«Links aufmarschieren»
Aus der Frühgeschichte der Ostschweizer Arbeiterbewegung
Gebunden
2010. 480 Seiten, 50 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-0954-6
CHF 68.00 / EUR 48.00 
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Louis Specker bietet die erste ausführliche und systematische Darstellung der ostschweizerischen Arbeiterbewegung von den Anfängen der Industrialisierung bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Der Begriff «Arbeiterbewegung» wird hier im umfassendsten Sinne verstanden. Zunächst schildert Specker die Lebensumstände und die zunehmende Verelendung weiter Bevölkerungskreise: Dazu gehörten die Handwerker, die durch die Mechanisierung der Arbeitswelt ihre Erwerbsgrundlagen verloren, die Fabrikarbeiter und Fabrikarbeiterinnen, die den Wechselfällen des Lebens und des Marktes zunächst schutzlos preisgegeben waren, sowie die Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen, die den Konkurrenzdruck der Maschinen verstärkt zu spüren bekamen. Anschliessend macht sich der Autor auf die langwierige Suche nach jenen Mitteln, mit deren Hilfe die Arbeiterschaft ihre Situation zu verbessern hoffte. Specker stellt dabei die ganze Palette der damals propagierten Möglichkeiten der Arbeiterselbsthilfe dar: die politische Aktion mit kommunistischen und sozialistischen Zielvorstellungen oder den gewerkschaftlichen Zusammenschluss, der in der Ostschweiz nicht nur unter sozialistischen, sondern auch unter christlichen und liberalen Vorzeichen erfolgt war. Des Weiteren finden die Hilfeleistungen bürgerlicher Philanthropen und die zuweilen abstrusen Ideen schwärmerischer Weltverbesserer gebührende Erwähnung. Erhebliche Erfolge verzeichnete die mittlerweile institutionell gefestigte Arbeiterbewegung gegen Ende der dargestellten Zeitspanne, in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg

Dr. Louis Specker, geboren 1939, wuchs in Rorschach auf, wo er auch die Schulen absolvierte. Nach dem Besuch des kantonalen Lehrerseminars wirkte er einige Jahre als Primarlehrer und studierte anschliessend Geschichte, Philosophie und Germanistik an der Universität Basel. Er schloss sein Studium mit einer Dissertation über den «Weberpfarrer» Howard Eugster-Züst ab.
Anschliessend wirkte er mehrere Jahre als Mittelschullehrer und als Museumsbetreuer. Von 1979 bis 2002 leitete er das Historische Museum St. Gallen.
In zahlreichen Publikationen beschäftigte er sich mit Fragen der Sozial- und der Kulturgeschichte sowie mit der Rorschacher Orts- und Regionalgeschichte. In verschiedenen Zeitschriften erschienen Artikel, welche sich vor allem mit der Entstehung und Entwicklung der Ostschweizer Arbeiterbewegung befassen.

Inhalt
1. Vorwort (Peter Dörflinger)

2. Einleitung

3. Massenarmut und Arbeiterfrage im 19. Jahrhundert
3.1. Die Massenarmut im 19. Jahrhundert
3.2. Die Armut als Skandal
3.3. Die Diskussion um die Massenarmut
3.4. Bekämpfung der Armut – Theorie und Wirklichkeit

4. Zur Geschichte der Industrialisierung in der Ostschweiz
4.1. Die Textilindustrie
4.2. Die Maschinenindustrie und andere Erwerbszweige – Zur Bedeutung der Eisenbahn

5. Über die Entstehung des Arbeiterstands und dessen Lebens- und Arbeitsverhältnisse
in der Ostschweiz
5.1. Wer gehört zum Arbeiterstand?
5.2. Von der Heimarbeit
5.3. Von der Fabrikarbeit

6. Gesetze zum Schutz der Arbeiter
6.1. Kantonale Gesetze für den Arbeiterschutz
6.2. Das erste eidgenössische Fabrikgesetz

7. Die bedrohte Ordnung – Verdächtiges Volk und lästige Leute
7.1. Ausländer sorgen für Unruhe
7.2. Handwerksgesellen ohne Zukunft
7.3. Ein Schneidergeselle namens Wilhelm Weitling macht von sich reden
7.4. Das Gespenst des Kommunismus geht um
7.5. Das soziale Problem findet dank der Handwerker Aufmerksamkeit

8. Die Arbeiterschaft entdeckt ihre Bedürfnisse und organisiert sich
8.1. Von den Grütlianern
8.2. Von den Demokraten
8.3. Die Erste Internationale und der Einfluss der marxistischen Lehre
8.4. Die Internationale und die Ostschweizer Arbeiter
8.5. Die Entstehung und Konsolidierung der Sozialdemokratie
8.6. Die Gewerkschaften: Enstehung und frühe Tätigkeit
8.7. «Mit Dynamit, Dolch und Gift …» – Der Anarchismus in der Ostschweiz
8.8. Für den Ausgleich zwischen den Klassen

9. Die Ostschweizer Arbeiterpresse

10. «Streik überall, es nimmt kein Ende»
10.1. Was ist und was will ein Streik?
10.2. Die Konflikte nehmen zu
10.3. «Unruhen in Rorschach» 1905
10.4. Militär gegen den «inneren Feind»
10.5. Strategien zur Verhinderung von Streiks
10.6. Ein Streik stärkt die Gewerkschaft der Textilarbeiter – Der Konflikt bei Arnold B. Heine in Arbon 1908
10.7. «Die Heimarbeiter werden nicht in Streik treten»
10.8. Die Haltung der Christlichsozialen zum Kampfmittel Streik

11. Selbsthilfe statt Almosen – Die Genossenschaftsbewegung

12. Kirche und Arbeiterschaft
12.1. Allgemeine Bemerkungen
12.2. Der Ostschweizer Katholizismus vor der Arbeiterfrage
12.3. Die katholischen Gesellenvereine
12.4. Fabrikant im Dienst Gottes – Pater Theodosius Florentini
12.5. Auf dem Weg zu einer eigenen Sozialpolitik
12.6. Der Aufstieg der christlichsozialen Bewegung – Johann Baptist Jung und sein Werk
12.7. Das schwierige Verhältnis zu den sozialistischen Richtungen
12.8. Zurück in den Schoss der Konservativen
12.9. Wohltätigkeitseinrichtungen oder raffiniertes Ausbeutungssystem? Die Arbeiterinnenheime

13. «Eine Kulturbewegung im besten Sinn
des Wortes»

Pressestimmen
«Ein unrühmliches und selten erzähltes Kapitel Schweizer Geschichte arbeitet der St. Galler Historiker Louis Specker minutiös auf und schafft damit ein Standardwerk.[…] Zeitgenössische Bilddokumente illustrieren die damaligen Lebensumstände und vereinfachen so auch den historisch wenig Interessierten den Zugang zu dieser Epoche.» Olaf Kühne, Der Arbeitsmarkt

«[…] weil der Autor glänzend und sehr verständlich schreibt. Ein Geschichtsbuch, das ausser der Bereitschaft des aufmerksamen Lesens keine Vorbildung verlangt.» Hans Steiger, P.S.

«Insgesamt ist Speckers Darstellung sehr gelungen. Auf breiter, zum Teil entlegen erschienener Lektüre und Quellenstudium fussend, zeigt der Autor die gesamte Bandbreite linken Denkens und Handelns von 1835 bis 1914 auf.» Fabian Brändle, Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen

«Insgesamt ist dem Autor eine breit angelegte, gut lesbare und auf solider Quellen- und Literaturkenntnis basierende Darstellung gelungen, an der in Zukunft zweifellos nicht mehr vorbeikann, wer sich mit der Ostschweizer Arbeitergeschichte befasst.» Christian Koller, Archiv für Sozialgeschichte

«Speckers Darstellung bietet ein breites und ausdifferenziertes Erzählpanorama der Geschichte der Ostschweizer Arbeiterbewegung und ihrer vielfältigen lokalen Ausprägungen.» Rainer Fattmann, Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte