Das dokumentierte Ich

Wissen in Verhandlung

Interferenzen – Studien zur Kulturgeschichte der Technik, Band 26
Gebunden
2018. 144 Seiten
ISBN 978-3-0340-1483-0
CHF 34.00 / EUR 34.00 
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Der Historiker Winfried Schulze plädierte 1992 dafür, die Quellengattung des «Schreibens über sich selbst» zu erweitern. Tagebüchern und Autobiografien stellte er sogenannte Ego-Dokumente zur Seite, Dokumente mit «Aussagen oder Aussagepartikeln», die Auskunft geben über die «Selbstwahrnehmung eines Menschen in seiner Familie, seiner Gemeinde, seinem Land oder seiner sozialen Schicht». Der Begriff Ego-Dokument ist heute in ­Geschichts- und Kulturwissenschaft etabliert. Schulzes Anregung, ihn weit zu fassen und auf Wechselwirkungen mit sozialem Wandel zu befragen, bleibt jedoch aktuell.

Blogs und Profile in sozialen Medien, Google-Suchanfragen, Geheimdienstakten oder Zeitzeugeninterviews gehören zur Quellengattung der Ego-Dokumente, die mit Aussagen oder Aussagenpartikeln Auskunft über die Selbstwahrnehmung eines Menschen geben. Der vorliegende Band hinterfragt interdisziplinär Potenziale und Grenzen von wissenshistorischen und kulturwissenschaftlichen Untersuchungen, die sich auf Ego-Dokumente stützen. Wie kontextualisieren und interpretieren Kultur- und Geschichtswissenschaft neue (auto)biografische Gattungen, wie binden sie sie in wissenschaftliches Wissen ein? Führen neue Veröffentlichungsmöglichkeiten zu einer Erweiterung des Kreises der «Geschichtsfähigen»? Welche Veränderungen ergeben sich durch die technischen Neuerungen in den Medien? Und in welchen Beziehungen stehen Wissen, Medium und Dokument?


ist Oberassistentin am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft ISEK – Populäre Kulturen, Universität Zürich. Sie studierte empirische Kulturwissenschaft, Geschichte und Soziologie in Tübingen und Prag. Sie forscht zu Medien, sozialer Positionierung, Raumbegriffen und ökonomischem Handeln.


Bücher im Chronos Verlag


ist PostDoc an der Professur für Technikgeschichte, ETH Zürich. Sie studierte allgemeine Geschichte an den Universitäten Mainz und Zürich. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehört die Geschichte von Computern, Medien und Verwaltung.


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Aufsätze im Chronos Verlag

Die in dieser Reihe erscheinenden Publikationen untersuchen technische Entwicklungen in der Neuzeit. Sie fragen nach dem historischen Entstehungskontext und gehen der Frage nach, inwiefern verschiedene soziale Gruppen diese technischen Entwicklungen als Möglichkeit sozialen Wandels wahrgenommen, ausgehandelt und bisweilen genutzt oder vergessen haben. Der Ansatz erlaubt es, Innovationen als technisch und gesellschaftlich voraussetzungsreiche Prozesse zu verstehen und zu erklären.