Das Wetter der Nation

Meteorologie, Klimatologie und der schweizerische Bundesstaat, 1860–1914

Interferenzen – Studien zur Kulturgeschichte der Technik, Band 27
Gebunden
Erscheint im April 2019. ca. 368 Seiten, ca. 40 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1502-8
ca. CHF 48.00 / EUR 48.00 
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Weshalb wurde das systematische Beobachten des Wetters zu einer Aufgabe des schweizerischen Bundesstaats? Und was bedeutete dies für die Meteorologie und Klimatologie als Wissenschaft, aber auch für die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Wetter? Franziska Hupfer untersucht eine Epoche der Schweizer Geschichte, in der sich ein neues Verhältnis von Wissenschaft, Staat und Nation entwickelte. Die Geschichte der Meteorologie und Klimatologie in den Jahrzehnten um 1900 zeigt, wie eng das politische Projekt des Nationalstaats mit der Entstehung wissenschaftlicher Einrichtungen verbunden war. Im Zentrum der Untersu­chung steht die Schweizerische Meteorologische Zentral­anstalt, die sich in dieser Zeit als wichtige Akteurin im Wissensfeld etablierte. Sie organisierte ab 1863 eine landesweite Klimabeob­achtung mithilfe von Laien. Die formalisierte und zunehmend international standardisierte Erfassung des Wetters brachte ein quantitatives Klimaverständnis hervor. Ab 1880 gab die Zentralanstalt zudem tägliche Wetterbe­richte mit Prognosen heraus, was politisch erwünscht, aber wissenschaftlich umstritten war. Die Studie zeichnet nach, wie sich die Produktion von Wissen über Wetter und Klima in dieser Phase grundlegend veränderte. Die dama­ligen Entwicklungen prägen die Datenerhebung, die Forschungspraxis und den gesellschaftlichen Umgang mit der Natur bis heute.

ist Historikerin und hat als Doktorandin zur Geschichte der Meteorologie und Klimatologie geforscht. 2017 wurde sie an der ETH Zürich promoviert.

Die in dieser Reihe erscheinenden Studien untersuchen technische und wissenschaftliche Entwicklungen in der Neuzeit. Sie fragen nach dem historischen Entstehungskontext und gehen der Frage nach, inwiefern verschiedene soziale Gruppen diese technischen Entwicklungen als Möglichkeit sozialen Wandels wahrgenommen, ausgehandelt und bisweilen genutzt oder vergessen haben. Der Ansatz erlaubt es, Innovationen als technisch und gesellschaftlich voraussetzungsreiche Prozesse zu verstehen und zu erklären.