Kartographie und Konflikt im Spätmittelalter

Manuskriptkarten aus dem oberrheinischen und schweizerischen Raum

Medienwandel – Medienwechsel – Medienwissen (ISSN 2504-1045), Band 33
Broschur
2015. 200 Seiten, 17 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1269-0
CHF 38.00 / EUR 34.00 
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1429 plante der Herzog von Savoyen, eine Mauer mitten durch die Stadt Genf zu bauen. Damit sollten seine Streitigkeiten um Herrschaftsrechte mit dem Bischof vor Ort endgültig beigelegt werden. Im Kontext der schriftlichen Überlieferung zum langjährigen Konflikt ist auch die erste kartographische Darstellung von Genf überliefert. An vier Fallstudien zum Kartengebrauch im Südwesten des Reichs untersucht die Studie die Bedeutung von kartographischen Darstellungen in Konfliktsituationen des 15. Jahrhunderts.
Vor dem Hintergrund neuerer Überlegungen zur politischen Relevanz kartographischer Darstellungen analysiert sie jeweils die Herstellungssituation von kleinräumigen Karten, das Verhältnis von kartographischer zur schriftlichen Überlieferung sowie die materielle Beschaffenheit und schriftbildliche Anlage der Kartenbilder.

Inhalt

Einleitung

Intensivierung von Herrschaft am Beispiel der Stadt Genf (1429/30) I. Einführung
II. Karteninhalt, Materialität und Überlieferungskontext
III. Die schriftliche Dokumentation des Konflikts
IV. Funktionen und Situationen des Kartengebrauchs
V. Die Karte als Teil einer intensivierten Verwaltung
VI. Kartographie als Folge einer zunehmenden Verrechtlichung von Herrschaft

Dokumentation und Memorierung von Herrschaftswissen – Honau (1450) I. Einführung
II. Beschreibstoff, Layout und Zeichensystem
III. Die schriftliche Überlieferung des Konfliktkontexts
IV. Kartographie und klösterliche Erinnerungskultur

Inszenierung von Herrschaftsansprüchen – Chronistik und kartographische Darstellung am Beispiel Zürichs (1485/86) I. Einführung
II. Materialität, Layout und Zeichensystem
III. Der Chroniktext
IV. Textlogiken – Bildlogiken
V. Funktionen und Gebrauchssituationen

Die Legitimation eines politischen Systems – Die Eidgenossenschaft (1496/97) I. Einführung
II. Produktionskontext
III. Beschreibstoff von Karten und Beschreibungen
IV. Layout und Zeichensystem
V. Merkmale der Landesbeschreibung und Ordnung des Texts
VI. Verhältnis von Text und Bild
VII. Funktionen, Gebrauch und Formen der Präsentation

Kartengebrauch im Konflikt


Pressestimmen

«Zu jeder Karte entwickelt R. sehr ausführlich den Entstehungszusammenhang, stellt die Auftraggeber und den jeweiligen Konflikt vor, bindet sie also ein in den tatsächlichen Gebrauch und den damit verfolgten Zweck. Dabei erscheinen die Karten, übrigens mit vielen erfreulich anschaulichen Detailabbildungen, wie selbstverständlich eingebettet in die Arbeit. R. wird damit seiner eigenen Forderung gerecht, jedwedes Kartenmaterial grundsätzlich nur in Zusammenhang mit der jeweiligen schriftlichen Überlieferung zu sehen und zu bewerten, um die Einheit von Bild (pictura) und Schrift (scriptura) zu gewährleisten. [...] Karten sieht R. immer auch als ‹Mittler von Wissen›; die Möglichkeiten, dieses Wissen aus den Karten zu extrahieren, hat er in sehr gelungener Weise ausgebreitet und damit auch den Blick der Leser auf diese Quellengattung erweitert.»

Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters, Band 73–1 (2017), Volker Friedrich Drecktrah

«Man sieht: Der Leser wird mit vielen und detaillierten Einsichten beschert. Ruch kann zeigen, dass auch spätmittelalterliche Karten einen Sitz im Leben besaßen, dass sie gebraucht wurden, um Ansprüche durchzusetzen, Rechtstitel in Erinnerung zu rufen, politisches Bewusstsein zu artikulieren und Legitimität zu erzeugen. Man wird ihnen aber nur dann gerecht werden, wenn man den gesamten Kontext ihrer Entstehung bedenkt und namentlich das Verhältnis des Kartenbilds zu den sie umgebenden Texten analysiert. [...] Ruch präsentiert seinen Gegenstand in akkurater Diktion und walzt ihn nicht aus, sondern konzentriert sich auf die wesentlichen Aspekte.»

Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, 76. Jg. 2017, Folker Reichert

«Der vorliegende Band, eine Zürcher Dissertation von 2012, geht dem vielfältigen Problembereich der Karthographie von theoretischer Seite mit überaus gelehrten Darlegungen und methodischen Überlegungen an, beschränkt sich dann auf die Karthographie des 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts und führt dies an vier markanten Beispielen aus dem oberdeutschen Raum aus, die in sehr präzisen und detaillierten Einzeluntersuchungen vorgestellt werden. [...] Doch zeigt sich [...], wie viele Gesichtspunkte möglich sind, unter denen die Karte betrachtet werden kann, wenn die Quellen selbst, Zeit und Ort ihrer Entstehung, ihr Autor und sein Fragestellung, die Art und Weise seines Vorgehens so minutiös untersucht werden, wie es in der vorliegenden Arbeit der Fall ist. Bei den hier beschriebenen Beispielen, für die freilich auch eine exzellente Überlieferung die Untersuchung begünstigt, hat dies zu vielen bemerkenswerten Ergebnissen geführt.»

Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 165, 2017, Hansmartin Schwarzmaier

«Au total, Ralph Ruch convainc parfaitement les lecteurs que l’interprétation des cartes de la fin du Moyen Âge ne se réduit pas à la seule domination politique mise en avant par Harley. Les belles illustrations en couleur, au fil du texte, le servent pour cela. [...] Mais Ruch parvient très bien à prouver que pour comprendre les motivations de leur production, mais aussi leurs usages et leur réception, il est nécessaire d’étudier ces cartes dans leur contexte historique mais aussi documentaire, et de s’intéresser à leur matérialité. En confrontant constamment les éléments graphiques et textuels de ces cartes de petits espaces aux documents écrits qui les entourent, Ruch fait comprendre combien leur production nécessitait du savoir et comment elles le réagençaient et le diffusaient. Cette mise en regard des textes et des cartes est parfois très fouillée et du coup manque d’une certaine légèreté, mais cela est nécessaire au propos de cette belle thèse.»

Revue d'Alsace, N° 142, septembre 2017, Olivier Richard

«In seiner Zürcher Dissertation stellt Ralph A. Ruch die Frage nach ‹der Rolle lokaler Kartierungen als Mittel der Manifestation und Legitimation von politischen Ansprüchen› (9) in den Mittelpunkt. [...] Ruchs offener Kartenbegriff bezieht ‹jegliche schrift-bildliche Darstellung von Raum› mit ein. Eine Karte sei allerdings nicht nur die Abbildung eines Raumes oder einer Landschaft, sondern stelle ‹Wissensbestände räumlich geordnet graphisch› dar (15). [...] Musterbeispiel für die Ergiebigkeit von Ruchs multiplem Zugriff (Karteninhalt, Beschaffenheit, Produktions-, Überlieferungs- und Gebrauchskontext) ist die Skizze der Stadt Genf, die Guillaume Bolomier, Sekretär des Herzogs von Savoyen, im Jahr 1429/30 anfertigte, um einen Vertrag mit dem Bischof von Genf über die Aufteilung der Stadt vorzubereiten. [...] Im letzten Abschnitt (167–173) akzentuiert Ruch unter den vier Stichworten ‹Kartenwissen›, ‹Kartenbild›, ‹Materialität› und ‹Kontexte› die Ergebnisse seiner vergleichsweise schlanken, aber im Einzelnen sehr eindringlichen und durchweg überzeugenden Untersuchung, die zu weiteren Forschungen anregt.»

Zeitschrift für Historische Forschung 44 (2017) 3, Joachim Schneider, Würzburg / Dresden

«Die eindrucksvolle und sehr gut zu lesende Studie weist nach, dass kartographische Darstellungen bereits bei Konflikten im Spätmittelalter verwendet wurden. Sie waren fester Bestandteil von schriftlichen und mündlichen Argumentationsstrategien und wurden als ideales Hilfsmittel eingesetzt, um Herrschaftsansprüche zu legitimieren. Zugleich inszenierten sie politische Ansprüche im Kontext der städtischen Geschichtsschreibung. Es bleibt zu hoffen, dass ähnlich wegweisende Studien zu anderen Regionen folgen.»

Mediaevistik 29 (2016), Thomas Horst

«Ralph A. Ruch gelingen erhellende Beobachtungen, welche auf exemplarische Art und Weise die quellenbedingten Grenzen, aber auch die Chancen einer historisch-kontextualisierenden Kartenbetrachtung aufzeigen.»

Studia Mediaevalia Bohemica 8 (2016), Georg Modestin

Diese Buchreihe vereinigt Studien des gleichnamigen Nationalen Forschungsschwerpunkts sowie mediengeschichtliche Arbeiten. Sie rückt die Zeit vor der Ausbreitung der Massenmedien und insbesondere die medialen Verhältnisse der Vormoderne ins Zentrum. Damit ermöglicht sie Einblicke in die Andersartigkeit älterer Kommunikationsformen und erlaubt es gleichzeitig, Voraussetzungen für die mediale Formierung der Neuzeit zu ergründen.