommen von 1949 beschlossen, die Guthaben verschollener Polen mit Schweizer Ansprüchen zu verrechnen. Statt einer solchen bilateralen Sonderlösung schlägt der Jurist Felix Schnyder im EPD vor, man solle durch Meldepflicht eine klare Rechtslage für alle nachrichtenlosen Vermögen schaffen und sie treuhänderischer Verwaltung unterstellen, um sie mit «allen in Betracht kommenden Massnahmen» den dazu Berechtigten zukommen zu lassen. Schnyders Bedenken von 1949 haben sich als Kassandrarufe erwiesen. Diplomatische Dokumente der Schweiz. Bd. 17. Chronos- Verlag, Zürich 1999. 494 S., Fr. 60.-. Abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der NZZ. Neue Zürcher Zeitung POLITISCHE LITERATUR 14.04.2000 Nr. 89 83

Die edierten Aktenstücke der Reihe «Diplomatische Dokumente der Schweiz» werden durch eine Auswahl digitaler Dokumente in der Online-Datenbank Dodis unter www.dodis.ch ergänzt. Die gedruckten Bände dienen mit ihren zahlreichen Verweisen als Kompass für die Orientierung in der umfangreichen Datenbank und erleichtern den Zugang zu den weiterführenden Informationen auf Dodis. Die Datenbank enthält auch eine Vielzahl vernetzter Angaben zur Forschungsliteratur, zu Archivbeständen sowie zu Personen, Körperschaften und geografischen Orten, die für das Verständnis der internationalen Beziehungen von Bedeutung sind.

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