Aids in Literatur, Theater und Film
Zur kulturellen Dramaturgie eines Störfalls
Materialien des Instituts für Theaterwissenschaft Bern (ITW), Band 12
Gebunden
2012. 184 Seiten, 58 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1122-8
CHF 44.00 / EUR 40.00 
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Aids steht für die letzte grosse Krise der westlichen Welt im ausgehenden 20. Jahrhundert. Heute hat sich die Situa­tion normalisiert: Aus der verheerenden Seuche ist eine zwar ernste, doch einschätzbare Krankheit geworden. Im Rückblick zeigen sich die dreissig Jahre des gesellschaftlichen Umgangs mit Aids als dicht gedrängte Zeit, in der der Umgang mit der neuen, höchst bedrohlich erscheinenden Krankheit ausgehandelt wurde.
Der Band zeichnet die Entwicklung des Aids-Diskurses im deutschsprachigen Raum von den Anfängen in den 1980er Jahren bis zur Gegenwart nach. In der Rückschau werden die dominanten Strömungen und Gegenströmungen charakterisiert und die entscheidenden Drehpunkte des Diskurses akzentuiert. Besonderes Augenmerk gilt dem Beitrag von Literatur, Theater und Film zur gesellschaftlichen Verarbeitung von Aids. Die systematische Analyse macht die komplexen Wechselverhältnisse zwischen den Massen­medien, den fiktionalen Gattungen sowie der medizinischen Kommunikation sichtbar.
Die regelmässige Wiederkehr von epidemischen Szenarien – BSE, SARS, Vogel- und Schweinegrippe und jüngst EHEC – zeigt, dass ein prüfender Blick auf die sich wiederholenden dramaturgischen Muster der Auseinandersetzung mit ansteckenden Krankheiten nottut. In diesem Zusammenhang trägt das gleichermassen auf wissenschaftliche Genauigkeit wie auf Anschaulichkeit und Allgemeinverständlichkeit angelegte Buch zur kritischen Reflexion der jüngsten Zeitgeschichte bei.

hat Theater- und Literaturwissenschaft in Berlin, Zürich und Bern studiert. 2011 hat sie am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern ihre Dissertation zur Darstellung von Aids in Literatur, Theater und Film abgeschlossen.


Bücher im Chronos Verlag

Inhalt
Einleitung
- Vom Todesurteil zum Gesundheitsrisiko – Einführung
- Krankheit erzählen – methodologische Grundlegung
- Aids revisited – Forschungsstand

Dramaturgie des Aidsdiskurses
- «Das unheimlich Animalische treibt die Seuche an» – Ausgrenzung
- «Tina, wat kosten die Kondome?» – Prävention
- «Er trug unsere Krankheit» – Integration
- «Wegen dieser offenen Wunde, die mir den Hals zerfrißt» – Integrations­verweigerung
- «Ich brauche kein Gesetz mehr» – Weltuntergangsszenarien
- «Das weiße AIDS-Imperium schlägt zurück» – Angstlust
- «Er kriegt die Todesstrafe und was er sonst noch verdient» – Aids als Nebenthema
- Fazit


Thematische Studien

Theaterstücke
- «Über Liebe und Aids» – Prävention
- «Endlich nicht mehr schweigen!» – Integration
- «Dann starben sie aus» – Weltuntergangsszenarien
- «Ich will die Schwulenseuche zurück» – Identifikation
- Fazit

Autobiografien
- «Aids und der Tod waren gute Lehrmeister» – Krankheit als Chance
- «Für jeden Buchstaben ein schönes Wort» – Aneignung und Ermächtigung
- «Es ist eine Krankheit, die Zeit zum Sterben gibt» – das Chaos erzählen
- «Ein Holocaust hat stattgefunden» – Identifikation mit Aids
- Fazit

Gender-Konzepte in Literatur und Film
- «Unerkannt in ihrer Grösse» – die reale Kranke als Vorbild
- «Stark wie das Leben» – die fiktive Kranke als Vorbild
- «Es war, als hätte das Virus mich geschwängert» – Sinnangebote für die Kranken
- «Wir müssen finden, was uns verbindet» – Integration durch Gemeinschaft
- «Common Threads» – Krankheitsverteilung und Gendering
- Fazit

Das Kaposisarkom als Bild im Aidsdiskurs
- «Der rotweindunkle Kuß des Todesengels» – Wissen
- «Was ist das an Ihrer Stirn?» – Sinngebung
- «Ich bin so weit» – Akzeptabilität
- Fazit


Fazit und Ausblick
- Bilanz
- Synchroner Vergleich und interkulturelle Transferprozesse
- Diachroner Vergleich und diachrone Transferprozesse

Pressestimmen
«Beate Schappachs Arbeit stellt in ihrer kultur- und Diskursübergreifenden Perspektive und der breitgefächerten Auswahl an Untersuchungsgegenständen einen maßgeblichen Beitrag zur kultur- und medienwissenschaftlichen Betrachtung von HIV und AIDS dar.» Mark Schmitt, Medienwissenschaft

Das ITW Bern begreift sich als Partner der in der Fédération internationale de la recherche théâtrale und in der Gesellschaft für Theaterwissenschaft e. V. vereinigten theaterwissenschaftlichen Institute. Folgerichtig werden in der Reihe auch Ergebnisse aus Lehre und Forschung auch anderer Institute präsentiert: Textsammlungen zum Studium der Theaterwissenschaft, Kongressmaterialien, Lizentiatsarbeiten zur Fachgeschichte, zur Theaterpraxis oder zur Methodendiskussion. Ebenso ist an Erstausgaben von Stücken oder an wichtige Übersetzungen gedacht, die Eingang in den theaterwissenschaftlichen Diskurs finden sollen.