Sprachvisionen
Poetik und Mediologie der inneren Bilder bei Robert Müller und Gottfried Benn
Medienwandel – Medienwechsel – Medienwissen (ISSN 2504-1045), Band 31
Broschur
2014. 427 Seiten
ISBN 978-3-0340-1241-6
CHF 68.00 / EUR 62.00 
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Visionen haben in der Literatur der klassischen Moderne Konjunktur. Dabei bezeichnet das Visionäre nicht mehr die Erscheinung eines Un- oder Übersinnlichen, sondern als Halluzination eine Form gesteigerter sinnlicher Gegenwärtigkeit – ohne dass die frühere Bedeutungsschicht gänzlich abgetragen würde. Poetologisches Gewicht erhalten die inneren Bilder, verstanden als anthropologisch verbindliche psychophysische Prozesse, vor dem Hintergrund einer wissenschaftlichen Entzauberung der Welt, der viel besprochenen sogenannten ›Sprachkrise‹ sowie der Auseinandersetzung mit neuen Medientechnologien. Visionäres wird zum Ausgangspunkt für die Erprobung neuer Schreibverfahren und dient der Selbstvergewisserung über die Grenzen und Möglichkeiten von Literatur. Die Studie verbindet die wissensgeschichtliche Fragestellung nach der Funktion der im Körper erzeugten Bilder mit dem systematischen Problem ihrer Vertextung sowie der Medialität von Phantasma einerseits und Literatur andererseits. Der für das Schreiben Robert Müllers und Gottfried Benns grundlegende Zusammenhang wird anhand der Dichtungstheorie der beiden Autoren begründet und in seinen Folgen für die literarische Praxis untersucht.
ist wissenschaftlicher Mit­arbeiter am Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literatur von ­Prof. Dr. Juliane Vogel an der Universität Konstanz.

Aufsätze im Chronos Verlag

Inhalt
Sinne werden Medien. Historische Mediologie der endogenen Bilder
Moderne Wilde. Bahr – Fantastische Gesichtserscheinungen. Johannes Müller – (Geister-)Sehen. Schopenhauer – Empfindungen. Mach – Medienwerden der Sinne

Eine neuerliche »Schrift«-Sprache. Expressionistische Poetik (Müller)
Abstraktionsdrang. Worringer – Psychismus – Der neue Standpunkt. Däubler – Primitive Avantgarde – Psychotechnik – Neue Evidenz – Medienwerden der Literatur

Präsenz. Literarischer Primitivismus
Mediale Präsenz – Körperpräsenz – Primitivismus – Zwei Arten des Denkens. Nietzsche, Jung – Mystische Partizipation, Magie. Lévy-Bruhl, Preuß, Freud – Katathymie. Kretschmer – Dämmer-zustände. Breuer, Freud

Evidenzstrategien. Robert Müllers Phänomenologien der Wahrnehmung
Kubistische Literatur. Das Inselmädchen
Evidenzstörung – Dissoziation – Regression – Literarischer Kubismus
Das katechetische Buch unserer verrückten Nerven. Tropen
Paratexte – Das Geheimnis der tanzenden Buchstaben – Augenblicksmystik – Kippeffekte – Universalpoesie – Atemporalität – Umstülpung – Abstraktion – Ekstase – Irrsinn – Hyperrealismus – Entkörperlichung. Expressionismus und Film – Entwirklichung – Bücher
Absoluter Zustand. Camera obscura
Chronologie. Falsch! … stop! – Kino-Optik? – Geheimniszwiebel – Camera obscura! – Autosuggestion – Negative Evidenz

Der Einsame und seine Bilder. Halluzinatorische Poetik (Benn)
Das moderne Ich – Anthropologische Poetologie – (Psycho-)Tech- niken. Beringer, Deussen – Poetologie als Mediologie – Hirnsemiotik. Meynert – Spalthirnigkeit. Storch, Kronfeld, Bychowski – Psychologie ohne Ich. Ziehen – Konstruktiver Geist – Provoziertes Leben – Selbstentzündung – Ein Wort – Primäre Setzung

Zündungen. Gottfried Benns Prosa-Phantasmagorien
Vorspiele. Früheste Prosa
Zu den Flechten. Unter der Großhirnrinde – Liebestraum. Nocturno – Hinter den Augen. Heinrich Mann. Ein Untergang
Rönne erblickt die Kunst. Gehirne
Entschweifungen der Schläfe. Gehirne – Unter Palmen. Die Eroberung – Mythische Wucht. Die Reise – Neue Syntax. Die Insel – Beginnen. Der Geburtstag
Zusammenfassung. Roman des Phänotyp
Der Stundengott – Ausdruck – Überblicke – Zeit-Räume – Enden

Pressestimmen
«Wer sich mit Benns Gehirnen, aber auch mit dem Roman des Phänotyp, dem das Buch abschliessenden Abschnitt, auseinandersetzen will, wird an Gardians exzellenter Untersuchung nicht vorbeikommen.» Hermann Korte, Benn Forum

Diese Buchreihe vereinigt Studien des gleichnamigen Nationalen Forschungsschwerpunkts sowie mediengeschichtliche Arbeiten. Sie rückt die Zeit vor der Ausbreitung der Massenmedien und insbesondere die medialen Verhältnisse der Vormoderne ins Zentrum. Damit ermöglicht sie Einblicke in die Andersartigkeit älterer Kommunikationsformen und erlaubt es gleichzeitig, Voraussetzungen für die mediale Formierung der Neuzeit zu ergründen.