Cabaret Cornichon
Geschichte einer nationalen Bühne
Theatrum Helveticum, Band 12
Gebunden
2011. 428 Seiten, 60 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1066-5
CHF 78.00 / EUR 71.00 
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Das legendäre Cabaret Cornichon (1934–1951) steht am Anfang der schweizerischen Kabarettgeschichte und hat Nummerntexte von hoher literarischer Qualität und von politischer Brisanz hinterlassen. Dieses Kabarett, welches zahlreiche Volksschauspieler wie Elsie Attenhofer, Zarli Carigiet, Margrit Rainer, Emil Hegetschweiler oder Ruedi Walter hervorgebracht hat, war eine äusserst erfolgreiche Institution der damaligen Unterhaltungsbranche. Das Cornichon prägte zudem mit Autoren wie Walter Lesch, Max Werner Lenz oder Friedrich Dürrenmatt die schweizerische Populärkultur sowie die Theater- und Literaturszene.
Wegen seiner politischen Nummern gilt das Cornichon bis heute als kultureller Vertreter einer widerständigen Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Die erstmalige Analyse der gesamten Nummerntexte erlaubt eine Rekonstruktion der Kabarettinhalte. Dabei können deutlich unterscheidbare Phasen festgestellt werden. Neigen in der Vorkriegszeit die politischen Nummern zu starker Kritik, sind sie in der Kriegszeit affirmativen Charakters und zeugen nach 1945 von einer durchaus selbstkritischen Vergangenheitsbewältigung. Friedrich Dürrenmatts «Der Gerettete» (1948) ist beispielsweise eine ungeschönte Auseinandersetzung mit der schweizerischen Flüchtlingspolitik der Kriegsjahre. Der Ruf eines widerständigen Kriegskabaretts erweist sich insgesamt jedoch als ein Konstrukt, das in der Nach-Cornichon-Ära gefestigt worden ist.
Die Geschichte des Cabaret Cornichon ist mit seinen vielfältigen Querbezügen zu Theater, Literatur, Tanz, neuen Medien, bildender Kunst und Populärkultur ein Beitrag zur schweizerischen Kulturgeschichte und liest sich zudem als kleine Mentalitätsgeschichte der Schweiz der 1930er und 1940er Jahre.
Peter Michael Keller ist Historiker und Germanist und arbeitet am Institut Primarstufe der Pädagogischen Hochschule FHNW. Die vorliegende Geschichte des Cabaret Cornichon entstand im Rahmen einer Dissertation bei Peter von Matt.
Inhalt
1 Einleitung

2 Kabarettforschung und Kabarettbegriff
2.1 Forschungsgeschichte
2.2 Kabarettdefinition
2.3 Kabaretttypologie
2.4 Politisches Kabarett
2.5 Kabarett und Satire

3 Quellen des Kabaretts
3.1 Methodisches zum Umgang mit historischem Kabarett
3.2 Quellen zum Cabaret Cornichon
3.2.1 Ungedruckte Quellen
3.2.2 Gedruckte Quellen
3.2.3 Auditive und visuelle Aufnahmen
3.2.4 Eine Nummer und drei Versionen – «Der Chor vom Kompromiss»

4 Kabarettanfänge in Zürich
4.1 Entwicklungsstränge des Kabaretts
4.2 Die ersten Zürcher Kabaretts
4.3 Zwei neue Kabaretts: die Pfeffermühle und das Cornichon

5 Schweizer Theater
5.1 Theaterpolitik der «Verschweizerung»
5.2 Walter Lesch und das Volkstheater

6 Das Cornichon spielt
6.1 Die zweifache Premiere im Hirschen
6.2 Das Ensemblekabarett Cornichon
6.2.1 Die Direktion
6.2.2 Die Autoren
6.2.3 Schauspielende, Musiker und Bühnenbildner
6.2.4 Kollektivarbeit im politischen Kabarett
6.3 Mundarttheater
6.4 Das Cornichon und die neuen Medien
6.4.1 Der frühe Schweizer Film
6.4.2 Kabarett im Radio

7 Der politische Diskurs im Cabaret Cornichon
7.1 Die Politik zur Zeit des Cornichon
7.2 Kategorien des Politischen
7.3 Die Conférence als Auftakt: das kabarettistische Selbstverständnis
7.4 Kritik an konkreten politischen Ereignissen und Personen
7.4.1 Das «A und B» des Cornichon – explizit genannte Politik des Auslandes
7.4.2 «Das Ränkli zwischen Ehrlichkeit und Fränkli» – explizite Politik der Schweiz
7.5 Politische Grundhaltungen
7.5.1 «De Räbehächler» – allgemeine Politik
7.5.2 Politisches Klima in der Schweiz

Zwischentext I: Das Cornichon der 1930er Jahre

7.6 Schweizer Politik und Zweiter Weltkrieg
7.6.1 «Du in der Festung […] – ich auf der Bühne» – das Cabaret Cornichon und die Geistige Landesverteidigung
7.6.2 «Jetzt heissts under d’Waffe» – Nummern der staatlich verordneten Geistigen Landesverteidigung
7.6.3 «Er ist an allem schuld» – Kritik an faschistischem Denken
7.6.4 «Was mer trotzdem säge cha» – Zensur und Selbstzensur
7.6.5 «Mensch ohne Pass» – Flüchtlingspolitik

Zwischentext II: Das Cornichon der Kriegszeit

7.7 Politik in der Nachkriegszeit
7.7.1 Bewährungsdebatte zwischen Selbstkritik und Deutschlandhass
7.7.2 Zweite Geistige Landesverteidigung, Ost-West-Dualismus und beginnender Kalter Krieg
7.7.3 Leerstellen
7.8 Die Welt des Kleinbürgers

Zwischentext III: Das Cornichon der Nachkriegszeit

8 Friedrich Dürrenmatt im Nachkriegs-Cornichon

9 Die nicht gespielten Nummern

Zwischentext IV: Das Cornichon der Erinnerung

10 Vier Cornichons – Schlusswort

Pressestimmen
«Peter Michael Keller hat in akribischer Arbeit eine Epoche der jüngeren Schweizer Geschichte erhellt und gleichzeitig die damalige Mentalität ins Bewusstsein zurückgeholt. Seine stets gut lesbaren Ausführungen mit ihren Querbezügen zu Film, Rundfunk, Musik, Theater tragen dazu bei, dass dieses Buch zum Standardwerk aufrückt.» Beatrice Eichmann-Leutenegger, NZZ

«Peter Michael Keller legt mit seiner Arbeit zum Schweizer ‹Cabaret Cornichon› eine methodisch herausragende Studie zu einer bedeutenden Institution der Schweizer Populärkultur vor.» Patrick Merziger, Das Historisch-Politische Buch

«Der Verfasser führt zahlreiche Nummerntexte in vollem Wortlaut vor, kommentiert sie kenntnisreich und fügt vorzügliche Szenenfotos bei. […] Kellers Buch darf als die abschliessende Darstellung zu diesem Thema bezeichnet werden; es stellt einen gewichtigen Beitrag zur Geistesgeschichte unseres Landes dar.» Urs Bitterli, Bücher am Sonntag (NZZ am Sonntag)

«Das reich bebilderte Werk bietet eine akribisch aufbereitete Schweizer Kulturgeschichte der 30er- und 50er-Jahre – weit über Cornichon hinaus. Man erfährt, wie zum Beispiel Schauspieler wie Rainer, Walter oder Gretler zu echten Schweizer Stars aufstiegen und warum.» Jürg Fischer, Kulturtipp

«Kellers allen wissenschaftlichen Ansprüchen standhaltende Geschichte des Cabaret Cornichon ist – mit Querbezügen zu Theater, Literatur, Film und Populärkultur – zweifellos ein profunder Beitrag zur schweizerischen Kulturgeschichte der 1930er und 1940er Jahre.» Ensemble, Zeitschrift d. Schweizerischen Bühnenkünstlerverbandes

«Mit seiner umfassenden Studie zur Programmgestaltung und Wirkungsgeschichte dieser Bühne erfüllt Peter Michael Keller mehr als nur ein Forschungsdesiderat hinsichtlich der Theatergeschichte einer einzelnen Kabarettbühne. […] Man erfährt nicht nur Details über das Programm und den Spielbetrieb des Cornichon, sondern erhält auch Einblick in die Schweizer und speziell die Zürcher Theaterszene der 1930er- und 1940er-Jahre. […] Detailliert zeichnet Keller in seiner Studie die Geschichte des Cabaret Cornichon im Rahmen der Schweizer Politik und der Theaterlandschaft nach. Die präzise Analyse der Verhältnisse mit stets kritischem Blick auf Kontruktionsmechanismen ist wissenschaftlich profund und zugleich gut lesbar. Das Buch ist nicht nur im Hinblick auf das Cabaret Cornichon, sondern auch als Einblick in die Theatergeschichte der Schweiz, deren Akteure und Institutionen sowie in Bezug auf die kulturellen und politischen Hintergründe lesenswert.» Carolin Stahrenberg, Lied und populäre Kultur

Diese Buchreihe fördert die Publikation von Texten zur Grundlagenforschung in der Theaterwissenschaft. In Aufsatzbänden bleibt bei einer Vielfalt der Gegenstände auch eine methodische Variationsbreite gewahrt. Sie bereiten als Sondierungen das Terrain für Monografien vor, für historische Längsschnitte, in denen eine Theaterform über einen längeren Zeitraum untersucht, und für historische Querschnitte, in denen das Nebeneinander, die Wechselwirkungen verschiedener Theaterformen in einem relativ kurzen Zeitraum erforscht werden