Fromme feste Junker

Neuer Stadtadel im spätmittelalterlichen Zürich

Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Band 84
Broschur
2017. 216 Seiten, 106 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1377-2
CHF 48.00 / EUR 43.00 
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Im Gebiet der heutigen Schweiz büsste der Adel – so das traditionelle Geschichtsbild – seine Bedeutung im Spätmittelalter rasch und vollständig ein. Neuere Untersuchungen zeichnen ein differenzierteres Bild und machen auf die fortdauernde Bedeutung von Adel und Adelskultur aufmerksam. Innerhalb der Führungsschichten der eidgenössischen Orte entstanden soziale Gruppen, die schon von Zeitgenossen als «neuer Adel» bezeichnet wurden. An diesem Punkt setzt die Untersuchung am Beispiel der Stadt Zürich an.
In Zürich etablierte sich im späten 14. Jahrhundert eine Führungsgruppe bürgerlicher Herkunft, die bald aristokratische Züge annahm: Aus Aufsteigern mit Wurzeln im Handel und Gewerbe wurden Junker. Die Arbeit untersucht, wie und mit welchem Erfolg sich die Vertreter der städtischen Führungsgruppe am Adel orientierten. Beleuchtet werden die wichtigsten Schritte der Aristokratisierung wie der Kauf von Herrschaften und Burgen auf dem Land, der Erwerb von Wappen- und Adelsbriefen oder der Empfang der Ritterwürde. Gefragt wird nach dem Selbstverständnis der Junker und danach, wie diese von anderen wahrgenommen wurden. Die Arbeit zeigt auf, dass sich die Junker zunehmend von der übrigen städtischen Gesellschaft abschlossen und sich im Vergleich zu ihrer zahlenmässigen Grösse einen erstaunlich grossen politischen Einfluss sichern konnten.

hat in Zürich Geschichte studiert. Er forscht und publiziert zur Geschichte des spätmittelalterlichen Adels, zur Geschichte Liechtensteins sowie zur Sportgeschichte.


Bücher im Chronos Verlag

Inhalt

Vorwort

I Einleitung 1 Fragestellung
2 Forschungsüberblick
3 Theoretischer Rahmen
4 Quellen

II Schritte in Richtung Adel 1 Einnahmequellen und Besitzstruktur

2 Besitzungen auf dem Land
2.1 Lehnsfähigkeit
2.2 Burgen
2.3 Gerichtsherrschaften

3 Wappen- und Adelsbriefe
3.1 Wappenbriefe
3.2 Adelsbriefe

4 Wohnkultur

5 Erinnerungskultur

6 Ritterwürde
6.1 Zur Begrifflichkeit: Ritter, Rittertum und Ritterschaft
6.2 Die Erhebung zum Ritter
6.3 Der Stellenwert des Rittertitels

7 Heiratsverbindungen zum alten Adel

III Ein neuer Adel? 1 Selbstverständnis und Fremdwahrnehmung
1.1 Selbstverständnis
1.2 Fremdwahrnehmung

2 Geburtsständische Abschliessung
2.1 Korporationen
2.2 Heiratskreise
2.3 Netzwerke

IV Der Einfluss der Junker 1 Vogteien

2 Tagsatzungsgesandtschaften

3 Militärische Führungspositionen
3.1 Obrigkeitlich organisierte und freie Kriegszüge
3.2 Der Anteil der Junker
3.3 Chancen und Risiken

V Schluss

VI Anhang
1 Genealogien (bis um 1525)
1.1 Escher
1.2 Göldli
1.3 Meiss
1.4 Meyer von Knonau
1.5 Schwend

2 Heiratskreise
2.1 Eheverbindungen der Kleinräte der Jahre 1489–1515 (bis 1525)
2.2 Eheverbindungen Escher, Göldli, Meiss, Meyer von Knonau und Schwend (1470–1519)
2.3 Eheverbindungen Holzhalb (1470–1519)
2.4 Eheverbindungen Schmid (1470–1519)


Pressestimmen

«Selten nimmt man wohl eine Dissertation so gerne zur Hand wie Stefan Freys Abhandlung über die neue städtische Oberschicht, die sich in Zürich im Verlauf des 15. Jahrhunderts etablierte. Das Buch als reich bebildert zu beschreiben, wäre eine Untertreibung: Die 104 Abbildungen von Briefen, Urkunden, Rechnungsbüchern, Illustrationen, Skizzen und Gemälden bilden geradezu einen eigenen Anmerkungsapparat, der die Ausführungen Freys eindrücklich untermauert. Die klare Gliederung des Werks und die flüssige, abwechslungsreiche Ausdrucksweise des Autors tun ihr Übriges, die Lektüre zu einem Vergnügen zu machen. [...] [Die Studie] bietet einen gut lesbaren und gut strukturierten Überblick über die Geschichte der neuen Zürcher Oberschicht. Es gelingt Frey, eine beeindruckende Vielzahl von Quellen in Wort und Bild in seine Argumentation einzuweben und darüber die grossen Linien nicht aus den Augen zu verlieren.»

Schweizerische Zeitschrift für Geschichte, 2/2018, Ulla Kypta

«Freys Arbeit ist dezidiert kritisch mit dem Adelsbegriff umgegangen und hat die Zwischenstufen ausgeleuchtet, die auch für künftige Forschungen hoffentlich entsprechende Beachtung finden werden. [...] Freys Dissertation ist für eine deutschsprachige akademische Qualifikationsschrift bemerkenswert gesetzt und gestaltet. Der Satz ist durchgehend zweispaltig, die Anmerkungen und Quellennachweise wurden in Endnotenform gegossen, die ganze Arbeit wurde zudem stark farbig bebildert. Diese Konzeption des Chronos Verlages Zürich, in dem der Band erschienen ist, erinnert an kunstgeschichtliche Ausstellungskataloge und macht den Band gut lesbar, auch für ein populäres Publikum.»

Zeitschrift für deutsche Adelsforschung, Claus Heinrich Bill

«Insgesamt bietet der Band eine umfassende Darstellung der verschiedenen Adelsattribute, nach denen eine Gruppe reicher Aufsteiger im spätmittelalterlichen Zürich strebte, und kann damit die Entstehung eines neuen Stadtadels mit entsprechendem Selbstverständnis belegen. Das Konzept des adligen Kapitals als Art symbolischem Kapital wird dabei fruchtbar gemacht zur Untersuchung von Distinktionsbestrebungen.»

H-Soz-Kult, 23. Mai 2017, Benjamin Hitz

«Frey’s book is developed from his doctoral dissertation, but its appearance is more like that of an exhibition catalogue. With an A4 format and over one hundred colour illustrations, it is a handsome volume and many of its pages are a visual delight. [...] Thus ‹Fromme Feste Junker› constitutes one of the most detailed and carefully argued demonstrations of the ‘nobility’ of a late medieval urban elite group in the German lands currently available to researchers. Although results from Zürich (as with any other individual town in the Empire) do not in themselves necessarily reveal much about the situation elsewhere, Frey’s work is likely to prove extremely useful to historians engaging with the question of ‘town’ and ‘nobility’ in late medieval and early modern Germany, not least because the old dichotomy remains prominent in public discourse and so calls forth repeated repudiations from medievalists on the basis of the essential similarity of late medieval urban and rural elites. [...] But it is also a tribute to the thoroughness and importance of Frey’s study that we are sometimes left wanting more.»

Virtus 24/2017, Benjamin Pope, Universität Tübingen

Am Berchtoldstag eines jeden Jahres stellt die Antiquarische Gesellschaft in Zürich ihr Neujahrsblatt vor. Der Band behandelt jeweils ein Thema der Zürcher oder Schweizer Geschichte. Dabei wird häufig jungen Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftlern die Möglichkeit gegeben, mit ihren Forschungsergebnissen an eine breitere Öffentlichkeit zu treten.