Sticken und Beten
Die Textildynastie Jacob Rohner: Familie, Firma, Klerus (1873–1988)
Gebunden
2015. 280 Seiten, 140 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1314-7
CHF 38.00 / EUR 34.00 
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Dieses Buch ist weit mehr als eine wechselvolle Firmengeschichte: Streng gehütete Tagebücher, Briefe und Familienfotos gewähren intime Einblicke ins Leben und Wirken der Stickereidynastie Jacob Rohner. Die Autorin schildert das katholische Milieu, die Überwachung der Arbeiterinnen in den «Mädchenheimen», die Einflüsse der Jesuiten und der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Die Leitlinien des päpstlichen Eliteordens dienten den Fabrikantenfamilien Rohner und Geser als Richtschnur. Um die Firmennachfolge zu optimieren und den konservativen, katholischen Geist zu bewahren, wurden Ehen arrangiert und unbotmässige Nachkommen ausgeschaltet. Die Jacob Rohner AG überwand beide Weltkriege, stand die Stickereikrisen durch und galt 1962 als grösstes Stickereiunternehmen des Landes.
«Sticken und Beten» macht die Turbulenzen der Stickereiindustrie sichtbar, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Schweizer Exporte anführte und den Ostschweizer Alltag über Jahrzehnte prägte. Die Parallelen zur heutigen Zeit verblüffen: vom ersten Börsencrash über den starken Franken der Dreissigerjahre und vom gefährdeten Werkplatz Schweiz bis hin zum verfolgten Düsseldorfer Banker, der sich in der Rebsteiner Villa Jung-Rhein versteckt hielt. 1988 ging die katholische Traditionsfirma mit Stickereiwerken, Sockenfabrik und Weberei an den freisinnigen Konkurrenten Forster Willi, die heutige Forster Rohner Gruppe. Die Rheintaler Standorte wurden geschlossen. Die Rohner-Socken haben überlebt. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schildern den Wandel.

war Übersetzerin, Redaktorin und selbständige PR-Beraterin. Für ihre eindrücklichen Frauenbiografien, die sie seit 1995 publiziert hat, wurde sie mit dem Rheintaler Kulturpreis ausgezeichnet. «Sticken und Beten», «Schürzennäherinnen», «Widerspenstig – zur Sterilisation gedrängt», «Kaffee mit Muttermilch» und «Fani– Ein Dienstmädchenleben» sind breit besprochen worden. Die Autorin ist in Rebstein aufgewachsen, unweit des Textilunternehmens Jacob Rohner, dem sie in ihrem aktuellen Buch auf den Grund geht. Sie lebt und arbeitet in Marbach SG.

«Wer sie gelesen hat, weiss es. Jolanda Spirigs Bücher gehen unter die Haut. […] Sie schaffen Identifikationsnähe mit Menschen, die so ganz anders leben mussten und müssen als man sich dies je auszudenken vermag. […] Jolanda Spirig beschreibt das Leben. Von daher ist sie Journalistin, die mit ihren Werken aber längst im Kreise der Schriftstellerinnen angekommen ist. […] Jolanda Spirig hat eine prägnante, verständliche Sprache. Kurze Sätze, keine Floskeln, präzise Worte. Spannend in ihren Büchern, wie sie ihren Protagonistinnen die eigene Sprache zugesteht.»
Kathrin Hilber anlässlich der Kulturpreisverleihung «Goldiga Törgga» 2012

www.jolandaspirig.ch


Bücher im Chronos Verlag

Inhalt
Die Villa Tanner

Die Rohner

Die Geser

Die Manser

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Nachwort

Glossar
Die Inhaberfamilien der Jacob Rohner AG

Textauszug
Erster Weltkrieg
Während zahlreiche Fabriken und Handelshäuser ihre Tore schliessen, wissen nicht wenige Stickereifabrikanten den Ersten Weltkrieg geschickt für ihre Zwecke zu nutzen. Auf den Schlacht­feldern schnellt die Zahl der Verwundeten in die Höhe, das Verbandsmaterial wird knapp. Französische Schülerinnen reissen alte Bettlaken auseinander, um aus den Leinen- und Baumwollfetzen Verbandszeug für die Soldaten herzustellen. Das Vereinte Königreich, Frankreich und Russland verbieten 1917 den Export von Baumwolleprodukten an Deutschland. Nicht so die Ausfuhr von Stickereien. Und so wendet sich auch Jacob Rohner dieser ertragreichen Nische zu. Er lässt Baumwollstoffe in breiten Abständen mit kleinen Punkten besticken. Die Arbeiterinnen, die bei dieser rudimentären Stickerei weder etwas zu kontrollieren noch nachzusticken haben, werden alle in die Ferggerei beordert, um die Fäden zwischen den gestickten Punkten zu kappen. Den Heimstickerfamilien bringen die Kriegsaufträge Arbeitstage von 16 bis 18 St

Pressestimmen
«Faszinierend im Buch ist der ständige Perspektivenwechsel: Wir begleiten die extremen Konjunkturverläufe der Stickereiindustrie, lernen die Schicksale von Arbeiterinnen und Arbeitern, Lehrlingen und Gouvernanten kennen, verfolgen den Alltag in den pompösen Villen der Familienglieder, die in Haus und Garten, im Sommersitz auf der Lenzerheide, mit vornehmem Auto und Nerzstola ihren Lebensstil zelebrierten. Wir lesen aber auch über die subtilen Ausgrenzungsmechanismen im Familiennetz, wo ausschweifender Lebenswandel, vermutete Homosexualität oder auch persönliche Sympathien und Antipathien über persönliche und berufliche Schicksale entschieden. [...] Jolanda Spirigs sorgfältig recherchiertes Buch ist ein gelungener Beitrag zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte der Schweiz.» Heidi Witzig, WoZ

«Jolanda Spirig hat weitgehend ohne das noch vorhandene Firmenarchiv gearbeitet. Sie konnte sich aber auf andere wichtige Dokumente stützen; zahlreiche Interviews, eindrückliche Briefe, wackelige Familienfilme und aufschlussreiche Bilder standen ihr zur Verfügung. Sie hat daraus ein lesenswertes zeitgeschichtliches Buch zu komponieren verstanden.» Jost Auf der Maur, Schweizer Familie

«Geblieben sind heute nur noch die Rohner-Socken vom einst grössten Stickerei-Exportunternehmen der Schweiz, der Jacob Rohner AG im Rheintal. [...] Den damaligen Bedarf an Stickereien in wohlhabenden Kreisen illustrieren dabei die Familienfotos: Rohner-Kinder sind in weissen Spitzen, Schürzchen und Kleidchen grossgeworden. Die Geschichte einer Firma wird damit zur Schweizer Familien- und Kulturgeschichte.» Kathrin Meier-Rust, NZZ am Sonntag

«Der Untertitel des Buches ist Programm. Jolanda Spirig zeichnet nicht nur die Entwicklung der Stickereiindustrie nach, sie gräbt auch tief in der Familiengeschichte und im katholisch-konservativen Milieu. Unzählige Fotografien, Briefe und Tagebücher geben den Geschichten ein Gesicht.» Nathalie Grand, SDA

«Jolanda Spirig erzählt, wie sie zum Thema ihres neuen Buches gekommen ist. Für einen Sammelband soll sie vor ein paar Jahren diese Josy Geser-Rohner porträtieren und findet an Unterlagen fast nichts. Jahre später erfährt sie, dass es da einen Urenkel von Jacob Rohner gibt, der ihr eine Fülle von Briefen und Tagebüchern überlässt. Sie spricht mit ehemaligen Angestellten, studiert wirtschaftliche Zusammenhänge – und komponiert daraus eine farbige Firmen- und Familiensaga. Sie handelt von einer Familie, die sich kaum je im Dorf zeigt – oder höchstens bei der Durchfahrt im Cadillac. Was diese Firma produziert, ist Stickerei von allerschönster Qualität.» Rolf App, St. Galler Tagblatt

«Sticken und Beten bietet tiefe Einsichten in bisher wenig bekannte Machtstrukturen des katholisch-konservativen St. Gallen, dessen Ausprägungen sich bis in die heutigen Tage erstrecken. Schon deshalb lohnt sich die Lektüre des Bandes, der mit vielen Fotos aus dem Familienalbum auch die luxuriöse Lebenswelt der rheintalischen Stickereibarone vor Augen führt. [...] Mit ihrem eingehend recherchierten Band leistet Jolanda Spirig der historischen Aufklärung über die wirtschaftlichen und politischen Machtverhältnisse im Kanton St. Gallen einen grossen Dienst.» Ralph Hug, Saiten

«‹Das Buch ist weit mehr als eine wechselvolle Firmengeschichte›, heisst es einleitend in der Beschreibung von Sticken und Beten. Das jüngste Werk von Jolanda Spirig ist tatsächlich mehr. Das Buch hat die Besucherinnen und Besucher des Anlasses nicht nur fasziniert. Es hat auch berührt. Es war spürbar: Viele der Gäste haben oder hatten einen Bezug zum Stickereiunternehmen Jacob Rohner AG – direkt oder indirekt.» Kurt Latzer, Der Rheintaler

«Jolanda Spirig hat eine eingehend recherchierte Firmen- und Familiengeschichte geschrieben, die sich auch einiger bisher unbekannter Quellen bedienen durfte. [...] Absolut verdienstvoll sind die Interviews der Autorin mit noch lebenden ZeitzeugInnen, die bei Jacob Rohner gearbeitet haben.» Markus Barnay, KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

«Die Firmen- und Familiengeschichte, die Jolanda Spirig in ihrem Buch ‹Sticken und Beten› nachzeichnet, ist spannend und wechselvoll zugleich.» Rolf Rechsteiner/Elke Baliarda, Appenzeller Volksfreund

«Ein bewegendes Stück Wirtschafts- und Sozialgeschichte und ein packendes Porträt einer Schweizer Unternehmerfamilie» Christian Schenk, notabene