Jean Gebser (1905–1973)
Ein Sucher und Forscher in den Grenz- und Übergangsgebieten des menschlichen Wissens und Philosophierens
Broschur
2003. 281 Seiten
ISBN 978-3-0340-0590-6
CHF 38.00 / EUR 24.80 
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Der im Jahre 1951 in der Schweiz eingebürgerte Dichter und Schriftsteller Jean Gebser wurde 1905 in Posen geboren; er starb 1973 in Bern. Bereits 1925 gründete Gebser gemeinsam mit Victor Otto Stomps in Berlin eine Buch- und Kunstdruckerei, der ein kleiner Verlag (Die Rabenpresse) angegliedert war, wo auch seine ersten Gedichte veröffentlicht wurden. Nach Aufenthalten in Florenz und in Frankreich führte Gebsers Weg Ende 1931 nach Spanien; in Madrid zählten zahlreiche berühmte Lyriker (u.a. Vicente Aleixandre, Jorge Guillén, Federico García Lorca, Pedro Salinas) zu seinem Bekannten- und Freundeskreis. In diesen Jahren nahm Gebser auch seine Tätigkeit als Übersetzer auf. Nach Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges ging Gebser dann nach Paris, wo er mit jenem Kreis von Intellektuellen und Künstlern (u.a. Paul Eluard, Louis Aragon, André Malraux und Pablo Picasso) in Kontakt, die sich alle für die spanische Republik eingesetzt haben. Ende August 1939 reiste Gebser schließlich in die Schweiz ein, die ihm zur Wahlheimat wurde. In der Schweiz entstanden jene Schriften mit (kultur)philosophischem Gehalt ­ «Rilke und Spanien» (1940), «Abendländische Wandlung« (1943), «Ursprung und Gegenwart» (1949 und 1953), «Asien lächelt anders» (1968) ­, die ihn (vor allem) im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht haben. In dem vielschichtigen philosophischen Werk spiegelt sich ein von zahlreichen Ortswechseln sowie ausgedehnten Reisen geprägtes und an Bekannt- und Freundschaften mit bedeutenden Persönlichkeiten (Theodor W. Adorno, Max Brod, Hans Erni, C. G. Jung, Emil Oprecht, Adolf Portmann, Jean Rodolphe von Salis, Werner Heisenberg) reiches Leben wider. Nicht unerwähnt dürfen jene Gelehrten (u.a. Hans Kayser, Lama Anagarika Govinda) bleiben, die ­ wie Gebser selbst ­ in der akademischen Welt nach wie vor als Außenseiter gelten. J. R. von Salis nannte Gebser einen «Sucher und Forscher in den Grenz- und Übergangsgebieten des menschlichen Wissens und Philosophierens». Aufgrund der Berücksichtigung zahlreicher Dokumente (vor allem Briefe) aus Gebsers Nachlass, der im Schweizerischen Literaturarchiv aufbewahrt wird, stellt das Buch einen interessanten Beitrag zur schweizerischen Zeitgeschichte, aber auch zur Kultur- und Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts dar.
Elmar Schübl (1969), Dr. phil., studierte Geschichte und Philosophie an der Universität Graz. Nach Tätigkeiten für die kulturpolitische Sektion des österreichischen Außenministeriums und für das Wissenschaftsressort in Wien ist er seit Herbst 2006 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Wissenschaftsgeschichte der Universität Graz tätig.

Herausgeberin der Reihe

Pressestimmen
Ein Suchender lx. Jean Rodolphe von Salis nannte Jean Gebser (1905-1973) einen «Sucher und Forscher in den Grenz- und Übergangsgebieten des menschlichen Wissens und Philosophierens». Schon in dieser Formulierung klingt an, dass es sich bei Gebser um einen eigenwilligen Denker handelte, dessen Leben und Werk nicht unter dem Stern der Zugänglichkeit standen. Der Grazer Philosophiehistoriker Elmar Schübl ist in seiner eben erschienenen Dissertation Gebsers Lebens- und Denkweg gefolgt und hat, was bisher fehlte, eine gewissenhafte Biographie des Schwierigen erarbeitet. Geboren 1905 im damals preussischen Posen und durch widrige Umstände von einem eigentlichen akademischen Studium abgehalten, wird Gebser zu einem Dichtenden, Reisenden und Suchenden. Sein Leben ist gekennzeichnet von vielen Ortswechseln und ausgedehnten Reisen, ebenso aber auch von intensiven Kontakten zu namhaften Intellektuellen und Persönlichkeiten seiner Zeit, darunter Adolf Portmann, Werner Heisenberg, C. G. Jung und J. R. von Salis. Das von Schübl verfasste Lebensbild berücksichtigt zahlreiche Briefe und Dokumente aus Gebsers Nachlass, der im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern einzusehen ist. Gebser, zeitlebens ein Aussenseiter auch in der akademischen Welt, hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, das im Anhang der Arbeit detailliert verzeichnet ist. Abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung. Neue Zürcher Zeitung FEUILLETON Samstag, 03.05.2003 Nr.101 68

«Gebsers Leben ist ein einnehmendes Spiegelbild des 20. Jahrhunderts, das Jean Gebser vom wilhelminischen Deutschen Reich über die Weimarer Republik, den Aufstieg Stalins und Hitlers und den Fall des «Dritten Reiches» bis in die Konfrontation des Kalten Krieges aufmerksam verfolgte und das ihm sowohl an der Peripherie in Spanien als auch im Zentrum Europas stets tief in sein Leben einschnitt. [...] Historiker werden in diesem Buch vielfach wertvolle Quellen aus der Sicht eines unkonventionellen Beobachters des politischen und künstlerischen Umfeldes seiner Zeit finden, dessen besonderer Wert gerade darin besteht, dass Gebser kein Politiker, kein Militär, kein Gestalter war, ohne auf tragische Weise, wie Millionen andere, Opfer zu werden.» Alexander Bayerl, Österreich in Geschichte und Literatur

«Gebsers Leben ist ein einnehmendes Spiegelbild des 20. Jahrhunderts, das Jean Gebser vom wilhelminischen Deutschen Reich über die Weimarer Republik, den Aufstieg Stalins und Hitlers und den Fall des «Dritten Reiches» bis in die Konfrontation des Kalten Krieges aufmerksam verfolgte und das ihm sowohl an der Peripherie in Spanien als auch im Zentrum Europas stets tief in sein Leben einschnitt. [...] Historiker werden in diesem Buch vielfach wertvolle Quellen aus der Sicht eines unkonventionellen Beobachters des politischen und künstlerischen Umfeldes seiner Zeit finden, dessen besonderer Wert gerade darin besteht, dass Gebser kein Politiker, kein Militär, kein Gestalter war, ohne auf tragische Weise, wie Millionen andere, Opfer zu werden.» Alexander Bayerl in «Österreich in Geschichte und Literatur»