Im Vorzimmer der Macht?

Die Frauenorganisationen der SPS, FDP und CVP, 1971–1995

Gebunden
2017. 416 Seiten, 10 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1380-2
CHF 58.00 / EUR 58.00 
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Lange mussten Schweizerinnen in politischer Unmündigkeit verharren: Als einer der letzten europäischen Staaten gewährte die stets das Selbstbild der «Wiege der Demokratie» zelebrierende Schweiz, so die Ironie der Geschichte, ihren Bürgerinnen erst 1971 das Stimm- und Wahlrecht. Aus der Sicht der Parteien – das könnte zumindest angenommen werden – bildeten Frauen eine Gruppe, die es für politische Anliegen zu berücksichtigen und zu gewinnen galt. Doch traten Frauen nach 1971 auch tatsächlich politischen Parteien bei und wurden sie von ihnen als neue Akteurinnen anerkannt? Diesen bislang unberücksichtigten Fragen geht Fabienne Amlinger in ihrem Buch nach. Es handelt von Errungenschaften, vom Scheitern, vom Kämpfen, von Enttäuschungen und auch von der Wut und vom Mut der Frauen unterschiedlicher politischer Überzeugung, die ihre Anliegen in der männlich dominierten Politik umzusetzen trachteten und einen Teil der politischen Macht beanspruchten.

Studium der Geschichte, Sozial­anthropologie und Soziologie an den Universitäten Bern und Basel; seit 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern.


Aufsätze im Chronos Verlag

Pressestimmen

«Mit der Einführung des Stimm- und Wahlrechts begann auch das Rennen um die knapp 2 Millionen Stimmen der Frauen. Insbesondere die bürgerlichen Parteien befürchteten, dass die Frauen eher die SP unterstützten. So begannen die Frauenorganisationen der drei Parteien damit, Geschlechtsgenossinnen anzuwerben und auszubilden. [...] Nach der Euphorie des 7. Februar 1971 folgte die Ernüchterung: Die Männer wollten die Macht nicht teilen. Vielerorts wurden Frauen systematisch von den Wahllisten gestrichen, und zehn Jahre nach der historischen Abstimmung war erst jedes 10. Mitglied des Nationalrats weiblich, im Ständerat jedes 15. [...] Bald fünfzig Jahre nachdem die Frauen das Stimmrecht erhalten haben, sind sie im Parlament wie in der Regierung deutlich untervertreten, und die Gleichstellung ist in vielen Bereichen nicht umgesetzt.»

Tages-Anzeiger, 1. Februar 2019, Janine Hosp

«Ihr Beitrag zur Schweizerischen Parteiengeschichte, die bis dato eine Darstellung der Männer war, kann daher nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie  bricht mit der Geschlechterblindheit der bisher vorliegenden Studien und ist damit auch Vorbild für die Frauen- und Geschlechtergeschichte der politischen Parteien Deutschlands, die auch erst in ihrem Anfangsstadium steckt, wenngleich der Forschungsgegenstand immer noch bei weitem den zum Schweizer Kontext übersteigt.»

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Januar 2019, Jana Licht

«Die Berner Historikerin Fabienne Amlinger hat nun eine aufschlussreiche Studie vorgelegt, die sich gewissermassen der Vorgeschichte der heutigen Debatte widmet. [...] Mit kulturhistorischem Blick analysiert Amlinger die Entwicklung der Frauensektionen der drei Regierungsparteien (die SVP fehlt, weil sie kein öffentlich zugängliches Archiv hat), ihre internen Stellungen und Widerstände.»

Neue Zürcher Zeitung, 18. Januar 2018, Marc Tribelhorn

«Weil die Untersuchung bei allen drei Organisationen die gleichen vier Schwerpunkte behandelt, kommt es zu Redundanzen. Doch erst diese gleichförmige Strukturierung der Hauptkapitel ermöglicht den Vergleich, der für die Positionierung der Frauenorganisationen und ihrer unterschiedlichen Strategien bezüglich Zugang zu den Machtpositionen von der Jahrtausendwende bis heute höchst aufschlussreich ist. So leistet die Berner Historikerin eine differenzierte und aufschlussreiche Analyse der Entwicklung nicht nur der Frauenorganisationen, sondern auch der Parteien als Ganze.»

Schweizerische Zeitschrift für Geschichte, 3/2018, Elisabeth Joris

«Geduld bringt den Frauen keine Rosen. Das sagt die Historikerin Fabienne Amlinger. Sie hat den Umgang von FDP, CVP und SP mit ihren Frauenorganisationen ab Einführung des Frauenstimmrechts 1971 bis 1995 erforscht. Und kommt zum Schluss: Nur wenn Frauen auf den Putz hauen, bewegt sich was.»

Editorial der Zeitung work, 2. März 2018, Marie-Josée Kuhn

Julian Büchler im Gespräch mit Fabienne Amlinger:
«Das Buch endet einige Jahre nach der Nichtwahl von Christiane Brunner. Ihr Buch trägt den Titel ‹Im Vorzimmer der Macht?›. Was wollen Sie den Lesenden mit diesem Fragezeichen mitteilen?
Weil es eine Frage impliziert. Der gesellschaftliche Diskurs befindet sich an einem Punkt, an dem viele das Gefühl haben, dass alles in Ordnung ist. Wir hatten seit Ruth Dreifuss keine Landesregierung mehr, die ausschliesslich aus Männern bestand, zeitweise sogar mit einer Mehrzahl an Frauen. Die Quintessenz des Buches thematisiert jedoch den Fakt, dass Frauen in der Politik immer noch stark untervertreten sind. Zwar haben sie seit 1971 an Einfluss gewonnen und sind vom Vorfeld ins Vorzimmer der Macht gerückt. Inwiefern sie dort tatsächlich an der politischen Macht teilhaben, muss doch in Frage gestellt werden.»

P.S., 1. Dezember 2017, Julian Büchler

«1971 bis 1995: Zwischen diesen beiden Daten siedelt Fabienne Amlinger ihre historische Studie zur Frauenpolitik der Parteien an. Was haben die Parteien nach Einführung des Frauenstimmrechts unternommen, um das neue Wählerpotenzial an sich zu binden? Als Parteien herzlich wenig, so die Antwort. Vielmehr wurde die Aufgabe, Wählerinnen und weibliche Parteimitglieder anzuwerben, den jeweiligen Frauenorganisationen übertragen. [...] Zwiespältig bilanziert Fabienne Amlinger: ‹Die Frauenorganisationen feierten Erfolge, und zugleich scheiterten sie immer wieder ›. Immerhin seien die Frauen ‹vom Vorfeld ins Vorzimmer der Macht eingezogen› und störten dort ‹die Spielregeln der männlichen Dominanz›».

VPOD-Magazin, März 2018, Christoph Schlatter

Aus dem Interview mit der Zeitung work:
«Sie haben den Brunner-Skandal auch als Wendepunkt für FDP und CVP bezeichnet. Inwiefern?
Weil endlich etwas sagbar wurde: die ungleiche Machtverteilung zwischen Mann und Frau. Endlich konnten sich auch bürgerliche Frauen einer breiten Empörung anschliessen. Wenn Zehntausende Menschen auf der Strasse protestieren, ist das einfacher. Viele bürgerliche Frauen traten damals aus Protest aus der Partei aus, während die SP enormen Mitgliederzuwachs verzeichnen konnte. Bürgerinnen und Bürger drohten aus Protest mit Steuerboykott. Die Schweiz bebte. [...]
Wohin geht die Reise heute? Vorwärts oder rückwärts?
Die Tendenzen sind gegensätzlich: Einerseits gibt es Errungenschaften, beispielsweise auf juristischer Ebene. Ich denke dabei an den Gleichstellungsartikel in der Bundesverfassung oder an das neue Eherecht. Auch im Bezug auf Bildung und Stellung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt wurden grosse Fortschritte gemacht. Andererseits bleibt noch viel zu tun. Lohnungleichheit, Sexismus, Untervertretung von Frauen in Wirtschaft und Politik sind nur einige Stichworte.»

Zeitung work, 2. März 2018, Patricia D'Incau, Marie-Josée Kuhn

Die Schweizerische Gesellschaft für Geschlechterforschung vergab am Montag, 20. November 2017 erstmals den «Brigitte-Schnegg-Preis für Geschlechterforschung». Eine der beiden Preisträgerinnen ist die Berner Historikerin Fabienne Amlinger, die für ihre Dissertation «Im Vorzimmer der Macht? Die Frauenorganisationen der SPS, FDP und CVP (1971–1995)» geehrt wurde. Hier finden Sie das Interview zur Preisübergabe.

Das Online-Magazin der Universtät Bern, 22. November 2017, Lilian Fankhauser