Unabhängige Expertenkommission Administrative Versorgungen (Hg.)
Organisierte Willkür

Administrative Versorgungen in der Schweiz 1930–1981

Texte deutsch

Veröffentlichungen der Unabhängigen Expertenkommission Administrative Versorgungen, Band 10 A
Halbleinen
Erscheint im September 2019. ca. 320 Seiten
ISBN 978-3-0340-1520-2
ca. CHF 38.00 / EUR 38.00 
  • Kurztext
  • Buchreihe

Bis 1981 wurden in der Schweiz Zehntausende Menschen ohne Gerichtsurteil und ohne, dass sie eine Straftat begangen hatten, in Anstalten eingewiesen. Obwohl auf zahlreiche Gesetze gestützt, war die Praxis der Behörden rechtsstaatlich problematisch und vielfach von offener Willkür geprägt. Oft reichte es für eine jahrelange Anstaltsversorgung, dass jemand als «arbeitsscheu» oder als «liederlich» bezeichnet wurde. 2014 anerkannte das Parlament das Unrecht, das den administrativ versorgten Menschen zugefügt worden war, und erteilte den Auftrag für eine historischen Aufarbeitung.

Der Schlussbericht der Unabhängigen Expertenkommission (UEK) Administrative Versorgung präsentiert die wissenschaftliche Synthese dieser Untersuchungen in einer knappen, gut verständlichen Form und situiert die Ergebnisse im Kontext der neueren Schweizer Geschichte. Er enthält auch die Empfehlungen der Kommission zuhanden des Bundesrats für die Fortführung des Rehabitilierungsprozesses und Texte von betroffenen Personen. Er bildet eine fundierte Grundlage, um die politische und historische Diskussion über fürsorgerische Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen sowie die Anerkennung historischen Unrechts fortzusetzen.

 

Der Bundesrat beauftragte Ende 2014 eine unabhängige Expertenkommission (UEK) mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der administrativen Versorgungen in der Schweiz vor 1981. Dazu gehörten insbesondere die Auseinandersetzung mit der Perspektive von Betroffenen und Opfern sowie die Analyse staatlicher Interventionen und behördlichen Handelns. Die UEK sollte dabei auch die Bezüge zu allen anderen fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen berücksichtigen. Die Kom­mission veröffentlicht ihre Forschungserkenntnisse in neun Monografien sowie einem Synthesebericht zuhanden des Bundesrates.

Die UEK Administrative Versorgungen wurde interdisziplinär zusammen­gesetzt: Sie besteht aus neun Mitgliedern, hauptsächlich Historikerinnen und Historiker, aber auch aus Vertreterinnen und Vertretern der Sozialwissen­schaften, der Psychiatriegeschichte/Psychiatrie und der Rechtswissenschaften.