Reformation als bäuerliche Revolution
Bildersturm, Klosterbesetzungen und Kampf gegen die Leibeigenschaft in Zürich zur Zeit der Reformation (1522–1525)
Gebunden
2010. 504 Seiten, 89 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-0808-2
CHF 68.00 / EUR 44.00 
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Nicht allein im alten Zürcher Rathaus an der Limmat wurde die Reformation gemacht, sondern ebenfalls auf der Zürcher Landschaft. Die städtische und die bäuerliche Reformation verliefen nur zeitweise parallel. Wenn die Meinungen grundlegend auseinandergingen und die Landbevölkerung sich schliesslich sogar gegen den städtischen Rat erhob, setzte dies zwar eine spätmittelalterliche Aufstandstradition fort, gewann aber auch eine neue, zukunftsweisende Qualität. Sollte die neue reformatorische Lehre die Grundlage einer Befreiungstheologie bilden? Oder würde sie umgekehrt der städtischen Herrschaft eine neue Legitimation als «Obrigkeit» über die «Untertanen» liefern?
Diese kulturgeschichtliche Forschungsarbeit entstand aus einem Nationalfondsprojekt zum Thema «Bäuerliche Reformation» an der Universität Bern. Sie liegt nun erstmals als Buch vor. Dem Autor lag daran, die Fülle der Quellen zur «Reformation von unten» in ihrer ganzen Dichte zur Darstellung zu bringen, damit das Material für weitere Analysen zur Verfügung steht.
Inhalt
Teil 1: Bäuerliche Religiosität vor der Reformation

Der Wille zu mehr Religion
Der Wunsch nach der Kirche im Dorf
Kirchtürme, Finanzen und himmlisches Heer
Das Kreuz mit den Priestern
Pfründen, Pfaffen und Zehnten


Teil 2: Bäuerliche Politik und staatliche Autorität vor der Reformation

Päpste, Söldner und französische Gelder
Die Zürcher Bauern als politische Kraft
Leibeigenschaft und ‹Bauernfrage› vor der Reformation?


Teil 3: Die Bauern als Akteure der Reformation

Der frühe Zwingli und die Bauern
Zweifel an der Wirksamkeit der Heiligen und am Fegefeuer
Bibel, Zehnt und ‹räuberische Mönche›
Der Streit um den göttlichen Willen: Die Klageschriften der Chorherren und die Stellungnahme des frühen Zwingli zum Zehnten
Bauernforderungen und Großmünsterreform
Die Zehntenverweigerungen im Sommer 1523
Nervenkrieg (I): Gegnerische Reaktionen der Eidgenossenschaft
Aufruhr und Frömmigkeit: Das Bild des ‹Bauern› zu Beginn der Reformation
Gehorsam oder Widerstand? Zwinglis politische Theologie


Teil 4: Die symbolischen Formen der bäuerlichen Reformation

Zwingli, der Heiligenkult und die Bilderfrage
Die Bilderstürmer von Höngg
Die Verbannung Simon Stumpfs
Bilderdiskussionen in den Dorfgemeinden
Bildersturm und militante Jugend in Zollikon
Phänomenologie des Bildersturms
Bildersturmgegner auf dem Land
Messkritik und Bildersturm – der Doppelangriff auf den Opfergedanken
Das ‹lautere Wort Gottes› – zur Formensprache religiöser Symbolik
Empfindliche Einkommensverluste für die Priester
Erstaunliche Zugkraft des Evangeliums auf dem Lande
Der Kleinkrieg der Bauern um Wunschpriester


Teil 5: Religion und Politik in der bäuerlichen Reformation

Embrach und die evangelische Verheißung neuer Freiheiten
Die Wädenswiler Revolte vom Januar 1524
Der Ittinger Sturm vom 18./19. Juli 1524
Nervenkrieg (II)
Reformationsgegner auf dem Land und die Angst vor einem Krieg
«Wer Ursache gebe zu Aufruhr»: Zum Verhältnis von täuferischer und bäuerlicher Bewegung

Pressestimmen
«Der Autor des umfangreichen Buches legt, gestützt auf schier überbordendes Archivmaterial, die Reformation als bäuerliche Revolution detailreich und lebensnah, erzählend und deutend dar. Die bäuerliche Reformation als eigenständiger Typus ist ein Faktum; hier wird sie lebendig und fassbar.» Horst Buszello

«Nicht in der Stadt, sondern auf der Landschaft sollen die Ideen der Reformation nach 1520 ihre revolutionäre Brisanz erhalten haben. Diesen Schluss zieht Peter Kamber und revidiert das Bild der Zürcher Reformation. Sich auf eine beeindruckende Fülle an Quellen abstützend, zeichnet Kamber anschaulich die Dramaturgie dieser bewegten Tage nach.» Peter Niederhäuser, NZZ

«Es gelingt ihm mit Auszügen aus Predigten, Schriften und Wirtshausgesprächen - die er ‹Transmissionsriemen der Reformation› nennt - die Vorgänge in der frühen Phase der Zürcher Reformation auf der Zücher Landschaft greifbar zu machen.» Patrick Zehnder, Schweizerische ZS für Religions- und Kulturgeschichte

«Die Studie hat die Quellenbasis für die Reformationsgeschichte in der Zürcher Landschaft durch die vorgestellten Akten aus den Staatsarchiven Zürich, Bern, Basel-Stadt, Luzern und Schaffhausen erheblich erweitert.» Johannes Hund, H-Soz-u-Kult

«L'ouvrage de Peter Kamber contribue de façon intéressante à retravailler la problématique de la Réforme populaire.» Damien Seveno, Revue de l'Institut français d'histoire en Allemagne

«Die flüssig geschriebene, reich illustrierte und als ‹Geschichte von unten› konzipierte Studie bietet in dichter Beschreibung eine Gesamtschau der bäuerlichen Reformation auf der Zürcher Landschaft [...].» Archiv für Reformationsgeschichte

«Die Arbeit von Peter Kamber zeugt nicht nur von einer Neubewertung der Bauern unter sozialhistorischen Vorzeichen, sondern zuerst einmal von einer umfangreichen Quellenarbeit vorwiegend im Staatsarchiv Zürich und vermittelt ein lebendiges Bild von den ‹Sturmjahren› der Reformation auf der Zürcher Landschaft.» Christian Scheidegger, Zwingliana

«Die Arbeit lebt von ihrer Quellennähe und -analyse. Selten wurde so viel reformatorischer O-Ton von Bauern und Predigern zusammengestellt. Die ausgedehnten Streifzüge durch Pfrundakten und Verhörprotokolle, Korrespondenzen und Manuale insbesondere des Zürcher Staatsarchivs verleihen den schön erzählten Geschichten eine lebhafte Anschaulichkeit.» Jahrbuch für Regionalgeschichte

«Sehr interessant sind Kambers akribische, dicht beschriebene Rekonstrunktionen der populären Bilderstürme und der Klosterbesetzugnen. […] Mit Gewinn verwendet der Autor neben chronikalischen Quellen auch Gerichtsprotokolle. Er kennt aber auch den Kanon theologischer Texte sehr genau. […] Insgesamt bereichert Peter Kambers umfangreiche Dissertation die Reformationsgeschichte nicht nur der Schweiz. Dem Werk ist daher eine internationale Rezeption zu wünschen.» Fabian Brändle, Schweizerische ZS für Religions- und Kulturgeschichte

«Kamber gelingt ein tiefenscharfes, detailtreues Bild der Turbulenzen der Zürcher Reformation. Packende Leseerlebnisse bietet das Kernstück des Buches, die dichte Beschreibung der gewaltsamen Besetzungen der Klöster Ittingen und Rüti 1524 sowie des Johanniterhauses Bubikon 1525. […] Wenn in zehn Jahren die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Jubiläum des Jahrtausendereignisses anstehen, wird Kambers Werk bestimmt grossen Widerhall finden. Die dann anlaufenden Forschungen werden mit viel Gewinn auf dieses Buch abstellen.» Daniel Schläppi, Historische Zeitschrift