Klänge als Cultural Property
Technik und die kulturelle Aneignung der Klangwelt
Kulturwissenschaftliche Technikforschung, Band 3
Gebunden
2015. 226 Seiten, 12 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1308-6
CHF 48.00 / EUR 46.00 
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Wie kommen Gruppen und Akteure zu «ihrer» Kultur, und wie werden aus alltäglichen Phänomenen besondere, geschätzte Kulturgüter (Cultural Property)? Welche Bedeutung hat Technik für die Entstehung von klingendem Kulturgut? Die Studie erforscht am Beispiel der alltäglichen Klangwelt und aus der Perspektive einer anthropology of the senses die sinnlich-ephemere Dimension der Entstehung von Cultural Property und Cultural Heritage: die Beziehung zwischen Gruppen und ihren Kulturgütern und die Stabilisierung dieser Verbindung durch Performances, Medien und Archive.
Der Autor verbindet die Themenfelder kulturwissenschaftliche Technikforschung, Sound-Studies und Heritage-Studies. Auf der Basis von Interviews, Rundfunkarchivalien und weiteren ethnografischen Daten werden in empirischen Fallstudien aus der alltäglichen Klangwelt die maritime Klanglandschaft Flensburgs, klingende Erinnerungsorte im Rundfunk und Politiken der Archivierung des audiovisuellen Erbes untersucht. Technik ermöglicht die kulturelle Aneignung von Klängen: Archiv-, Speicher- und Medientechnik bilden die Voraussetzung für die Verwandlung der flüchtigen Alltagskultur in dauerhaft verfügbare immaterielle Kulturgüter, die für Identitätspolitiken und ökonomische Wertschöpfungen valorisierbar werden. Drei Modi kultureller Aneignung im Alltag werden konturiert: Wahrnehmung, Semiotisierung und Archivierung.
ist Lehrbeauftragter an der Universität Zürich und derzeit Scholar in Residence, Deutsches Museum.

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Inhalt
Klangbeispiele

Die kulturelle Aneignung der Klangwelt

1. Cultural Property – Revision eines Begriffs in kulturwissenschaftlicher Absicht
Wem gehört Kultur? Cultural Property und Cultural Heritage: begriffsgeschichtliche Anmerkungen
Cultural Property – kulturwissenschaftliche Facetten: Vom Eigentum zum kulturellen Proprium
Deep listening – Klanglandschaften, Klangchiffren, klingendes Kulturgut

2. Die Kultürlichkeit der Wahrnehmung: Kulturwissenschaftliche Forschungsperspektiven auf die Klangwelt – Fachgeschichte als Technikgeschichte
Herder und die Folgen – die späte Entdeckung der Klangwelt in volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Untersuchungen
Natur_Kultur – kulturanthropologische Perspektiven auf die Wahrnehmung
Acoustemology – Technik und die kulturwissenschaftliche Erforschung der Klangwelt
Historizität und Medialität von Klängen – interdisziplinäre Perspektiven auf Klänge und Kultur (Sound Studies)

3. Klanglandschaften: Wahrnehmung und Inszenierung der Klangwelt – das Beispiel Flensburger Hafen
Die Entdeckung der Soundscape – Klangforschung als Praxis zwischen Sensibilisierung, Klangaufzeichung und Klangkunst
Kulturelle Kodierungen – Kartierung des Flensburger Hafens und seiner Soundmarks
Atmosphären – inszenierte Klanglandschaft und maritimes Erbe als kulturelle Textur Flensburgs
Wem gehört die Stadt? Konkurrierende Nutzungen und ökonomische Inwertsetzung des Flensburger Hafens

4. Klangchiffren: Die Semiotisierung der Klangwelt
«Was soll ich jetzt dazu sagen?» – Kulturelle Kodierung der Klangwelt, Écoute réactivée, und die Grenzen des Erzählens
«Das brennt sich ein» – Semiotisierung der Klangwelt und klingende Lieux de mémoire («Ich bin ein Berliner» / Freiheitsglocke)
Klangspurensicherungen – Tondokumente als Quellen für die Erforschung des Common Sense (Klangwelt der Automobilität)

5. Klingendes Kulturgut: Medienarchive und die Valorisierung der Klangwelt
Produktion vs. Kulturgut: Medienarchive und die Überlieferung klingender Kulturgüter
Die Nicht-Entstehung von Cultural Property im Rundfunkarchivbereich: Programmvermögen, kulturelles Erbe und das Digitalisierungsparadox
Klingendes Kulturgut – die Konstituierung von Cultural Property: Tondokumente als (Welt-)Kulturerbe
Archiv, Technik, Macht: Vom Speichergedächtnis zum Aussagesystem – das Archiv als Dispositiv kultureller Aneignung

Die kulturelle Aneignung der Klangwelt: Technik als Querschnittsdimension

Pressestimmen
«Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Johannes Müske mit dieser Arbeit neue kulturwissenschaftliche Zugänge zur Klangforschung über den Weg der Tonaufnahme- und Speicherungstechnik aufgezeigt hat, wobei die bestehenden Theorien des Fachs zu dieser Forschung hervorragend eingebunden werden.» Marguerite Rumpf, Zeitschrift für Volkskunde