Antiquarische Gesellschaft in Zürich (Hg.)
Pfahlbaufieber
Von Antiquaren, Pfahlbaufischern, Altertümerhändlern und Pfahlbaumythen
Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Band 71
Broschur
2004. 246 Seiten
ISBN 978-3-0340-0672-9
CHF 58.00 / EUR 58.00 
  • Kurztext
  • Einblick
  • In den Medien
  • Buchreihe
Aus Anlass des Jubiläums «150 Jahre Pfahlbauforschung in der Schweiz» und in Anbetracht der Tatsache, dass die Antiquarische Gesellschaft in Zürich vom Pfahlbaupionier Ferdinand Keller gegründet wurde, ist das vorliegende Neujahrsblatt den Anfängen und der Entwicklung dieser Forschungsdisziplin gewidmet.
Die Entdeckung von Pfählen, Steinwerkzeugen, Knochen und Scherben in Obermeilen im Januar 1854 und deren umgehende Deutung durch Ferdinand Keller markieren den Beginn der schweizerischen Pfahlbauforschung. Diese Entdeckung und die Arbeiten Kellers erregten grosses Aufsehen. Plötzlich traten vorgeschichtliche «nationale» Kulturen ins Bewusstsein breiter Bevölkerungskreise, und die noch kaum institutionalisierte Urgeschichtsforschung wurde zu einer europaweit beachteten Studienrichtung.
Dieser Band enthält elf fundierte Beiträge von neun Autorinnen und Autoren. Nebst der eigentlichen archäologischen Entdeckungs- und Wissenschaftsgeschichte stehen deren hauptsächlich beteiligte Akteure und Institutionen im Zentrum. Aber auch der noch nicht behördlich geregelte Umgang mit den Funden sowie die lukrativen Aktivitäten der Antiquare, Pfahlbaufischer, Sammler und Händler werden anhand von Textquellen anschaulich geschildert. In weiteren Beiträgen wird aufgezeigt, wie das «Pfahlbaufieber» in Welt- und Landesausstellungen, im Schulbuch, ja sogar in der Architektur seinen Niederschlag fand. Den Abschluss bilden Einblicke in die Technik der Funddokumentation sowie eine aktuelle Bestandesaufnahme der zürcherischen Seeufersiedlungen.
Artikel
  • Zum Geleit
  • «Ein neuer Kolumbus» – Ferdinand Kellers Entdeckung einer Welt jenseits der Geschichtsschreibung
  • Die Pfahlbauten – Ein neues Fenster in die Vergangenheit
  • Pfahlbautourismus und Pfahlbauentdeckungen im Ausland
  • Von «Pfahlbaufischern» und «Alterthümerhändlern»
  • Antiquare, Pfahlbauten und die Entstehung der urgeschichtlichen Wissenschaft: Die nationale und internationale Ausstrahlung der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich
  • Zur Praxis antiquarisch-prähistorischer Forschung: Die Zirkulation von Artefakten, Wissen und Geld
  • Pfahlbauten auf Reisen: Darstellungen der Pfahlbauzeit an Welt- und Landesausstellungen (1867–1939)
  • Die Pfahlbauer in Schulbuch und Jugendliteratur
  • Le Corbusier im Bann des «Pfahlbau-Fiebers»
  • Archäologie im Bild
  • Die Pfahlbauten – im 3. Jahrtausend nach Chr.

Besprechungen
Pfahlbauten, Stadtansichten, Militaria und Kulturgeschichte Die Stadtzürcher Neujahrsblätter auf das Jahr 2004 Antiquarische Gesellschaft Pfahlbauten - Mythos und Realität rib. Im Januar 1854 traten im Boden des Zürichsees bei Meilen verkohlte Pfähle und Reste durch Menschen angefertigter Geräte aus Knochen zutage. Unverzüglich setzte der Meilemer Lehrer Johannes Aeppli den Altertumsforscher Ferdinand Keller davon in Kenntnis. Die «Überbleibsel menschlicher Thätigkeit», mutmasste er in einem Brief an ihn, seien «geeignet, über den frühesten Zustand der Bewohner unserer Gegend unerwartetes Licht zu verbreiten». Obschon bereits in den vorangegangenen Jahren am Bielersee ähnliche Siedlungsreste entdeckt worden waren, machten die Funde von der Meilemer Haab Epoche. In einer Reihe von Berichten dokumentierte Keller sie und deutete sie als Überreste einer auf Pfählen erbauten Niederlassung von prähistorischen Siedlern, für die er den Begriff «Pfahlbauer» prägte. Die Antiquarische Gesellschaft widmet ihr diesjähriges Neujahrsblatt dem 150-Jahr-Jubiläum der Entdeckung der Pfahlbauten - ein Unternehmen, das nicht allein deshalb sinnvoll ist, weil Ferdinand Keller langjähriger Präsident der Antiquarischen Gesellschaft war. Das Thema ist auch deshalb von Interesse, weil die Forschung in den letzten Jahrzehnten wichtige neue Erkenntnisse über die Seeufersiedlungen gewonnen - und die Pfahlbauten ihrer mythischen Aura etwas beraubt - hat. Anderseits ist die Pfahlbauforschung des 19. Jahrhunderts wissenschaftsgeschichtlich von grossem Interesse. In elf Beiträgen von neun Autoren steckt der Band das Feld ab - von der Forschungsgeschichte über die Arbeit der damaligen Altertumsforscher und Antiquare und die Darstellung der Pfahlbauzeit auf Welt- und Landesausstellungen bis zur Rezeption in Schule und Literatur. Den Nachwirkungen der Pfahlbauidee in Le Corbusiers Architektur geht Adolf Max Vogt nach und rundet damit eine Textsammlung ab, die sachkundig und unterhaltend in ein Kapitel der Altertumswissenschaft einführt, das im anstehenden Jubiläumsjahr «150 Jahre Pfahlbauforschung in der Schweiz» von besonderem Interesse sein dürfte. Pfahlbaufieber. Von Antiquaren, Pfahlbaufischern, Altertümerhändlern und Pfahlbaumythen. Beiträge zu «150 Jahre Pfahlbauforschung in der Schweiz» (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 71). Chronos-Verlag, Zürich 2004. 246 S., zahlreiche Farb.- und Schwarzweissabb. Fr. 50.- (am 2. Januar), danach Fr. 58.-. Publiziert mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung Neue Zürcher Zeitung ZÜRCHER KULTUR Mittwoch, 31.12.2003 Nr.303 50 (c) 1993-2004 Neue Zürcher Zeitung AG Blatt 2

Am Berchtoldstag eines jeden Jahres stellt die Antiquarische Gesellschaft in Zürich ihr Neujahrsblatt vor. Der Band behandelt jeweils ein Thema der Zürcher oder Schweizer Geschichte. Dabei wird häufig jungen Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftlern die Möglichkeit gegeben, mit ihren Forschungsergebnissen an eine breitere Öffentlichkeit zu treten.