Fragmente einer Sprache der Liebe um 1200
Mediävistische Perspektiven, Band 6
Broschur
2018. 128 Seiten
ISBN 978-3-0340-1463-2
CHF 15.00 / EUR 15.00 
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Was ist die Liebe? Ein starkes Gefühl, eine intersubjektive Relation, eine christliche Tugend, eine göttliche Eigenschaft. Im Mittelalter ist es vor allem eine Kunst – etwas, das man regelgeleitet auszuführen hat.
Im Anschluss an Roland Barthes sind in der Studie zweiundzwanzig alphabetisch angeordnete Fragmente – von «Abhängigkeit» bis «Zugrundegehen» – versammelt. Sie erlauben einen differenzierten Einblick in die Figuren der Sprache der Liebe, wie sie in den zentralen epischen und lyrischen Texten der mittelhochdeutschen Literatur um 1200 greifbar sind. Von Fragment zu Fragment gilt es, eine Sprache der Sinnlichkeit zu entdecken, die in diskursive Traditionen eingebunden ist und ihr Sinnversprechen wie Verheissungspotential aus dieser Einbindung bezieht; eine Sprache der suggerierten Unmittelbarkeit, die gekonnt mit Vermittlungsformen umgeht; eine Sprache der Liebe zwischen zweien, die auf Formen von Gemeinschaft und Sozialität angewiesen bleibt.

wurde mit einer Arbeit über Erzählungen von Jenseitsreisen in Antike und Mittelalter 2012 promoviert. Er arbeitet als Oberassistent für Ältere deutsche Literaturwissenschaft am Deutschen Seminar der Universität Zürich.


Aufsätze im Chronos Verlag


Inhalt

Abhängigkeit
Abwesenheit
Anbetungswürdig
Begegnung
Bejahung
Bild
Entstellung
Erfüllung
Erwachen
Exil
Fading
Fest
Gedenken
Habenwollen
Herz
Induktion
Nacht
Objekte
Redseligkeit
Stummheit
Verausgabung
Zugrundegehen


Pressestimmen

«Mit diesem Band gelingt Benz Besonderes, wenn in aller Prägnanz und Dichte, in Schlagworthaftigkeit, klare und tiefgehende Interpretationsangebote an einem breiten literarischen Feld in den Blick genommen und vorgestellt werden. Wenn eine zentrale Prämisse guter Lehre immer auch ist, komplexe Inhalte kurz und verständlich zu erklären, liegt auf der Hand, dass eine hohe Anschlussfähigkeit dieses Bandes für den akademischen Unterricht gegeben ist. [...] Wer zukünftig die (höfischen) Codes der Liebe beschreiben will, wird an den Fragmenten einer Sprache der Liebe nicht vorbeikommen.»

Arbitrium 39/1 (2021), Lina Herz

«Inspiriert von Roland Barthesʼ Fragments dʼun discours amoureux (1977), legt Benz schlaglichtartige Betrachtungen der deutschen ‹hochmittelalterlichen Sprache der Liebe› vor. Den alphabetisch geordneten Lemmata von ‹Abhängigkeit› bis ‹Zugrundegehen› – lineare Lektüre ist dezidiert nur eine Möglichkeit – sind jeweils ein oder mehrere Primärtexte und die Erschließung ihrer Liebessprache zugeordnet. Sowohl Lyrik als auch Epik, weltliche und geistliche Literatur finden Berücksichtigung. Das ‹Konzept des Fragments› wird als Methode vorgestellt, die der bruchstückhaften mittelalterlichen Textüberlieferung gerecht wird und damit auch auf Probleme herkömmlicher Literaturgeschichtsschreibung angesichts mangelnder Überlieferungsdichte reagiert.»

Germanistik, Band 61, Heft 1-2, 2020, Sophie Marshall

Die Schriftenreihe repräsentiert die Breite der mediävistischen Forschung an der Universität Zürich und darüber hinaus.