Die Hinterlassenschaft
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Margit Gigerl
Schweizer Texte, Neue Folge, Band 54
Gebunden
2020. 328 Seiten, 20 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1540-0
CHF 48.00 / EUR 48.00 
  • Kurztext
  • Autor/in
  • Einblick
  • In den Medien
  • Buchreihe
  • Service
Als Die Hinterlassenschaft von Walter Matthias Diggelmann 1965 im Münchner Piper-Verlag erschien – der Schweizer Benziger-Verlag wollte das in verschiedener Hinsicht unzeitgemässe «Pamphlet» trotz Vertrag nicht publizieren –, wurde der Roman in der Schweiz umgehend zu einem literarischen und politischen Ereignis und sein Verfasser im eisigen Klima des Kalten Kriegs systematisch in die kommunistische Ecke gedrängt. Der «erfundene Tatsachenbericht» verschränkte mit ästhetischen Verfahren der Dokumentarliteratur den Antisemitismus und die restriktive Flüchtlingspolitik der Schweiz in den Dreissiger- und Vierziger­jahren mit dem helvetischen Antikommunismus der Fünfziger­jahre. Noch vor Alfred A. Häsler, Max Frisch oder Niklaus Meienberg lancierte Diggelmann als einer der prononciertesten Repräsentanten der Littérature engagée mit seinem wichtigsten Roman die Kontroverse um die öffentliche Funktion der Literatur in der Schweiz neu.

1927 unehelich geboren, Pflegekind. Nach abgebrochener Uhrmacherlehre 1944 Flucht wegen eines Bagatelldiebstahls nach Italien. Internierung bis Kriegsende in Süddeutschland. 1945 in der Schweiz unter Amtsvormundschaft und Einweisung für ein halbes Jahr in die Heil- und Pflege­anstalt Rheinau. Danach Gelegenheitsarbeiten und erste schriftstellerische Versuche. Seit 1962 freier Schriftsteller. 1979 starb Diggelmann im Alter von 52 Jahren an Krebs.


Margit Gigerl, geboren 1967, studierte deutsche Literaturwissenschaft und Geschichte an der Universität Zürich und ist seit 2014 Mitarbeiterin des Schweizerischen Literaturarchivs, wo sie unter anderem den Nachlass von Walter Matthias Diggelmann kuratiert.

Pressestimmen

«Der etwas vergessene Zürcher Autor Walter Matthias Diggelmann zog in seinem Roman ‹Die Hinterlassenschaft› die Schweiz in die Mitverantwortung für die Judenverfolgung der Nationalsozialisten. [...] Der Autor verpackte seine Botschaft in eine erzählerische Rahmenhandlung. [...] Diggelmann vermischte in dieser Geschichte Erfundenes mit Zeitgeschichtlichem. Wie im Nachwort zu lesen ist, brachte ihm dieses Vorgehen Kritik ein – abgesehen von den Vorbehalten, die von bürgerlicher Seite zu erwarten waren. Heute mutet der Roman geradezu modern an, ist das Genre Doku-Fiction doch in allen Medien verbreitet.»

Kulturtipp 18/20, Rolf Hürzeler