Zwischen Differenz, Solidarität und Ausgrenzung
Inkorporationspfade der alevitischen Bewegung in der Schweiz und im transnationalen Raum
Gebunden
2013. 430 Seiten, 5 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1005-4
CHF 58.00 / EUR 52.00 
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Seit gut zwei Jahrzehnten setzen sich alevitische Kulturvereine für die Vermittlung ihrer kulturellen und religiösen Traditionen in der Schweiz ein. Ebenso engagieren sie sich für die öffentliche Anerkennung ihrer Glaubensgemeinschaft. Im vorliegenden Buch beschreibt die Autorin die Entstehung und Entwicklung der alevitischen Bewegung in der Schweiz und diskutiert die Bedingungen und Strategien der Inkorporation in die Gesellschaft des Landes.
Auf der Grundlage einer Ethnografie, die an unterschiedliche Schauplätze in der Schweiz sowie in Deutschland und in der Türkei führt, wird die allmähliche Institutionalisierung der alevitischen Bewegung in der Schweiz und im transnationalen Raum geschildert. Dabei rücken Konflikte ins Blickfeld, welche mit einem unterschiedlichen Verständnis des Alevitentums genauso zu tun haben wie mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen und divergierenden akteursbezogenen Interessen. Trotz solcher Differenzen lässt sich unter Alevitinnen und Aleviten innerhalb der Bewegung ein starkes, solidarisches Wir-Verständnis ausmachen, welches unter anderem auf Erzählungen einer gemeinsamen Vergangenheit beruht.
Dieses auf Solidarität basierende «Wir» existiert immer auch in Abgrenzung von einem «Anderen» und steht in engem Zusammenhang mit Erfahrungen der Unsicherheit und Ausgrenzung sowohl im sunnitischen Herkunftsland wie auch in der Schweiz. In Bezug auf die Schweiz lässt sich dies am besten an den seit Jahrzehnten geführten politischen Debatten zur Inklusion beziehungsweise Exklusion von Zugewanderten beschreiben und wird hier mit Hilfe des Konzeptes der Inkorporationspfade greifbar gemacht.

Sozialanthropologin, arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Departement Angewandte Linguistik der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

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Inhalt
Forschungskontext

1 Interesse
1.1 Die alevitische Revitalisierung in historischer Perspektive
1.2 Hintergrund
1.3 Vorhaben
1.4 Methoden
1.5 Im Feld
1.6 Die Kapitel

2 Forschung zu Aleviten? Von Aleviten? Für Aleviten?
2.1 Wissen in der alevitischen Bewegung
2.2 Alevi-Forschung im Fokus ethnographischer Repräsentationskritik
2.2.1 Ethnographische Repräsentationskritik
2.2.2 Konstruktivistischer Konsens in der Alevi-Forschung
2.3 Alevi-Forschung im Diskursfeld der alevitischen Wissensproduktion
2.3.1 Alevi-Forschung als soziale Praxis
2.3.2 Die eigene Position

3 Migration aus der Türkei in die Schweiz
3.1 Migration nach Europa
3.2 Migration in die Schweiz
3.2.1 Wirtschaftliche Interessen und staatspolitische Schranken
3.2.2 Einzelmigration, Kettenmigration und Flucht
3.2.3 Drei Migrationsphasen
3.3 Und Aleviten?

Alevitische Bewegung in der Schweiz und im transnationalen Raum

4 Basel 1992
4.1 Kontext
4.2 «Merhaba»-Aleviten
4.3 29. Juni 1992, am Riehenring in Basel
4.4 Basel und seine Vereine – «Çağdaş mı, Kürt mü, Türk mü, Alevi mi?»
4.5 Mit vereinten Kräften
4.6 Alevitische Vereine als soziale Bewegung
4.6.1 Die Bewegungsforschung
4.6.2 Die Bewegungsperspektive in der Alevi-Forschung

5 Von der Bewegung zur Institution
5.1 Lokal
5.1.1 Zwischen Freiraum und Regeln
5.1.2 Aktivitäten der lokalen Vereine
5.1.3 Ambivalente Stellung der «dedes»
5.1.4 Kristallisationspunkt Mitgliederversammlung
5.2 Translokal
5.2.1 Das Programm
5.2.2 Organisation und Aktivitäten
5.2.3 Umstritten
5.3 Transnational
5.3.1 Transnational etablierte Zusammenarbeit
5.3.2 Transnationale Anerkennungspolitik
5.3.3 Alevitische Öffnung
5.3.4 Marginaler Einfluss auf supranationaler Ebene
5.3.5 Transnationale Betroffenheit durch mediale Fiktion
5.3.6 Im transnationalen sozialen und kulturellen Raum
5.4 Akteure
5.4.1 Frauen in der alevitischen Bewegung
5.4.2 Mobilisierte und Mobilisierende

6 Doing Alevism
6.1 Praxis der Zugehörigkeit
6.2 Emotionale Vereine
6.2.1 Selektivität, Prozesshaftigkeit und Gegenwartsbezug
6.2.2 Solidarität gestärkt durch äussere Bedrohung
6.2.3 Störende Kontraste
6.3 Erinnerte Wende
6.3.1 Lichtes Feuer gegen Dunkelheit
6.3.2 Unterschiedliche Lesarten
6.4 Mobilisieren durch Erinnern
6.5 Mobilisieren durch Ritualisieren
6.5.1 Ritual, Performance und Praxis
6.5.2 Ritualisierungen der alevitischen Zugehörigkeit
6.5.3 Rolle der Öffentlichkeit

Gesellschaftliche Verortung in der Schweiz

7 Inkorporation und Religion in der Schweiz
7.1 Migration, Inkorporation und Religion
7.1.1 Überblick über die Migrationsforschung
7.1.2 Inkorporation als ein mehrdimensionaler Prozess
7.1.3 Inkorporation und Religion
7.2 Inkorporationsmodus Religion in der Schweiz
7.2.1 Muslime unter Verdacht
7.2.2 Thematische Zusammenführung von Religion und Integration
7.2.3 Diskursive und institutionelle Rahmung
7.3 Religion und Säkularisierung – eine Annäherung
7.3.1 Wiederkehr der Religionen?
7.3.2 Säkularisierung als diskursive Strategie
7.3.3 Zugang zum Begriff der Religion
7.4 Inkorporationsmodus Religion und Aleviten

8 Inkorporationspfade der alevitischen Bewegung in der Schweiz
8.1 Lokale Inkorporationspfade
8.1.1 «Von wem nimmst Du das Recht mich zu vertreten?»
8.1.2 Auf dem Weg zur öffentlich-rechtlichen Anerkennung
8.1.3 Interreligiöser Dialog überfordert?
8.2 Translokale Inkorporationspfade
8.2.1 Der Integrationskredit als Anleitung zur Selbstverantwortung?
8.2.2 Minarettverbotsinitiative als diskursive Chance

9 Ambivalente Verortung
9.1 Differenz und Solidarität
9.2 Wider die Ausgrenzung