Fleisch und Blut
Das Leben des Metzgers Hans Meister
Gebunden
2004. 10. Auflage 2014.
240 Seiten, 18 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-0687-3
CHF 29.80 / EUR 26.00 
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Er liebte die Tiere mehr als alles andere. Als die Mutter starb, holte er sich die Wärme beim Hofhund. Sein Traum war es, Tierarzt zu werden. Hans M. wurde Metzger, einer bis ins Mark.
Noch heute hört er den Kanonendonner, den der erste Weltkrieg vom Elsass bis ins Emmental trug. Und er erinnert sich an trommelnde Sozialisten, die kurz vor dem Landesstreik mit roten Fahnen am Miststock vorbeimarschierten. Der Bergbauernbub entging knapp einem Schicksal als Verdingkind. Und knapp entging er der Verzweiflung des Vaters. Das harte Leben im Krachen stählte seinen Willen. Er wollte vor allem eines: weg aus dem Tal. Weg vom Schinden, Hungern und Frieren. Eine Metzgerlehre war seine grosse Chance.
So beginnt ein Leben, das ein steinalter Mann erzählt, mit unheimlicher Präzision und grosser Erzählkraft. Schonung ist nicht seine Sache, damals nicht und heute nicht. Mächtigen Herren im Land, Generalssöhnen, die bei Truppenverschiebungen die Packesel vergessen, oder schwerreichen Zürcher Grossmetzgern, die Verbandsfunktionäre bestechen, bietet er die Stirn. Hans kämpft in Solothurn wie ein Stier, wenn es darum geht, «die Gerechtigkeiten» durchzusetzen. Obwohl er immer zu den Kleinen gehörte. Im Schlachthaus legt er Hand an für zwei. Die Hinterviertel, die er schleppt, sind doppelt so schwer wie er. Nur etwas macht ihn schwach: wenn Tiere leiden.
«Fleisch und Blut» bricht das 20. Jahrhundert wie ein Prisma und erzählt es wie ein Roman. Susanna Schwager stieg mit ihrem Grossvater in die Vergangenheit, fragte und stellte in Frage. Aus seinen glasklaren Erinnerungen fügte sie eine handfeste, manchmal drastische Geschichte voller poetischer Details.


Susanna Schwager war Lektorin bei einem renommierten literarischen Verlag. Später arbeitete sie als Redaktorin bei der «alten» Weltwoche. Aus Lateinamerika, wo sie mehrere Jahre lebte, brachte sie die Faszination für erzählte Geschichte und die Neugier auf das fremdartige Eigene nach Hause. Heute wohnt sie mit ihrer Familie in Zürich. www.susannaschwager.ch

Bücher im Chronos Verlag

Textauszug
Dieses Leben war unerträglich, absolut. Es kam mir vor wie eine Sackgasse, wie ein Loch. Man krampfte fürs Überleben, es blieb keine Zeit, sich etwas anderes vorzustellen. Von dem Moment an, als ich den Vatter im Tenn am Boden liegenliess, sah ich dieses schwarze Loch. Ich war jetzt fünfzehn und hätte den Vatter umbringen können. Oder mich. Der Willi holte mich aus dem Loch, in das ich mich vergrub. Er lachte mich aus. Dieser Hund konnte lachen, dass es einem ansteckte. Statt mit dem Vatter im Tal zu verrecken, musste ich mich bewegen. Dieses Lachen war wie ein Schubs. Ich wollte nicht verrecken.

Metzger wollte ich werden, das wusste ich plötzlich. Metzger waren stolze Männer. Ganz anders als die Bäcker oder Gärtner. Im Tal standen die Metzger auf der gleichen Stufe wie die Lehrer und Pfärrer. Oft hatten sie auch Ehrenämter. Ein Metzger war jemand, eine Respektsperson. Er kennt die Sachen von innen, gäll. Er kennt auch den Tod. Man kann sagen, ein Metzger muss ein guter Mann sein. Muss. Weil er tötet. Ein

Pressestimmen
«Bravourös. ‹Fleisch und Blut› ist ein erstrangiges Zeit- und Menschen-Dokument.» Gerold Späth

«Im Alter von 92 Jahren erzählt der ehemalige Metzgermeister seiner Enkelin aus seinem Leben - in einer Sprache, die so melodiös, bilderreich und handfest ist wie die Lebenssequenzen, die Hans Meister in aller Drastik schildert.» Neue Zürcher Zeitung

«‹Fleisch und Blut› ist ein berührendes, kluges Buch, das von einer verschwundenen Welt spricht, und es ist zudem ein Stück Literatur, weil Susanna Schwager die Erinnerungen ihres Grossvaters wunderbar in Sprache zu fassen weiss.» Urs Widmer

«Dieses Buch ist mehr als Volkskunde oder Geschichtslektüre, es ist gleichzeitig Literatur, die gefangennimmt, die durch und durch komponiert ist und trotzdem hundertprozentig authentisch. In einer eindrücklichen Sprache erzählt, lebendig und kräftig. Ich habe die Zeit meiner Eltern noch nie so gut begriffen - im Guten wie im Bösen. ‹Fleisch und Blut› sollte Pflichtlektüre sein für jede Schweizerin und jeden Schweizer, und für jeden Metzger sowieso.» Christian Schmid (Trio Literal, DRS 1)

«Für die Mentalitätsgeschichte unseres Landes in der Zeit der vielgescholtenen Aktivdienstes, aber auch in den Wirtschaftswunderjahren, ist dies ein höchst kostbares Buch. Und es gibt Passagen, die mir bereits wie kleine Klassiker erscheinen, etwa der fast homerische Hymnus auf die Cervelat. Das hat kulturgeschichtlichen wie poetischen Wert.» Peter von Matt

«Erzählt in einer wunderbar schlichten Sprache, gespickt mit fast vergessenen berndeutschen Ausdrücken, beschreibt sie beispielhaft die Erfahrungen einer Generation, die die Modernisierung im Zeitraffer erlebte. Hans Meister steht für eine Männergeneration, in deren ‹Chrampferleben› keine Zeit für Gefühle blieb. Schweizer Geschichte von unten - traurig schön.» Michael Krobath in der Weltwoche

«Susanna Schwager hat die Geschichte ihres Grossvaters in langen Gesprächen aufgezeichnet und legt ein höchst lesenswertes Dokument vor, das über das Zeitzeugnis hinaus das lebendige Porträt dieses Menschen, seiner Geschicke und Ansichten ist. Ein reiches Buch, das wirklich Geschichte von unten erzählt.» Urs Bugmann in der Neuen Luzerner Zeitung

«Diese Lebensgeschichte ist in einer einfachen aber eindringlichen Sprache geschrieben ... Fleisch und Blut erzählt von einer vergangenen Welt und ist dennoch in unseren Köpfen lebendig als eigene Erinnerung.» Eugen Mahr, Buchhändler in Thun

«Ausgestattet mit einem ‹Elefantengedächtnis› erzählte er der Enkelin sein Leben: unverblümt, frech, klarsichtig, poetisch derb. Die Autorin verdichtete die Tonbandprotokolle zu einem kraftvollen 220-Seiten-Monolog und übertrug das Berndeutsch in eine lesbare Sprache. Ein originelles ... Lesevergnügen.» Franziska Schläpfer im Buchjournal

«Den Nachgeborenen der Aktivdienstgeneration, aber nicht nur ihnen, ist dieses Buch zu empfehlen. Die Autorin erzählt nicht einfach über ihren Grossvater, sondern sie hat dessen Erinnerungen kunstvoll kondensiert in eine bodenständige helvetische Sprache, die ganz von fern an Gotthelf erinnert.» Ina Boesch, NZZ am Sonntag

«Bemerkenswert ist, dass es keine Elendsgeschichte erzählt, sondern dass der zähe Wille zu Aufstieg und besserem Leben literarisch dargestellt ist. Ein wichtiges Zeugnis zur Entstehung der heutigen Schweiz.» Wolfgang Bortlik, 20 min

«Wenn Hans Meister eine Wurst beschreibt, bekommt man Sehnsucht nach einer solchen. Ein liebevoller, umwerfend komischer Bericht in einer wunderbar knorrigen Sprache über ein aussterbendes Handwerk und eine verschwundene Zeit.» Jacqueline Schärli, DU