Naum Reichesberg (1867–1928)

Sozialwissenschaftler im Dienst der Arbeiterklasse

Gebunden
Erscheint im September 2019. ca. 400 Seiten, ca. 5 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1544-8
ca. CHF 48.00 / EUR 48.00 
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Leben und Werk des bedeutenden ­Sozial­­wissenschaftlers Naum Reichesberg (1867–1928) sind kaum bekannt. In seiner Biografie spiegeln sich verschiedene Aspekte der Schweizer Geschichte des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts: die jüdische Bildungsmigration vom Zarenreich in die Schweiz, die Aktivitäten der russischen politischen EmigrantInnen, die Etablierung der Sozialwissenschaften und der Statistik, die Entstehung eines internationalen ­Arbeiterschutzes, der wachsende politische Einfluss der Sozialdemokratie sowie die Abschottungs- und Abwehrpolitik nach dem Ersten Weltkrieg.
Geboren 1867 im Südwesten des russischen Reichs, kam Naum Reichesberg als Student an die Universität Bern und lehrte hier von 1892 bis zu seinem Tod im Jahr 1928 als Privatdozent und später als Professor für Statistik und Nationalökonomie. Reichesberg ist vor allem als Herausgeber des rund 4000 Seiten umfassenden «Handwörterbuchs der Schweizerischen Volkswirtschaft, Socialpolitik und Verwaltung» bekannt. Er bemühte sich, Wissen für alle zugänglich zu machen, und setzte sich für eine wirksame Sozialpolitik ein. Er spielte eine zentrale Rolle in der russischen «Kolonie» in Bern, die sich im späten 19. Jahrhundert rund um die Universität bildete, und war in der schweizerischen Sozialdemokratie gut vernetzt. Trotz seines – auch vom Bundesrat anerkannten – Verdienstes um die Sozialpolitik in der Schweiz wurde Reichesberg das Schweizer Bürgerrecht, wohl hauptsächlich aufgrund seiner jüdischen Herkunft, verwehrt.

Aline Masé studierte in Basel, Utrecht und München Geschichte. 2018 promovierte sie an der Universität Bern mit der Publikation «Naum Reichesberg (1867-1928)». Sie arbeitet heute im Bereich Public Affairs.