Schürzennäherinnen

Die Fabrikantin und die Kriessner «Mädchen»

Gebunden
2012. 3. Auflage 2013.
192 Seiten, 124 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1143-3
CHF 32.00 / EUR 29.00 
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  • Einblick
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Das renommierte Schweizer Prêt-à-porter-Unternehmen Akris wurde 1922 in St. Gallen als Schürzenfabrik gegründet – von Alice Kriemler-Schoch (1896–1972). Vierzehn Tagebücher zeugen vom Alltag der engagierten Fabrikantin, die mitten in der Stadt Hühner hielt und kurz vor ihrem 63. Geburtstag die Fahrprüfung ablegte. Sie erweiterte das Unternehmen zur Kleiderfabrik, lotste es durch die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg – und verteidigte ihre Schürzenproduktion, bis das Schürzentragen aus der Mode kam. Zwischen 1946 und 1966 betrieb Akris eine kleine Schürzennäherei in Kriessern. Wie lebten diese Näherinnen? Wie wuchsen sie auf in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, als das Stadt-Land-Gefälle riesig und die Bildungschancen für Mädchen gering waren? Die Porträts der neun Rheintalerinnen geben Einblick in eine längst vergangene Welt, geprägt durch Kinderarbeit, Marienlieder, Armut und Autoritätsgläubigkeit. Die Mädchen hüteten Kühe und Kinder, stachen Äcker um und ernteten Erbsen. Als junge Frauen nähten sie Schürzen. Den Verdienst gaben sie zu Hause ab, eine Lehre lag nicht drin. Das gemeinsame Nähen im «Büdeli» hat die Kriessnerinnen verbunden. Sie nannten sich «Kriemlera» – nach ihrer Chefin Alice Kriemler-Schoch, die ihrerseits von den Kriessner «Mädchen» sprach. Auch sie war auf einem kinderreichen Bauernhof aufgewachsen und hatte als Schürzennäherin begonnen.

war Übersetzerin, Redaktorin und selbständige PR-Beraterin. Für ihre eindrücklichen Frauenbiografien, die sie seit 1995 publiziert hat, wurde sie mit dem Rheintaler Kulturpreis ausgezeichnet. «Sticken und Beten», «Schürzennäherinnen», «Widerspenstig – zur Sterilisation gedrängt», «Kaffee mit Muttermilch» und «Fani– Ein Dienstmädchenleben» sind breit besprochen worden. Die Autorin ist in Rebstein aufgewachsen, unweit des Textilunternehmens Jacob Rohner, dem sie in ihrem aktuellen Buch auf den Grund geht. Sie lebt und arbeitet in Marbach SG.

«Wer sie gelesen hat, weiss es. Jolanda Spirigs Bücher gehen unter die Haut. […] Sie schaffen Identifikationsnähe mit Menschen, die so ganz anders leben mussten und müssen als man sich dies je auszudenken vermag. […] Jolanda Spirig beschreibt das Leben. Von daher ist sie Journalistin, die mit ihren Werken aber längst im Kreise der Schriftstellerinnen angekommen ist. […] Jolanda Spirig hat eine prägnante, verständliche Sprache. Kurze Sätze, keine Floskeln, präzise Worte. Spannend in ihren Büchern, wie sie ihren Protagonistinnen die eigene Sprache zugesteht.»
Kathrin Hilber anlässlich der Kulturpreisverleihung «Goldiga Törgga» 2012

www.jolandaspirig.ch


Bücher im Chronos Verlag

Inhalt

Klare Konturen

Marie Baumgartner-Langenegger: Hochschwanger mit dem siebten Kind
Melitha Dietsche-Baumgartner: «Schau mir gut zur Mutter»
Anna Wüst-Jocham: Unter Beobachtung
Rösli Lutz-Weder: «Etwas zum Beissen»
Alice Kriemler-Schoch: Die Fabrikantin
Agnes Hutter-Thurnherr: «Man hätte sie verstrupfen lassen»
Anita Hutter-Baumgartner: «Die Trägerschürzen liefen mir am besten»
Marie Lüchinger-Hutter und Irene Benz-Hutter: «Kriessern gesperrt»
Renate Lüchinger-Rohner: «Angstfrei»

Ein Quäntchen Glück


Textauszug

6. 7. 1954: «Schürzenmusterung ist fertig. In Kriessern nähen nun 5–6 Näherinnen Barchent-Kleider u. Blusen, weil zu wenig Schürzen-Nach­bestellungen. Man ist nicht mehr mit d. Schürzen auf die Reise.» Die Schürzenproduktion liegt Alice Kriemler am Herzen. Wird sie vernachlässigt, vertraut sie dies ebenso ihrem Tagebuch an, wie die Genugtuung darüber, dass die Kleiderabteilung mangels eigener Bestellungen Schürzen näht. Sie notiert, wenn die Hausangestellte mit Kündigung droht, weil sie mehr Lohn und eine funktionierende Zentralheizung fordert, wenn sie mit Schwester und Schwager Marthaler die Freisinnige Parteiversammlung besucht und wenn die Walhalla brennt (11. 7. 1955).
,«Da ich erst vierzehneinhalb war, durfte ich vom Arbeitsamt aus noch gar nicht arbeiten. Wenn die Kontrolleure aus Oberriet kamen, versteckte ich mich oben in der Wohnung, damit sie mich nicht sahen. Doch einmal konnte ich ihnen nicht entwischen. Da hiessen sie mich, die Arbeit niederzulegen, und schickten mich nach Hause. Mutter meinte:


Pressestimmen
«Spricht man heute von Akris, denkt man an Glamour, an Michelle Obama, gehüllt in feinste Seide, und unverwechselbaren Purismus. Doch die Anfänge waren ärmlich, und es ist kaum vorstellbar, wie einst blutjunge Landmädchen in einer kalten Stube […] an ihren Maschinen hockten und Schürzen für Akris nähten. Die Autorin Jolanda Spirig macht diese Zeit im kürzlich erschienenen Buch ‹Schürzennäherinnen› lebendig und bringt einem die damaligen Umstände auf einer persönlichen Ebene näher.» Sarah Rüegger, Tages-Anzeiger

«Jolanda Spirig ist eine brillante Erzählerin. Sie greift Alltagsgeschichten auf, Themen, die in Vergessenheit geraten, verdrängt sind. Sie schlägt eine Brücke von der Vergangenheit zum Jetzt. Die Leserschaft lässt sich gerne ein, ihr Buch zur Hand zu nehmen. […] Unbekannte Frauen bekommen auf einmal eine Stimme. Die Autorin zeichnet ein eindrückliches Bild aus dem Alltag im 20. Jahrhundert.» Elke Baliarda, ostschweizerinnen.ch

«Das Ergebnis: Ein eindrückliches Bild aus dem bäuerlichen und kleinbürgerlichen Frauenleben dieser Zeit.» Helga Schabel, anzeiger – Das Ostschweizer Wochenmagazin

«Ich habe dieses Buch in einem Zack gelesen. Ich konnte nicht mehr aufhören.» Charlotte von Känel, Radio Lora