Fremdsein im Krieg
Die Schweiz als Ausgangs- und Zielort von Migration, 1914–1918
Die Schweiz im Ersten Weltkrieg, Band 2
Gebunden
Erscheint im März 2018. ca. 352 Seiten, ca. 10 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1411-3
ca. CHF 58.00 / EUR 58.00 
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Der Erste Weltkrieg hatte einen Strukturbruch in der Migrationsgeschichte Europas zur Folge. Ab 1914 wurden transnationale Wanderungsbewegungen immer stärker durch politische Entwicklungen und staat­liche Rahmenbedingungen ausgelöst und reglementiert. Von diesen Entwicklungen war auch die mitten in Europa liegende Schweiz betroffen. Der neutrale Kleinstaat wurde vermehrt zum Zufluchtsort für ausländische Deserteure, politische Emi­grantinnen und Emigranten sowie zivile Flüchtlinge. Zur gleichen Zeit wurden im Ausland lebende Schweizerinnen und Schweizer als «feind­liche Ausländer» ausgewiesen, verhaftet oder in Lagern interniert.

In diesem Buch werden die vielfältigen Wanderungsbewegungen von Arbeitskräften, militärischen Migranten sowie Flüchtlingen mit dem Ausgangs- und Zielort Schweiz in den Jahren 1914–1918 beleuchtet. Die Autorin zeigt anhand einer reichen Quellenbasis, dass der Erste Weltkrieg den Umgang der Schweizer Regierung mit Migrantinnen und Migranten grundlegend veränderte. Im Innern des Landes kam es zu einer Umstellung der Dispositive auf Abwehr, die eine Verschärfung und Zentralisierung der Grenzkontrollen und schliesslich die Gründung der eidgenössischen Fremdenpolizei zur Folge hatte. Die Kriegserfahrungen der Schweizerinnen und Schweizer im Ausland wiederum führten zu einem Ausbau der staatlichen und privaten Institutionen zum besseren Schutz der schweizerischen Staatsangehörigen im Ausland.
Diese Entwicklungen sollten weit über den Krieg hinaus Einfluss auf die Schweiz als Ausgangs- und Zielort von Migration haben. Das Buch stellt deshalb einen wichtigen Beitrag zur schweizerischen Migrationsgeschichte des 20. Jahrhunderts dar.
studierte Geschichte und Germanistik an der Universität Zürich. 2017 promovierte sie mit der vorliegenden Publikation an der Universität Bern. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die schweizerische Migrations­geschichte sowie die Geschichte des Ersten Weltkrieges.
Inhalt
1 Krieg, Migration und die Schweiz

2 Krieg und Migration im globalen Kontext – theoretische Grundlage

2.1 Bausteine der Migrationstheorie

3 Migration vor dem Ersten Weltkrieg und die Schweiz bei Kriegsausbruch
3.1 Migrationssysteme und Migrationskontrollen vor dem Ersten Weltkrieg
3.2 Die Schweiz als Einwanderungs- und Auswanderungsland
3.3 Der Schweizer Tourismus und der Erste Weltkrieg

4 Arbeitsmigration im Ersten Weltkrieg
4.1 Ausländische Arbeitskräfte in der Schweiz
4.2 Schweizer Arbeitskräfte im kriegführenden Ausland
4.3 Synthese: Arbeitsmigration im Krieg

5 Militärische Migration im Ersten Weltkrieg
5.1 Ausländische Deserteure und Refraktäre in der Schweiz
5.2 Militärische Migration von Schweizern im Ausland
5.3 Synthese: Militärische Migration im Krieg

6 Zwangsmigration im Ersten Weltkrieg I: Flucht und Vertreibung – Zuflucht und Schutz
6.1 Die Schweiz als Zufluchtsort: Fluchtmigration mit Ziel Schweiz
6.2 Flucht und Vertreibung von Schweizerinnen und Schweizern im Ausland
6.3 Synthese: Flucht und Vertreibung – Zuflucht und Schutz im Krieg

7 Zwangsmigration im Ersten Weltkrieg II: Verhaftung, Internierung und Ausweisung
7.1 Internierung und Ausweisung von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz
7.2 Verhaftung, Internierung und Ausweisung von Schweizerinnen und Schweizern im Ausland
7.3 Synthese: Verhaftung, Internierung und Ausweisung im Krieg

8 Schlussbetrachtungen
8.1 Migrationstopografie der Schweiz im Krieg
8.2 Epilog

Diese Publikationsreihe umfasst sechs Dissertationen zur Geschichte der Schweiz im Ersten Weltkrieg. Die Arbeiten verbindet ihre transnationale Perspektive, welche auf die vielfältigen Austausch- und Interaktionsprozesse zwischen der Schweiz und den kriegführenden Ländern fokussiert. Obwohl die Folgen des Ersten Weltkriegs für die weitere Entwicklung des Landes ausgesprochen wichtig waren, stand seine Erforschung lange im Schatten des Zweiten Weltkriegs und machte erst nach der Öffnung zahlreicher Archive seit den 1970er-Jahren Fortschritte. Hundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs findet dieser Zeitraum nun auch in der Schweiz die ihm gebührende Aufmerksamkeit.