Gericht als Angebot
Schriftgutverwaltung und Gerichtstätigkeit in der Klosterherrschaft Engelberg 1580–1622
Clio Lucernensis, Band 10
Gebunden
2012. 280 Seiten
ISBN 978-3-0340-1112-9
CHF 48.00 / EUR 39.50 
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Die Lektüre von Gerichtsakten hat einen eigentümlichen Reiz. Das vorliegende Buch geht anhand der Gerichtsquellen der Klosterherrschaft Engelberg um 1600 der Frage nach, welche Erkenntnisse aus Gerichtsquellen gewonnen werden können.
Das ausgesprochen dicht überlieferte Schriftgut der kleinen Klosterherrschaft Engelberg und die für vormoderne Verhältnisse erstaunlich einfach gehandhabte gerichtliche Zuständigkeit erlauben aufschlussreiche Einblicke in die Produktion gerichtlicher Unterlagen und in die Funktion der gerichtlichen Arbeit. Das Gericht wird von der Obrigkeit ebenso in Anspruch genommen wie von den Untertanen. Ausschlaggebend für die Gerichtsnutzung ist das gerichtliche Angebot, und zwar nicht nur für den zivilrechtlichen, sondern auch für den strafrechtlichen Bereich. Die Attraktivität dieses «service public» erst schafft die Nachfrage.
Das Buch erzählt von der Wiederherstellung verletzter Ehre mit dem Instrument des «Aberwandels», von der pragmatischen Behandlung von Diebstahl oder Ehebruch und vom Handlungsspielraum unverheirateter Frauen auf dem Heiratsmarkt und lotet dabei das Erkenntnispotential vormoderner Gerichtsakten aus.
Inhalt
1. Fragestellung
1.1. Verlockende Quellen: Montaillou
1.2. Frage
1.3. Geschichtsschreibung mit Gerichtsquellen
1.4. Gegenstand und Zeitraum der Untersuchung

2. Politik
2.1. Eigenständigkeit im Mittelalter
2.2. Bevormundung unter den Innerschweizer Schirmorten
2.3. Erneute Eigenständigkeit seit Abt Benedikt Sigerist
2.4. Die Engelberger Unruhen zu Beginn des 17. Jahrhunderts


3. Wirtschaft
3.1. Vieh- und Alpwirtschaft
3.2. Klosterwirtschaft


4. Gesellschaft
4.1. Bevölkerungszahl
4.2. Gesellschaftsstruktur


5. Schriftgut
5.1. Schriftgut der Talleute
5.2. Schriftgut der Talgemeinde
5.3. Schriftgut des Klosters


6. Gericht
6.1. Hohe und niedere Gerichtsbarkeit
6.2. Richter und Gerichtsschreiber6
.3. Gerichtsnutzung


7. Ehrverletzung
7.1. «Aberwandel» – Wiederherstellung verletzter Ehre
7.2. Gerichtsbiografie von Barbara Barmettlen
7.3. Ehrverletzungen und Ehre


8. Diebstahl
8.1. Rechtsnormen
8.2. Rechtspraxis


9. Sexualität
9.1. Ehrverletzende Beschimpfungen
9.2. Rechtsnormen
9.3. «Bluomen» – Jungfräulichkeit vor Gericht
9.4. Prostitution
9.5. Gerichtsbiografie von Ammann Baltzer Dilger
9.6. Ehebruch


10. Obrigkeit
10.1. Klagend oder nicht klagend
10.2. Anklage wegen Gotteslästerung
10.3. Anklage wegen Wirtens
10.4. Anklage wegen Holzschlagens
10.5. Anklage wegen Viehweide
10.6. Anklage wegen Musikspielens
10.7. Anklage wegen Finanzen
10.8. Anklage wegen Diebstahls
10.9. Anklage wegen Ehebruchs
10.10. Anklage wegen Friedbruchs oder Gewalt
10.11. Anklage wegen Ehrverletzung gegenüber der Obrigkeit


11. Schluss
11.1. Frage
11.2. Gerichtliches Schriftgut
11.3. «Zivilrechtstrichter»
11.4. «Strafrechtstrichter»
11.5. Leben der Talleute