Verhandlungen mit Mordsfrauen
Geschlechterpositionierungen im «Frauenkrimi»
Broschur
2009. 224 Seiten, 3 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-0946-1
CHF 38.00 / EUR 24.50 
  • Kurztext
  • Autor/in
  • Einblick
Unter dem Label «Frauenkrimi» werden in den 1980er und 1990er Jahren vorübergehend neuere Krimis von Frauen vermarktet.
Als «Sisters in Crime» beziehungsweise «Mörderische Schwestern» organisiert, setzen sich die Autorinnen dieser Texte erfolgreich für die Förderung weiblichen Krimischaffens ein und entwerfen Figuren jenseits traditioneller Geschlechterrollen. Ob Kommissarin oder Forensikerin, Privatermittlerin oder Amateurin, Täterin oder Rächerin: allen Protagonistinnen gemeinsam sind Uner­schrockenheit, Handlungsfähigkeit und ein Sensorium für Genderfragen. Der «Frauenkrimi» wird so zum Ort der Verhandlung von neuen Geschlechterpositionierungen.
Diese «new wave of crime writing» findet in allen Krimi­subgenres, intermedial und international Verbreitung. Die grosse öffentliche Aufmerksamkeit und die damit verbundenen, mitunter heftigen Kontroversen, die zum Teil bis heute andauern, sind Gegen­stand der Studie. Zur Analyse der textinternen und -externen Verhandlungen werden international verbreitete angel­sächsische «Frauenkrimi»-Serien sowie Verlagsunterlagen, Werbeanzeigen, Mailinglisten, Leserbriefe, Rezensionen und Forschungsarbeiten aus dem deutschen und englischen Sprachraum beigezogen.

Brigitte Frizzoni ist Geschäftsführerin und Dozentin am Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich.


Bücher im Chronos Verlag

Inhalt
Einführung: Der Mordsfrauendiskurs

1. Ein weiblicher Sherlock Holmes! Krimigeschichte als fe/male bonding
- «Radcliffe bis Paretsky» statt «Poe bis Chandler»? Die Neuverhandlung der Krimigenealogie
- «Ganze» Männer gegen «Damen beiderlei Geschlechts» – die Feminisierung des Rätselkrimis im Diskurs der hard-boiled school
- Feminisierung eines männlich besetzten Genres: Der weibliche hard-boiled Krimi
- «Durchbruch» und «Erfolg»: Genreentwicklung als Konstruktion ex post
- «Frauenkrimi»: Verhandlungen um einen Begriff

2. An unsuitable job for a woman? Verhandlungen über den emanzipatorischen Gehalt des Krimigenres
- Unsuitability-Bedenken und ihre narrative Bewältigung
- Die Verschränkung von un/suitability- und «Zwei-Kulturen»-Diskurs
- «Kein erhobener Zeigfinger, nirgends!» Unterhaltung und Feminismus – (k)ein Widerspruch?

3. Lady Gumshoes boiled less hard? Die (un)verletzliche Heldin
- «Big and bad», «taff und smart»
- «Soft-Boiled»
- «Hardboiled and high heeled»

4. Die Wut der Mädchen – Debatten zu Gewalt und Gegengewalt
- Weibliche (Gegen-)Gewalt: Faszinosum und Irritation
- The female avenger: Die Legitimierung weiblicher Rache
- Gewalttätige Autorinnen?

5. Sisters in crime – der Community-Diskurs
- Wahlfamilien und Solidargemeinschaften: Community-Narrationen
- Community im intertextuellen Raum
- Community-Bildung in der Interaktion von LeserIn, Autorin/Verlag und Text
- Kriminetzwerke

6. Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Verhandelte Identität(en)
- «G is for Gender-Bending»: Geschlecht als «eine Art Spiel»
- «I’m a translator» – Hybridisierungsstrategien
- Der «Q-Krimi» und seine diskursiven Paradoxien (am Beispiel des Lesbenkrimis)
- Gender im Wechselspiel mit race/ethnicity, class und age

7. Adonis revisited – weibliche Schaulust und erotische Männlichkeit in chick-lit mysteries
- Veränderte Blickstrukturen – der erotische Mann in der Populärkultur
- «Pretty boy» und «gender-bender» – der Adonis-Diskurs bei Lauren Henderson
- «Homme fatal» und «Mr. Right Now»: Janet Evanovichs erotische Mordsmänner und ihr Spannungspotenzial

Verhandlungen mit Mordsfrauen – Zusammenfassung und methodische Reflexion